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Die psychologischen Grundlagen im Internet-Poker – empfehlenswerte Information

Beim ersten Eindruck scheint Onlinepoker nur wenig mehr zu sein als ein magerer Abklatsch von realem Poker in den vier Wänden eines Kartenclubs. Wie ist es, wenn Sie Ihrem Gegenüber nicht mehr ins Gesicht sehen können? Ein Blick unter die Oberfläche zeigt aber, dass Onlinepoker sich in einigen interessanten Aspekten grundlegend unterscheidet. Psychologisch betrachtet erleben Sie ein ganz anderes Spiel. Sie sehen deutlich mehr Hände als im realen Spiel, Sie spielen mit Geld, das unecht wirkt (aber nicht sehr lange!), und weil alles auf einem Computer passiert, erleben Sie eine Menge neuer Arten, wie Dinge auch schief gehen können. In diesem Poker-Artikel betrachten wir einige fundamentale Grundlagen des Onlinepokers. Diese Eigenschaften umfassen die wahren Unterschiede zum realen Poker. Wir lernen, sie zu verstehen und damit umzugehen.

Aus psychologischer Sicht existieren zwei Riesenunterschiede zwischen Online- und realem Spiel am Tisch in einem echten Casino: Das ist einmal die wesentlich höhere Spielgeschwindigkeit und zum anderen die starke (mentale) Trennung vom Geld. das man einsetzt.

Die Auswirkungen der Geschwindigkeit verstehen
In der Cyberwelt können Sie zwei- bis dreimal so viele Hände spielen wie in der realen Welt, in der Karten und Chips noch physisch bewegt werden müssen. Die Online-Casinos tun alles in ihrer Macht, um die Spielgeschwindigkeit noch zu steigern. Das kann zu interessanten und (manchmal ungewöhnlichen) Wahrnehmungsveränderungen bei einem Spieler führen.

Eine lange Pechsträhne
Jeder Spieler hat seine spezielle Bad-Beat-Geschichte, besonders aus Onlinespielen. Hier kommt die von Red: Red favorisiert eine besondere Form von Onlinepoker: Einzeltischturniere in No Limit Holdem. Wenn Red spielt, finden man ihn dort. Im Jahr 2004 hatte er eine Pechsträhne: nicht einen, nicht zwei, sondern 27 aufeinanderfolgende Aussteiger vor dem Geld (d.h. er flog so früh aus den Turnieren, dass er nicht in die Preisränge kam). In 25 dieser 27 Turniere eliminierten ihn andere Spieler in All-in- Situationen, wo er klarer Favorit war. Er hatte immer das beste Blatt zum Start, aber das schlechteste zum Schluss. Herzzerreißend? Sicher. Besonders, wenn man wie er einen analytischen Verstand und einen Abschluss in Mathematik hat. Pechsträhnen dieser Art sind ungewöhnlich, aber nicht undenkbar. Wenn Ihnen das passiert (und wenn Sie lange genug spielen, wird eine ähnliche Pechsträhne kommen – oder haben Sie das schon auf die harte Tour erlebt?), versuchen Sie, cool zu bleiben. Lassen Sie von den statistischen Ausreißern der Vergangenheit nicht Ihr gegenwärtiges Spiel beeinflussen. Machen Sie ein paar Tаge Pause und sammeln Sie sich. Und machen Sie sich klar, es war eine Pechsträhne, die Ergebnisse waren nicht das Resultat mangelhafter Pokerstrategie. Wenn doch, überdenken und analysieren Sie Ihre Spielweise generell. Was passierte aber mit Reds Konto? Nun, sein 28. Turnier leitete eine Reihe von sechs Turniersiegen in Folge ein, die seine Verluste komplett überkompensierten (er könnte das jetzt als eine statistische Anomalie bezeichnen, zieht es aber vor, es seinem gerissenen Spiel
zuzuschreiben).

