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Spielkapital richtig verteilen, Money Management – neue Pokerstrategien lernen


Auf limitierten Tischen genügen meist zehn kleine Einsätze als Buy- in! Haben wir mit diesem Stack eine ernst zu nehmende Chance, über einen längeren Zeitraum hinweg am Tisch zu überleben – und letztendlich zu gewinnen?

Chance, ja!
Eine ernst zu nehmende, nein!

Wir wissen, dass es nicht darum geht, so viele Pots wie möglich zu gewinnen, sondern so viel Geld wie möglich. Trotzdem können wir davon ausgehen, dass es der rechnerischen Wahrscheinlichkeit entspricht, dass wir etwa jeden zehnten Pot (im Falle von zehn Spielern) gewinnen. Es kann der erste oder zweite sein. Es kann der zehnte sein. Es kann aber auch dreißig und mehr Spiele dauern, bis sich endlich der erste Erfolg einstellt. Eine Wartezeit von dreißig Spielen ist durchaus kein seltener Fall. Auch für Profis nicht! Der kalkulierte Vorteil zeigt sich erst über längere Zeiträume.

Spielen wir diszipliniert, gehen nur mit erstklassigen Anfangskarten mit, und bleiben in weiterer Folge, am Turn und am River, auch nur dann im Pot, wenn wir genügend Outs zählen, so können wir als Richtlinie nehmen, dass wir in jedem Spiel durchschnittlich knapp einen kleinen Einsatz verlieren. Je trockener der Tisch gespielt wird, desto niedriger ist dieser Wert anzunehmen. Verfügen wir über zehn Spiele hinweg über absolut keine spielbaren Karten, reduziert sich dieser Verlust vorübergehend auf 0,15 Chips (bedingt durch die verbindlichen Blindeinsätze). Praktisch jedoch gehen wir jedes vierte oder fünfte Spiel mit, bringen einen Einsatz am Flop, einen doppelten am Turn, vielleicht auch noch am River.

Sind es nun irgendwo zwischen fünf und zehn Chips, die wir, während einer Tischrunde von zehn Spielen durch Verluste einbüßen, so gleicht sich dies natürlich dadurch aus, dass wir den einen oder anderen Pot gewinnen. Bei harmonischem Spielablauf sollte die Zahl der gewonnenen Chips die der abgegebenen knapp übertreffen. An diesem Beispiel sehen Sie wiederum sehr deutlich, wie wichtig es ist, mit einzelnen Einsätzen sorgsam umzugehen!

Dieser erwartete Kapitalfluss kann jederzeit im Volumen zunehmen, wenn es mehrmals passieren sollte, dass Sie, trotz bester Kalkulation, im Showdown geschlagen werden, mehrere Bad Beats erleiden!

Als Richtlinie können Sie annehmen, dass Sie für eine Sitzung zumindest hundert kleine Einsätze zur Verfügung halten sollten. Spielen Sie auf niedrigen Tischen, die sich meist als sehr locker und aktiv beweisen, kann es durchaus ratsam sein, diesen Betrag auf zweihundert zu verdoppeln.
Dementsprechend mag es auf höheren Tischen, vorausgesetzt, dass die Spielweise der Gegner auch verhalten ist, ausreichen, über fünfzig kleine Einsätze zu verfügen.

Bis zur Höhe eines durchschnittlichen Pots in die Verlustzone zu geraten ist natürlich völlig normal. Sind Sie drei durchschnittliche Pothöhen im Minus, dann sollten Sie sich deutlich fragen, wie es dazu gekommen ist. Drei Pothöhen sind noch kein wirklicher Grund zur Beunruhigung. Rasch kann dieser Verlust wieder aufgeholt sein. Allerdings, stellt sich heraus, dass der Verlust auf Fehlern beruht, dass Ihnen Ihre Gegner in Spielstärke überlegen sind, dann sollten Sie entsprechende Konsequenzen ziehen.

Im gewinnorientierten Pokerspiel gibt es keinen Platz für falschen Stolz. Es gibt bessere Gegner; es wird sie immer geben! Einem Schachspieler mag es zur Befriedigung gereichen, sich von einem überlegenen Spieler Dutzende Male schlagen zu lassen, um sich letztendlich über ein einziges errungenes Remis, berechtigterweise, über alle Maßen, zu freuen. Im Poker zählt nichts anderes als das ständige Anwachsen unserer Einnahmen.

Um dem Spiel nicht plötzlich jede Ethik zu rauben, möchte ich hier hinzufügen, warum einzelne Erfolgserlebnisse zwar im Schach Anlass zur Befriedigung geben können, nicht jedoch im Poker. Sollte es passieren, dass Sie an einem Pokertisch in Las Vegas auf den regierenden Weltmeister stoßen, zu Ihrem Taschenpaar gegen jede Wahrscheinlichkeit einen Vierling floppen, während der Vollprofi das höchste Full House in der Hand hält, dann werden Sie diesen Pot natürlich gewinnen. Wäre dieser Erfolg aber Anlass zu Stolz?

