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Kündigen Sie nicht Ihren Job bevor Sie Poker anfangen zu spielen


Wenn Sie darüber nachdenken, Vollzeit-Profi zu werden, vergessen Sie es. Behalten Sie aus folgenden Gründen Ihren Job:
1. Vermutlich scheitern Sie.
2. Es bringt nur wenig Geld ein und hat keine Zukunft.
3. Es ist extrem ungesund.
4. Es ist ein trostloses Leben.
5. Es ist ein großartiger „Nebenverdienst“.

Grund Nr. 1: Vermutlich scheitern Sie. Die meisten Möchtegerne scheitern, weil sie nicht alle Qualifikationen besitzen. Wenn Sie kein ausgezeichneter Spieler mit einer großen Bankroll und extrem stark ausgeprägter Disziplin sind, haben Sie keine Chance. Außerdem benötigen Sie eine angeborene Gelassenheit, mit den unvermeidlichen, langen Verlustperioden, der öffentlichen Verachtung den Profis gegenüber und der unausweichlichen Einsamkeit fertig zu werden. Selbst wenn Sie die Spielstärke und die Bankroll besitzen, schaffen Sie es vermutlich nicht.

Viele große Spieler haben andere Einkommensquellen oder ergänzen ihre Pokergewinne mit anderen Einkünften. Glauben Sie ernsthaft, Sie könnten Poker in Vollzeit betreiben, wenn sogar diese Spieler ihre Gewinne beim Poker anderweitig aufstocken müssen?

Grund Nr. 2: Es bringt nur wenig Geld ein und hat keine Zukunft. Profis erleben großartige Abende oder Wochen, aber ihr Jahreseinkommen und ihre stündlichen „Einkommen“ sind kaum nennenswert. Hayano, Sklansky und Malmuth haben herausgefunden, dass ein sehr guter Profi in einer Partie mit mittelhohen Einsätzen im Durchschnitt ungefähr eine Big Bet pro Stunde verdienen kann, auf höheren Limits weniger. Die unvermeidlichen Verluste senken den Durchschnittsverdienst.

Diese 20 $ oder mehr pro Stunde sind ein hübscher Ausgleich dafür, dass man sich ein bisschen Spaß gönnt, aber es ist viel weniger, als Sie in den meisten hochqualifizierten Jobs verdienen können. Wenn Sie intelligent und diszipliniert genug sind, um ein ausgezeichneter Spieler zu sein, können Sie mit etwas anderem vermutlich mehr Geld verdienen. Aber was ist mit den Spitzenspielern, die bei großen Turnieren gewinnen? Zum einen gewinnen sie selten das gesamte Preisgeld, das groß in der Zeitung steht. Sie müssen Anteile verkaufen oder brauchen Sponsoren, weil sie nicht genug Geld für ihre eigene Bankroll zusammenbekommen.

Zum anderen sind sie zwar die besten Spieler der Welt, aber ihre Einkommen sind verglichen mit ihresgleichen in anderen Sportarten zu vernachlässigen. Ein durchschnittlicher Spieler in der NBA oder auf dem PGA-Circuit verdient mehr als die besten Pokerspieler und Tiger Woods verdient mehr als die besten zwanzig Pokerspieler zusammen. Die besten Spieler in den meisten Casinos verdienen viel weniger als ein Arzt, Anwalt oder Geschäftsführer. Möglicherweise gewinnen sie an manchen Abenden Tausende oder sogar Zehntausende von Dollars, müssen aber auch Abende oder Wochen hinnehmen, an denen sie verlieren. Das Nettoeinkommen ist in der Regel nicht mehr als Kleingeld und kaum einer der Vollzeit-Spieler kann es sich leisten, sich zur Ruhe zu setzen.

Hayano hat mit seinen Studien herausgefunden, dass kein Vollzeit- Profi älter als 43 Jahre ist. In dem Alter, in dem andere Menschen sich in ihren Berufen etablieren, müssen sie sich nach einem neuen umschauen. Sicher, Doyle Brunson und ein paar andere Spieler sind groß herausgekommen und bleiben bei der Stange, aber auf jeden von ihnen kommen Hunderte andere, die zwar stark spielen, aber pleite gehen. Falls Sie das nicht glauben, schauen Sie sich doch einmal in den Casinos um. Sie werden ehemalige Highroller sehen, die sich an den Tischen mit winzigen Einsätzen drängeln oder in unterbezahlten Jobs arbeiten, um das nächste Buy-In bezahlen zu können.

Grund Nr. 3: Es ist extrem ungesund. Dieser Lebensstil ist geradezu ein „Rezept“ für Herzanfälle und andere scheußliche Folgen. Nahezu jeder Vollzeit-Spieler sitzt ohne nennenswerte Bewegung und mit ständig falscher Ernährung viel zu lange auf unbequemen Stühlen in verrauchten Räumen.

