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Poker in anderen Arten spielen – Pokerstrategien für fortgeschrittene

Genau genommen ist „Poker“ mehr ein Sammelbegriff für verschiedene Spielvarianten als die Bezeichnung für ein bestimmtes Spiel. Dass Texas Hold’em zur Zeit ganz oben auf der Beliebtheitsskala steht, heißt aber nicht, dass andere Spielarten nicht auch spannend sein können. Wenn ihr Lust habt, probiert auf der nächsten Pokerparty doch auch einmal die folgenden Varianten aus…

Draw Poker oder auch Five Card Draw
Wer vom Pokern überhaupt keine Ahnung hat, hat meist das Bild von Draw Poker vor Augen. Hier gibt es nur zwei Wettrunden. Vor Spielbeginn legen alle den gleichen Einsatz in den Pot, die sogenannte Ante, zum Beispiel einen Chip oder einen Euro. Es gibt also keine gestaffelten Blind-Einsätze wie bei Texas Hold’em. Je nach Zahl der Spieler spielt man mit 52 oder nur 32 Karten.

Jeder Spieler bekommt fünf Karten. Der Spieler links vom Dealer eröffnet die Wettrunde, die genauso abläuft wie bei Texas Hold’em. Anschließend hat jeder Spieler das Recht, bis zu drei oder vier Karten (je nach vorheriger Vereinbarung) verdeckt abzugeben, und erhält dafür die gleiche Zahl neuer Karten. Es folgt eine zweite, letzte Wettrunde.
Triple Draw ist eine weitere Draw-Variante mit geringer Verbreitung.
Es wird gespielt, wie Five Card Draw, aber mit drei Wettrunden.

Omaha Poker
Die Unterschiede zu Texas Hold’em sind auf den ersten Blick geringfügig, haben aber große Auswirkungen. Denn hier bekommt jeder Spieler statt zwei vier verdeckte Karten. Die Kombination, mit der ein Spieler den Showdown bestreiten will, muss zwei der verdeckten und drei der Gemeinschaftskarten enthalten. Beim Omaha High Poker und Omaha Low Poker besteht der Unterschied zu Omaha Poker nur darin, dass am Ende der Pot zwischen der besten (High Poker) und der schlechtesten Hand (Low Poker) geteilt wird. Wie die beste Hand ermittelt wird, ist klar. Die schlechteste Hand muss fünf Karten zwischen Ass und Acht enthalten. Ass zählt dabei als Eins. Die niedrigste Hand ist Ass, 2, 3, 4 und 5. Sie nennt man Wheel oder auch Bicycle (Flushs und Straßen gibt es hier nicht). Es gewinnt, wessen höchste Karte niedriger ist als die höchste Karte eines Mitspielers.

A♦ 2♠ 3♣ 4♥ 5♠

Seven Card Stud
Bei dieser Pokerversion sind höchstens acht Spieler beteiligt. Anders als bei Texas Hold’em gibt es für die Farben eine Rangreihenfolge von ♣ als niedrigster über ♦ und ♥ bis ♠ als höchster Farbe. Der Dealer gibt jedem Spieler zwei verdeckte und eine offene Karte. Wer die niedrigste offene Karte hat, muss (statt eines Blind-Einsatzes) einen vorher vereinbarten Betrag als Bring-In in den Pot legen.

A♣ A♦ A♥ A♠

Nach der ersten Wettrunde erhält jeder Spieler drei weitere offene Karten, jeweils gefolgt von einer Wettrunde, die stets von demjenigen eröffnet wird, der zu diesem Zeitpunkt mit seinen offenen Karten die stärkste Hand besitzt – und wenn das auch nur die höchste Einzelkarte sein sollte. Schließlich erhält jeder Spieler noch verdeckt die siebte – und damit letzte – Karte mit anschließender und zugleich abschließender fünfter Wettrunde. Es gewinnt, wer aus seinen sieben Karten die stärkste Pokerhand zusammenstellen kann.

