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Zusammenspiel kann gefährlich werden – Internet Pokerstrategien

Kurz muss ich vom Thema Internet abweichen. Der Geringfügigkeit des Problems wegen habe ich das Thema des Spielbetrugs auf regulären Tischen nicht eigens angeschnitten.

Nachdem die Karten nicht von den Spielern selbst, sondern von einem Angestellten des Kasinos oder Kartenklubs geteilt werden, ist dieser der Einzige, der diesbezüglich manipulieren könnte. Nachdem der Betreiber des Kasinos oder Klubs natürlich an einem reibungslosen Ablauf des Spielbetriebes interessiert ist, werden alle möglichen Maßnahmen gesetzt, die jegliche Manipulation von Seiten des Personals weitgehendst unterbinden. Die effektivste Absicherung ist hier in jedem Fall die Kameraüberwachung. Wäre ein betrügerischer Dealer auch geschickt genug, das menschliche Auge zu überlisten, ein in Zeitlupe abgespieltes Video deckt jedoch unbarmherzig jede Unregelmäßigkeit auf.

Ein selten versuchter Betrug seitens der Spieler ist das Verstecken einer Karte – nicht unbedingt im Ärmel. Dieser Spieler hätte somit immer drei Karten zur Verfügung und könnte aus diesen dreien immer die günstigste Kombination formen. Nun, hier hilft nicht nur die Kameraüberwachung, auch der Dealer zählt häufig – manche sogar in jedem Spiel – die Anzahl der Spielkarten nach.

Ein Problem, das allerdings bis zu einem gewissen Grade ernst zu nehmen ist, wäre das Zusammenspiel von zwei oder mehreren Teilnehmern! Durch für Außenstehende unverständliche Geheimzeichen, als unbedeutende Gesten getarnt, informieren sich die Spieler gegenseitig über ihr Blatt. Dadurch steigt einerseits der Informationsvorteil (hält der Verbündete einen K, ist die Wahrscheinlichkeit, dass der eigentliche Gegner ebenso einen zur Verfügung hat, entsprechend geringer), andererseits, im Falle eines unschlagbaren Blattes, können die Zusammenspielenden den Pot gezielt in die Höhe treiben. Ein weiterer Vorteil ergibt sich, wenn beide Kollaborateure über Karten verfügen, die ein Mitgehen beim Einsatz eines Gegners rechtfertigen, natürlich immer nur der, der den Einsatz hält, der über das bessere Blatt verfügt. Somit spielt der nichtsahnende Gegner immer gegen zwei Karten, kann aber nur jeweils von einem Geld gewinnen.

Überbewerten würde ich aber auch diese Gefahr nicht. Nicht nur das Kasinopersonal, auch die erfahrenen Spieler sind meist sehr geschickt im Erkennen von Anzeichen unerwünschten Zusammenspiels. Auch wäre der Vorteil für wirklich gute Spieler zwar ein nicht zu unterschätzender, doch gute Spieler haben es grundsätzlich nicht nötig zu betrügen. Schwachen Spielern hingegen fehlt es natürlich auch hier an Geschick, den illegalen Vorteil entsprechend zu nützen.

Im Internet ist die heimliche Kommunikation zwischen Spielern natürlich jederzeit möglich. Ohne sich mit versteckten Zeichen herumschlagen zu müssen, genügt es, mit dem Partner eine Telefonverbindung aufrechtzuerhalten, und ohne Hemmungen können beliebige Informationen ausgetauscht werden. Ist dies somit als ernst zu nehmende Gefahr einzustufen? Sowohl die Kommentare der Webseiten als auch die Erfahrung der überwiegenden Mehrzahl routinierter Spieler würden diese Frage klar mit „nein“ beantworten.

Die Betreiber der Webseiten behalten sich das Recht vor, jeden Spieler, der unter dem Verdacht des Zusammenspiels steht, vom Spiel auszuschließen. Nachdem auch dies eine große Sorge vieler Kunden darstellt, bemühen sie sich mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln, jegliches Zusammenspiel so rasch wie möglich aufzudecken und somit zu unterbinden.

Dass die von den Webseiten erfassten Daten hier sehr raschen Einblick verschaffen, ist natürlich offensichtlich. Finden sich häufig die gleichen zwei oder drei Spieler am selben Tisch, lässt sich ihr Spiel jederzeit nach Anzeichen von Zusammenspiel untersuchen. Auch, sobald ein Spieler andere des Zusammenspiels verdächtigt, ist es nicht nur möglich, er wird dazu sogar noch motiviert, diesen Verdacht der Verwaltung zu melden, worauf die Spielstrategie der Verdächtigten wiederum entsprechend untersucht wird.

Gelegentlich fällt uns eigenartiges Verhalten von Spielern auf! Nachdem zwei Kampfhähne wild erhöhen und wieder erhöhen, passen wir mit anfänglich als chancenreich eingestuftem Blatt, um im Showdown festzustellen, dass beide geblufft haben. War das abgesprochen, um uns aus dem Pot zu drängen?

Beobachten wir in der Folge das weitere Verhalten genau dieser Spieler, so stellen wir in so gut wie allen Fällen fest, dass es sich bloß um Maniacs handelt, die glauben, durch aggressives Erhöhen die Gegner einschüchtern zu können – und zwar völlig unabhängig voneinander.
Nachdem ich dem Internetpoker aus genau diesem Grunde ursprünglich sehr misstrauisch gegenübergestanden bin, habe ich das Verhalten der Spieler immer nach derartigen Anzeichen untersucht. Ich habe mir Notizen gemacht, wen ich des Zusammenspiels mit wem verdächtigte, um festzustellen, ob sich diese beiden Spieler häufig am selben Tisch finden. Von den kurzfristigen Vermutungen abgesehen, bin ich letzt-endlich auf keinen einzigen Fall gestoßen, der mich von derartigen Vorgängen überzeugen konnte.

