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Short-Hand spielen ist nicht schlecht Teil II – neue Pokerstrategien lernen


Big Blind checkt. Was tun Sie?
Sie können einen Einsatz bringen! Gewiss gibt es auch extrem passiv gespielte Sechsertische. Kennt man Sie als seltenen Bluffer, kann es hier durchaus passieren, dass alle, die kein A haben, und Sie erwarten und hoffen auch, dass keiner eines hat, passen, weil man Ihnen das Ihre glaubt. In den meisten Fällen jedoch wird zumindest ein Gegner, oft mehrere, mitgehen. Denn allzu oft wird das gepaarte A vorgegeben! Oft bringt in einem solchen Fall jemand einen Einsatz mit K – 10 oder 10 – 9, von der, wie erwähnt, geringeren Wahrscheinlichkeit ausgehend, dass ein anderer Spieler über ein A verfügen könnte.

Genauso gut können Sie aber auch checken! In diesem Fall verheimlichen Sie Ihr Blatt, überlassen die Dominanz einem Mitspieler, was in weiterer Folge zu einem größer anwachsenden Pot führen kann. Gleichzeit tasten Sie damit aber auch das Feld nach einem möglichen starken Blatt ab.

Checken Sie also, und es folgt ein Einsatz, wie lässt sich die Situation analysieren?
Logischerweise gibt es mehrere mögliche Gründe für den Einsatz Ihres Gegners:
■ Nachdem zwei, vielleicht auch drei, Spieler vor ihm – in später Position oder am Blind sitzend – gecheckt haben, hält er absolut nichts Passendes in der Hand und erwartet, dass sein Bluff funktioniert.
■ Die vorangegangene Passivität überzeugt ihn, dass er mit K – 10, mehr noch mit J – J oder Q-Q, über das beste Blatt am Tisch verfügt.
■ Er hält das passende A mit höherem Kicker oder vielleicht sogar zwei Paare oder einen Drilling.
Von der rechnerischen Wahrscheinlichkeit ausgehend, steht die erstgenannte Möglichkeit über der zweiten und diese über der dritten. Natürlich ist es hier entsprechend hilfreich, den Spieler in seinem Verhalten bereits näher zu kennen. Ist er normalerweise zurückhaltend und vorsichtig?

Spielt er allgemein aggressiv? Blufft er häufig?

Vorläufig gibt es eher wenig Anlass, das Feld zu verkleinern. Ein Flush wäre in jedem Fall nur durch die Hintertür möglich, Straßengefahr gäbe es nur mit 9 – 8 in einer Hand. Es geht Ihnen somit eher darum, den Pot – auf den Sie die besten Gewinnchancen haben – anwachsen zu sehen; wenn möglich, ohne Ihre guten Karten zu verraten. Erhöhen Sie nun, wird man allgemein von Check-Raising ausgehen, Sie also eher auf das A einschätzen als auf einen Bluff. Hält ein Spieler gefährliche Kaufkarten in der Hand, wird er vermutlich trotzdem mitgehen. Sie werden mit Ihrer Erhöhung also nur jene aus dem Feld drängen, die ohnehin nur über sehr geringe Chancen verfügen.

Nehmen wir die gegebene Situation zum Anlass und fragen wir den Simulator, wie er Ihre Gewinnchancen in diesem Fall einstuft. Die Karten der angenommenen Gegner können wir nur vermuten. Die Auswahl beschränkt sich auf eher chancenreiche Karten, jedoch berücksichtigen wir nicht die Gefahr eines bereits überlegenen Blattes, da diese Annahme in jedem Fall zu einer anderen Strategie führen würde (um nicht zu sagen: zum Passen!):

A♥– 3♠43%
9♦ 8♦31%
K♣1013%
Q♠– J♣13%

Oder:

A♥– 3♠48%
J♦– 9♦25%
K♣– 10♣19%
4♠– 4♣8%

Nun Lassen wir einen Spieler passen:

A♥– 3♠56%
J♦– 9♦23%
K♣– 10♣21%

Sie sehen, in jedem Fall sind Ihre Chancen mit A♥ – 3♠ eindeutig die besten. K♣ – 10♣ liegt hinter J♦ – 9♦!

