Poker-Psychologie und andere interessante Geschichten darüber Teil I

Die gute Nachricht lautet, dass jedes Kartenspiel mit 52 Karten 2 598 960 mögliche Pokerblätter mit fünf Karten bereithält. Die schlechte lautet, dass man von all diesen Blättern nur eins zugeteilt bekommt. Aber die allerbeste Nachricht ist, dass man nicht das beste Blatt haben muss, um zu gewinnen. Denn beim Pokern kommt eine Dimension ins Spiel, die es von allen anderen jemals erfundenen Spielen unterscheidet: das Element des Bluffens. Indem man so tut, als hätte man das beste Blatt, indem man also Stärke repräsentiert, kann man jeden anderen Spieler aus dem Pot verjagen und dessen Geld einstreichen, ohne die eigenen Karten auch nur zeigen zu müssen.

Dies gilt für kein anderes Spiel der Welt – abgesehen vom Leben selbst, das eine Menge mit dem Pokern gemein hat. Die meisten Menschen führen ihr Leben so, dass sie eine Reihe von Risiken eingehen, von denen einige kalkulierter sind als andere. Möglicherweise wollen sie das nicht eingestehen – und am wenigsten sich selbst -, aber sie bluffen sich tagtäglich ihren Weg durch die Unwägbarkeiten des Lebens, sei es im Beruf oder Privatleben. Mindestens fünfzig, wenn nicht sogar sechzig Millionen Amerikaner spielen regelmäßig Poker; dazu kommen acht Millionen Briten.

Das ist ein erstaunlich hoher Prozentsatz der jeweiligen Bevölkerung-jedenfalls sind es deutlich mehr abenteuerlustige Seelen, als sich wöchentlich zum Monopoly oder Trivial Pursuit, Bridge oder Schach treffen. Bei diesen Massen handelt es sich, per definitionem, um Menschen mit einem Hang zum Risiko – bei der Arbeit wie beim Spiel, im eigenen Heim wie jenseits der eigenen vier Wände. Zwanghafte Glücksritter neigen zu der Annahme, dass sie interessanter und häufig auch erfolgreicher seien als diejenigen Mitmenschen, die im Leben lieber auf Nummer sicher gehen. Ihre Begeisterung für das Pokerspiel – die oft so ausgeprägt ist, dass sie ihre häuslichen oder beruflichen Verpflichtungen dominiert – spiegelt unmittelbar die Art und Weise wider, in der diese Menschen ihre anderen Beziehungen pflegen. Die Frage stellt sich nicht, ob sie bluffen, sondern vielmehr, wie oft und wie gut.

Man könnte sagen, dass es 2 598 960 mögliche Varianten von jedem von uns gibt, die wir den jeweiligen Bedürfnissen oder Anforderungen entsprechend ins Rennen schicken. Und daran gibt es nichts auszusetzen. Die Menschheit kann allzu viel Realität ohnehin nicht ertragen. Männer und Frauen müssen nicht einmal übermäßig vom Konkurrenzgedanken geprägt sein, um das Leben als komplexes Spiel für Erwachsene zu betrachten – mit Regeln, die dazu da sind, gebeugt oder sogar gebrochen zu werden. Doch warum sind dann nur so wenige Menschen bereit zuzugeben, dass Lug und Trug einen Teil ihres täglichen Lebens ausmachen – im Beruf, zu Hause oder sogar, wenn sie mit sich allein sind? Genau wie schwache Pokerspieler versuchen sie, der Selbsterkenntnis aus dem Weg zu gehen. Sie sehen beispielsweise nicht, dass zu den Menschen, denen sie am beständigsten und effektivsten etwas vortäuschen, auch sie selbst gehören.

Im Leben wie im Pokerspiel gibt es Teils, verräterische Anzeichen. Vielleicht kratzt sich einer der Spieler am Tisch immer dann am Ohr oder spielt nervös mit seinem Ring, wenn er blufft; vielleicht sind die Anzeichen aber auch subtiler, und er verrät sich nur durch sein Wettmuster – eine zu aggressive Erhöhung etwa oder ein zögerndes Mitgehen. Sehr wahrscheinlich ist der Spieler selbst der Letzte, der das erkennt. Es ist eine unumstößliche Tatsache, dass kein Pokerspieler sich seiner eigenen Teils bewusst ist – es sei denn, er macht einen doppelten Bluff. Hat man solch verräterische Angewohnheiten bei seinen Gegnern aber erst einmal ausgemacht, können sie sehr nützlich sein – so wie sie einen Ehemann oder eine Ehefrau zu der Aussage befähigen: Du warst noch nie ein guter Lügner.

