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Die Wichtigkeit des Spielkapitals im Texas Holdem

Spielen kann Geld kosten und man braucht genug finanzielles Polster, um schlechte Zeiten zu überdauern. Sie müssen nicht pokern, um zu gewinnen, es ist absolut okay, wenn Sie Ihre Zeit am Tisch als eine Form von Vergnügen betrachten. Wenn Sie aber gewinnorientiert spielen, dann wird das verfügbare Bargeld (Ihr Spielkapital) den Unterschied zwischen dauerhaftem Vergnügen und dem Rumhängen an der Balustrade ausmachen, während Sie sich fragen, was wohl gerade im Fernsehen läuft. Wenn Sie vorher niemals mit den Grundsätzen erforderlichen Spielkapitals vertraut gemacht wurden, werden Sie jetzt vielleicht angesichts der Menge an Geld, um die es dabei geht, einen Schock bekommen. Deswegen möchte ich, dass Sie tief durchatmen. Meditieren Sie. Gehen Sie zu Ihrem Lieblingsplatz. Richtig, spielen Sie mit dem hübschen Hundebaby. Okay, jetzt, bitte weiterlesen …

Empfohlene Höhe an Spielkapital
Ihr Spielkapital hilft Ihnen, den Wohlstand zu mehren, wenn Sie gewinnen, und Zeiten zu überstehen, wenn es einmal schlecht läuft. Weil Fortuna so eine launische Göttin ist, brauchen Sie ein dickes Kissen, wenn der Sturz einmal etwas heftiger wird.

Spielkapital für Limit-Poker
Wenn Sie als Limit-Spieler beginnen, sollte Ihr Spielkapital mindestens das 300- Fache des Big Blind betragen, mit dem Sie spielen möchten. Für 5 €/10 € müssen Sie also ein Startkapital von 3.000 € bereitstellen können. Das heißt nicht, Sie sollen sich mit 3.000 € in der Tasche an einen 5 €/10 €-Tisch setzen (in der Tat sollten Sie keinesfalls so viel mitbringen). Vielmehr sollten Sie diesen Betrag für Ihre Pokerabenteuer verfügbar haben, ohne dass er Ihnen an anderer Stelle fehlt. Es ist nicht ungewöhnlich, wenn ein Anfänger mal eben während seiner ersten Stunden 50 große Einsätze (das obere Limit) verliert. Mit mehr Spielkapital lässt sich dieser Anfangsverlust besser verkraften und später kann man dann hoffentlich beobachten, wie das Kapital wieder zunimmt.

Kapital für No Limit
Wie Sie vermutlich ahnen, braucht man für No Limit ein noch besseres finanzielles Polster. Das liegt an der brutalen Natur des Spiels. Sie sollten als absolute Untergrenze an Spielkapital das Zehnfache des erforderlichen Buy-ins für das anvisierte Spiel verfügbar haben. Ein 1 €/2 €-No-Limit-Spiel hat ein Buy-in in der Größenordnung von 200 €, Sie brauchen also mindestens frei verfügbare 2.000 € (das Doppelte wäre sogar noch sicherer).

Kapital für Turnierspiel
Turnierergebnisse haben größere Schwankungen – besonders, wenn es sich um Mehrtisch- tumiere handelt. Dort kann es durchaus eine wochenlange Trockenperiode geben und dann holen Sie plötzlich alles zurück (im nächsten Artikel erfahren Sie mehr über Turnierpoker). Für Einzeltischturniere (häufig online anzutreffen oder als Satellite für größere Live-Turniere) sollten Sie das 100-fache Buy-in verfügbar haben. Wenn Sie bevorzugt Turniere mit 50 € Buy-in spielen, brauchen Sie 5.000 € Spielkapital. Für Multitischturniere brauchen Sie sogar noch mehr. Ein Minimum von 300 Buy- ins erscheint mir angemessen (und vergessen Sie nicht, dass Sie in manchen Turnieren nachkaufen (Rebuy) können). Wenn Sie also wieder in den gewohnten 50-Euro-Turnieren spielen, die zweimal Nachkaufen zulassen, dann sind es effektiv 150-Euro-Turniere. Das bedeutet – ja wirklich -, Sie brauchen 15.000 €, um wohlbehalten durch gelegentliche Stürme zu kommen. Habe ich nicht prophezeit, dass Ihr Blutdruck steigen würde?

Zu höheren und tieferen Limits wechseln
Auch mit einem netten Finanzpolster müssen Sie in der Lage sein, sich Ihren Gewinnen und Verlusten anzupassen.