Razz
Das ist eine Art auf den Kopf gestelltes Seven Card Stud. Es gewinnt nämlich die schlechteste Pokerhand. Folglich muss auch derjenige den Bring-In leisten, der die höchste offene Karte hat, und die Wettrunden eröffnet auch stets der, der gerade die stärkste offen ausliegende Pokerhand hat. Ass zählt Eins, und die beste, weil niedrigste Hand, ist Ass-Zwei-Drei-Vier-Fünf (wie das Wheel beim Omaha Poker). Ein Paar liegt bereits darüber. Und wie leicht kommt man doch zu einem Pärchen …

Five Card Stud
Dieses Spiel ähnelt, wie schon der Name vermuten lässt, stark dem Seven Card Stud. Zwei bis neun Spieler erhalten insgesamt fünf Karten. Nach dem Bring-In erhält jeder eine Karte verdeckt und eine offen. Dann folgt abwechselnd: Wettrunde, jeder erhält eine offene Karte, Wettrunde und so weiter – eben wie beim Seven Card Stud.

Easy Poker
Dies ist eine Casino-Variante, bei der vor allem die Bank gut verdient. Alle Spieler legen drei gleich hohe Einsätze auf sogenannten Setzringen vor sich ab – üblicherweise mindestens drei Mal 5 Euro und höchstens drei Mal 100 Euro. Nachdem alle Spieler ihren ersten Einsatz getätigt haben, erhält jeder verdeckt drei Karten, jeder kann nun seinen Einsatz verdoppeln, indem er den Einsatz aus dem zweiten Setzring vor sich in den Pot legt, oder passt. Dann kommt eine Karte offen auf den Tisch. Wieder kann jeder passen oder den dritten Einsatz einbringen. Dann wird abgerechnet. Je höher am Ende die Kartenkombination der Spieler, desto höher ist auch der Auszahlungsbetrag durch die Spielbank. Der höchste Auszahlungsbetrag ist in der Regel auf 15.000 Euro begrenzt. Im Grunde handelt es sich hier um ein Zwei-Personen-Spiel zwischen einem einzelnen Spieler und der Bank.

Yukon Hold’em
Wie der Name vermuten lässt, stammt das Spiel aus Alaska. Es ist mit anderen Hold’em-Versionen verwandt, vor allem mit Texas Hold’em und Omaha Hold’em. Es wird selten gespielt, und wenn, dann vor allem in Kanada und dem Nordwesten der USA.

Wie bei jedem Hold’em-Poker zahlen die beiden Spieler links vom Dealer vor Spielbeginn Blinds. Dann bekommt jeder zwei Handkarten. Nach der Bietrunde kommen zweimal je zwei Karten als Flop auf den Tisch – damit gibt es zwei getrennte Kartensets aus je zwei Karten. Nach einer weiteren Wettrunde kommt zu jedem Set noch je eine dritte Karte als Turn hinzu. Es folgt die nächste Wettrunde. Der River besteht nur aus einer Karte, die für jedes der beiden Kartensets gilt. Es folgt die vierte und letzte Wettrunde.

Jeder Spieler kann nun aus seinen Handkarten, einem der beiden offenen Sets und der Einzelkarte für den River seine Kombination zusammenstellen. Es ist aber nicht erlaubt, dazu Karten aus zwei verschiedenen Dreiersets heranzuziehen. Die Reihenfolge der Hände ist wie bei Texas Hold’em.

Royal Poker, Royal Hold’em
Hier sind insgesamt nur zwanzig Karten im Spiel, nämlich Zehn, Bube, Dame, König und Ass in vier Farben. Alle anderen Karten werden aussortiert und beiseite gelegt. Gespielt wird nach den Regeln von No Limit Texas Hold’em. Durch die geringe Anzahl an Karten im Deck sind die Kombinati-onsmöglichkeiten jedoch beschränkt, sodass es nur fünf statt neun verschiedene Kombinationen gibt: den Royal Flush, den Vierling, den Full House, die Straße und das Doppelpärchen.

Tropical Stud, Oasis Stud oder auch Caribbean Stud
Diese Variante wird gelegentlich von Casinos angeboten. Jeder Spieler setzt ein Ante und erhält verdeckt fünf Karten. Auch der Dealer bekommt fünf Karten: vier verdeckt und eine offen. Wenn ein Spieler mitgehen will, muss er jeweils das doppelte Ante nachlegen – oder er passt, hat damit dann aber das Ante verloren. Der Spieler erhält das zweifache Ante ausgezahlt, wenn der Dealer eine schlechtere Hand hat als Ass-König. Hat der Dealer aber Ass-König oder besser, so vergleicht jeder Spieler sein Blatt mit dem des Dealers. Gewinnt der Spieler, so bekommt er das Doppelte seines Einsatzes und zusätzlich eine Auszahlung, die von seiner Kartenkombination abhängt.

