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Das Spiel in einer loose-passiven Partie Teil III – gute Pokerstrategien lernen

Das Spiel in einer loose-passiven Partie Teil I

Die Spieler mit aussichtsreichen Draws callen in jeder Partie, aber Sie werden in den meisten Fällen gewinnen. Die Odds gegen die Vervollständigung solcher Hände liegen bei ungefähr 2 zu 1. Da die Pot Odds viel höher sind, hat der Call Ihrer Gegner einen positiven Erwartungswert. Aber das Gleiche gilt für Ihren Raise. Da die Odds Ihrer Gegner 2 zu 1 dagegen betragen, bekommen Sie zwei Drittel des zusätzlichen Geldes.

Welches zusätzliche Geld? Es gibt doch nur einen Pot und einen Gewinner. Doch der Pot besteht aus zwei Teilen: dem bereits darin befindlichen Geld und dem Geld, das jetzt oder später dazukommt. Zum Beispiel erzeugt beim Hold’em der existierende Pot auf dem Flop den positiven EV für den Draw, aber in zwei Drittel der Fälle werden Sie gewinnen. Auf lange Sicht erhalten Sie von jedem zusätzlichen Dollar, der in den Pot wandert, 67 Cent (in einer Heads-Up- Situation).

Raisen hat jedoch auch einen Nachteil, besonders vor dem Flop. Wenn ein Raise den Pot zu stark anwachsen lässt, könnte dies die natürliche gegnerische Tendenz, mit schwachen Händen zu callen, von einem Fehler in „versehentlich korrektes Spiel verwandeln (…) Demzufolge (…) sollten Sie mit vielen Händen, mit denen Sie scheinbar automatisch raisen sollten, nicht raisen, weil Sie Ihre Spielstärke eher in den späteren Setzrunden ausspielen wollen.“ Wenn sie jedoch grauenhaft schlecht spielen und mit jeglichem Müll dabeibleiben, geben Sie mit einem unterlassenen Raise zu viel auf.

Die Entscheidung, ob man betten oder raisen sollte, macht oft Kompromisse erforderlich und die Faktoren, die diese Kompromisse beeinflussen, sind zu kompliziert, um sie hier zu diskutieren. Die Diskussion über „loose Partien“ in Hold’em Poker for Advanced Players: 21st Century Edition und Seven-Card Stud for Advanced Players: 21st Century Edition liefert mehr Informationen zu diesem Thema.

Anpassung Nr. 5: Raisen Sie mit starken Draws. Diese Empfehlung stellt eigentlich nur eine Erweiterung der beiden vorhergehenden dar. Da viele Spieler callen und starke Draws in jeder Setzrunde häufig einen positiven Erwartungswert besitzen, steigt Ihr langfristiger Gewinn umso stärker, je mehr Geld in den Pot wandert. Wenn Sie zum Beispiel beim Hold’em auf dem Button sitzen und vor dem Flop sechs Spieler gecallt haben, können Sie mit raisen.

Das Spiel in einer loose-passiven Partie Teil I27

Je mehr Spieler vor Ihnen gecallt haben, desto schlechter kann Ihr Blatt für einen Raise sein, weil nahezu alle und vermutlich auch einer der beiden (oder beide) Blinds callen werden, womit Sie Pot Odds von 7 zu 1 oder 8 zu 1 bekommen. Beschert Ihnen der Flop eine starke Hand, können Sie aggressiv betten. Verläuft der Flop eher mittelprächtig, können Sie den Turn vielleicht sogar kostenlos sehen, weil LPAs sehr häufig zum Raiser checken.

In Late Position können Sie betten, um eine Free Card auf dem Turn zu kaufen, weil die anderen vermutlich erneut checken werden. Wenn Ihnen der Flop nicht hilft und jemand bettet, folden Sie und haben mit Ihrem Raise nicht mehr als eine Small Bet verloren. Wenn alle zu Ihnen checken, Sie auf dem Flop betten und jemand auf dem Turn in Sie hineinbettet, können Sie ziemlich sicher davon ausgehen, geschlagen zu sein (weil loose-passive Spieler sich in der Regel an Ihren vorherigen Raise erinnern und in der nächsten Setzrunde wieder zum Raiser checken).