Grund Nr. 4: Es ist ein trostloses Leben. Es klingt natürlich attraktiv – spielen, wann man will, ohne Boss, der einem das Leben schwer macht, und bis Mittags schlafen -, aber die Realität ist weitaus trostloser. Professor Habano hat herausgefunden, dass die meisten Profispieler ein zusätzliches Einkommen aus einer Arbeit, Pension, einem Fonds, Unterhalt oder einer anderen Quelle benötigen. Das unzuverlässige Einkommen als Vollzeit-Profi reicht nicht aus.

Hayanos Buch basiert auf Erfahrungen aus Casinos in Süd-Kalifornien in den 70er-Jahren. Damals war Poker ausschließlich in den Casinos in Kalifornien und Nevada legal, wobei sich das in Kalifornien auf Draw- Poker beschränkte. Heutzutage kann man in Dutzenden von Staaten viele Pokervarianten spielen und es ist vermutlich einfacher, damit seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Aber die finanziellen Realitäten sind immer noch schwieriger, als Sie vielleicht glauben.

Aber nicht nur die Finanzen sind trostlos, das gesamte Leben ist es. Alvarez schrieb über die größten Highroller überhaupt, die Spieler, die bei der WSOP mitmachen. Ein paar von ihnen leben in schönen Häusern, besitzen schicke Autos und andere teure Spielzeuge, aber selbst die großen Gewinnerführen ein erbärmliches Leben.
Sie spielen Poker, essen (oft direkt am Tisch), schlafen und spielen dann wieder Poker. Sie spielen bisweilen mehr als 24 Stunden am Stück, wobei 16 Stunden an der Tagesordnung sind. Wenn irgendein Boss darauf bestehen würde, dass Sie so lange arbeiten, dabei widerliches Zeug essen, auf einem unbequemen Stuhl in einem total verrauchten Raum sitzen müssen, ohne finanzielle Sicherheiten und Vergünstigungen, würden Sie gegen diese „unfairen Arbeitsbedingungen“ auf die Barrikaden gehen.
Und Poker würde Ihnen nicht annähernd so viel Spaß machen!

Ein früherer Vollzeit-Spieler hat einmal gesagt:
„Wenn ich gewinnen müsste, um meine Rechnungen bezahlen zu können, wäre ich gezwungen zu spielen, ob ich will oder nicht. Auch dann, wenn ich lieber etwas mit meiner Familie unternehmen würde, mir die Partie nicht zusagt oder ich mich ganz einfach nicht danach fühle. Ich liebe Poker, aber als Vollzeit-Job ist es langweilig und trostlos.“

Grund Nr. 5: Es ist ein großartiger „Nebenverdienst“. Viele Menschen stocken ihr Einkommen mit Poker auf. Diese Spieler tummeln sich auf allen Ebenen und können keinem bestimmten Alter zugeordnet werden. Vielen Rentnern fällt es zum Beispiel schwer, ihre Freizeit auszufüllen. Wenn sie 40 Stunden pro Woche spielen und dabei 300 $ verdienen, beklagen sie sich nicht über diesen geringen „Lohn“. Sie sind froh, die Woche über die Runden gebracht und einen kleinen Profit gemacht zu haben. Andere spielen auf viel höheren Limits und gewinnen viel mehr Geld. Deren stündliche Gewinnrate ist oftmals höher als bei besseren Spielern, weil sie ihre Partien besser auswählen. Solch ein Spieler kann pro Stunde viel mehr gewinnen als jemand, der zwar die besseren Fähigkeiten besitzt, aber seine Partien nicht so sorgsam auswählt.

Tatsächlich gestattet die Möglichkeit auszuwählen einigen von ihnen das Überleben. Wie es Malmuth ausgedrückt hat: „Ironischerweise spielen viele, die sich für großartig halten, in Wirklichkeit leidlich gut. Wenn sie die Partien herausfänden, die für sie am besten geeignet sind, wären sie erfolgreich.“ Teilzeit-Spieler können Dealer, Friseur, Rechtsanwalt, Kellner oder was auch immer sein. Sie spielen gut, aber nicht gut genug, um sich als Vollzeit-Profi über Wasser halten zu können – oder sie wollen mehr Sicherheit und ein abwechslungsreicheres Leben. Sie haben einen normalen Beruf und fühlen sich diesem vielleicht sogar verpflichtet. Sie spielen, wenn ihnen danach ist, auf einem Level, der ihnen zusagt, und sie können ihre Gewinne nach Wunsch ausgeben. Hört sich gut an.