Um den Informationskreis diesbezüglich zu erweitern, habe ich die Frage danach mehrfach in internationalen Foren, mit Tausenden von Partizipanten, aufgeworfen. In unzähligen Antworten wurde mir meine eigene Erfahrung bestätigt. Wenn überhaupt, so ist es ein äußerst selten auftauchendes Problem; und, auch das wurde mir von vielen bestätigt, wenn immer ein Spieler Gründe zu berechtigtem Misstrauen findet, so ist die Verwaltung der Webseite jederzeit dafür offen, diesen • Verdächtigungen im Detail nachzugehen.

Vor einer Gefahr möchte ich allerdings deutlich warnen, die sowohl am Kasinotisch als auch im Internet gegeben ist, jedoch nichts mit unerlaubter Absprache zu tun hat. Mit dieser Gefahr werden Sie allerdings nur auf Tischen mit höheren Einsätzen konfrontiert.

Sie kennen das Sprichwort: Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus!
Stellen Sie sich vor, Sie verbringen jeden Abend an einem Pokertisch. Ebenso tun dies einige andere. Und somit befinden sich an dem Tisch, mit zehn Plätzen, sechs Spieler, die sich über Wochen und Monate hinweg regelmäßig treffen. Jeder kennt die Spielweise der anderen bis ins kleinste Detail, man unterhält sich, man freundet sich an, man trinkt nach dem Spiel ein Bier zusammen.

Es wird zur Freude und zur Leidenschaft, sich gegenseitig im Geschick zu messen. Es kommt auch kein Neid auf, wenn ein Gegner über einige Tage hinweg gewinnt. Das verlorene Geld wird später wieder zurückkehren. Es entwickelt sich Harmonie.

Und dazu gesellen sich die gelegentlichen Besucher; Spieler, die hin und wieder einen netten Abend am Pokertisch verbringen möchten. Unbekannte, Fremde, Eindringlinge!
Vergönnen wir solchen, von unserem Tisch Geld wegzutragen? Hätten wir Verständnis dafür, wenn so ein Laie unsere Chips, die Chips unserer Freunde, vor sich aufstapelt; sich im Glauben wiegen könnte, der bessere Pokerspieler zu sein?

Nein, gewiss möchten wir das nicht. Verlieren wir gegen einen Freund, er wird morgen wieder kommen und das Geld zurückgeben. Gewinnt jedoch so ein Nichtsnutz, wird er das Geld für Alkohol verschwenden, mit leichten Mädchen verprassen, anstatt es widmungsgemäß wieder an
den Tisch zurückzubringen.

Wir wollen nicht, dass dieser Kerl gewinnt! Auch unsere Freunde wollen es nicht! Niemand am Tisch will es! Und er wird auch nicht gewinnen!

In einem solchen Fall bedarf es keines abgesprochenen Informationsaustausches. Die in langer Zeit entstandene Harmonie und Sympathie reicht völlig dazu aus, diesen Spieler, der meist im Spiel auch noch eher unerfahren ist, in eine fast chancenlos nachteilige Situation zu drängen.
Nachdem hinter diesem unbewussten Zusammenspiel weder Absprache noch organisierte Gewinnaufteilung steckt, können wir es nicht als illegal, ja nicht einmal als unmoralisch einstufen. Es entspricht einer durchaus menschlichen Tendenz.

So wie sich derartige Gruppierungen in Kasinos finden, so entstehen sie auch im Internet. Auch dort natürlich auf den hohen Tischen mit einer naturgemäß geringeren Anzahl von Spielern. Die, die sich dort regelmäßig zusammenfinden, einander natürlich – wenn auch nicht physisch – immer besser kennen lernen, werden auch ihren gemeinsamen Interessen folgen und ihr Bestes tun, den gelegentlich neu Hin-zustoßenden das Geld so rasch wie möglich abzunehmen. Dabei ohne jegliches Anwenden unerlaubter Mittel!

Wie gesagt, mit solchen Problemen werden wir erst dann konfrontiert, wenn wir uns – hoffentlich auch über entsprechende Erfahrung verfügend – auf Tische mit wirklich gehobenen Einsätzen wagen. Im Internet wären dies Tische mit Limit $ 30/60.

Gibt es eine Möglichkeit, sich zu wehren? Natürlich gibt es die! Verfügen Sie über wirklich ausreichende Erfahrung – und ohne diese haben Sie auf Tischen mit solchen Einsätzen ohnehin nichts verloren -, dann können Sie diese intuitive Kollaboration in manchen Situationen sogar zu Ihrem Vorteil nutzen. Dazu kommt dann noch, dass der Grund für die Angriffe gegen Sie natürlich der höhere Grad an Sympathie innerhalb der Clique ist. Sobald Sie mit den einzelnen Spieler dieser Gruppe persönlichen Kontakt aufnehmen, kurze Gespräche führen, kann es Ihnen auch gelingen, „das Eis zu brechen“, die Abneigung gegen den Eindringling abzubauen.

Wichtig ist in jedem Fall, dass Sie sich der gegebenen Situation bewusst sind. Gelingt es Ihnen nicht, über diese Barriere hinwegzukommen, dann steht es Ihnen jederzeit frei – und sei Ihnen auch geraten -, sich von diesem Tisch rasch zurückzuziehen!