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Der weitere Spielverlauf folgen – No Limit Pokerstrategien

In der weiteren Spielfolge, ungeachtet ob nach dem Flop oder nach dem Turn, ergibt sich nun eine Möglichkeit, die am limitierten Tisch nicht zur Verfügung steht – und die auch entsprechend genutzt werden sollte:

Verfügen Sie über das (vermutlich) dominierende Blatt, so können Sie den Vorteil mit hoher Wahrscheinlichkeit, durch einen nun platzierten Einsatz, in sofortigen Gewinn umsetzen! Sie setzen so hoch ein, dass sich die Kaufwahrscheinlichkeit mit der Potquote für den Gegner mit Sicherheit nicht rechnet.

Nehmen wir an. Sie sind mit A♥ – 8♥ im Pot, und der Flop bringt:
2♥ – 3♦ – 8♠

Von einem möglichen Überpaar abgesehen, das hier, auf Grund der nichterfolgten Erhöhung, sehr unwahrscheinlich ist, halten Sie das höchste Paar. Zwei Paare sind wegen der niedrigen Kartenwerte auch weitgehendst auszuschließen (die größte Gefahr droht bei solchen Flops immer vom Big Blind, der mit jedem möglichen Blatt im Pot ist). Nun, sobald drei oder vier weitere Spieler im Pot bleiben, reduziert sich trotzdem Ihre Gewinnchance. Der Simulator errechnet dies, an einem möglichen Beispiel, folgendermaßen:

A♥ –8♥– 52%
6♦ –6♥– 10%
A♠ –10♠– 14%
K♦ –Q♦– 24%

Zwar verfügen Sie über die höchsten Gewinnchancen, doch in knapp der Hälfte der Fälle wird sich einer der Gegner doch durch Kauf verbessern, was meist nicht nur den Pot, sondern weitere Einsätze kostet.

Bringen Sie nun einen Einsatz, der die Gegner abschreckt, dann sind Ihre Chancen im Falle eines einzigen Gegners folgende:

Gegen 6♦ – 6♥– 90%
Gegen A♠ – 10♠– 83%
Gegen K♦ – Q♦– 75%

Dass K♦ – Q♦ die höchste Chance hat, Sie zu schlagen, bedeutet dabei aber nicht, dass dieser Spieler auch am ehesten mitgehen wird. In diesem genannten Fall ist das Mitgehen mehr von 60 – 69 zu erwarten, da, wie ich schon einmal erwähnt habe, Taschenpaare grundsätzlich meist überbewertet werden, er in diesem Fall aber auch damit spekulieren könnte, dass Sie über nichts anderes als zwei hohe Kartenwerte verfügen könnten.

Gewiss ist es im genannten Beispiel nicht verbindlich, dass Sie versuchen, die Gegner durch einen extrem hohen Einsatz restlos aus dem Pot zu vertreiben. Natürlich können Sie auch bescheidener erhöhen, denn, sollten auch alle drei mitgehen, steht Ihre 52%ige Gewinnchance trotzdem in erstklassigem Verhältnis zur Vervierfachung des Einsatzes. Wichtig wäre in einem solchen Fall natürlich, darauf zu achten, dass Sie sich nicht am Ende mit dem zweitbesten Blatt zu hohen Einsätzen verleiten lassen!

Dass es absolut falsch wäre, hier zu checken, ist natürlich offensichtlich. In diesem Fall würden Sie Ihren Gegnern die Möglichkeit zum Kauf gratis überlassen! Das Risiko eines Check-Raising sollte auch nur dann eingegangen werden, wenn die Gegner als aggressiv bekannt sind.
Natürlich müssen Sie sich bewusst sein, dass der Zufall hier gelegentlich auch böse Überraschungen auf Lager hat. Ein schmerzhaftes Beispiel aus meiner eigenen Erfahrung:

Ich hielt K♥ – ♥ in der Hand, mehrere Spieler im Pot, und der Flop brachte:
8♥ – 3♥ – 10♥

Ein Spieler brachte einen Einsatz, ein anderer ging mit. Nun lag es an mir. Das Einzige, was mich beunruhigte, war natürlich das A♥. Aus folgenden Gründen setzte ich AU-in:

Verfügte einer der beiden Spieler über das A♥, so konnte ich ihn eventuell, aus rechnerischen Gründen, zum Passen bewegen; wenn nicht, ihm aber zumindest den Kauf sehr teuer machen. Die Wahrscheinlichkeit auf ein weiteres Herz ist letztendlich nicht höher als 3 zu 1 (beide Karten, Turn und River, berücksichtigend). Der zweite Grund war natürlich die Hoffnung, dass jemand, ohne A♥, mitgehen könnte, stinkt ein All-in bei diesem Flop natürlich gewaltig nach einem Bluff.
Einer der beiden Spieler passte. Der andere ging mit und legte seine Karten auf den Tisch:
A♥ – 5♥

Damit, dass sich zwei Herz in einer Hand befinden, und noch dazu mit dem A, war natürlich nicht zu rechnen. Doch gegen solche Bad Beats können wir uns im Poker niemals absichern.

Spieler mit beschränkter Erfahrung begehen gerne den Fehler, dass sie, wenn sie ein sicheres Gewinnblatt floppen, dieses zu aggressiv spielen, von der Hoffnung geleitet, es könnte nach einem Bluff aussehen. (Ein „sicheres Gewinnblatt“ war das vorhin erwähnte, wegen der Gefahr des A♥, natürlich nicht.) In einem solchen Fall ist es wesentlich günstiger, entweder zu checken oder nur geringfügig zu erhöhen.

Ich zitiere wieder ein Beispiel, das mir selbst kürzlich passiert ist:
Mit A♣ – J♣ folgte ich, am Big Blind, einer mittelmäßigen Erhöhung. Insgesamt waren wir drei, die folgenden Flop sahen:
A♠ – A♦ – J♦

Der Wunschtraum jedes Pokerspielers! Ich checkte, der nächste Spieler brachte einen niedrigen Einsatz, der nächste passte, und nach langem Überlegen, als würde ich die Outs zählen, ging ich mit. Es folgte der Turn:
Q♣

Wieder checkte ich, um, nochmals nach langem Überlegen und ohne jegliche Anstalten einer Erhöhung, den bescheidenen Einsatz meines Opponenten zu halten.

Der River war völlig wertlos: 3♥

Nun wäre ein Checken gefährlich gewesen! Hätte der Gegner seine Einsätze völlig ungerechtfertigt erbracht gehabt und ebenfalls gecheckt, dann hätte ich mein Monsterblatt kostenlos auf den Tisch legen müssen und dabei noch mein Slowplay, meine strategische Zurückhaltung, verraten. Also brachte diesmal ich einen, eher kleinen, Einsatz!

Damit hatte ich offensichtlich meinen Gegner restlos überzeugt gehabt, dass ich auf ein Flush oder vielleicht eine Straße gehoffte hatte und nun den Pot durch einen billigen Bluff an mich ziehen wollte.

Für ihn wäre es an diesem Punkt das Beste gewesen, einfach mitzugehen. Mein vorangegangenes passives Verhalten hatte ihn sein eigenes Blatt aber restlos überbewerten lassen. Er erhöhte um den gleichen Betrag meines Einsatzes! Das war ein schwerer Fehler!
Jetzt erst erfolgte mein wirklicher Angriff: All-in!

Hatte er mich bei meinem kleinen Einsatz schon eines Bluffs verdächtigt, umso mehr musste ihm dieser Verdacht nun noch näher gelegen sein. Sein Stack war ausreichend, um meinen Einsatz zur Gänze abzudecken, was er auch tat.
Er hatte K – K!

Zwar passiert es selten, dass wir schon am Flop über ein – zumindest beinahe – unschlagbares Blatt verfügen, doch, wenn immer dies der Fall ist, dann müssen wir auch das Allerbeste aus diesem Blatt herausholen. Im genannten Fall ist es mir gelungen!

Gelegentlich stoßen wir auf unlimitierten Tischen auf Spieler, die unentwegt und scheinbar planlos, durch die Höhe ihrer Einsätze, das Spiel zu dominieren versuchen! Das ist ein gefährliches Unterfangen, und meist ist es nur eine Frage der Zeit, sofern sie auf auch nur halbwegs gute Spieler stoßen, bis sie in einer Begegnung all die vorangegangen Kleingewinne – und mehr – wieder abgeben.