Beim Stud würden Sie mit einem Flush- oder Open-ended Straight Draw in der zweiten oder dritten Setzrunde bei noch mehreren Spielern nach Ihnen normalerweise nicht raisen, weil dies andere verjagen und dadurch Ihre Pot- und Implied Odds ruinieren würde. In der Regel wollen Sie billig drawen und viele potenzielle Caller behalten, die Sie ausbezahlen, falls Sie Ihre Hand komplettieren. (Weist Ihre Hand jedoch andere Aspekte wie einige hohe Karten oder ein Paar auf, sollten Sie eventuell raisen, mit dem Ziel, das Feld auszudünnen und Heads-Up zu spielen.)

In einer loose-passiven Partie werden viele Spieler besonders dann den Raise callen, wenn sie bereits die Bet gecallt haben. Gewissermaßen zucken sie mit den Schultern und sagen sich: „Es ist ja nur eine weitere Bet.“ Haben Sie außerdem Position, bekommen Sie in der nächsten Setzrunde möglicherweise eine Free Card, weil Ihre Gegner zum Raiser checken. Das Gleiche gilt für den Flop beim Hold’em. Wenn es zum Beispiel vor Ihnen zu einer Bet und vier Calls gekommen ist, Ihnen nur eine Karte zu einem Flush fehlt und auf dem Board kein Paar liegt, raisen Sie. Die Pot Odds gegen die Vervollständigung Ihres Flushs liegen bei ungefähr 2 zu 1 und Sie bekommen für Ihren Raise Pot Odds von 5 zu 1, weil alle anderen vermutlich callen werden. Ihr Erwartungswert ist extrem hoch – ungefähr 1 $ Gewinn für jeden Dollar, den Sie setzen.

Sie gewinnen in circa einem Drittel der Fälle und verlieren in ungefähr zwei Drittel. Machen Sie dies 100-mal bei fünf Callern, verlieren Sie 67 $, wenn Sie geschlagen werden, und gewinnen andernfalls 165 $, was zu einem Nettogewinn von 98 $ führt.
In der Tat sind einige „No Fold’em Hold’em“-Partien derart loose, dass Sie selbst dann mit guten Draws raisen können, wenn nur ein oder zwei Spieler gecallt haben, weil viele nachfolgende Spieler den Raise mit Schrott ebenfalls callen werden.

Ein weiterer Grund für einen Raise ist, dass Sie sich – wegen der Passivität Ihrer Gegner und deren Neigung, zum Raiser zu checken – in der Regel eine Free Card auf dem Turn kaufen können. Diese Furcht können Sie selbst dann für sich nutzen, wenn Sie in Early Position sitzen. Die nachfolgenden Spieler haben so viel Angst vor einem Check- Raise, dass Sie eine Free Card bekommen. Geschieht dies, hatte Ihr Raise den bestmöglichen Effekt: Sie haben einerseits einen positiven EV erzielt und müssen andererseits für Ihren Draw nicht so viel zahlen, wenn Sie die erste Karte verfehlen (zwei Small Bets auf dem Flop im Vergleich zu einer Small Bet auf dem Flop und einer Big Bet auf dem Turn).

Anpassung Nr. 6: Betten oder raisen Sie mit schwächeren Händen, um Ihre Gewinnchancen zu erhöhen. Viele Pots wachsen so schnell an, dass Sie oftmals betten oder raisen sollten, obwohl Sie davon ausgehen, geschlagen zu sein und nur geringe Chancen haben, alle Gegner zu verjagen.

„Sie machen das nicht, weil eine geringe Chance auf den Sieg besteht, (…) sondern weil Sie mit Bets [oder Raises] die Flände verjagen, die Sie in dem kleinen Prozentsatz der Fälle, wenn sich Ihre Fland verbessert, den Pot kosten würden. Denken Sie daran, dass Sie in jedem Fall callen werden.“

Hin und wieder überschneidet sich dieses Prinzip mit anderen, wie zum Beispiel dem Raisen mit guten Draws. Angenommen, Sie haben und auf dem Flop kommen

Das Spiel in einer loose-passiven Partie Teil I29

Vor dem Flop gab es keinen Raise und Sie sind bei sechs nachfolgenden Spielern als Zweiter an der Reihe. Wenn der erste Spieler offenkundig mit einem Paar Königen bettet, raisen Sie. Vermutlich werden Sie nicht alle verjagen, aber vielleicht Spieler mit A3 bis AQ. Wenn Sie im weiteren Verlauf ein Ass treffen, können Sie einen Pot gewinnen, den Sie ohne den Raise verloren hätten. Ich nenne diesen Vorgang „Kaufen von Outs“. Hat jemand ein Ass plus besseren Kicker, haben Sie nur die neun Herz-Karten zu Ihrem Flush als Outs (abgesehen von dem unwahrscheinlichen Fall, noch zwei Zweien oder ein Ass und eine Zwei zu treffen). Können Sie mit Ihrem Raise diesen Spieler verjagen, haben Sie elf Outs – neun Herz sowie die beiden verbleibenden Asse (es sei denn, jemand kann Ihr Paar Asse trotzdem schlagen). Da die Priorität auf dem Gewinn des Pots liegt, ist ein Raise, mit dem Sie sich Outs kaufen oder Ihre Gewinnchancen auf eine andere Art erhöhen, eine ausgezeichnete Investition.

