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Ein Interview mit Katja Thater zum Thema Texas Holdem Poker

Zum Pokern kam sie… nun ja … genau genommen durch einen Zufall.
Ihr Ehemann, der erfahrene Pokerprofi Jan von Holle, war seinerzeit – wir schrieben das Jahr 1999 – wahrend eines laufenden Pokerturniers einfach von einem Tisch aufgestanden, hatte einen fetten Stack mit mehreren tausend € liegen lassen und zu seiner Gattin gesagt: „Mach du mal weiter.“

Dieser Wagemut amortisierte sich rasch, denn Gattin Katja gewann nicht nur den Pot, sondern machte sich anschließend daran, die deutsche Pokerwelt auf den Kopf zu stellen. Binnen weniger Monate hatte sie einen Namen in der Szene, gewann erste Turniere und wurde nach einigen Jahren für das deutsche Team beim Poker Nations Cup nominiert.

Sieht man sie heute am Spieltisch, so fällt das Auge des Betrachters zunächst auf ihren Mund. Schmal ist er, kann schnell zu einem bloßen Strich werden, doch ist dieses leichte Zusammenziehen der Lippen in aller Regel auch schon die einzige Gefühlsregung, die man bei der gebürtigen Hanseatin zu erkennen glaubt. Wenn sie lächelt, strahlt sie eine ruhige, gelassene Selbstsicherheit aus, die keine Fragen oder gar Zweifel aufkommen lässt. Katja Thater ist so sehr Herrin ihrer selbst, so konzentriert auf das, was sie tut, dass mittlerweile nur wenige Pokerspieler ihr noch das Wasser reichen können.

Ein britischer Fernsehkommentator nannte sie „The blonde mamba“ – ein Spitzname, mit dem sie sich vermutlich anfreunden kann: zuweilen fast teilnahmslos wirkend, doch immer hochkonzentriert und stets bereit, wenn sich die Chance zum Zuschnappen bietet. Kein Wunder, dass eine andere Bezeichnung für Katja Thater auch „Lady Horror“ lautet. Nicht sehr schmeichelhaft? Im Gegenteil – ein Kompliment! Sie ist eine, die es wissen muss:
Wir haben die erfolgreiche Profispielerin Katja Thater befragt.

Frau Thater, Sie sind Deutschlands bekannteste und wohl auch beste Pokerspielerin. Das ist erstaunlich, wenn man bedenkt, dass Sie erst vor einigen Jahren mit dem Pokern angefangen haben. Mit 33 Jahren hatten Sie noch keine einzige Partie Poker gespielt. 1 999 kam dann der Wendepunkt – was ist passiert?

Stimmt, ich habe mich recht spät entschlossen, Poker zu spielen. Als ich das erste Mal die Chance hatte, an einem Pokertisch zu sitzen, stieg ich direkt in ein sehr teures Pot-Limit-Spiel mit erfahrenen Profis ein. Also ein echter Sprung ins kalte Wasser. An Online-Poker oder Lehrmaterial war noch gar nicht zu denken. Da haben es heute die Anfänger deutlich leichter. Es gibt mittlerweile jede Menge Bücher und Lehrstoff. Und im Internet kann man meist mit sehr niedrigem Einsatz oder kostenlosem Playmoney üben.

Man sieht es Tag für Tag bei großen Poker-Events in den Medien, aber auch beim Pokerspielabend zu Hause: Pokern ist eine typische Männerdomäne. Warum ist das so?
Man setzt sich ja beim Pokerspiel oft vielen Dingen aus, die auf den ersten Blick für Nicht-Pokerspieler unangenehm erscheinen. Ich denke, dass das Frauen ein wenig abschreckt. Online sieht es schon ein wenig anders aus, da ist die Frauenquote deutlich höher. Das liegt sicher auch daran, dass frau hier sich nicht so persönlich involvieren muss und einen gewissen Schutz genießt.

Was sagt Ihre Erfahrung: Spielen Männer anders gegen Männer als gegen Sie als Frau?
Wer mich kennt, behandelt mich nicht anders als andere Gegner auch. Ich muss aber sagen, dass ich oftmals eine gewisse Unsicherheit bei meinen männlichen Gegnern spüre, die mich nicht kennen. Man ist als Frau schwer einzuschätzen. Was macht die hier? Wieso sitzt sie am Pokertisch und nicht bei ihren Kindern zu Flause? Rein instinktiv verunsichert das viele Männer.

Das Image von Poker spielt hier sicherlich eine große Rolle. Schließlich gilt Poker als aggressiv, risikoreich, ja, geradezu gefährlich, nichts für schwache Nerven. Stimmt das eigentlich?
Stimmt. Poker ist der Inbegriff von Kampfsport. Man kämpft mit sich, seinem Gegenüber, mit seinen Nerven und noch vielem mehr. Manchmal tanzt man geschmeidig um seinen Gegner herum, um dann später zu einem heftigen Schlag auszuholen. Ohne einen gewissen Killerinstinkt
oder Risikobereitschaft kann man selten erfolgreich Poker spielen. Man darf vor nichts Angst haben, sollte sich aber einen gesunden Respekt erhalten.

Warum tun Sie sich diesen Stress an? Was begeistert Sie an diesem Spiel?
Ich liebe Pokern. Ich liebe den Wettkampf. Ich verdiene Geld damit.
Das sind genug Gründe, um mein gemütliches Sofa zu verlassen. Und wenn ich online spiele, kann ich sogar sitzen bleiben …

Stellen Sie sich vor, Sie möchten eine Freundin, die bisher noch nie gepokert hat, von diesem Spiel begeistern. Was würden Sie ihr erzählen? Warum sollten nicht nur Männer, sondern gerade auch Frauen Poker spielen?

