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Auf das Spielprotokoll jederzeit aufpassen – neue Pokerstrategien lernen

Eine große, ich möchte sogar sagen: unumgängliche Hilfe ist das Führen von Aufzeichnungen! Nach jeder Sitzung sollten wir uns folgende Punkte notieren:
■ Einsatzhöhe
■ Dauer der Sitzung
■ Gewinn/Verlust
■ Bemerkungen

Machen Sie sich Notizen, warum Sie gewonnen haben! War es wirklich Ihr bestes Spiel oder sind Ihnen die guten Karten an diesem Tag zugeflogen? Gab es eine bestimmte Begegnung, die einen besonders hohen Pot eingebracht hat? Haben Sie in dieser Begegnung so gut gespielt oder waren es Ihre Gegner, deren Fehler den Pot zu solcher Höhe haben anwachsen lassen? Saßen ein oder mehrere Fische am Tisch, die leichte Beute waren?

Und ebenso sollten Sie es tun, wenn die Sitzung mit Verlust beendet worden ist. War es Ihr Fehler oder war es der statistisch unvermeidliche Fall der Karten?

Mit diesen Aufzeichnungen können Sie Ihre eigene Entwicklung langfristig beobachten. Sie können feststellen, ob Sitzungen, die mit Verlust enden, in irgendeiner Form miteinander vergleichbar sind. Sie können unter dem Einfluss von Müdigkeit oder Problemen gestanden sein.

Es kann sein, dass Sie in einem bestimmten Kartenklub (oder auf einer bestimmten Webseite) regelmäßig gewinnen, während Sie an anderer Stelle häufiger verlieren. Ziehen Sie Ihre Schlüsse daraus!

Auch wenn Sie regelmäßig gewinnen, glauben Sie nicht, dass Sie genug gelernt haben! Auch die weitbesten Pokerspieler streben unaufhörlich nach Verbesserung.

Wie in jeder Lebenslage, so lernen wir auch hier am meisten aus Fehlern; aus unseren eigenen ebenso wie aus denen anderer. Analysieren Sie diese Fehler! Fragen Sie sich so oft wie möglich, ob Ihr Spiel in einer bestimmten Situation wirklich das beste war.

Es kann Vorkommen, dass Fehler zum Gewinn führen. Und trotzdem bleibt es schlechtes Spiel! Sie können perfekt spielen – und verlieren. Und trotzdem haben Sie das Richtige getan! Viele andauernd schwache Spieler lassen sich durch Einzelerfolge blenden. Gegen jede Analyse, gegen jede Empfehlung, tun sie genau das Falsche. Beschert dieses destruktive Spiel gelegentlich einen Gewinn, sehen sie diesen als Beweis dafür, dass alle Ratgeber vom Spiel ohne-hin keine Ahnung haben!

Ich gebe Ihnen zwei Beispiele:
Ich saß an einem Tisch, Under-the-Gun, mit 2 – 2 in der Hand. Der Tisch war eher verhalten, und üblicherweise blieben nicht mehr als drei Spieler vor dem Flop im Pot. Was tun wir mit 2 – 2 in solchen Fall? Wir passen! Was könnten wir aus strategischen Gründen tun? Erhöhen! Was habe ich getan? Den Einsatz gebracht!?!

Gegen meine Erwartungen gab es bis zum Dealerbutton vier weitere Caller; es folgte Small Blind und erhöhte. Big Blind ging mit – so auch ich! Auch die Nachfolgenden beteiligten sich bereitwillig an der Erhöhung, und wir waren somit sieben Spieler. Ein überraschend hoher Pot!

Zu diesem Zeitpunkt konnte ich mit meiner Entscheidung zufrieden sein. Durch die Summe der Einsätze standen Potquote + indirekte Quote in gutem Verhältnis zur Chance auf ein Set (Drilling). War sie deswegen richtig? Nein, denn der Erfahrung an diesem Tisch hat diese Beteiligung bei weitem nicht entsprochen!
Es kam der Flop: A♣ – A♠ – K♠

Small Blind bringt einen Einsatz. Big Blind passt. Ich erinnere mich an die Killer-Poker-Strategie und erhöhe!!!

