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Was führt eigentlich zum Gewinn – neue Pokerstrategien lernen


Es geht im Poker niemals darum, so viele Pots wie möglich zu gewinnen. Ein Spieler, der generell mit allen Karten mitgeht, der jeder Erhöhung in der Hoffnung auf einen unwahrscheinlichen Kauf folgt, wird letztendlich, statistisch gesehen, die meisten Pots für sich verbuchen! Wird er aber den Tisch mit mehr Geld verlassen, als er anfangs eingebracht hat? Sicher nicht! Bevor wir uns mit den verschiedenen Strategien auseinander setzen, bevor wir lernen, Gegner einzuschätzen und ihr Verhalten zu analysieren, bevor wir uns mit den eigenen Stärken und Schwächen befassen, müssen wir uns vor Augen halten, wie wir in Anbetracht von Wahrscheinlichkeiten unseren Gewinn maximieren.

Naturgemäß sind es zwei Punkte, die wir beachten müssen:
1. Das Vermeiden von Einsätzen, die nicht durch entsprechend hohe Gewinnchancen gerechtfertigt sind.
2. Das Maximieren von Pots, die wir – aller Wahrscheinlichkeit nach – gewinnen werden.

Konsequentes Spiel ist Grundvoraussetzung! Es beginnt mit den Anfangskarten. Wir spielen nur jene, die uns auch erhöhte Gewinnchancen versprechen. Jeder unüberlegte Einsatz, wenn immer uns der Spielteufel in Versuchung führt, kostet wertvolle Chips und reduziert unsere Einnahmen. Lassen Sie sich nicht von selektivem Gedächtnis blenden! Dass es gelegentlich vorkommt, dass Sie mit 6-3 oder Ähnlichem passen und, nach dem Flop, zwei Paare oder eine Straße gekauft hätten, bedeutet nicht, dass es oft genug vorkommt!

Bevor Sie sich einen Computersimulator für Texas Hold’em anschaffen, nehmen Sie schlicht ein Paket Spielkarten zur Hand. Nehmen Sie zwei beliebige Karten aus dem Paket heraus, Ihre Bunkerkarten, und dann legen Sie drei um drei Karten vor sich auf den Tisch, den Flop. Um die Wahrscheinlichkeit zu testen, brauchen Sie dabei nicht jedes Mal neu zu mischen. Sie werden sehen: Halten Sie A♣ – K♣, dann wird etwa jeder zweite Flop für Sie günstig sein; schließlich sind Sie schon zufrieden, wenn auch nur ein K oder ein A auf dem Tisch liegt. Und dann probieren Sie es mit 10♣ – 9♣ oder gar 10♣ – 9♦, und Sie werden sehen, wie wenige der Flops Ihrem Wunsch entsprechen, auch wenn die Anfangskarten für Sie noch so viel versprechend aussehen.

Sind wir nun im Pot, halten günstige Karten, etwa Q♠ – J♠, und sind mit folgendem Flop konfrontiert:
A♠ – 9♥ – 3♦

Wow! Ein mögliches Royal Flush! Zwei beliebige Pik machen uns ein Flush! Sowohl K – 10 als auch 10-8 werden zur Straße! Falls niemand ein A im Bunker hält, könnte uns jede Q oder jeder J ein Gewinnblatt bringen! Kurz denken wir daran, die Outs zu zählen, stellen aber sofort fest, dass es eigentlich keine zu zählen gibt. Das mögliche Flush, durch die Hintertür, wären nur zwei Outs, und zählen wir in übertriebenem Optimismus eines für die Hintertürstraße dazu, dann hätten wir drei. Sollten wir gar den Fehler begehen und drei Q und drei J als Outs zu zählen, um irgendwie auf neun zu kommen, um einen Einsatz zu recht- fertigen?

Nein, so weit gehen wir nicht! Also hoffen wir, dass alle Spieler checken! Check, check, check – bis zum Dealerbutton. Der setzt ein! Was nun? Haben wir nicht gerade neun Outs gezählt? Wenn wir uns in solchen Fällen dazu motivieren lassen, einen riskanten Einsatz zu bringen, dann ist meist nicht nur dieser in den Sand gesetzt, sondern es folgt ein Turn, der uns nochmals, und nun erhöht, zum Mitgehen veranlasst. Glauben Sie mir, lieber Leser, das sind die Situationen, die, langfristig gesehen, unsere Gewinne aufzehren. Prägen Sie sich ein, nur dann Einsätze zu bringen, wenn es der mathematische Vorteil auch rechtfertigt. Schaffen Sie es, hierbei konsequent zu sein, dann haben Sie den ersten Schritt zu gewinnbringendem Spiel getan.

Der zweite Schritt ist dann das Maximieren des Pots! Wenn Sie aus einem starken Blatt nicht alles herausholen, dann gewinnen Sie mit Ihren guten Karten nicht genug, um die schlechten zu finanzieren. Das soll natürlich nicht bedeuten, dass Sie in jedem Fall, wenn immer Sie es für unwahrscheinlich halten, dass der Gegner die passende Karte hat, um Sie zu schlagen, auf jede erfolgte Erhöhung wieder erhöhen. Setzt der Gegner ein Zeichen, dass er über das starke Blatt verfügt, auch wenn Sie es ihm nicht wirklich glauben, bleiben Sie nur mit entsprechender Vorsicht im Pot. Manche Karten jedoch rechtfertigen eine zweite oder dritte Erhöhung.