Dies mag auf den ersten Blick verwirrend wirken, hat sich die 10 doch schon gepaart! Die Chance auf ein Flush ist für beide gleich und neutralisiert sich somit. Für K♣ – 10♣ gibt es 5 Outs, um ein Paar Asse zu schlagen, während für J♦ – 9♦ vorläufig nur die 8 zur Straße wird, also 4 Outs. Der Vorteil lässt sich auf mehrere Punkte zurückführen. Erstens, durch die Hintertür kommt noch die Möglichkeit von K – Q hinzu; und eine Straße wird in dieser Begegnung natürlich eindeutig das dominierende Blatt. Paart sich hingegen der K, was 3 der 5 kalkulierten Outs entspricht, so wird der Vorteil von zwei Paaren aufgehoben, falls die Riverkarte zu einer Paarung am Tisch führt (Ihre zwei Paare wären durch die Asse die höheren). Ferner wäre hier zu berücksichtigen, dass der Basisvorteil von K♣ – 10♣ gegenüber J♦ – 9♦, neben den höheren Kartenwerten, das bereits vorhandene Paar ist, was hier auf das Endergebnis aber keinen Einfluss ausübt, weil im Falle keinerlei Verbesserung auf beiden Seiten natürlich auch beide Karten verlieren würden.

(In einer individuellen Konfrontation, also ohne A♥ – 3♠, wäre das Chancenverhältnis von K♣ – 10♣ gegenüber J♦ – 9♦ mit dem gegebenen Flop: 71% zu 29%!)

In dieser Einsatzrunde am Flop vorsichtig zu checken, Ihr gutes Blatt zurückhaltend, mag später einen Gegner zu aggressivem Spiel bzw. zu einem Bluff verleiten. Außerdem sichern Sie sich auch gegen unnötig hohe Verluste ab, sollte der Spieler, der den Einsatz erbracht hat, entgegen der kalkulierten Wahrscheinlichkeit über ein höheres Blatt als Sie verfügen.

Also, gehen wir davon aus, vom Button kommt ein Einsatz, und Big Blind passt. Sie gehen mit und ebenso der andere, noch verbleibende, Spieler.

In der gegebenen Situation bieten sich nur wenige Möglichkeiten, die uns am Turn um unseren Vorteil, den wir vermutlich und hoffentlich genießen, bringen könnten. Bedenken wir, dass der Gegner, der zuvor Aktivität gezeigt hat, eine gepaarte 10 oder auch 7 halten könnte, so reduziert sich die Wahrscheinlichkeit für diese Annahme entsprechend, wenn eine dieser beiden Karten am Turn folgen sollte. Diese Gefahr berücksichtigen wir üblicherweise nur dann, wenn es durch aggressives Spielverhalten des Gegners angezeigt wird. 6, 8 oder Q könnte eine Straße formen, aber nur, falls wir mit unserer vorangegangenen Spekulation, nach der wir den Simulator befragt haben. Recht hatten. K, Q oder J könnte einem Gegner natürlich ein Paar formieren, was insbesondere jetzt günstig und begrüßenswert wäre, nachdem Sie Ihr A geschickt verheimlicht haben.

Was auch immer der Turn anzubieten hat, Ihrer bereits eingeleiteten Strategie entsprechend werden Sie am besten nun wieder checken!

Natürlich: Haben Sie einmal entsprechende Erfahrung gesammelt, kennen Sie Ihre Opponenten, entwickeln Sie Ihre eigenen Strategien und Überlegungen, so könnten Sie in diesem Fall natürlich auch den ersten Einsatz bringen. Es ist der höhere Einsatz! Es könnte als Bluff verstanden werden. Auch könnte man annehmen, dass Sie über ein niedrigeres Paar verfügen. Das Pokerspiel bietet immer die Möglichkeit zu Variationen. Wichtig ist in erster Linie, die richtigen Gedankengänge und Analysestrukturen zu finden.

Sollten nun die beiden anderen nach Ihnen checken, dann wissen Sie, dass beide nichts in der Hand haben. In diesem Fall müssten Sie am River sehr wohl den Einsatz bringen, ansonsten die Gefahr zu groß wäre, dass wiederum kein Einsatz folgen könnte und Sie nicht nur einen zu bescheidenen Pot gewinnen, sondern auch Ihre Karten aufdecken müssen und ihre passive Strategie, Ihr Slowplay, dadurch verraten.

