Gegenstrategien bei tight-aggressive Pokerspielern – detailliertere Information

Wie zuvor auch geht es in diesem Abschnitt um das Abwägen von drei Entscheidungen:
1. Sollten Sie sich mit ihm anlegen?
2. Wo sollten Sie sitzen?
3. Auf welche Weise sollten Sie Ihre Strategie angleichen?

Sollten Sie sich mit ihm anlegen?
Was sollten Sie tun, wenn ein TAG sich an Ihren Tisch setzt? Die Antwort ist leicht: Gehen Sie ihm aus dem Weg. Wenn Ihnen die restliche Gegnerschaft angenehm ist, bleiben Sie am Tisch, vermeiden aber möglichst die Konfrontation mit diesem Spieler und agieren viel tighter und vorsichtiger, wenn er im Pot ist. Möglicherweise ist er für Sie zu stark. Es könnte Spaß machen, mit ihm zu spielen, aber er wird im Vorteil sein, was Sie vermutlich Geld kosten wird – vielleicht nur ein paar Dollar, vielleicht aber auch mehr. Haben Sie Glück, gewinnen Sie vielleicht, aber wahrscheinlich nicht viel.

Es gibt nur drei Gründe, mit einem TAG zu spielen:
1. Die übrige Gegnerschaft ist schwach. Sitzen mehrere schlechte Spieler mit am Tisch, sollten Sie sicherlich weiterspielen. Der TAG wird sich nicht an vielen Pots beteiligen und Sie können die anderen schlagen.
2. Sie wollen sich selbst testen beziehungsweise fordern. Sie können aus reiner Freude an der Sache an sich – nämlich um zu sehen, wie Sie sich gegen den anspruchsvollsten Spielstil schlagen – dabeibleiben. Machen Sie dies, wenn Ihnen das Geld nicht wichtig ist und Sie die Herausforderung lieben.

Sie könnten sich auch mit dem Gedanken beschäftigen, eine Stufe aufzusteigen, sagen wir von 10$/ 20 $ auf 20 $/40 $ oder höher. In der Regel werden die Partien mit zunehmenden Einsätzen anspruchsvoller. Die Spieler sind stärker, tighter und aggressiver. Je höher Sie aufsteigen, desto weniger Spieler sehen den Flop oder die vierte Straße (beim Stud), desto weniger Spieler bleiben bis zum Showdown dabei und desto häufiger wird in jeder Setzrunde geraist. Auf Ihrem momentanen Level mit einem oder zwei TAGs zu spielen, ist eine ziemlich billige Möglichkeit, um zu erkennen, ob Sie bereit für eine höhere Stufe sind. Wenn Sie trotz des Vorteils mehrerer schwächerer Spieler nicht gewinnen können, bleiben Sie, wo Sie sind.

3. Sie möchten von diesen Spielern lernen. Das Erlernen jedes Spiels kostet Geld und Sie zahlen möglicherweise hohe Beträge für Tennisoder Golfstunden. Pokerspieler beschäftigen selten einen Trainer, aber zahlen für Unterricht. Wollen Sie sich verbessern, zahlen Sie den stärkeren Spielern eine „Gebühr“. Beobachten Sie diese Spieler eingehend. Wann betten, callen, raisen oder folden sie? Wo sitzen sie? Wie teilen sie sich mit? Was machen sie, wenn sie nicht mitspielen? Fragen Sie: Warum hast Du geraist? Welche Hand hast Du bei Charlie erwartet? Was denkst Du über Sheryls Spiel ein paar Hände zuvor? Fragen Sie ihn nicht aus oder nehmen Sie ihn nicht ins Kreuzverhör, sondern erkundigen Sie sich bei ihm über das Spiel der anderen. Sie können aus diesen Gesprächen eine Menge lernen, nicht nur am Tisch, sondern auch, während Sie auf einen Platz warten.

Einige TAGs werden Ihrem Versuch, hinter ihre Gedanken zu kommen, eine Abfuhr erteilen, aber einige werden Ihnen wertvolle Einsichten liefern. Viele Menschen finden Gefallen an der Guru-Rolle. Wenn Sie aus der Konfrontation mit diesen Spielern lernen wollen, sollten Sie dies in Partien tun, in denen Sie eine Gewinnchance haben, also an Tischen mit mehreren schwachen Spielern. Wollen Sie für Ihre Unterrichtsstunden nicht gerade einen hohen Preis zahlen, sollten Sie sich von Tischen voller „Haie“ fernhalten.