Vielleicht war ich aus dem Grunde derart leichtsinnig, weil ich, dank vorangegangener Erfolge, bereits einen ansehnlichen Stack vor mir hatte. Die Karten sind schon seit einiger Zeit für mich wirklich günstig gefallen. Doch konnte ich erwarten, dass unter sechs anderen Spielern, die sogar bei einer Erhöhung mitgegangen sind, nicht ein einziger über ein A oder einen K verfügen sollte?
Das wäre ein absurder Wunschtraum!

Ein Spieler bringt beide Einsätze (die anderen passen). Big Blind erhöht wieder; ich und der eben genannte gehen mit! Aus welchem Grunde? 4% Chance auf eine 2?
Ich hatte die Kontrolle über mein Spiel verloren!!!
Es folgt der Turn: 2♠!

Ich brauche hier nicht zu wiederholen, dass damit (2 Outs) keineswegs zu rechnen war. Ich hatte ein Full House! Die Flushgefahr war begrüßenswert, ebenso die Hoffnung auf ein vorhandenes A oder K (wenn auch nicht beides zusammen in einer Hand!).

Es folgten mehrere Erhöhungen, der River brachte 7♠, und letztendlich hatte ich einen ansehnlichen Pot gewonnen! Kann ich auf mein Spiel und diesen Gewinn stolz sein? Nein! Mein Verhalten war von Anfang an extrem fehlerhaft. Jeder Spieler, der sich kontinuierlich so entscheidet, kann, langfristig gesehen, nur verlieren!

In Großbuchstaben habe ich am Ende der Sitzung dreimal in mein Notizbuch geschrieben:
KEIN SINNLOSES MITGEHEN!!!
KEIN SINNLOSES MITGEHEN!!!
KEIN SINNLOSES MITGEHEN!!!

Nun ein anderes Beispiel:
Nach zwei Callern bringe ich am Dealerbutton eine Erhöhung mit A♣ – Q♣. Beide Blinds passen, der erste Spieler geht mit, der zweite erhöht wieder; beide gehen wir mit.
Der Flop: 4♣ – A♥ – Q♦
Check – check – ich setze ein!
Der erste Spieler (mittlere Position – ansonsten sehr verhalten) geht mit.
Der zweite (späte Position – oft aggressiv) erhöht.
Ich erhöhe wieder. Beide gehen mit!
Turn: 5♠

Keine Flushgefahr, keine Full Flouse in Sicht. Es checken beide Spieler!
Die einzige Gefahr, die auf mich lauerte, war ein Taschenpaar. Die einzige Möglichkeit, das herauszufinden, war natürlich ein Einsatz. Sollte wieder eine Erhöhung folgen, so musste ich dieser Gefahr ins Auge sehen. Zum Passen wäre das aber trotzdem kein Anlass gewesen, denn auch A – K oder A – J könnten, in diesem Fall, zu aggressivem Optimismus verleiten.
Also, ich setzte ein, und es folgte keine Erhöhung.
Der logische Schluss war somit ein A mit niedrigem Kicker in der späten Position.
River: 8♣
Check – check – Einsatz (von mir)!
Mittlere Position passt, späte Position erhöht!

Hätte er einen Drilling, hätte er sicher auch am Turn erhöht. Also, sein Ass schien ihm doch vertrauenswürdig genug. Die Möglichkeit von 6-7 (Straße) schloss ich gänzlich aus, weil er damit nach meiner Erhöhung vor dem Flop nicht hätte wieder erhöhen können – das würde sogar über dessen lockeres Spiel weit hinausgegangen sein. Also, ich erhöhe nochmals. Mein Gegner erhöht aufs Maximum! Ich gehe mit und schaue schließlich doch auf 6-7, während ein beachtlicher Berg von Chips zu ihm wandert.

Hatte ich in diesem Spiel einen Fehler gemacht? Nein! Mein Spiel und meine Überlegung waren einwandfrei. Der Bluff meines Gegners war natürlich unglaublich überzeugend! Es war ein Semibluff, der zu überraschendem Kauf geführt hat! Geht so etwas oft gut aus? Nein, gewiss nicht. Die Chance, eine Straße durch die Hintertür zu kaufen, ist verschwindend klein.

Ich habe diese beiden Beispiele aus dem Grunde hier angeführt, um Ihnen eine Idee davon zu geben, wonach Sie Ihr eigenes Spiel untersuchen. Nicht jeder Fehler führt zu Verlust. Nicht immer führt optimales Spiel zu Gewinn. Doch immer müssen wir uns der Qualität unserer Züge bewusst sein.