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Das Bluffen im Spiel bringt doch viel – neue Pokerstrategien lernen

Von einem Bluff sprechen wir, wenn ein Spieler einen Einsatz erbringt oder eine Erhöhung vornimmt in der Annahme, über das schlechtere Blatt zu verfügen, und in der Absicht, durch das Vorgeben eines guten Blattes den oder die Gegner zum Passen zu veranlassen.
Es gibt zwei unterschiedliche Gründe, warum geblufft wird:
■ Der Spieler möchte den Pot gewinnen, ohne über entsprechende Karten zu verfügen.
■ Der Spieler möchte seinen Gegnern zeigen, dass er nicht immer, wenn er setzt oder erhöht, auch über ein gutes Blatt verfügt.

So sehr Bluffs mit größter Vorsicht anzuwenden sind, so notwendig sind sie aber auch für das Maximieren des Profits. Natürlich ist der richtige Zeitpunkt dafür von absoluter Wichtigkeit. Sind Sie an einem Tisch als häufiger Bluffer bekannt geworden, dann genießen Sie zwar den Vorteil, dass man oft auch dann mitgehen wird, wenn Sie das Gewinnblatt in der Hand halten, doch passen werden die Gegner meist nur dann, wenn sie selbst so schlechte Karten haben, dass sie in jedem Fall verlieren würden.

Auf aktiv/lockeren Tischen, obwohl es manche Spieler immer und immer wieder probieren, gehen Bluffs meist schief! Sie müssen sich vor Augen halten, dass der einzelne Einsatz auf limitierten Tischen, als Bruchteil des Pots, über keine abschreckende Wirkung verfügt. Liegen $ 50 und mehr im Pot, dann scheint ein weiterer Einsatz von bloß $ 4 meist das Risiko wert. Immerhin, bei diesem Verhältnis genügt es, jedes zehnte Mal den Gewinn einzustreichen! Das gilt natürlich für den Bluffer selbst ebenso wie für den, der den Bluff aufzudecken versucht!

Naturgemäß gilt: Je mehr Spieler im Pot sind, desto geringer ist die Chance, dass alle passen. Obwohl es auch hier oft Ausnahmen gibt, so gehen wir grundsätzlich einmal davon aus, dass es nicht mehr als ein, maximal zwei Spieler sein sollten, die wir verschrecken wollen. Nehmen wir eine klassische Möglichkeit für einen sinnvollen Bluff:

Am Tisch liegt: 3♥ – Q♥ – 4♠ – 10♥ – 5♥
Sie halten K♠ – Q♣ in der Hand, ein Spieler ist im Pot und bringt einen Einsatz.

Die Frage, die sich stellt, ist natürlich die, ob er ein Herz hat oder nicht! Ist dieser Gegner ein verhaltener Spieler, so könnte er gerade diese einladende Situation zu einem Bluff nützen. Bis zu diesem Zeitpunkt ist er noch bei keinem einzigen erwischt worden. Blufft dieser Spieler jedoch häufig, so erleichtert sich die Sache um nichts. Letztendlich ist die Wahrscheinlichkeit auf ein Herz entsprechend groß – und endlich könnte er seine Reputation gewinnbringend nutzen.

Auch ob er zuvor aggressiv war oder nicht, hilft bei der Entscheidung sehr wenig. Er könnte über A – K oder A – 3 beliebiger Farbe verfügen. Auch könnte er eine Q mit niedrigerem Kicker halten!
Oder hat er doch das Herz?

Ist der Pot hoch, sollte die Wahrscheinlichkeit des Bluffs eigentlich geringer sein, müsste er doch davon ausgehen, dass Sie auf jeden Fall mitgehen! Oder geht er schlicht davon aus, dass Sie denken, dass er so denkt?

Ist der Pot niedrig, wird die Analyse nicht einfacher, denn dann hätte der Einsatz die entsprechend abschreckende Wirkung!