Im Poker zählt nur der langfristige Erfolg! Lassen wir uns, von Überheblichkeit geleitet, dazu hinreißen, diesen Erfolg gegenüber deutlich besseren Spielern zu suchen, so werden wir nicht nur viel Geld verlieren, wir werden unsere Spielweise nicht unbedingt verbessern. Durch das Spiel gegen schwächere und mittelstarke Gegner lernen wir, weil wir ihre Spielweise leichter durchschauen! Schritt um Schritt verbessern wir uns selbst – und vielleicht, eines Tages, sitzen wir wirklich, und mit relevanten Chancen, am gleichen Tisch mit den legendären Größen.
Verlieren wir gegen einen bestimmten Gegner mit Regelmäßigkeit, so bedeutet dies nicht unbedingt, dass dieser besser spielt als wir. Es kann durchaus sein, dass uns seine Spielweise einfach nicht liegt. Es kann sein, dass dieser Spieler einem anderen gegenüber unterlegen ist, mit dem wir wiederum keine Probleme haben.

Also, sollte es passieren, und es wird passieren, dass Sie sich an einem Tisch finden, an dem Sie das Gefühl der Chancenlosigkeit nicht überwinden können, an dem Sie immer und immer wieder aus dem Pot gedrängt werden, an dem gepasst wird, wenn Ihr Blatt gut ist, und erhöht wird, wenn Sie bluffen, dann scheuen Sie sich nicht, den entstandenen Verlust zu akzeptieren. Verlassen Sie diesen Tisch und suchen Sie einen anderen, einen leichteren!

Ist Ihr Verlust aber durch den Fall der Karten und nicht durch Schwäche hervorgerufen, dann achten Sie bloß darauf, dass sich Ihr gutes Spiel davon nicht beeinflussen lässt. Lassen Sie Geduld walten, und spielen Sie vorsichtig weiter. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Lauf der Geschicke wieder eine andere Richtung einschlagen wird. Spielen Sie allerdings nur so lange weiter, bis Sie Anzeichen von Änderungen in Ihren Emotionen finden. Tendieren Sie zu Ungeduld, zu Ärger, zu Panik? Wir haben dieses Thema bereits besprochen!

Stellt sich letztendlich heraus, dass die während der Sitzung entstandenen Verluste nicht mehr aufzuholen sind, dann nehmen Sie dies zur Kenntnis. Was zählt, ist der Gewinn am Ende der Woche – oder besser noch: am Ende des Jahres!

Wiederum als Richtlinie können Sie annehmen, dass Verluste bis zu zweihundert kleinen Einsätzen an niedrigen Tischen sehr häufig auf- treten. In etwa der gleichen Höhe bewegen sich zu erwartende Maximalgewinne.

Um Ihnen eine Idee zu geben, über wie viel Kapital Sie verfügen sollten, um vor einem Totalverlust relativ sicher zu sein, nehmen Sie die nachfolgende Tabelle als Richtlinie. Dass das Gesamtkapital, Bankrott genannt, im Verhältnis zum Tageseinsatz ansteigt, sobald Sie auf höheren Tischen spielen, liegt natürlich an der höheren Spielqualität der Gegner und dem dadurch reduzierten prozentualen Vorteil.

Von den eher detaillierten Angaben abgesehen, können Sie sich den Schlüssel „100/1.000″ einprägen. 100 kleine Einsätze pro Sitzung! 1.000 kleine Einsätze Gesamtkapital!

In manchen Ratgebern wird übrigens auf wesentlich geringere notwendige Reserven verwiesen. Bedenken Sie aber: Je niedriger Ihr Kapital, desto höher die Gefahr des Gesamtverlustes!

KapitaIverfügbarkeit

TischlimitGewinn pro StundeEinsatz pro SitzungMindest­ kapital
$ 1/2$4$ 200$ 1.000
$ 5/10$ 15$ 400$ 4.000
$ 10/20$ 20$ 700$ 7.000
$ 20/40$ 30$ 1.200$ 15.000
$ 60/120$ 40$ 3.000$ 45.000

Das Schlimmste, was einem Pokerspieler passieren kann, ist, unter Kapitalschwäche zu leiden. Kaum jemand ist dazu fähig, den Einfluss der Sorge um den Totalverlust gänzlich aus seinem Spiel herauszuhalten!

Fast alle Pokerseiten im Internet bieten die Möglichkeit, um fiktive Einsätze zu spielen. Allerdings dient das Praktizieren an diesen Tischen bestenfalls dazu, mit dem Spiel einigermaßen vertraut zu werden. Nachdem das fiktive Guthaben, sobald es aufgebraucht ist, jederzeit wieder aufgestockt wird, sorgt sich kein Spieler wirklich um Verluste.

Eher ernst zu nehmen sind Tische mit Einsätzen von 5/10 Cent, die von manchen Webseiten angeboten werden. Hier gehen die Spieler mit ihrem Kapital etwas vorsichtiger um, nicht weil sie Verluste wirklich fürchten, doch steht ihnen nur beschränktes Kapital zur Verfügung, und es bedarf eines gewissen Aufwandes, dieses aufzustocken.