Würfelpoker oder auch Poker Dice
Diese Variante spielt man, wie der Name schon trefflich sagt, nicht mit Karten, sondern mit jeweils fünf identischen Würfeln. Diese speziellen Pokerwürfel zeigen Kartensymbole und entstanden vor rund 130 Jahren in Amerika (im Jahr 1881 wurden sie dort auch patentiert). Auf dem Würfel sind abgebildet: eine schwarze Neun, eine rote Zehn, ein Bube, eine Dame, ein König und ein Ass.

Wer an der Reihe ist, wirft alle fünf Würfel aus einem Würfelbecher. Ähnlich wie beim Kniffel sind auch hier insgesamt drei Würfe erlaubt. Bei jedem Wurf kann man beliebig viele Würfel wieder aufnehmen und erneut werfen. Ziel ist es, die wertvollste Kombination zu erreichen.

Die möglichen Kombinationen, in der absteigenden Reihenfolge ihres Wertes sortiert, sind: Fünfling, Vierling, Full House, Große Straße (Zehn, Bube, Dame, König, Ass), Kleine Straße (Neun, Zehn, Bube, Dame, König), Drilling, Doppel-Pärchen, Pärchen, Runt (höchster Einzelwürfel).

Übrigens: Es läuft oft besser, wenn jeder Spieler einen eigenen Satz Würfel zur Verfügung hat. Sonst muss sich jeder das Ergebnis seines Wurfes aufschreiben oder versuchen, es sich zu merken. Das ist eine erstklassige Quelle von Missverständnissen und Querelen …

Escalero
Escalero ist vor allem in Österreich verbreitet. Man kann es alleine oder im Team spielen. Escalero ist noch weit mehr als Würfelpoker mit Kniffel verwandet: Auch hier hat jeder Spieler wieder drei Würfe, von denen er jeweils beliebig viele Würfel wieder aufnehmen, neu werfen und zur besten Kombination zusammenstellen kann. Nach dem letzten Zug trägt jeder Spieler seinen Wurf in eine Spieltabelle ein, bei der (im Unterschied zum Würfelpoker) ein ähnliches Wertungsraster wie beim Kniffel zugrunde gelegt wird. So notieren die Spieler auch hier in den ersten sechs Zeilen die Zahl gleicher Würfel – also zum Beispiel, wie viele Buben ein Spieler erreicht hat. In die unteren vier Zeilen werden die Kombinationen eingetragen: Grande, das sind fünf Gleiche (entspricht einem Kniffel), Poker (bzw. Vierling), Full House und die Straßen. Zusatzpunkte gibt es, wenn das Ergebnis mit einem Wurf „serviert“ wurde.

Verdecktes Würfelpoker oder auch Liar Dice
Bei diesem Spiel dürft ihr lügen und bluffen, was das Zeug hält. Ihr braucht nur einen Satz Pokerwürfel, einen Würfelbecher und einen Bierdeckel. Es gilt die gleiche Wertigkeit der Hände wie beim Würfelpoker.

Der erste Spieler würfelt, schaut heimlich das Ergebnis an, und nennt eine bestimmte Pokerhand. Dann gibt er den Bierdeckel – vorsichtig, damit sich der Wurf nicht verändert – mit dem über die Würfel gestülpten Becher an den nächsten Spieler weiter. Glaubt dieser die Ansage, darf er sie nicht kontrollieren und schüttelt die Würfel kräftig durch, ohne den Becher vorher abzunehmen. Jetzt muss er einen höheren Wurf ansagen, ob er ihn nun tatsächlich erreicht oder nicht. Erreicht er ihn nicht, hat er verloren.

Zweifelt ein Spieler am Ergebnis seines Vorgängers, darf er den Becher hochheben. Es gewinnt jeweils derjenige, der Recht hatte: also entweder der Vorgänger, der die Wahrheit gesprochen hatte, oder der nachfolgende Spieler, der ihm der Lüge überführt hatte.