Während ich jetzt selbst, während des Schreibens, versuche, auf die Frage die richtige Antwort zu finden, erinnere ich mich der unzähligen Konfrontationen, während derer ich die Antwort am Pokertisch ebenso wenig wusste wie jetzt!

Wenn wir die verschiedensten Pokerbücher studieren, dann finden wir an solcher Stelle meist
immer wieder die gleiche Stellungnahme: „It depends!
Es kommt darauf an!

Nun, worauf kommt es an? Auf die Körpersprache, auf das berühmte unbewusste Augenzwinkern beim Betrachten des Rivers, auf die Eigenschaften des Spielers, auf die Pothöhe? Auf die Pothöhe mit Sicherheit! Wenn sich unser Einsatz verzehnfacht, dann nehmen wir gewiss eher ein Risiko in Kauf! Die meisten Spieler werden in der beschriebenen Situation eher passen! Insbesondere, wenn das eigene Blatt entsprechend schwach ist, beispielsweise mit A♠ – 3♠ in diesem Fall, dem niedrigstmöglichen Paar. Mit der Q in der Hand stiege zumindest die Gewissheit, dass das eigene Blatt, im Falle eines Bluffs, zum Gewinn ausreichen müsste.

Für den Spieler mit der Q öffnet sich in der gegebenen Situation übrigens eine weitere Variante. Nämlich, den ersten Einsatz – wir sprechen wiederum über die Situation gegen einen einzelnen Gegner – erbringen, sofern er das erste Wort hat. Die Frage des Gegners wird sich auf
das Herz beschränken. Können wir ihn überzeugen, dass wir bluffen, dann könnte es sein, dass er, ohne Flush, mit niedrigem Paar mitgeht. Dann schwelgt er zwar in bereichernder Gewissheit, dass er Recht gehabt hatte, ist aber trotzdem den Pot zuzüglich einen weiteren Einsatz los.

Wie Sie sehen, im Falle von Bluffs gibt es kein Generalrezept. Grundsätzlich können wir, auf limitierten Tischen, jedoch davon ausgehen:
■ Bluffs ergeben Sinn, wenn nur ein, maximal zwei Spieler im Pot sind.
■ Wenn wir Grund zur Annahme haben, dass der Gegner über ein schwaches bis mittelmäßiges Blatt verfügt.
■ Wenn die Gemeinschaftskarten einladend sind.

Je mehr wir selbst den Ruf genießen, nur mit guten Karten im Pot zu bleiben, was auch auf aktiv/lockeren Tischen mit der Zeit auffällt und von manchen, wenn auch nicht von allen, Gegnern ins Kalkül gezogen wird, desto größer ist unsere Chance, dass der Gegner darauf vertraut, dass wir über das gute Blatt verfügen.

Was wären nun einladende Gemeinschaftskarten?
■ Jeder Flush- bzw. Straßeneingang
■ Ein hohes Paar wie etwa A-A, K-K, Q-Q
■ Karten, die weder Flush noch Straße ermöglichen, jedoch eine hohe Karte wie A oder K beinhalten
■ Ausschließlich Kartenwerte unter 10

Dass eine Flush- bzw. Straßengefahr abschreckend wirkt, haben wir bereits besprochen.
Ein hohes Paar bietet einen ähnlichen Effekt. Warum hohe Paare hier mehr versprechen als niedrige, haben wir in anderem Zusammenhang bereits besprochen. Es liegt daran, dass Spieler, die über eine hohe Karte verfügen – auf aktiven Tischen auch ohne entsprechenden Kicker -, meist im Pot bleiben, während mit Verbindungen von zwei niedrigen Karten oft schon in der ersten Runde gepasst wird, natürlich auch auf angemessen aktiven Tischen. Ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich eine dritte Karte in der Hand eines Spielers befindet, ohnehin schon gering, so ist sie natürlich noch umso geringer, wenn es sich um Karten handelt, die meist nicht gespielt werden. Liegt 5 – 5 auf dem Tisch, so scheint die Gefahr des Drillings keineswegs so groß und abschreckend wie im Falle von K-K oder Q-Q.