Sehr oft ist es nicht mehr als das höchstmögliche Paar, das uns gewinnen lässt. Gelegentlich vielleicht auch einmal ein Überpaar – also ein Paar im Bunker, das höher ist als die höchste der Gemeinschaftskarten. Setzt Ihr Gegner, und Sie erhöhen, und er erhöht nochmals, dann ist dies natürlich kein Anlass zu passen, doch die Gefahr, dass er zwei Paare hält oder ein Taschenpaar, das zum Drilling geworden ist, sollte uns entsprechend vorsichtig werden lassen. Ergo, mitgehen und abwarten! Ist die Situation am Turn unverändert, dann checken wir. Checkt er auch, dann wissen wir, dass er bloß übermütig auf eine Kaufmöglichkeit hin erhöht hat und nicht gekauft hat (woraus wir wiederum sehr oft schließen können, was er in der Hand hält).

Sind wir nach dem River in der letzten Wettrunde angelangt, dann müssen wir wiederum sowohl Punkt 1 als auch Punkt 2 berücksichtigen. Wir gehen nur mit, wenn wir eine berechtigte Gewinnchance sehen. Mit der Möglichkeit von Bluffs setzen wir uns später auseinander. Viele Spieler lassen sich jedoch allzu oft von schlichter Neugier zu einem Einsatz motivieren. Sie sind überzeugt, dass der Gegner ein starkes Blatt in der Hand hält. Doch sie wollen es mit eigenen Augen sehen! Zugegeben, es ist ein unangenehmes Gefühl, einem Gegner den Pot zu überlassen, ohne dass er seine Karten offen auf den Tisch legt. Hat er wirklich das starke Blatt? Hat er nicht vielleicht doch geblufft? Doch wenn kein annehmbar vernünftiger Anlass zu einem solchen Zweifel besteht, ist jeder Einsatz, der letztendlich nur unsere Neugier befriedigt, verschwendetes Geld!

Halten wir ein starkes Blatt in der Hand, dann wollen wir auch darauf einsetzen. Check-Raising ist eine riskante Spekulation und nur gelegentlich angebracht! Nicht nur, dass es oft passiert, auch ist es schmerzhaft, wenn Sie über ein Full House oder ein Narrenflush verfügen, vier Spieler nach Ihnen folgend, Sie checken, und alle anderen tun das Gleiche. Hat ein Gegner ein starkes Blatt, dann geht er mit Ihrem Einsatz ohnehin mit! Vielleicht erhöht er sogar, weil er Ihr Blatt unterschätzt oder Sie eines Bluffs verdächtigt. Spielen Sie starke Karten aggressiv!

Glauben Sie jedoch, mit einem kleinen Paar das stärkste Blatt am Tisch zu haben, dann halten Sie sich mit dem Einsatz trotzdem zurück. Es gibt sehr oft die Situation, dass ein Spieler nur dann mitgehen kann, wenn er das Blatt hat, das Sie schlägt. Checken Sie, Ihr Nachmann setzt, Sie gehen mit, und er hat das höhere Paar, dann hat es einen Einsatz gekostet. Setzen Sie, und der Gegner erhöht, dann kostet es zwei! Und zwar zwei große! (Oder Sie passen, haben auch einen Einsatz verloren und werden den Verdacht nicht los, dass Sie ausgeblufft worden sind!)

Übrigens, das Schlimmste, was uns im Poker passieren kann, sind nicht die schlechtesten Karten, sondern die zweitbesten‘. Mit schlechten Karten passen wir von Anfang an oder am Flop. Doch nehmen wir an, wir haben ein Paar im Bunker, das am Flop zum Drilling geworden ist. Berechtigterweise erhöhen wir, wenn möglich, ein zweites und drittes Mal. Wir erhöhen am Turn. Und dann folgt der, so oft verdammte, River! Plötzlich ergibt sich eine Möglichkeit für Straße oder Flush! Dann müssen wir uns mit der Frage auseinander setzen, ob das aggressive Verhalten des Gegenspielers auf zwei Paare zurückzuführen war oder auf die Möglichkeit eines guten Kaufs. Auch wenn wir vorsichtig reagieren, auch wenn wir nicht mehr erhöhen, unser eigener Anteil am Pot, aus den Vorrunden, ist sehr, sehr hoch! Und dann offenbart sich die Niederlage! Er hat das Flush gekauft; hat zuvor erhöht, wo er, nach allen Berechnungen, eigentlich hätte passen sollen. Solche Niederlagen, wir nennen sie Bad Beats, sind schmerzhaft, doch sie sind nicht zu vermeiden!

Wenn wir einen Pot gewinnen, auch wenn es ein Pot von ansehnlicher Flöhe ist, dann haben wir meist etwa ein Drittel, und oft mehr, des Geldes selbst einbezahlt. Verlieren wir einen hohen Pot mit dem legendären zweitbesten Blatt, dann müssen wir oft lange auf einen ähnlich hohen Pot warten. Wir werden in späterer Folge sehen, wie wir das Risiko des zweithöchsten Blattes am besten minimieren können.