Zwar meist extrem lockeres, aber doch seriöses Spiel beginnt ab einem Einsatz von $ 0,50/1.
Haben Sie gelernt, sich in einer bestimmten Spielkategorie wohl zu fühlen, verbuchen auch regelmäßig entsprechende Gewinne, dann begeben Sie sich in die nächste Kategorie nur unter größter Vorsicht. Sie stoßen auf andere, meist erfahrenere Spieler; die Dynamik des Tisches ändert sich.

Es kann durchaus sein, dass Sie sich plötzlich um vieles schwerer tun. Es kann sein, dass die Gewinne ausbleiben, dass Sie verlieren!

Sobald Ihr Spielkapital unter die angeführte Mindestgrenze fällt, steigen Sie eine Stufe zurück – in die Kategorie, für die das Kapital ausreicht. Das sind keine wirklichen Niederlagen. Es sind vorübergehende Rückschläge! Und Sie können beruhigt davon ausgehen, dass dies gewiss jedem Pokerspieler im Laufe seiner Karriere mehrmals passiert ist!

Sowohl Verlust- als auch glückliche Gewinnphasen können über längere Zeiträume hinweg anhalten. So wie es Glückspilzen, durchaus schwachen Spielern, gelegentlich gelingt, sich über mehrere Sitzungen hinweg, über Wochen hinweg, in der Gewinnzone zu halten, so kann es dem soliden erfahrenen Spieler passieren, dass er über ebenso lange Zeiträume hinweg verliert. Ich meine damit jetzt nicht, dass sich sein Spiel plötzlich verschlechtert, dass er sich mit den falschen Gegner schlägt; was natürlich auch Vorkommen mag. Hier spreche ich von Verlustphasen, die ausschließlich durch den ungünstigen Fall der Karten bedingt sind. Natürlich passiert es selten, dass der gute Spieler öfter als zwei-, dreimal hintereinander verliert. Selten passiert es, dass der schlechte Spieler öfter gewinnt. Aber es passiert!

Nachdem wir gewinnorientierten Pokerspieler den Zufallsfaktor aber immer auf ein Minimum zu begrenzen versuchen, müssen wir uns selbstverständlich auch, durch die Auswahl der passenden Einsatzhöhe, gegen den immer drohenden Totalverlust weitgehend absichern.

Es mag der Traum vieler passionierter Pokerspieler sein, ihren Lebensunterhalt durch das Spiel zu verdienen. Allerdings, sogar viele Profis, die wirklich von ihren Einnahmen leben können, warnen davor!

Poker zu lieben, regelmäßig zu gewinnen, sein Spielkapital anwachsen zu sehen ist eine Sache! Von den Gewinnen abhängig zu sein jedoch eine andere!

Ich meine damit den Fall, wenn Poker wirklich die einzige Einnahmequelle darstellen sollte. Gewiss mag es vom Schicksal Begünstigte geben, deren Finanzen durch bereits Erwirtschaftetes oder Ererbtes abgesichert sind – Wertpapiere oder sonstige Investitionen werfen regelmäßige Gewinne ab -, und dazu addieren sich die Einnahmen am Kartentisch. So gut dies klingen mag, nur wenige sind in dieser glücklichen Situation.

Der typische Pokerprofi, einen Tag den Beutel voller Geld, eine Woche später überlegend, wen er anpumpen könnte, lebt ständig an der Grenze des Ruins!

Zwar gibt es die allgemeine und durchaus logische Empfehlung, über das Kapital zum Bestreiten der Lebenshaltungskosten, für einen Zeitraum von mehreren Monaten bis zu einem Jahr, vom Spielkapital getrennt, zu verfügen. Das klingt natürlich gut! Sie haben $ 30.000 Spielkapital und noch einmal $ 30.000, um Ihr Leben und das Ihrer Familie zu sichern. Am Jahresende sollte das Spielkapital entsprechend angewachsen sein, dass Sie Ihr „Gehalt“ fürs nächste Jahr abschöpfen können! (Auch ein Kleinbetrieb kann nur unter solchen Bedingungen wirtschaftlich geführt werden!)

Können Sie sich vorstellen, dass dieser Ablauf, Jahr für Jahr, ungestört funktioniert? Nein! Es kommen Verlustphasen! Auf niedrigere Tische zurückzugehen ist nicht möglich, weil sonst die Einnahmen nicht für das kommende Jahr ausreichen würden. Also wird riskiert! Mit der privaten Reserve wird das Spielkapital aufgestockt. Damit haben wir genau die Situation, die jedes gute Pokerspiel zu vernichten droht. Wir müssen gewinnen!

Unter Pokerprofis kursiert folgender Witz:
Wie nennt man einen professionellen Pokerspieler, der mit seiner Freundin Schluss gemacht hat?
Obdachlos!

Lassen Sie sich in Ihrer Liebe zum Poker nicht negativ beeinflussen! Bilden Sie sich weiter und verbessern Sie sich! Genießen Sie die Freude, sich langfristig im Lager der Gewinner zu finden. Doch warne ich Sie ernstlich davor, das Spiel zur Basis Ihrer Existenz zu machen!