Ob es uns gefällt oder nicht: Der Charakter eines Spielers wird am Pokertisch vollkommen entblößt. Wenn die anderen am Tisch einen bestimmten Spieler besser durchschauen als er sie (oder sich), kann er nur sich selbst die Schuld daran geben. Solange er nicht in der Lage und bereit ist, sich so zu sehen, wie andere ihn sehen, mit allen Fehlern und Schwächen, wird er im Spiel wie im Leben immer ein Verlierer sein.
Diese Mysterien tragen mit dazu bei, dass das Pokerspiel seit jeher eine große Anziehungskraft auf literarisch und künstlerisch veranlagte Menschen ausübt, die im Pokern viele Behelfsmetaphern für das menschliche Dasein erkennen. Anfangs diente das Spiel, wie in zahllosen Western dokumentiert, hauptsächlich dazu, den Grad männlicher Potenz anzuzeigen. Daher überrascht es wohl kaum, dass Falschspielen – in der Kunst wie im Leben – weit verbreitet war und die meisten Pokerrunden mit Schlägereien endeten.

Schon immer nutzte man das Pokerspiel als Maßstab für den Charakter, allerdings meist, um die brutale Seite der menschlichen Natur offenzulegen oder zu verherrlichen. Der Sheriff setzte sich zwar gelegentlich zu einer Pokerrunde mit an den Tisch – Pokern war einfach zu typisch amerikanisch, um als durch und durch schlecht zu gelten -, doch selbst Wyatt Earps Anwesenheit konnte kein sauberes Spiel garantieren. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts haben die Schriftsteller das Pokerspiel jedoch seltener als Macho-Motiv verwendet – James Bond spielte schließlich lange Jahre nur Bridge und Bakkarat -, sondern eher als eine Analogie zu den Launen des Schicksals, die es gutmütig zu akzeptieren und ertragen gilt. Im ewigen Kampf des kleinen Mannes, des Verlierers, gegen ein widriges Los war es eine nie versiegende Quelle, aus der Autoren wie Damon Runyon, James Thurber und ihre Erben schöpften.

Die Broadway-Schule der Pokerschriftsteller, die zwischen ihren Büros beim New Yorker und dem Stammtisch im Algonquin hin- und herpendelten, fand ihre wahre Stimme im Galgenhumor des durch und durch pessimistischen Pokerspielers – weniger sich selbst abwertend als vielmehr unbekümmert masochistisch. Schau hin und weine, einer der unsterblichen Pokersprüche, bildete ihr Manifest. Diesem Genre fest verbunden war die resignative Erwartungshaltung des sicheren Scheiterns, die schmerzliche Akzeptanz, dass die Chancen überwältigend hoch gegen einen stehen. Genau wie die Folge der Karten beim Pokerspiel war auch das Leben im Grunde darauf aus, diese Spieler reinzulegen – obwohl sie das nicht daran hinderte, es wieder und wieder zu versuchen.

All das bedeutete in Wahrheit aber nur eines: dass diese wundervollen Schriftsteller lausige Pokerspieler waren. Sie mögen in Bezug auf das Leben vielleicht Recht behalten haben, aber was das Pokern anbelangt, lagen sie gründlich daneben. Der ewige Pokerpessimist – wie auch der zwanghafte Spieler – will verlieren. Verlieren macht ihn glücklich, und es bestätigt seine tiefsten Überzeugungen: dass das Leben ein Beschiss ist, dass seine wahren Qualitäten von einer schrecklich irregeleiteten Welt niemals erkannt werden, dass er allgemein unterschätzt und missverstanden wird. Er wird weiterhin fröhlich versuchen, gegen das Schicksal anzukämpfen, in der liebenswerten Selbsttäuschung, dass in ihm mehr steckt, als auf den ersten Blick zu
erkenen ist. Dagegen handelt es sich beim Pokeroptimisten entweder um einen Betrüger oder einen Lügner; aber sein schieres Selbstvertrauen wird ihm zu wesentlich besseren Gewinnchancen verhelfen. Wenn er Ihnen erzählt, er würde immer gewinnen, dann ist er mit Sicherheit ein Lügner; die Chancen können nicht dauernd für alle Spieler gleich gut sein. Der Poker-Prahler ist daher ein garantierter Verlierer. Hören Sie ihm zu, ertragen Sie ihn mit Geduld, staunen Sie über die Geschichten seiner tollkühnen Taten – und gehen Sie beruhigt davon aus, dass Sie ihm beim nächsten Mal am Pokertisch sein schönes Geld abnehmen werden.

Die Spieler, die einräumen, dass sie auch mal verlieren, wer-den die tatsächliche Höhe ihrer Verluste in der Regel halbieren, und zwar aus diversen Gründen. Wenn der Betreffende die traurige Nachricht seiner Frau überbringt oder irgendeinem anderen von ihm abhängigen Angehörigen, der nicht Poker spielt, schwindelt er deshalb, weil sein Gegenüber keinem seiner möglichen Argumente zugänglich sein wird: dass das Geld für einen guten Zweck verloren wurde (nämlich beim Versuch, mehr zu gewinnen); dass es einfach Pech war (statt persönlichem Unvermögen); dass der Versuch die unmittelbaren Konsequenzen wert war (als da wäre: ein riesiges Loch in der Haushaltskasse); dass es keine Ungereimtheiten zwischen seinem freizügigen Umgang mit Geld beim Pokerspiel und seinem Geiz in jedem anderen Lebensbereich gibt; und – die Krönung – dass er gute Chancen habe, das Geld in der darauf folgenden Woche zurückzugewinnen.