Liegt neben vier kunterbunten Karten ein A oder ein K auf dem Tisch, dann ist zwar, im Falle mehrerer Gegner, die Wahrscheinlichkeit, dass einer davon über das Top-Paar verfügt, ziemlich groß. Im Falle eines Gegners ist es jedoch umgekehrt. Allerdings, auch der Gegner ist sich dessen bewusst! Meist wird er hier bei einem Einsatz mitgehen, sobald er auch nur über ein kleines Paar verfügt.

Insbesondere wenn ein Spieler in der ersten Einsatzrunde, also vor dem Flop, erhöht hat, können wir meist davon ausgehen, dass er über hohe Kartenwerte wie etwa A – K oder A – Q verfügt. Dann folgt ein Flop von 9-5-2. Entweder checkt er hier, oder er setzt, einerseits in der Hoffnung, am Turn oder River zu kaufen, andererseits, um das Vorhandensein eines Taschenpaars vorzugeben. Was immer unser Grund sein mag mitzugehen: Nehmen wir an, es folgt eine 8 im Turn, und unser Gegner checkt. Er wird vorsichtig! Gewiss denkt er sich, dass wir am Flop nicht ganz ohne Grund mitgegangen sein können, fürchtet zumindest ein niedriges Paar. Entweder schon jetzt, oder aber auch nach einem ebenso wertlosen River, wie etwa eine 4, können wir diesen Gegner meist mit einem Einsatz aus dem Pot drängen. (Sollte er aber mit einer Erhöhung antworten, dann ist dies eher ein Zeichen für Check-Raising, also ein Alarmsignal für ein starkes Blatt – und nur sehr selten ist es ein Kontrabluff.)

Während sich ein hohes Paar auf dem Tisch gewiss für einen Bluff anbietet, so wird es mit einem Gemeinschaftsdrilling schwieriger, weil Ihnen niemand die vierte Karte glauben wird (was umso besser ist, wenn wir sie – was aber wirklich nur sehr, sehr selten passiert – in der Hand halten sollten). Hier widmet sich das allgemeine Augenmerk vor-wiegend der Möglichkeit des höchsten Full House. Auf aktiven Tischen geht fast jeder am Turn mit, weil es eine seiner beiden Karten sein könnte, die sich paart.

Ähnlich ist es mit zwei Paaren unter den Gemeinschaftskarten. Nachdem die Präsenz gepaarter Karten auf dem Tisch die Wahrscheinlichkeit der dritten in der Hand eines Spielers reduziert, ist somit die Sorge um ein Full House eher gering. Die allgemeine Erwartung führt in die Richtung, dass der Pot mit dem höchsten Kicker, meist A, gelegentlich K, gewonnen wird. In solcher Situation gehen Bluffs – an lockeren Tischen – fast nie auf! (Auch dies ist ein sehr günstiger Umstand, sofern man über die passende Karte zum Full House verfügt!)

Gibt es, neben dem unseren, nur ein oder zwei Einsätze im Pot, und der Flop erscheint in einer Zusammensetzung, die vermutlich für alle Beteiligten ungünstig ist, dann hilft oft ein kleiner Einsatz am Flop, die anderen zum Passen zu bewegen. Auf passiv gespielten Tischen, denen wir uns in Kürze näher widmen werden, sind derartige Versuche häufig erfolgreich. Das Verhältnis des Einsatzes zur niedrigen Potsumme scheint oft ungünstig, scheint das Risiko nicht wert zu sein. Nun, auch die wenigen Chips summieren sich im Laufe der Zeit!

Sitzen wir am Dealer Button, und in der ersten Einsatzrunde passen alle Spieler vor uns, dann können wir, dem Zufallsprinzip entsprechend, mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit von schlechten Karten auf den Blinds ausgehen (letztendlich sind die meisten Karten schlechte Karten). Somit wird nicht nur ein ansonsten schwaches Blatt, wie etwa K – 3, spielbar, wir können auch eine Erhöhung vornehmen und dadurch versuchen, die beiden Blinds aus dem Pot zu drängen. Wir nennen es: das Stehlen der Blinds. Es bringt anderthalb kleine Einsätze.