Seien Sie gegen einen TAG äußerst vorsichtig, ungeachtet dessen, wie leicht die anderen Spieler zu schlagen sind. Gehen Sie ihm aus dem Weg, wann immer das möglich ist. Befindet er sich im Pot, sollten Sie nur mit überdurchschnittlichen Händen spielen. Vermeiden Sie Heads- Up-Situationen. Haben Sie Zweifel, lassen Sie es lieber sein. Lernen Sie von dem besseren Spieler, aber halten Sie die Gebühr möglichst niedrig, indem Sie Konfrontationen mit ihm vermeiden.

Wo sollten Sie sitzen?
Sie sollten sich am besten immer zur Linken eines TAGs setzen. Diese Regel gilt bei jedem aggressiven Gegner, egal ob er loose, tight oder etwas dazwischen ist. Befinden sich zwei aggressive Spieler am Tisch, von denen der eine tight und der andere loose agiert, fällt die richtige Platzwahl schwer – über diese Frage könnte man endlos diskutieren. Ich werde lediglich die Auswirkungen beschreiben, wenn TAGs zu Ihrer Linken sitzen, und Sie selbst Ihre Rückschlüsse daraus ziehen lassen. Dabei wird vorausgesetzt, dass Sie über deren Intentionen noch keine Informationen besitzen.

Wenn der loose-aggressive Spieler zu Ihrer Linken sitzt:
• Sie werden weitaus häufiger geraist, weil er auch mit schwachen Blättern raist.
• Sie werden vermutlich weitaus häufiger seine Raises callen, weil Sie weniger zu befürchten haben. Sie könnten auch mit marginalen Händen (mit denen Sie bei einem TAG zu Ihrer Linken auf keinen Fall spielen würden) seine Raises callen. Möglicherweise verlieren Sie dann viel Geld mit Händen, mit denen Sie auf keinen Fall hätten spielen sollen.
• Sie können weitaus leichtherziger slow spielen und checkraisen, weil der LAG mit viel schwächeren Händen bettet oder raist.
• Sie werden weitaus häufiger geblufft. Dies geschieht jedoch auf eine eher ungeschickte Weise, weshalb Sie nicht nur öfter callen sollten – die Entscheidung fällt auch leichter.
• Sie unterliegen viel größeren Schwankungen. Haben Sie Glück, gewinnen Sie mehr – läuft es aber nicht so gut, verlieren Sie auch mehr.
Wenn aber der tight-aggressive Spieler zu Ihrer Linken sitzt:
• Sie werden weitaus seltener geraist, weil er in dieser Position nur mit einer guten Hand raist.
• Sie werden vermutlich seltener seine Raises callen, weil Sie bei ihm von einer guten Hand ausgehen können. Sie könnten mit marginalen Händen folden, womit Sie Ihre Verluste klein halten.
• Sie können nicht so leichtherzig beziehungsweise so oft slow spielen und checkraisen, weil der TAG sich der Stärke Ihrer Hand bewusster ist.
• Sie werden seltener geblufft. Dies geschieht jedoch auf eine geschicktere Weise, weshalb Sie nicht nur seltener callen sollten – die Entscheidung fällt auch schwieriger.
• Sie unterliegen kleineren Schwankungen, werden aber im Lauf der Zeit vermutlich mehr verlieren. LAGs sind Verlierer, aber TAGs sind Gewinner – und diesem stärksten Spieler geben Sie dann auch noch den zusätzlichen Vorteil der Position. Sie können einen LAG vielleicht auch dann schlagen, wenn er Position auf Sie besitzt, aber der TAG hat gegenüber Ihnen einen Vorteil – und der ist noch größer, wenn er den Vorteil der Position innehat.

Sie wollen am liebsten weder den einen noch den anderen Spielertyp zur Linken haben. Haben Sie die Wahl, denken Sie gewissenhaft nach und merken Sie sich beim Dealer für einen Platzwechsel vor. Setzen Sie sich so bald wie möglich auf einen besseren Platz.

Auf welche Weise sollten Sie Ihre Strategie angleichen?
Diese Konzepte sind schwierig, aber auch unerlässlich, weil diese
Spieler derart starke Gegner sind.

Konzept Nr. 1: Spielen Sie nur, wenn Sie voll und ganz auf der Höhe sind. Dieser Punkt steht im Zusammenhang mit dem allgemein gültigen Ratschlag, einem TAG aus dem Weg zu gehen. Da diese Spieler so stark sind, sollten Sie nicht gegen sie antreten, wenn Sie auch nur latent am Durchdrehen, abgelenkt oder knapp an Chips sind – oder wenn irgendetwas anderes Ihr Spiel negativ beeinflusst. Sie würden auch nicht mit einer Grippe oder Rückenschmerzen gegen den Golf- Champion um Geld spielen; das gleiche Prinzip gilt beim Poker.