Erzählt der Betreffende jedoch seinen Mitspielern von seinem Pech, dann wird der eingestandene Verlust genau so hoch sein, dass er die Launenhaftigkeit des Schicksals beklagen kann, ohne dabei seine eigene Inkompetenz eingestehen zu müssen. Der Spielertyp, vor dem man sich hüten muss, ist derjenige, der offen und ehrlich die Höhe eines großen Verlusts zugibt. Obwohl er behauptet, er habe seit Monaten eine Pechsträhne, hat er in der Regel gestern mehr gewonnen als heute verloren. Und wenn er sein Geständnis mit der Bemerkung abrundet, er sei ein lausiger Spieler und bewege sich völlig außerhalb seiner Liga – und denke daran, alles hinzuwerfen, um Eremit zu werden oder vielleicht die Priesterweihe zu
empfangen -, dann können Sie sicher sein, dass es sich bei ihm um einen exzellenten Spieler handelt, der innerhalb kürzester Zeit wieder flüssig ist, vermutlich auf Ihre Kosten.

Doch am meisten müssen Sie sich vor dem Mann hüten, der Ihnen erzählt, er würde mit dem Pokerspiel gerade mal seine Kosten decken: Das ist derjenige, der im großen Stil gewinnt. Und zu welcher Kategorie gehörte ich? Im Laufe meines Lebens habe
ich – meist unwissend – jeder von ihnen angehört. Wenn meine Odyssee auch nur die geringsten Erfolgsaussichten haben sollte, dann gab es keinen Zweifel, dass es hierbei nicht nur um die Suche nach einem Topf voll Gold gehen durfte, sondern auch um die Entdeckung des eigenen Ichs. Der Weg vom Amateur zum Profi würde zahlreiche Boxenstopps mit Gelegenheit zur Selbstdiagnose und Generalüberholung beinhalten.

Amateure spielen in der Regel mit ihren Kumpels, genießen die bissigen Kommentare rund um den Tisch mindestens so wie die Partie selbst und kennen etliche Gründe für ihre Pokerleidenschaft, die aber alle nichts mit der eventuellen Aussicht auf Profit zu tun haben. Das sind sozialverträgliche Pokerrunden, Einmal-pro-Woche-Runden, bei denen die Jungs diverse Entschuldigungen anführen, um von ihren Frauen, ihrem Zuhause, ihren Büros und ihren Alltagspflichten fortzukommen und eine Weile verantwortungslos Spaß zu haben. Noch aufregender wird das Ganze für sie, weil sie nicht mit Monopoly-Scheinen, sondern mit richtigem Geld spielen – dem Vermögensgegenstand, der in ihrem sonstigen Leben für so viel Ärger sorgt. Das bedeutet, dass sie Hände spielen, die sie nicht spielen sollten, fröhlich gegen jede Chance setzen und unmögliche Bluffs versuchen – sie sitzen nun mal am Pokertisch, um sich zu amüsieren.

Für die Profis ist das Kinderkram. Wenn sie nicht gerade versuchen, diese armen Trottel in eine Partie zu locken, sind diese ihnen nur ein höhnisches Lächeln wert. Einer der besten Pokerprofis der Welt hat mir mal Folgendes gesagt: Ganz egal, wo auf dieser Erde ich gerade bin, und ganz egal, ob ich dich kenne oder nicht: Ich weiß, dass ich dich schlagen kann. Profit ist ihr einziges Motiv, ihr einziges Entscheidungskriterium. Poker mag zwar ein angenehmerer Job sein als die meisten anderen, aber für einen Profi ist und bleibt es genau das – ein Job. Eine eindringliche Mahnung sind die Aktenkoffer und Notizblöcke, die manche Profispieler mit an den Tisch nehmen, um mit ihrer Hilfe detailliert Buch über ihre Verluste und Gewinne zu führen, zur späteren Vorlage beim Finanzamt.

Obwohl ihre Bewohner viel gemein haben, besteht das moderne Pokern daher aus zwei völlig verschiedenen Welten mit deutlich anderen Einstellungen zum Spiel und gänzlich unterschiedlichen Spielstilen. Es handelt sich entweder um eine entspannte Freizeitgestaltung, eine Flucht vor der langweiligen Routine des Alltags, oder um einen Weg, seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Der Sprung von der einen in die andere Welt, zu dem ich nun ansetzte, erschien mir größer und Furcht einflößender als jeder Stunt, den Evel Knievel jemals versucht hatte. In der einen Woche war Pokern noch eine Flucht vor der Arbeit gewesen, in der nächsten war es meine Arbeit. Dabei handelte es sich um eine Metamorphose von derartigem Ausmaß, dass ich die Geschichte mit jemandem durchsprechen musste, der mich verstand – nur so hatte ich eine Chance, das Ganze heil zu überstehen. Außer der Puppe, die ihren Teil dazu bereits beigetragen hatte, blieb nur einer übrig: Al Alvarez.