Bad Beats kommen häufiger – Nehmen Sie’s, wie es kommt
Zu den härtesten psychologischen Prüfungen eines Pokerspielers gehört vermutlich der Bad Beat, in einer solchen Situation hat er während der ersten Wettrunden ein besseres Blatt als sein Gegner, zum Schluss kauft dieser aber eine Wunderkarte, die ihm zu einem unwahrscheinlichen Blatt verhilft. Wenn ein zunächst schlechteres Blatt sich zum Schluss noch wendet und Sie deshalb unerwartet einen Pol verlieren, so ist das eine harte Situation, die es erst einmal zu verarbeiten gilt. Wenn Sie online spielen, wirkt es tatsächlich so. als erlebten Sie mehr Bad Beats als in der wirklichen Welt. Ist das so? Ja! Weil Sie zwei- bis dreimal so viele Hände sehen, erleben Sie auch entsprechend mehr Bad Beats. Sie sehen alle möglichen Arten von Blättern häufiger. Sie müssen daher eine realistische Perspektive behalten, denn wenn Sie sich ausschließlich auf die Bad Beats konzentrieren, machen Sie sich selbst verrückt.

Deswegen: Achten Sie auch auf ausgleichende gute Blätter, die ja gleichfalls häufiger auftreten. Das hält Sie mental in der Balance. Wenn Sie spielen und überzeugt sind, die Bad Beats kleben an Ihnen und sind nicht allein auf die statistische Anomalien zurückzuführen, die sie wirklich sind, dann spielen Sie entschieden nicht No Limit. No Limit ist das Cardroom-Pendant eines Drahtseilakts ohne Netz. Das Kunststück wird nicht komplizierter, nur die Strafe könnte schlimmer werden. Eine ungünstige Karte kostet entweder sehr viel Geld oder Ihren Platz im Turnier. Natürlich ist der quälende Aspekt von Limit-Poker, dass mehr Spieler in der Partie bleiben (manchmal gerechtfertigt) und kaufen wollen. Im Ergebnis sehen Sie mehr Bad Beats in den limitierten Spielen. Wenn ein Bad Beat bei No Limit wie ein Dolchstoß in die Eingeweide scheint, so ist er bei Limit-Poker nur ein leichtes Pieksen (Einzelheiten zum Spielkapital, welches Sie zum Überstehen von Bad Beats benötigen, lesen Sie in Poker-Artikel).

Wie man mit den Bad Beat-Jammerern umgeht
Sie werden keinen Internet-Pokerraum finden, in dem nicht irgendjemand gerade einen Spruch wie: Das passiert im wirklichen Leben nie! in die Chatbox hämmert. Tatsächlich ist es aber so: Es gibt auch im wirklichen Leben Bad Beats. Wenn der Zufall per Computersoftware generiert wird anstatt durch die ringbeladenen Hände eines Pokerdealers, dann wirkt das natürlich zunächst mal viel verdächtiger. Und die Onlinewelt scheint eine überproportionale Zahl an Spielern zu haben, die wegen ihrer Bad Beats jammern und weiterjammern. Ohne Zweifel liegt das zum Teil an der Anonymität des Internet. Niemand sieht sie, sie können jammern und mosern und quengeln, ohne ihr Gesicht zu verlieren. Vielleicht liegt es auch an der Zahl von Bad Beats, die eine Person erlebt. Und einigen der Jammerer fehlt sicher die nötige Spielerfahrung, und sie erleben die unschönen Aspekte zuerst.

Deswegen ist das Jammern am schrillsten an den Tischen mit kleinem Limit. Bei höheren Einsätzen verflüchtigt es sich zu leisem Murmeln. In Turnieren empfiehlt es sich, psychologisch gerüstet zu sein für Leute, die durch einen Bad Beat hinausfliegen. Sie klagen weiter und weiter, sogar als Beobachter. Als Spieler haben Sie mehrere Möglichkeiten: Sie können den Vulkan an Ihrem Tisch schlichtweg ignorieren und warten, bis die Eruption vorüber ist Decken Sie den Kühlventilator Ihres Computers ab, so dass keine Asche herausgeblasen wird. Wenn das Gejammer zu sehr nervt oder gar ablenkt, denken Sie daran, die Chatbox lässt sich ausblenden. Wenn die Nörgler drohen oder unflätig werden, können Sie die Supportleute der Site informieren und um korrigierende Aktionen bitten. Sie tun den anderen Spielern damit einen Gefallen, denn niemand lässt sich gerne beschimpfen. Lassen Sie sich niemals auf Diskussionen mit dem Hitzkopf ein, selbst wenn es verlockend ist. Wenn die Site sich zu Sanktionen entschließt, wäre es nicht schön für Sie, wenn Sie mit hineingezogen würden.

