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Täuschung vermeiden und die Emotionen halten – wichtigste Pokerstrategien lernen

Es gibt zwei Möglichkeiten der Handanalyse: die Beobachtung der Setzmuster und das Erkennen von Körpersprache. In diesem Abschnitt werden Setzmuster behandelt und im nächsten wird das Augenmerk auf Körpersprache gelegt. Viele Experten haben die allgemeinen Techniken für das Verständnis der Setzmuster beschrieben. Kaufen und lesen Sie deren Poker-Portale. Ohne diese Fähigkeit können Sie kein guter Spieler werden und die Investitionen werden sich schnell bezahlt machen. Im Besonderen empfehle ich The Theory of Poker (S. 48-60) von Sklansky, Hold’em Poker for Advanced Players: 21st Century Edition (S. 225-236 und S. 300-305) von Sklansky und Malmuth, Seven-Card Stud for Advanced Players: 21* Century Edition (S. 177-186 und S. 289-294) von Sklansky, Malmuth und Zee sowie Elements of Seven-Card Stud (S. 163-170) von Othmer. Diese Poker-Portale sind grundlegend und dieser Abschnitt stellt dafür keinen Ersatz dar. Es werden lediglich ein paar ausdrücklich psychologische Themen hinzugefügt.

Wenden Sie das „Gesetz der subjektiven Vernunft“ an Die Abendnachrichten sind dafür ein immer wiederkehrendes Beispiel. Dort wird über jemanden berichtet, der mehrere fremde Personen erschossen hat, und wir fragen uns, wie es dazu kommt. Objektiv gesehen ist er natürlich verrückt, aber seine Tat ist subjektiv rational: Für ihn ergibt sie Sinn. Er vermutete, die CIA oder die Mafia- Killer würden versuchen, ihn zu töten – also schießt er als Erster. Ich meine das sehr ernst. Was hat das mit Poker zu tun? Dort ist es genauso. Wenn Sie die Gedanken des Gegners lesen können, verstehen, warum er Poker spielt, was er vorhat und wie er die Situation einschätzt, können Sie Aktionen verstehen, die Ihnen momentan noch vollkommen unerklärlich sind.

Auf Sie machen diese Aktionen vielleicht einen albernen Eindruck, aber für den anderen ergeben sie nahezu immer einen Sinn. Nehmen wir zum Beispiel an, ein reicher Farmer würde jedes Mal raisen und reraisen, manchmal ohne Ansicht seiner Karten, weil „das Anschauen der eigenen Karten lediglich den Spielfluss aufhält“. Er spielt wie ein Wahnsinniger, ist aber kein bisschen verrückt; er weiß genau, was er macht und was ihn das kostet. Er spielt ausschließlich in Partien mit niedrigen Einsätzen, weil er dort mit seinem wilden Stil nicht so viel verliert, als dass es ihn beunruhigen müsste. Er spielt zum Zeitvertreib und kann es sich leisten, sein Geld zu Verblasen; er bekommt dafür auch das, was er will. Sein Verhalten ist nicht verrückter, als sich einen Rolls Royce, eine Rolex oder ein Rennpferd zu kaufen, und um einiges klüger, als sich zu betrinken oder Kokain zu schnupfen.

Diese Art „Irrationalität“ kann immer wieder beobachtet werden. Ein Pessimist foldet einen Draw mit einem positiven Erwartungswert, weil „ich niemals einen Flush treffe“. Eine Calling Station ist Drawing Dead, aber callt einen Raise von einem Rock, denn „vielleicht blufft er“. Einige Hold’em-Spieler raisen mit schwächeren Blättern, aber nicht mit einem Paar Asse, weil „ich jedes Mal überholt werde, wenn ich raise“. Falls Sie dem Mythos anhängen, dass „Gewinnen das einzige Motiv ist“, können Sie aus diesem Verhalten keinen Sinn ableiten, aber sicherlich schon beobachten. Um gegnerische Karten lesen zu können, müssen Sie Ihre Vorstellungen darüber, was die anderen tun sollten, aufgeben, sich in deren Gedanken versetzen sowie lernen, wie sie denken und was sie bezwecken. Versuchen Ihre Gegner, das meiste Geld herauszuschlagen? Wollen sie einfach nur ein bisschen Spaß haben? Wollen sie den Abend billig über die Runden bringen? Denken sie, ein Flush Draw sei im Fleads-Up einen Raise wert? Sind sie abergläubisch und halten ein Blatt wie ein Paar Zehnen für einen Glücksbringer?