Der Crony zeigte sich hocherfreut, dass ich ihn von seiner aktuellen Arbeit wegholte und zu einem kostenlosen Lunch in die örtliche Trattoria entführte. Schließlich handelte es sich um einen Mittwoch, also den Tag, den alle Pokerdienstagspieler mit Vorliebe dazu nutzen, langweilige Routineaufgaben zu erledigen, wie etwa den Schreibtisch aufzuräumen, Geld zu leihen, ihr Testament zu machen, sich zum Essen einladen zu lassen – oder was sie sonst brauchten, um über die Ereignisse des vorausgegangenen Abends hinwegzukommen. Wir befanden uns also, trotz ein paar Stunden Schlaf, in unserer pokerbedingten Mittwochs-Katerstimmung, als ich dem Crony von meinen Plänen erzählte. Woraufhin er in einem Atemzug erwiderte, dass ich verrückt sei (Die fressen dich bei lebendigem Leibe auf), dass es eine großartige Idee sei (Ich wünschte, ich wäre selbst darauf gekommen) und dass er unsäglich neidisch sei. Die meisten seiner darauf folgenden Sätze begannen dann auch mit der Einleitung: Der entscheidende Punkt beim Pokern ist…

Bei der Vorspeise: Der entscheidende Punkt beim Pokern ist, dass es sich um eine ernste Angelegenheit handelt. Wenn du als Autor einen Fehler machst, kannst du ihn am nächsten Tag am Computer ausbügeln oder später bei der Fahnenkorrektur. Und falls du ihn dann noch übersiehst, ist das auch egal, denn dann fällt er niemandem mehr auf … Aber für Fehler beim Pokern wirst du schwer büßen. Pokern ist ein Riesenspaß, aber auch eine ernste Angelegenheit. Schreiben sollte eine ernste Angelegenheit sein, macht aber nie Spaß.

Während des Hauptgerichts: Der entscheidende Punkt beim Pokern ist, dass man unter Leute kommt… Beim Dessert: Der entscheidende Punkt beim Pokern ist die Kunst des kalkulierten Risikos … Und schließlich beim Kaffee und Hochprozentigen: Ach, pfeif drauf. Halts Maul und gib! Obwohl Al mit The Biggest Game in Town eines der besten und anschaulichsten Bücher geschrieben hat, die jemals zum Thema Pokern erschienen sind, lautete sein abschließender Rat, noch einmal unsere Bibel zu lesen, Herbert O. Yardleys unverzichtbaren Klassiker The Education of a Poker Player. Viel stärker als die meisten anderen Bücher zum Thema hat dieses Werk das Leben zahlreicher Pokerspieler verändert, darunter auch das des Crony.

Als ich es das erste Mal in die Hand nahm, erinnerte Al sich, war ich nicht nur in Bezug auf Pokern ein absoluter Dummkopf. Ich zeichnete mich ganz allgemein durch jene tiefe Ignoranz aus, die mit hoher Bildung einhergeht. Ich hatte die meisten der hochmütigen akademischen Tretmühlen durchlaufen: ein Klosterinternat, Oxford, Princeton, Harvard. Ich hatte Unmengen von Büchern gelesen und das ein oder andere selbst verfasst. Und trotzdem war ich in der Praxis derart naiv, dass ich heute, fast dreißig Jahre später, noch immer erröte …

Er unterbrach sich mitten im Satz, um mich daran zu erinnern, dass ich zufälligerweise dasselbe Klosterinternat besucht hatte wie er und an derselben Universität studiert hatte. Auch ich hatte ein paar Bücher geschrieben, doch wahrscheinlich nicht annähernd so viele gelesen wie er. Alvarez war hauptberuflich Literaturkritiker und dazu noch Amateurpokerspieler, als ihm jemand Ende der fünfziger Jahre eine Ausgabe von Yardleys Buch in die Hand drückte. Sobald er es gelesen hatte, begann sich die Waage in die andere Richtung zu neigen, wie er später in der Einleitung zu einer britischen Ausgabe gestand:

Ich hatte eine Ehe, mit der ich nicht klarkam, das kindische Bedürfnis, von der ganzen Welt geliebt zu werden, und die gleichermaßen kindische Überzeugung, dass letztendlich alles gut werden würde. Als das aber nicht geschah, war ich schlicht und einfach zutiefst empört. Ich hatte mein Leben genau so geführt, wie ich Poker spielte-unbesonnen und optimistisch, sämtliche Karten offen auf dem Tisch und nichts in der Hinterhand. Außerdem hatte ich angenommen, dass alle anderen das Gleiche täten.Natürlich lag ich damit falsch, und diese Erkenntnis dämmerte mir ungefähr zur gleichen Zeit, als ich zum ersten Mal Yardleys Buch las… Das, was er so überzeugend über Geld im Pot sagte, galt gleichermaßen für die Gefühle, die ich in meine katastrophalen Beziehungen gesteckt hatte: Habe ich die Wahrscheinlichkeit noch auf meiner Seite, unabhängig von dem, was ich bereits eingesetzt habe?