Das habe ich schon oft erlebt. Viele Frauen fragen mich durchaus interessiert „so auf dem Weg“, wie Poker funktioniert und ob es Spaß macht. Neulich erst habe ich mich kurz mit der Catering-Frau auf einem Filmset darüber unterhalten und ein paar Fragen beantwortet. Ich würde fast wetten, dass sie jetzt bei PokerStars online spielt.

Allerdings überrede ich ungefragt niemanden dazu. Schon gar niemanden, dem meiner Meinung nach vielleicht gewisse Eigenschaften fehlen. Aber man sollte Pokern einfach selbst testen und ausprobieren. Dazu gibt es ja heutzutage eine Menge Möglichkeiten ohne finanzielles Risiko. Das einzige Risiko bei dem Spiel ist, dass man sich selbst entdeckt.

„Man darf vor nichts Angst haben, sollte sich aber einen gesunden Respekt erhalten.“

Wie verbessern Sie sich? Eher nach der Methode „Leaming by doing“ oder zählt dann doch eher das theoretische Know-how?
Theorie und Praxis sind beim Poker untrennbar.
Ohne gewisse theoretische Grundlagen können Sie vielleicht mal eine Hand gewinnen, aber nie auf lange Sicht überleben. Eng verbunden ist die Praxis. Poker ist ein komplexes Spiel und profitiert sehr stark von Erfahrungen. Deswegen gilt: Theorie büffeln und dann spielen, spielen, spielen.

„Das einzige Risiko bei dem Spiel ist, dass man sich selbst entdeckt.“

Was macht für Sie einen richtig guten Pokerspieler aus?
Wo sieht ein Profi wie Sie seine eigenen Stärken und Schwächen?

Ein guter Pokerspieler sollte eine ganze Palette von Eigenschaften mitbringen. Deswegen ist das Spiel ja auch so beliebt: Irgendeine dieser erforderlichen Eigenschaften entdeckt man bei sich und denkt dann: Ich werde Pokerspieler. Im Laufe der Zeit merken dann viele, was eigentlich alles erforderlich ist und dass nur ein oder zwei Eigenschaften einfach nicht ausreichen. Etwa nur aggressiv oder nur geduldig zu sein reicht eben nicht. Man braucht alles. Ich selbst arbeite auch noch an einer gewissen Baustelle. Übrigens ist auch das ein Meilenstein auf der Wie-spiele-ich-erfolg- reich-Poker-Liste: eigene Schwächen erkennen und beseitigen.

Was war Ihr größter Bluff bei einem Pokerspiel?
Das Thema Bluff scheint immer wichtig zu sein. Doch Bluffen ist lediglich ein einzelnes Tool, das man beim Pokern einsetzen kann. Viele Anfänger jedoch sind so darauf versessen zu bluffen, dass sie sich selber dabei umbringen. Ich hab mal einen spektakulären Bluff gegen einen anderen Profi im TV durchgezogen. Die anderen erzähle ich nicht, sonst wäre es ja kein Bluff mehr…

In den USA ist Poker ja schon lange Kult. In der letzten Zeit erlebt Pokern auch in Deutschland einen unwahrscheinlichen Boom. Was denken Sie: Wie wird sich Poker weltweit in den nächsten Jahren entwickeln? Geht es weiter bergauf oder flacht das Interesse bald wieder ab?

Deutschland ist erst am Beginn des Booms. Ich schätze, die Zahl der Pokerbegeisterten wird noch ansteigen. In Ungefähr zwei Jahren werden wir uns auf einem gesunden Level befinden. Es gibt bereits Parallelen zu anderen Ländern. Weltweit gab es immer Poker und wird es immer Poker geben.

In den letzten Jahren ist Online-Poker stark im Kommen. Was halten Sie von dieser Entwicklung? Sehen Sie darin eine Gefahr fürs „echte“ Live-Poker?

Auf keinen Fall. Die Live-Casinos in Deutschland werden begreifen, dass Online-Anbieter keine Konkurrenten sind. Man befruchtet sich doch gegenseitig. Jeder Online-Spieler will irgendwann mal richtige Karten in die Hand nehmen, an einem echten Tisch sitzen und mit den Chips klimpern. Genauso sieht der Live-Spieler Online-Poker als Alternative. Welches Live-Casino in Deutschland hat schon morgens um neun ein Pokerspiel laufen? Man ergänzt sich halt.

„ Weltweit gab es immer Poker und wird es immer Poker geben.“

Wie ist es bei Ihnen selbst? Spielen Sie auch gerne Online-Poker oder ziehen Sie Live-Pokern vor?
Ich mache beides. Wenn ich unterwegs bin, nutze ich gerne das Angebot von PokerStars, da ich zu jeder Zeit und an jedem Ort mit Internetverbindung Poker spielen kann. Wenn ich jedoch die Wahl habe, ziehe ich eine Live-Poker-Partie vor.

Wie sieht Ihr Leben außerhalb des Pokertischs aus? Was tun Sie, um abzuschalten?
Mein Terminkalender ist so voll, dass ich kaum zum Durchatmen komme. Ich spiele ja nicht nur Poker, sondern habe viele Projekte laufen, die mit dem Thema zu tun haben. Da bleibt im Moment nicht viel übrig. Gott sei Dank habe ich gute Freunde, die es mir nicht übel nehmen, wenn ich mich mal ein paar Wochen nicht melden kann.

Zum Schluss noch ein Profitipp für alle Zocker und solche, die es werden wollen: Was ist der schlimmste Fehler beim Pokern?
Andere zu unterschätzen!

Frau Thater, herzlichen Dank für dieses Gespräch – und weiterhin viel Erfolg beim Pokern!