Aufzeichnungen machen
Ich unterstelle, Sie wollen gewinnorientiert spielen. Um die Übersicht über Ihre Pokerergebnisse zu behalten, müssen Sie Ergebnisdokumentation betreiben. Das können Sie so ausgefeilt machen, wie Sie wollen (gegen wen Sie gespielt haben, Tageszeit, Hemdfarben der Gegner, was Sie gegessen haben), aber das Wichtigste ist, dass Sie Gewinne und Verluste jeder betreffenden Sitzung und die zugehörige Dauer notieren. Ein einfaches Tabellenkalkulationsprogramm oder auch nur ein kleines Notizbuch genügen. Notieren Sie jede Pokersitzung, egal wie groß oder klein Gewinn oder Verlust waren. Und halten Sie sich fern von dubiosen Entschuldigungen der Machart: Den Verlust schreibe ich nicht auf, ich habe so miserabel gespielt, weil ich zu viel getrunken hatte. Wie wichtig sind Aufzeichnungen? Wenn zwei Spieler auf gleichem Niveau pokern, dann wird derjenige, der sich Notizen macht, mittelfristig besser abschneiden. Dem Spieler, der sich Notizen macht, sind seine Stärken und Schwächen viel deutlicher bewusst und er kann sich darauf mit seiner Spielweise einstellen. Witzig, oder? Ein Spieler besiegt den anderen mittelfristig, ohne dazu ein Kartenspiel einzusetzen.

Herunter mit den Limits
Natürlich müssen Sie stärker aufpassen, wenn Sie verlieren, und es sind die roten Zahlen in Ihrer Buchhaltung, auf die Sie achten müssen. Wenn Sie feststellen, dass Sie etwa die Hälfte Ihres Kapitals bei Ihrem angepeilten Limit verloren haben, dann müssen Sie eine Limitstufe heruntergehen. Wenn also Ihr Spielkapital für den 10 €/20 €-Tisch von 6.000 € auf etwa 3.000 € geschrumpft ist, dann müssen Sie zum 5 €/10 €-Tisch wechseln und sich wieder hocharbeiten. Auch sollten Sie Ihre generelle Spielweise nach Lecks untersuchen. Das sind sich wiederholende Fehler, die Sie Geld kosten.

Herauf mit den Limits
Wenn Sie in der beneidenswerten Position sind, Ihr Kapital verdoppelt zu haben, können Sie eine Limitstufe aufsteigen. Natürlich, das Kapital zu verdoppeln, erfordert viele Gewinne, bevor Sie aufsteigen, aber es wird zweifellos beweisen, dass Sie nicht durch eine Riesenglückssträhne dorthin gekommen sind. Außerdem haben Sie dann die Erfahrung und das nötige Selbstvertrauen für das nächsthöhere Limit. Eine Limitstufe heraufzusteigen, ist immer schwierig. Nehmen Sie bitte nicht an, auf der neuen Limitstufe automatisch so erfolgreich zu sein wie auf der letzten, sonst warten eventuell Enttäuschungen und milde Kopfschmerzen auf Sie.

Max: Er Wird durch Verlässliche Notizen zum Gewinner
Mein Kumpel Max ist ein echter Computerfreak, der während der letzten Jahre ein wirklich tiefes Interesse für Hold’em entwickelt hat. Er begann, regelmäßig online zu spielen und dokumentierte seine Taten akribischer als ein besessener Serienmörder. Eines Tages kam er ziemlich niedergeschlagen zu mir. Ich verliere. Nicht viel, aber stetig. Wir grübelten beide über die langsam nach unten weisende Ergebnislinie. Keine Diskussion – er verlor wirklich. Aber der Abwärtstrend war so minimal, dass er meine Neugierde anstachelte. Hey Max, kalkulier’ das noch mal durch, aber nimm diesmal die Taxe aus der Rechnung heraus.

Genau das tat er mit ein paar kurzen Formeländerungen in seinem Kalkulationsprogramm. Jetzt hatte die Trendlinie eine Steigung nach oben. Max’ Problem war, er besiegte die anderen Spieler, aber die Taxe nagte so stark an seinem Profit, dass er Verluste verbuchte. Ich sagte ihm: Wenn du eine Limitstufe höher gehst, wird der prozentuale Anteil der Taxe geringer. Ich wette, dann machst du Profit. Genau das tat Max. Ohne seine akribischen Aufzeichnungen hätten wir das nie herausgefunden. Max feierte mit mir in meiner Lieblingspizzeria. Also das nenne ich gewinnen.