Ich kannte die Antwort auf diese Frage. Das einzige Rätsel für mich bestand darin, dass ich diese Erkenntnis nicht bei Shakespeare, Donne, Eliot, Lawrence oder irgendeinem anderen meiner literarischen Helden gefunden hatte, sondern in einem witzigen, lebendigen, äußerst unliterarischen Buch eines amerikanischen Kryptographen und Nachrichtendienstlers. Es schien absurd, vollkommen unverhältnismäßig zu den Anstrengungen, die ich unternommen hatte. Aber es war der Anfang meiner wahren Erziehung, und manchmal frage ich mich, ob Yardley nicht genau das mit seinem Titel gemeint hat: Letztendlich beschreibt er weniger ein Kartenspiel als vielmehr einen Lebensstil.

Herbert Yardley war der Prototyp des James Bond: ein Einzelgänger, der im Ersten Weltkrieg für das amerikanische Außen-ministerium gearbeitet hatte; der Mann, der den japanischen Diplomatencode geknackt hatte und anschließend von den Chinesen als ausländischer Berater zum Thema Chiffrierkunst und Spionageabwehr angeheuert wurde. Im letzten Teil des Buchs erzählt er von seinen Abenteuern: Während die Japaner ihm nach dem Leben trachten, reist er inkognito durch China, bringt seinem Dolmetscher mit einer Hand Seven-Card Stud bei und macht mit der anderen Hand einen Geheimagenten der Nazis dingfest. Doch die wahren Freuden dieses Buchs, und seine grundlegenden Weisheiten, finden sich im Bericht über seine ersten Jahre als Schützling von James Monty Montgomery – dem Mann, der den einzigen sauberen Saloon in jener Grenzstadt in Indiana führte, in der Yardley 1 889 das Licht der Welt erblickte.

Ich sah, wie der große Schwede Bones Alverson, ein armer, wettergegerbter Getreidefarmer, den Rest seiner Farm gegen einen Zirkus setzte, nur um drei Minuten später zu sterben, die Karten noch in der Hand – ein Gewinner. Ich sah, wie Jake Moses, ein reisender Schuhverkäufer, zehn Truhen Schuhe verlor. Ich sah, wie ein Kassierer mit markierten Geldscheinen überführt wurde, die er aus der Bank gestohlen hatte, und wie ein Postamtsvorsteher für die Fehlbeträge im Postamt ins Gefängnis wanderte. Wie Pferde, Vieh, Schweine, Wagenladungen, Einspänner, landwirtschaftliches Gerät, Getreide, Sägemühlen verkauft wurden – alles nur, um Poker zu spielen …

Yardley wechselt diese Geschichten von Untergang und Verhängnis ab mit schonungslosen Analysen der Hände, die diese Schicksale herbeigeführt hatten – und entwickelt unter Montys strenger Anleitung eine Reihe außergewöhnlich rigoroser Gewinnprinzipien. Ich glaube nicht an Glück, knurrt er, sondern ausschließlich an das unverrückbare Gesetz des Mittelwerts. In Alvarez’ düsterer Zusammenfassung, die er mir als Credo für die vor mir liegenden Prüfungen empfahl, läuft Yardleys Gesetz auf Folgendes hinaus: Rechne mit dem Schlimmsten, glaube niemandem und setze nur dann, wenn du dir absolut sicher sein kannst, dass du unschlagbar bist – oder wenn, im schlechtesten Falle, die Quoten eindeutig auf deiner Seite stehen. Doch der Crony fügte noch eine entmutigende Fußnote hinzu:

Das ist ein unanfechtbares System gegen schwache Spieler, die die Quoten nicht kennen und die endlosen Finessen des Spiels nicht verstehen. Bei starken Spielern, die Yardley gelesen haben und die nötige Disziplin aufbringen, mag dieses System nicht sofort zum gewünschten Erfolg führen, da diese Gegner deine Strategie erkennen und einfach passen, wenn du setzt. Aber darum ging es Yardley auch gar nicht. Er war ein Purist, der für angehende Puristen schrieb und sich nur mit den Prinzipien und Werten des klassischen Pokerspiels beschäftigte.