Gewinne kommen in Millisekunden – Feiern Sie
Und natürlich müssen Sie sich ebenso daran gewöhnen, dass Gewinne schneller und häufiger kommen. Wenn Sie ein Monsterblatt bekommen oder eine ungewöhnlich günstige Folge von Karten wird aufgelegt: zack, bumm, krach – auf dem Bildschirm sehen Sie die noch aktiven Blätter, die Site zahlt den Pot aus, es wird gemischt, und sofort geht es emotionslos weiter. Vielleicht haben Sie Zeit Ihres Pokerlebens auf einen Royal Flush gewartet, und dann bekommen Sie ihn plötzlich während einer Seven-Card Stud Partie im Internet. Doch die Software behandelt Ihr Monsterblatt mit genau der gleichen Art von Aufmerksamkeit wie ein Müllblatt mit König als höchster Karte. Seien Sie gewarnt: Im Online-Poker müssen Sie sich selbst um die Feiern kümmern. Am besten stellen Sie für alle Fälle schon mal den Sekt kalt, bevor Sie sich einloggen.

Spielen Sie, um zu gewinnen, und notieren Sie Ihre Ergebnisse
Wenn Sie mit Internet-Poker beginnen, bleiben Sie zunächst bei Limits, die etwa der Hälfte Ihrer geplanten Einsatzhöhe entsprechen. Bleiben Sie, bis Sie sich eingewöhnt haben und regelmäßig gewinnen. Notieren Sie Ihre Gewinne und Verluste zeitnah und regelmäßig. Gehen Sie nicht zu höheren Einsätzen, bevor Sie stabile Gewinne verbuchen. Bedenken Sie, was immer Sie auf Ihrem aktuellen Einsatzniveau verlieren, hätte sich auf dem nächsten verdoppelt. Gehen Sie nie, nie, nie zu höheren Einsätzen, um Verluste schneller wieder einzuspielen. Wenn Sie verlieren, ist die beste Methode, die Verluste auszugleichen, bei kleineren Limits weiterzumachen. Dort ist der Wettbewerb nicht so hart und Ihre Entscheidungen sind rationaler, weil nicht so viel monetäres Risiko mitschwingt wie bei höheren Einsätzen.

Das ungewohnte Gefühl von unwirklichem Geld kennenlernen
Eine der größten Gefahren für Ihr Spielkapital ist während des Onlinespiels der fehlende mentale Bezug zu dem Geld, das Sie riskieren, in der echten Welt mag das Problem auch existieren (irgendein weiser Mann sagte einmal: Wer das Spiel um Geld erfunden hat, war ein kluger Mann, aber der Erfinder der Jetons war ein Genie), aber online tritt das Phänomen viel stärker auf. Sie sehen auf dem Bildschirm ein paar bunte Kreise und eine Zahl, die Ihr Spielkapital repräsentieren. Sie können es nicht anfassen, nicht damit herumspielen, nicht dran riechen. Und wenn es nicht eines Tages als Abhebung auf Ihrem Kontoauszug erschiene, würden Sie vielleicht sogar vergessen, dass es Ihres war. Daraus kann eine gewisse Lässigkeit gegenüber dem Geld resultieren. Fünf Scheine hier verlieren, 20 Scheine dort, was soll*s? Macht doch eigentlich nichts. Es macht aber doch was aus. Sogar eine Menge. Sie arbeiten hart für Ihr Geld, sogar (oder vielleicht speziell) wenn Sie beim Online-Poker gewinnen.

Wenn Sie jemals feststellen, dass Sie unbekümmert spielen oder – noch schlimmer – verlieren wollen, weil Sie das Spielerkonto schließen möchten (klingt verrückt, aber Freunde von uns haben genauso gehandelt), dann denken Sie bitte ernsthaft über Ihre Situation nach. Wenn Sie erkennen, dass Sie so spielen, als wäre das Geld unwichtig, überprüfen Sie Ihren Puls und ziehen sich vom Spiel zurück. Sie sollten sogar ernsthaft darüber nachdenken, alles Geld vom Pokerkonto abzuziehen und ein paar Wochen zu pausieren, wenn Ihnen danach ist. Es ist sehr einfach, das Konto zu schließen. Sie gehen zum Kassiererbereich und drücken den Button mit der sinngemäßen Aufschrift Ich will mein ganzes Geld, jetzt! Einige Sites fordern einen Mindestbetrag zum Abheben. Wenn Sie Ihr Konto komplett schließen wollen, und der Mindestbetrag ist nicht da, winken die meisten Sites ah. Versuchen Sie es trotzdem, indem Sie die Kundenbetreuung der Site kontaktieren.