Anpassung Nr. 7: Widerstehen Sie der Versuchung, bestimmte Raises auszuführen. Weil so viele Spieler callen, kann man der Versuchung, mit so mancher guten, aber nicht großartigen Hand zu raisen, nur schwer widerstehen. Angenommen, Sie spielen eine Partie Hold’em, halten auf dem Button

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und sechs Spieler haben gecallt. Sie wissen, dass einige davon, vielleicht sogar alle, schwächere Blätter haben, sollten aber vermutlich der Versuchung zu raisen widerstehen. Wahrscheinlich würden alle callen und Ihr Raise ließe den Pot derart anwachsen, dass die Pot Odds Calls Ihrer Gegner auf dem Flop oder sogar auch auf dem Turn selbst mit schwachen Händen rechtfertigten, was die Wahrscheinlichkeit erhöhen würde, dass jemand Sie noch überholt. Ein Call mit einem Gutshot oder Bottom Pair wäre angesichts von 7 oder 8 Bets im Pot ein Fehler, aber richtig, wenn wegen Ihres Raises 14 bis 16 Bets darin lägen. Tatsächlich hat Ihr Raise die natürliche Tendenz Ihrer Gegner, auf dem Flop oder sogar dem Turn zu callen, von einem Fehler in einen korrekten Spielzug verwandelt. Wie jedoch bereits erwähnt: Wenn sie wirklich grauenhaft schlecht spielen und mit jeglichem Müll dabeibleiben, geben Sie mit einem unterlassenen Raise zu viel Vorteil auf.

Das gleiche Prinzip ist auf viele andere Situationen anwendbar. Wenn zu viele Spieler in einer frühen Setzrunde eine Bet oder einen Raise callen, wächst der Pot derart stark an, dass die gedankenlose Neigung der LPAs, mit nahezu allem zu callen, oft zur richtigen Spielweise mutiert. Dieses Thema wird in Hold’em Poker for Advanced Players: 21st Century Edition (S. 157-172) und Seven-Card Stud for Advanced Players: 21st Century Edition (S. 157-172) eingehender diskutiert.

Anpassung Nr. 8: Reduzieren Sie Bluffs auf ein Minimum. Ein
Spieler wird fast immer callen und es besteht keine Veranlassung, Action in den späteren Setzrunden zu begünstigen.

Anpassung Nr. 9: Reduzieren Sie „geniale Manöver“ auf ein Minimum. Mit das Dümmste in einer loose-passive Partie sind extravagante Spielzüge. Die anderen Spieler sind derart gedankenlos, dass solche Versuche geradewegs an ihnen Vorbeigehen.

Anpassung Nr. 10: Reduzieren Sie Check-Raises auf ein Minimum.
Wenn Sie checken, checken vermutlich auch alle anderen. Sie müssen Ihre guten Hände selbst betten, weil passive Spieler Ihnen dies nicht abnehmen. Es gibt jedoch ein paar Situationen, in denen Sie versuchen können, sehr anfällige Hände zu schützen.
Angenommen, Sie haben beim Hold’em

Das Spiel in einer loose-passiven Partie Teil I31
und sitzen im Big Blind. Sieben Spieler sind nach Ihnen an der Reihe und auf dem Flop kommen

Das Spiel in einer loose-passiven Partie Teil I32

Natürlich würden Sie gerne Ihre Hand schützen, aber die meisten Spieler werden Ihre Bet callen. Checken Sie, bettet ein nachfolgender Spieler vielleicht und Sie können raisen. Ein paar schwächere Blätter, wie zum Beispiel QT oder 75, folden vielleicht, wodurch Ihre Gewinnchancen steigen.

Anpassung Nr. 11: Spielen Sie mit guten Händen nicht slow.
Slowplay birgt die gleichen Risiken wie der Versuch eines Check-Raise. Die anderen Spieler könnten von Bets oder Raises absehen. Mit einer guten Hand sollten Sie betten oder raisen. Andernfalls verlieren Sie in dieser Setzrunde Geld und erhöhen die Wahrscheinlichkeit, überholt zu werden.