Klassisches Poker war aber nicht exakt das, was mir vorschwebte, da ich meine Fähigkeiten im Texas Hold’em und seinen Varianten verbessern wollte. Doch wie jeder aufstrebende Künstler musste ich zuerst meinen klassischen Hintergrund ein wenig aufpolieren, ehe ich mich an zeitgenössischen Improvisationen versuchen konnte. Beim Pokern mag es zwar um den Charakter gehen, um Selbsterkenntnis und vielleicht sogar um die Psychopathologie zwischenmenschlicher Beziehungen, aber es geht auch immer um Odds – Quoten und Wahrscheinlichkeiten. Und ehe ich meine Reise ins Ungewisse antreten konnte, musste ich mir diese Zahlen tief ins Unterbewusstsein einhämmern. Und auch die Leser, die mich auf dieser Reise begleiten möchten, sind gut beraten, sich die folgenden unumstößlichen Gesetze einmal vor Augen zu führen.
Bei tausend ausgespielten Händen im normalen Five-Card Draw Poker kommen die folgenden Kartenkombinationen in der angegebenen Häufigkeit vor:

Kein Paar 503 Mal
Ein Paar 422 Mal
Zwei Paare 47 Mal
Drilling 21 Mal
Straight (Straße) 3,9 Mal
Flush 1,9 Mal

Wie gut stehen also die Chancen, dass man einen Straight Flush auf die Hand bekommt? Man kann diese Odds aber auch auf andere Art und Weise berechnen. Jedes Set mit 52 Karten enthält zehn mögliche Straight Flush in jeder Farbe, also vierzig Straight Flush in allen vier Farben zusammen. Teilt man die 2 598 960 möglichen Blätter in einem Kartenspiel dadurch, zeigt sich, dass auf alle 64 974 Blätter ein Straight Flush kommt (egal in welcher Höhe). Kurzum: Die Wahrscheinlichkeit, dass man einen Straight Flush auf die Hand bekommt, beträgt 1:64 973. Auf dieselbe Weise lassen sich auch die Quoten und Wahrscheinlichkeiten für alle anderen Kartenkombinationen mit fünf Karten berechnen. Die folgende Tabelle zeigt die mathematische Häufigkeit der Kartenkombinationen – sozusagen als optische Antwort auf die Frage, warum ein Full House besser ist als ein Flush, ein Flush besser ist als ein Straight usw.:

4 Royal Flush 1 :649 739
40 Straight Flush 1 :64 973
624 Vierling 1 :4 164
3 744 Full House 1 :693
5 108 Flush 1 :508
10 200 Straight 1 :254
54 912 Drilling 1 :46
123 552 Zwei Paare 1 :20
1 098 240 Ein Paar 1 :1,25
1 302 540 Kein Paar 1 :1

Five-Card Draw Poker ist das Original und in den Augen vieler das einzige echte Pokerspiel – das Spiel eben, das all die harten Jungs in den Western gespielt haben. Obwohl es bis heute die Lieblingsvariante vieler Freizeit-Pokerrunden ist, ist es unter den Profis weniger populär, weil dabei nicht so viel Geld in Umlauf kommt wie etwa beim Texas Hold’em. Beim Five-Card Draw gibt es nur zwei Wettrunden: die erste nach dem Geben der Karten und eine zweite, nachdem die Spieler einmalig bis zu fünf Karten ausgetauscht haben. Die Chancen auf eine Verbesserung durch dieses Zukaufen sind ebenfalls äußerst aufschlussreich:

KARTEN                   KARTEN              BLATT                                        CHANCE     AUF

BEHALTEN              GEKAUFT          VERBESSERT

Ass allein 4 Ein Paar 1: 4
  4 Ein Paar Asse 1: 63
Ass und König 3 Paar K oder A 1: 3
Ein Paar 3 Zwei Paare 1: 5,25
  3 Drilling 1: 8
  3 Full House 1: 97
  3 Vierling 1: 359
  3 Beliebige

Verbesserung 1

2,5
Paar und Ass 2 Zwei Paare 1: 8
  2 Drilling 1: 12
Zwei Paare 1 Full House 1: 11
Drilling 2 Full House 1: 15,5
  2 Vierling 1: 22,5
Vier-Straight

(beidseitig)

1 Straight 1: 5
Vier-Straight

(innen)

1 Straight 1: 11
Vier-Flush 1 Flush 1: 4,5
Drei-Flush 2 Flush 1: 23
Zwei-Flush 3 Flush 1: 96

 
Das stärkste Blatt hält man natürlich dann auf der Hand, wenn man keine Karten zukaufen muss, während die Gegner versuchen, ihre Paare, Straßen oder ihren Flush zu vervollständigen. Wenn sie düster auf ihre Blätter starren, die sich nicht verbessert haben, oder feststellen, dass sich ihr Paar Zehner in einen Drilling verwandelt hat, müssen sie sich gleichzeitig die Frage stellen, ob Sie tatsächlich eine perfekte
Fünfer-Kartenkombination auf der Hand halten – einen Straight, einen Flush oder ein Full House. Oder handelt es sich dabei vielleicht doch nur um einen Bluff? Sie bringen den Maximaleinsatz und erhöhen so den Druck auf Ihre Gegner.