Konzept Nr. 2: Gestalten Sie Ihr Spiel abwechslungsreich. Berechenbarkeit ist immer eine Schwäche, aber gegen diese Spieler kann sie tödlich sein. TAGs analysieren die Hände gut und werden bei jeder sich bietenden Gelegenheit aggressiv vorgehen. Wenn Sie Ihr Spiel nicht abwechslungsreich gestalten, werden TAGs Sie bald richtig analysieren und unbarmherzig schlagen. Außerdem sollten Sie Ihre Spielweise eher auf Zufallsbasis abwechseln, als versuchen, Ihr Urteilsvermögen gegen jemanden in die Waagschale zu werfen, der ein besser ausgeprägtes hat. (Mehr dazu in den Poker-Artikeln über die Spieltheorie in den Poker-Portalen Getting The Best of It und The Theory of Poker, beide von David Sklansky.)

Konzept Nr. 3: Machen Sie weniger reine Bluffs, aber seien Sie zu Semi-Bluffs bereit. Es ist in der Regel leichter, gute Spieler zu bluffen als schlechte, aber TAGs studieren ihre Gegner intensiv. Sie erkennen die Verhaltensmuster und besitzen genug Vertrauen in ihre Fähigkeiten, um auch zu einem Call mit schwachen Händen in der Lage zu sein. Natürlich ist dies nur ein allgemeines Prinzip. Vielleicht kann dieser bestimmte TAG Sie nicht durchschauen. Testen Sie dies einige Male und befolgen Sie die Richtlinien für das Bluffen von TPAs. Bluffen Sie zum Beispiel frühzeitig, wenn auf dem Board nur niedrige Karten liegen, da diese Spieler nicht dazu neigen, solche zu spielen. Wenn Ihr Bluff funktioniert – prima! Wenn nicht, sind Sie gewarnt.

Konzept Nr. 4: Mit marginalen Händen sollten Sie nicht For Value betten. Dafür gibt es vier Gründe. Erstens würde ein TAG nicht ohne eine gute Hand mitspielen und es ist gut möglich, dass er Sie geschlagen hat. Zweitens wird er mit einer besseren Hand vermutlich raisen. Drittens wird er wahrscheinlich folden, wenn Sie ihn geschlagen
haben. Viertens sind TAGs zu Manövern in der Lage, die Sie zu Fehlern verleiten. Sie sparen auf lange Sicht Geld, wenn Sie mit grenzwertigen Händen checken.

Konzept Nr. 5: Raisen Sie nur mit einer großartigen Hand. Die gleiche Logik wie zuvor gilt für Raises. Der TAG hat Sie möglicherweise geschlagen und könnte reraisen. Wenn Sie ihn geschlagen haben, wird er häufig folden. Befolgen Sie die Regeln, die für einen Rock gelten, aber seien Sie wegen der Gefahr eines Reraise sogar noch vorsichtiger.

Konzept Nr. 6: Checkraisen Sie seltener, besonders in der letzten Setzrunde. Da diese Spieler tight sind, checken sie nach Ihnen vermutlich ebenfalls. Betten diese Spieler, sind Sie vermutlich geschlagen. Im schlimmsten Fall reraisen TAGs, wenn Sie nach deren Bet raisen, aber die schlechtere Hand haben, und folden, wenn dies nicht der Fall ist. Deshalb ist es in der Regel besser, mit den meisten guten Händen erst am Ende die Initiative zu übernehmen.

Konzept Nr. 7: Versuchen Sie nicht, die Blinds von TAGs zu stehlen.
Da TAGs ihre Blinds nicht übermäßig stark verteidigen, führen Steals häufig zum Erfolg. Läuft es jedoch schief, kann es ziemlich kostspielig werden, besonders wenn Sie im Small Blind sitzen (da der Big Blind dann Position auf Sie besitzt). Callt er, spielen Sie mit schlechten Karten gegen den stärksten Kontrahenten Heads-Up, der dann auch noch Position hat. Das ist die ungünstigste Situation. Außerdem erkennt der TAG, dass Sie in Late Position agieren, und ist bereit, auch mit einigen „marginalen“ Händen zu reraisen.

Sitzt der TAG unmittelbar zu Ihrer Linken, sollten Sie ihm vorschlagen, die „Blinds zu teilen“ (jeder Spieler nimmt seine Einsätze zurück). Dieses Teilen ist besonders bei Partien mit Rake erstrebenswert – und ziemlich gebräuchlich. Warten Sie nicht, bis sich die Situation ergibt, sondern sprechen Sie das im Vorhinein ab. Sie wollen sich mit keinem Spieler zu Ihrer Linken anlegen, aber einen dort sitzenden starken Gegner zu provozieren bedeutet wirklichen Ärger. Brauchen Sie noch eine Zugabe? Wollen Sie vielleicht Mike Tyson zu einem Wettkampf im Ohrenbeißen herausfordern?