Gibt es keinen Einsatz bis zum Small Blind und erhöht dieser mit schwachem Blatt, dann rettet er, sofern Big Blind wirklich passt, nicht nur seinen halben Einsatz, sondern gewinnt noch einen ganzen dazu. Tun wir dies gelegentlich, ist es meist von Erfolg gekrönt. Übertreiben wir es, werden sich die Blinds verteidigen, meist durch eine weitere Erhöhung, die dann wieder uns selbst aus dem Pot drängen soll.

Haben wir nur einen Spieler vor uns, so können wir versuchen, ihn Schritt um Schritt zum Passen zu zwingen. Allerdings sollten wir genau wissen, mit wem wir es anstellen, und solche Unternehmungen können immer wieder teures Geld kosten.

Sie sitzen in später Position, und alle Spieler vor Ihnen haben gepasst. Sie haben nichts Nennenswertes in der Hand und erhöhen! Einer geht mit! Es folgt der Flop, bunt gemischte niedrige Werte, und er scheint somit für beide Beteiligten wertlos zu sein. Wieder setzen Sie! Der Gegner geht mit! Schließlich geht auch er davon aus, dass es Ihnen um nichts besser geht als ihm und dass auch Sie von Turn und River abhängig sind. Sollten Sie nun am Turn checken, dann wird es offensichtlich, dass Sie die guten Anfangskarten und den, zumindest teilweise, passenden Flop nur vorgegeben haben – für den Rest bleiben Ihnen kaum Chancen. Also, Sie setzen nochmals am Turn. Der große Einsatz! Auch der River ist wertlos und hilft nicht Ihnen und – hoffentlich – auch nicht dem Gegner! Es liegen nun 10 kleine Einsätze im Pot (dazu der halbe Blindeinsatz, wenn es nicht Small Blind ist, gegen den Sie spielen). Die Hälfte wurde von Ihnen bezahlt. Checken Sie, und Ihr Gegner tut das Gleiche, dann werden Sie aller Wahrscheinlichkeit nach verlieren. Schließlich halten Sie 3-4 oder Ähnliches in der Hand und haben von Anfang an nur geblufft. Jetzt kann es natürlich sein, dass Ihr Gegner, dem es vermutlich um nichts besser geht, nach Ihrem Einsatz passt, und Sie haben netto 5 Einsätze gewonnen. Geht’s nicht gut, haben Sie 2 weitere verloren!

Eine derartige Vorgangsweise ergibt nur dann Sinn, wenn sie zumindest in zwei von drei Fällen erfolgreich ausgeht! Bleibt der Gegner bis zum Ende im Spiel, dann haben Sie 7 Einsätze verloren. Passt er, dann gewinnen Sie, je nachdem, wann er passt, bloß 2, 3 oder 5 Einsätze.
Diese Art des Pressens ist gefährlich! Bestenfalls sehr selten und auch dann nur mit größter Vorsicht, können wir einen Versuch unternehmen. Wichtig ist aber, dass wir mit dieser Strategie vertraut sind, wenn ein Gegner sie gegen uns anzuwenden versucht! Meist ist die beste Gegenwehr ein Wiedererhöhen, vorausgesetzt, dass wir mit großer Wahrscheinlichkeit annehmen, dass unser Gegner über kein gutes Blatt verfügt.

Auf aktiven Tischen passiert es selten, dass die Mehrzahl der Spieler schon vor dem Flop ihre Karten weglegt. Auf passiven Tischen bietet sich die Möglichkeit öfters. Allerdings ist die allgemeine Pothöhe dort entsprechend niedriger. Verlieren Sie 7 kleine Einsätze durch leichtsinniges Pressen, dann dauert es dort umso länger, bis Sie diesen Verlust wieder aufholen können.