Die meisten, wenn nicht sogar alle, werden passen. Erhöht dagegen seinerseits jemand, liegt der Druck wieder auf Ihnen. Haben Sie zwei Paare auf der Hand und nur deshalb nicht zugekauft, um eine perfekte Hand vorzutäuschen? Wenn ja, wäre es jetzt vielleicht das Beste, zu passen. Oder haben Sie tatsächlich einen Straight bekommen? Falls ja: Wie viele Karten hat Ihr Gegner zugekauft? Nur eine? Hat er tatsächlich seinen Flush zusammenbekommen, obwohl die Odds 4,5 : 1 dagegen stehen? War der Pot groß genug, als er Ihren ersten Einsatz brachte, um ihm die richtigen Quoten für ein solches Risiko zu garantieren? Falls ja: Bietet sein Einsatz Ihnen einen möglichen Profit, der groß genug ist im Verhältnis zu der Investition, zu der er Sie nun zwingen will?

Glücklicherweise bleiben Ihnen diese Gedankenspiele erspart: Nur der Spieler, der seinen Drilling vervollständigt hat, denkt noch über seinen nächsten Schritt nach. Für ihn besteht wenig Anreiz zu erhöhen, weil er sicher sein kann, dass Sie dann Ihrerseits erhöhen. Beim Nachgrübeln darüber, ob er mitgehen soll, bezieht er neben den Quoten auch andere wichtige Erwägungen in seine Überlegungen ein. Hat er Sie schon einmal bei einem Bluff ertappt? Und wie haben Sie sich im Verlauf der bisherigen Partie verhalten – fröhlich, düster, laut oder leise? Wie ist Ihr augenblicklicher finanzieller Status, am Pokertisch und im richtigen Leben? Wie gut kennt er Sie, Ihren Charakter, Ihren Mut, Ihre Eitelkeit, Ihre Ängste? Und in welchem Zustand befindet er sich selbst?

Das Einschätzen eines Charakters – vor allem des eigenen – ist eine der wichtigsten Fertigkeiten beim Pokern. Auf höchster Ebene wird es zu einer Form der psychologischen Kriegsführung, die den Geist bis aufs Äußerste fordert. Dies ist die Art von Poker, wie man sie aus Filmen kennt und bei der der Spielverlauf selbst weniger wichtig ist als die Auswirkungen des Drucks auf die Charaktere der Spieler. Deshalb enthalten selbst die besten Pokerfilme in den Augen von Kennern verhängnisvolle Fehler. Dadurch, dass sie nie wirklich hinter die Macho-Fassade des Pokerspielers Vordringen wollte, geriet die Filmindustrie Hollywoods in Konflikt mit einem selbstgeschaffenen Kommunikationsproblem. Natürlich ist das Spiel inzwischen ein so fester Bestandteil des täglichen Lebens, dass viele Pokerphrasen Allgemeingut geworden sind – die Einsätze erhöhen, ein Ass im Ärmel, Pokerface u. a. -, und wahrscheinlich weiß auch die Mehrheit des Kinopublikums inzwischen, dass ein Straight Flush ein Full House schlägt.

Aber anscheinend haben die Studiobosse nie begriffen, dass in diesem Publikum auch Leute sitzen, die als Pokerspieler mindestens so erfahren und scharfsinnig sind wie die von Hollywood beschäftigten Drehbuchautoren. Dadurch verliert selbst ein so unterhaltsamer Streifen wie Höchster Einsatz in Laredo (1 966) jegliche Glaubwürdigkeit. Henry Fonda, offenbar völlig überfordert in einer Pokerrunde um hohe Einsätze, erleidet einen Herzinfarkt mitten in einer Hand, auf die er Haus und Hof gesetzt hat. Die pfiffige Grund-idee des Drehbuchs sieht nun vor, dass seine Frau, Joanne Woodward, sein Blatt zu Ende spielt. Um einen Kredit aufzunehmen, geht sie irgendwann im Verlauf der Partie mit diesen Karten in der Hand zur Bank. Doch da liegt der Fehler: In dem Augenblick, in dem man ihr im Film erlaubt, die Karten vom Tisch zu nehmen, verlässt jeder ernsthafte Pokerspieler das Kino. (In England bekam der Film zu allem Unglück auch noch den Titel Big Deal in Dodge City- obwohl die Handlung eindeutig in Laredo spielt.)

Noch enttäuschender ist die alles entscheidende Hand am Ende von Norman Jewisons Film Cincinnati Kid (1 965). Diese eigentlich großartige Milieustudie rund um das Leben eines Pokerspielers, die so authentisch wirkt wie der Roman von Richard Jessup, auf dem sie basiert, macht sich völlig lächerlich mit einem dramatischen Höhepunkt, der bis heute in allen Kartensälen der Welt nur ein verächtliches Schnauben hervorruft. Nicht nur spielt der Gewinner Lancey Howard (Edward G. Robinson) seine Hand extrem schlecht, auch die Chancen auf das Zustandekommen eines solchen Blattes sind so gering, dass Cincinnati Kid (Steve McQueen) davon hätte ausgehen müssen, dass Betrug im Spiel war.