Hüten Sie sich vor der „egoistischen Täuschung“
Jeder – Sie, ich, Doyle Brunson, Sigmund Freud – fällt dieser von Zeit zu Zeit zum Opfer. Wir versuchen, uns in die Lage des anderen zu versetzen, aber sehen seine Situation aus unseren Augen und nicht aus seinen. Diese Täuschung kann die Fähigkeit der Flandanalyse dramatisch beeinflussen. Versuchen Sie beispielsweise einen Raiser auf eine Fland zu setzen, denken Sie möglicherweise, welches Blatt Sie bräuchten, und setzen voraus, dass er auf die gleiche Weise denkt. Da Sie nicht ohne eine bestimmte Hand raisen würden, schätzen Sie dessen Karten eventuell falsch ein.

Mir ist dieser Fehler viele Male unterlaufen. In der Tat habe ich erst vor ein paar Stunden eine Gewinnerhand gefoldet, weil ich davon ausgegangen bin, mein Gegner würde nicht betten, ohne meine marginale Hand schlagen zu können. Er hat nicht geblufft; er dachte, sein Blatt wäre stark (und das traf auch zu, nachdem ich dummerweise gefoldet habe). Die Prinzipien der subjektiven Vernunft und egoistischen Täuschung hängen eng zusammen und verleiten die Menschen zu allen Arten objektiv dummer Entscheidungen: Checken oder Folden mit Gewinnerhänden, Raisen mit Verliererhänden, Spielen in Partien, die sie nicht schlagen können usw. Um gegnerische Hände richtig lesen zu können, müssen Sie die Motive und Überzeugungen des anderen Spielers verstehen.

Vermeiden Sie die Täuschung, alle seien unterschiedlich
Sie könnten einwenden, die Spieler in anderen Partien würden diese oder jene Fehler machen, aber in Ihren Partien ginge es tighter, looser oder vernünftiger zu und an Ihrem Tisch würden die Hände besser analysiert sowie bessere Täuschungsmanöver ausgeführt – was auch immer. Fallen Sie nicht darauf hinein; das ist die Täuschung, alle seien unterschiedlich. Jeder meint, wir seien alle unterschiedlich, in Partien mit niedrigen Einsätzen oder in einem anderen Casino oder in Las Vegas würde vielleicht so gespielt – „aber in meiner Partie ist das natürlich ganz anders …“ Wir haben jedoch alle die gleichen Motive und Ängste und uns allen unterlaufen die gleichen Dummheiten. Vielleicht treten diese Schwächen in Ihrer Partie weniger deutlich zutage oder äußern sich auf andere Weise; aber niemand von uns kann seine Menschlichkeit verleugnen – mit allen innewohnenden Schwächen.

Falls Sie das bezweifeln, denken Sie an all die reichen, brillanten Leute, die komplette Dummheiten begangen haben. Wenn Bill Clinton seine Präsidentschaft wegen ein bisschen Sex aufs Spiel setzt oder Mike Milken seinen Ruf zerstört, indem er stiehlt, obwohl er Milliardär ist, können auch Sie, ich oder jeder andere dumme Fehler begehen.

Halten Sie Ihre Emotionen im Zaum
Drei durstige Personen betrachten ein Glas teuren Wein.
Der Pessimist jammert: „Es ist halb leer.“
Der Optimist jubelt: „Es ist halb voll.“
Der erfolgreiche Pokerspieler bleibt gelassen: „Messen wir es. Ich will genau wissen, wie viel Wein im Glas ist.“

Darum geht es bei der Handanalyse. Werfen Sie Ihre natürlichen Emotionen über Bord und bewerten Sie objektiv die Fakten. Tight- passive Spieler sind zu pessimistisch; sie haben derart viel Angst vor dem Verlieren, dass sie nach Ausreden für ihre Zurückhaltung suchen. Es deutet zwar nichts darauf hin, aber vielleicht, nur vielleicht, hat der andere Typ ein riesiges Full House; also wird mit dem niedrigen Full House lediglich gecallt und auf einen höheren Gewinn verzichtet. Loose-aggressive Spieler sind zu optimistisch; sie suchen nach Ausreden für ihr Gezocke. Der tighteste Rock der ganzen Stadt hat soeben geraist, aber vielleicht, nur vielleicht, hat er lebenslange Gewohnheiten abgestellt und einen wilden Raise eingestreut; also wird gereraist, noch einmal erhöht und gegen ein unschlagbares Blatt verloren. Halten Sie Ihre Emotionen – Ihre Ängste und Hoffnungen – im Zaum und fragen Sie sich: „Was sagen die Fakten über sein Blatt aus?“