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Den Pot abschöpfen und Erfrischungen mitbringen – Texas Holdem

Leute, die Heimrunden veranstalten, werden das nicht aus lauter Menschenfreundlichkeit tun, sondern in der Regel etwas dafür verlangen. Manchmal ist es nicht mehr als Hilfe beim Aufräumen und Saubermachen nach dem Spiel. (Was Sie natürlich sofort tun werden, richtig? Richtig?) Andere Gastgeber verlangen mehr.

Manche Betreiber von Heimrunden wollen ihre eigene Form von Taxe erheben und nehmen aus dem Pot einen Betrag heraus – sie schöpfen ihn ab. Hier wird es etwas kitzlig (nicht nur, weil damit eine Profitorientierung verbunden ist, die nach deutschem Strafrecht – in Kombination mit illegalem Glücksspiel – noch unsanfter bestraft wird). Sie müssen daher etwas mehr darüber wissen.

Gutes Abschöpfen
In manchen Heimrunden sorgt der Gastgeber für Getränke und Snacks und nimmt dazu aus jedem größeren Pot einen kleinen Betrag, bis seine Auslagen abgedeckt sind. Damit habe ich kein Problem, es ist eine faire und ausgleichende Methode, die Kosten zu decken – dem Gewinner macht es nichts aus, ein oder zwei Chips aus einem großen Pot abzugeben, und die Verlierer sehen ihr Geld eh’ davonmarschieren. Das Abschöpfen sollte natürlich auf die tatsächliche Kostendeckung beschränkt sein (ich pflegte in einer Partie zu spielen, wo der Veranstalter immer etwas mehr nahm, wenn er verlor – in der Regel akzeptiere ich solche Praktiken nicht, aber das Spiel war derart lukrativ, dass es mir egal war). Wenn ein Spiel abgeschöpft wird, brauchen Sie sich keinen Proviant mitzubringen, Oder, wenn Sie es doch tun, verlangen Sie, dass die Veranstalter Ihnen hin und wieder einen Chip rüberwerfen.

Razzia
Mitte der Neunzigerjahre des 20. Jahrhunderts (ja, auch damals wurde schon gepokert) existierte in der Nähe des malerischen Heidelberg ein kleiner, feiner, aber illegaler Pokerclub mit dem bezeichnenden Namen Poker Paradise. Im Obergeschoss eines Hauses in einem Gewerbegebiet standen in verschiedenen Räumen insgesamt fünf Pokertische. Dort konnte man zu unterschiedlichen Einsätzen seinem verwerflichen Hobby frönen. Der Club war jedes Wochenende brechend voll, es wurde rund um die Uhr gespielt und dabei ging es – wie die Spieler einvernehmlich bestätigten – sehr fair und korrekt zu. Die Taxe war niedrig, Drinks und Snacks waren für Spieler gratis, jeder fühlte sich dort wohl und weder Spieler noch Veranstalter schienen irgendwelches Unrechtsbewusstsein zu verspüren (und das, obwohl keine Steuern abgeführt wurden …).

Es war nahezu idyllisch und der Club florierte über ein Jahr. Leider war er – nun ja – illegal und im Laufe der Zeit machte der Betreiber einige Fehler, die von schreiender Naivität zeugten:
✓ Über den Club wurde in der amerikanischen Fachzeitschrift Card Player berichtet und geworben, als handele es sich um einen legalen Pokerbetrieb. Allerdings war das Fachmagazin damals bei weitem noch nicht so verbreitet wie heute.

✓ In den Spielbanken der Umgebung war es ein offenes Geheimnis, dass man im Poker Paradise preiswerter spielen konnte und die Drinks dazu auch noch gratis bekam. Wer die Pokerspieler dort angesprochen hatte, um sie abzuwerben, war lange Gegenstand wilder Spekulationen. Immerhin war der Clubbetreiber Stammgast in den Spielbanken (später wurde er eigenartigerweise gesperrt).

Es kam, wie es kommen musste: Die Behörden bekamen Wind von der Sache. Der Club wurde über Wochen observiert, Autonummern der Besucher wurden notiert, Beweisfotos geschossen. Eines Abends wurden die pokernden Clubbesucher von einem lauten Krachen der verschlossenen Eingangstür im Erdgeschoss in ihrer Passion gestört. Binnen Sekunden war ein Sondereinsatzkommando vermummter Polizeibeamter im Raum. Mit der Waffe im Anschlag postierte sich ein Beamter hinter jedem anwesenden Spieler.

Dann folgte das Übliche: Feststellen der Personalien und Beschlagnahme des Spielkapitals aller Teilnehmer. Wochen später kam es zu Vernehmungen durch die Kriminalpolizei. Noch mehr Wochen später wurde eine Gerichtsverhandlung anberaumt. Sie fand allerdings nie statt. Gegen Zahlung von 500 DM pro Angeklagtem an gemeinnützige Projekte wurden die Verfahren eingestellt. Der Veranstalter musste allerdings einen viel höheren Betrag zahlen. Die Taxe war deutlich über der der Spielbanken.

Schlechtes Ab schöpfen
Bei der anderen Form der Taxierung nimmt der Heimrundenveranstalter ab einer bestimmten Größe aus jedem Pot einen kleinen Betrag. Und jetzt wird es gefährlich, denn aus der Heimrunde ist ein illegaler Kartenclub geworden. Abgesehen von der erodierenden Wirkung der Taxe auf das Gesamtkapital der Spieler (es fließt ständig etwas ab) gehen Sie jetzt auch ein gewisses strafrechtliches Risiko ein. Wenn eine solche Runde von der Polizei ausgehoben wird, bekommen Sie es mit dem Staatsanwalt zu tun. Zwar sind die Behörden in erster Linie hinter den Veranstaltern her und nicht so sehr hinter den Teilnehmern, so wird doch das Bargeld und der Gegenwert der Chips als Beweismittel beschlagnahmt. Insgesamt ist eine solche Razzia sehr unangenehm. Und dann gibt es natürlich noch die Möglichkeit, dass die Razzia ein getarnter Raubüberfall ist …

Falls Sie es noch nicht bemerkt haben, Sie sollten nicht in einer Heimrunde spielen, wo die Pötte profitorientiert abgeschöpft werden. Das persönliche Risiko ist zu hoch und aus irgendwelchen Gründen findet man an solchen Orten auch immer andere Formen von Frevel wie Drogen, Prostitution und so weiter. In Spielfilmen sieht das immer sehr cool aus, aber Sie sollten wirklich darüber nachdenken, wie sich die folgende Frage für Sie anhört: Erzählen Sie bitte dem Gericht, wie …

Erfrischungen mitbringen
Immer wenn Sie in einer Heimrunde spielen und besonders, wenn Sie dort neu sind, sollten Sie genug Snacks und Getränke mitbringen – auch um anderen etwas anbieten zu können. Achten Sie bei den Snacks darauf, dass es weder fettig (Kartoffelchips) oder klebrig (Gummibären) ist, da sonst die Karten zu schnell verschmutzt werden. Wählen Sie wiederverschließbare Verpackungen, damit Sie die Sachen unter Umständen einpacken können, wenn etwas übrig bleibt. Vermeiden Sie Alkohol, wenn Ihr Hauptziel darin besteht, etwas Geld zu machen, aber halten Sie Koffeindrinks bereit, damit Sie wach bleiben.