Bei einer Partie Five-Card Stud, in der jeder Spieler eine verdeckte und vier offene Karten erhält und zwischen jeder Karte eine Wettrunde stattfindet, bekommt Lancey einen Straight Flush bis zur Dame gegen das Full House mit Assen und Zehnen des Cincinnati Kid. Die Wahrscheinlichkeit, dass bei einer Heads-Up-Partie irgendein Full House und irgendein Straight Flush zugleich auftauchen, liegt bei 1 : 45 102 784 – und die Chance, dass ausgerechnet die oben genannten beiden Hände aufeinandertreffen, ist astronomisch klein. Da das Full House des Kid Zehnen enthält und da sich eine Zehn bereits im Blatt seines Gegners befindet, ergibt sich die rechnerische Wahrscheinlichkeit von 1 : 332 220 508 619 (in Worten: über dreihundert Milliarden dagegen!), dass diese Blätter während einer Five-Card-Stud-Hand mit nur zwei Spielern gleichzeitig auftauchen. Hätten Lancey und Kid 50 Hände Stud pro Stunde gespielt, und das acht Stunden pro Tag und fünf Tage pro Woche, wäre eine solche Situation einmal in rund 443 Jahren vorgekommen.

Und selbst das ist noch eine großzügige Einschätzung, wenn man bedenkt, wie unwahrscheinlich es ist, dass zwei Profis eine solche Hand tatsächlich bis zum bitteren Ende spielen würden. Würde der Spieler mit dem Paar oder Drilling sein Blatt korrekt spielen, würde sein Gegner mit zwei oder drei Karten zum Straight Flush sein Blatt aufgrund der für ihn hoffnungslos schlechten Odds passen. Nach dem Geben hat Kid ein Ass auf dem Tisch und eines verdeckt vor sich; Howard hat eine Karo- Acht und die Karo-Dame als Bunkerkarte. Selbst wenn er beim ersten Einsatz des Kid mitgegangen wäre, was unwahrscheinlich ist, hätte er sich spätestens bei der dritten Karte einem Paar gegenüber gesehen, während seine eigene Hand sich nicht verbessert hatte. Bei einem nochmaligen Einsatz von Kid hätte Howard seine Karten wegwerfen müssen, um auf ein besseres Blatt zu warten – selbst wenn diese Chance erst 443 Jahre später aufgetaucht wäre.

Nach Pokermaßstäben ist die Hand ein Witz. Aber selbst nach filmischen Maßstäben birgt die Wendung der Dinge keine überzeugende Moral in sich. Warum sollte Lancey Howard auch nach dieser Partie noch als The Man gelten, als bester Spieler weit und breit? Er war doch auch nicht sauberer geblieben als Kid. Und wird Kid irgendwann, irgendwo noch einmal eine Revanche bekommen? Der Film will uns glauben machen, dass das nicht passieren kann – er hinterlässt beim Zuschauer das Gefühl, Cincinnati Kid hätte sich in Kreisen bewegt, in die er nicht hineingehörte, hätte eine einmalige Chance auf Ruhm und Geld bekommen und sie vertan.

Doch auch wenn die Moral dieses Films reichlich vage daherkommt, so ist sie für Pokerspieler zumindest nachvollziehbar. Die Willkürlichkeit der Ereignisse, die fehlende Gerechtigkeit in einer gnadenlosen Welt, die Tatsache, dass man manchmal auch dann gewinnt, wenn man genau weiß, dass man nicht immer sauber geblieben ist: all diese Gedanken und Gefühle kennen viele zum Aberglauben neigende
Spieler – Poker-Romantiker, unfähig, den Verlauf der Karten einfach als unfallanfällige Mathematik zu sehen. Im Rahmen einer gelehrten Korrespondenz über diese Hand in der Zeitschrift Poker Player erwähnte der Kolumnist Michael Weisenberg zwei weitere Ungereimtheiten des Films. Erstens würde jeder Pokerspieler, dessen Full House mit Assen von einem Straight Flush geschlagen wird, sofort von einem Betrug ausgehen. Warum hat Cincinnati Kid nach der Hand nicht laut Betrug! gebrüllt?

Oder würden Sie nach einer solchen Niederlage einfach vom Tisch aufstehen, kopfschüttelnd Weggehen und dabei Tja, Pech gehabt murmeln? Das kann ich mir nicht vorstellen. Und zweitens: Sollten Howard und Lady Fingers (die Geberin) tatsächlich zusammengearbeitet haben, hätten sie Cincinnati Kid viel raffinierter betrogen. Sie hätten dem Kid einen Drilling gegeben und Howard mit der letzten Karte zwei Paare zum Full House vervollständigen lassen. Vielleicht hätten sie aber auch gar nicht so hoch angesetzt – es hätte schon genügt, dem Kid drei Siebener zu geben und Howard ein Paar Neuner, eine davon verdeckt, und ihn die dritte Neun mit der letzten Karte finden zu lassen … Weisenberg schloss mit der Bemerkung, man solle unbedingt das Buch lesen und unbedingt auch den Film genießen und sich dabei vorstellen, dass am Schluss drei Siebener von drei Neunen geschlagen werden.