Setzt der, anfangs passive, Spieler, dann ist Vorsicht geboten! Dann mag es durchaus sein, dass er die passende Karte gekauft hat. Checkt dieser jedoch, und es folgt ein Einsatz vom nächsten, dem, der zuvor den ersten Einsatz erbracht hatte, dann können Sie – wenn sonst nichts dagegen spricht – erhöhen! Den ersten Spieler werden Sie vermutlich dadurch aus dem Pot drängen, dass sich die Outs für ihn, bei zwei hohen Einsätzen, nicht mehr rechnen. Der andere wird aller Voraussicht nach entweder passen oder mitgehen. Sollte er, wider Erwarten, doch eine weitere Erhöhung vornehmen, dann müsste dies als Zeichen eines Spitzenblattes verstanden werden. Gehen wir davon aus, dass er ansonsten nicht übertrieben leichtsinnig spielt, keine Tendenz zu aggressiven Bluffs anzeigend, dann hält er vermutlich doch ein A. Könnten wir dieses schlagen? Nicht mit 3 als Kicker. Somit gäbe uns nur eine 3 am River eine Chance. Das sind 3 Outs bei 46 Restkarten. Wir gehen davon aus, dass der andere Spieler gepasst hat, und zählen somit 18 V2 Chips im Pot. Somit stünde unser weiterer Einsatz in keinem Verhältnis zu den Outs. Gar nicht zu reden von der Gefahr, dass uns auch zwei Paar nicht zum Sieg verhelfen würden, wenn unser Gegner über A – 10, A – 7, 10 – 10 oder 7-7 verfügte. Wir müssen passen! Pech gehabt!

Zu diesem Beispiel möchte ich jedoch abschließend hinzufügen, dass die letztgenannte Variante, unser trauriger Abschied aus dem Pot, eine eher seltene ist. Nicht viele Möglichkeiten gibt es, die in einem solchen Fall dem Gegner von Anfang an das bessere Blatt geben; und, wie die Simulation gezeigt hat, auch mit durchaus chancenreichen Karten in den Händen von zwei Callern, gewinnen wir mit einer Wahrscheinlichkeit von 56%.

Wenn ich nun erklärt habe, dass wir an Sechsertischen auch dann mitgehen können, wenn unser A von keinem guten Kicker begleitet ist, so sollten wir dies nicht unbedingt auf K, in Verbindung mit einer niedrigen Karte, umlegen. Ich möchte es natürlich nicht als eiserne Regel setzen, mit K – 6 oder Ähnlichem zu passen. Viele, sehr viele Spieler gehen mit solchen Anfangskarten mit. Sobald ein K im Flop liegt, der nicht von einem A begleitet ist, dann ist die Situation der vorangegangenen durchaus ähnlich. Doch, die Begleitung eines A gar nicht berücksichtigend, es passiert nur etwa jedes sechste Mal, dass wir den K floppen. Ebenso groß ist die Wahrscheinlichkeit auf eine zweite 6, was uns wiederum zu oft in die Misere des zweitbesten Blattes hetzt.

Eine Ausnahme mag hier gewiss sein, wenn beide Karten in der gleichen Farbe sind und somit die Aussicht auf ein Flush, mit respektabler Hochkarte, gegeben ist. Nicht, dass wir ein Mitgehen in diesem Fall, wenn wir allgemein zu vorsichtigem Spiel tendieren, als verbindlich einstufen sollten – immerhin passiert es, wie wir wissen, nur in jedem neunten Flop, dass wir zumindest zwei in der Farbe passende Karten vorfinden – doch können wir es zumindest ins Kalkül ziehen.

Naturgemäß sitzen wir am Sechsertisch auch öfter am Dealerbutton oder am Small Blind. Dass dort ein K oder auch eine Q, in Verbindung mit niedrigem Kicker, im Wert steigt, sobald alle anderen Spieler vor uns gepasst haben, entspricht der gleichen Situation wie am Zehnertisch.