Hier kommt es wiederum auf Geduld an!
Gegen solche Spieler müssen wir auf die allerbesten Karten warten. Sitzt der Spieler vor uns, sehen wir uns von Anfang an mit einer Erhöhung konfrontiert. Sitzt er nach uns, müssen wir davon ausgehen, dass eine Erhöhung folgen wird.

Kaufen wir nicht bereits am Flop, dann ist das Spiel vorüber!
Wir wissen, dass dieser Spieler blufft! Doch, sofern wir nicht zumindest über ein Paar, wenn’s auch ein kleines wäre, verfügen, ist es sinnlos, bei dem entsprechend hohen Einsatz mitzugehen. Verlieren wir die Nerven, hoffen auf die passende Karte am Turn, dann sind wir – wie wir bereits wissen – in der Mehrzahl der Fälle mit der falschen Karte konfrontiert.

Möchten wir das Ruder an uns reißen und bringen selbst einen aggressiven Einsatz, wird dieser von aggressiven Spielern oft wieder erhöht – und wir stehen vor der gleichen Situation. Nun, dass eine derartige Strategie nur zu kurzfristigen Erfolgen führen kann, ist logisch. Stu Ungar hat, wie zuvor erwähnt, sein All-in siebenmal wiederholt – und niemand weiß, ob er nicht zwei- oder dreimal doch über gute Karten verfügt hat. Fährt ein Spieler jedoch einen ganzen Abend lang mit dieser Strategie fort, so wird er sich über kurz oder lang den Kopf anrennen. Und genau darauf warten wir geduldig.

Diese genannte Situation kann nicht mit dem zuvor besprochenen, einmalig durchgeführten Bluff verglichen werden. Diese Art von Spieler hält das mögliche All-in zurück! Sie setzen hoch ein, aber nicht alles! Schließlich brauchen sie Reserven für ihre weiteren Schritte. Wir könnten zwar, wenn der Zeitpunkt günstig scheint, selbst mit einem All-in zurückbluffen (und uns der Gefahr eines Re-Raising aussetzen). Doch besteht meist kein Anlass dazu. Ist es doch wesentlich sicherer, sich der Fortsetzung der Spielweise des Gegners bewusst, auf das entsprechend gute Blatt zu warten, das wir früher oder später in Händen halten werden.

Doyle Brunson schreibt von seiner eigenen, aggressiven Spielweise. Von seinen Erhöhungen und Wiedererhöhungen, die ihm sein Tischimage erhalten; die ihm, trotz gelegentlicher hoher Niederlagen, so viele kleine Pots bescheren, dass er, alles in allem, kontinuierlich als Gewinner den Tisch verlässt. Und in seinem Fall sind es Millionen!

All die Empfehlungen in Büchern der legendären Profis sind immer mit größter Vorsicht zu behandeln. Ein Spieler wie Doyle Brunson verfügt über so viele Jahrzehnte an Spielerfahrung, dass er so vielen Details Beachtung schenkt, die er in seinen Texten meist nur beiläufig erwähnt, weil sie für ihn zur Selbstverständlichkeit geworden sind. Aggressives Spiel ist nur dann sinnvoll und gewinnbringend, wenn es selektiv und zum richtigen Zeitpunkt eingesetzt wird! (Natürlich verweist Doyle Brunson darauf, doch gerne werden wichtige Details vom Lesefluss ertränkt!) Das soeben beschriebene aggressive Verhalten von Gegnern ist oft durch unüberlegtes Anwenden von Brunsons Strategie bedingt. Selten führt es zu Erfolgen!

Solange Sie nicht selbst über ausgedehnte Spielerfahrung verfügen, rate ich unbedingt zur Zurückhaltung. Möchten Sie mit taktischer Aggression experimentieren, dann tun Sie dies auf den niedrigstmöglichen Tischen. Und ich versichere Ihnen, Sie werden vom wiederholten Passen der Gegner so überrascht und begeistert sein, bis Sie gegen ein Monsterblatt anrennen und damit mehr verlieren, als Ihnen die kleinen Pots zuvor eingebracht haben. Kurz gesagt, bleiben Sie so lange wie möglich konservativ; so lange, bis Ihnen die eigene Spielerfahrung die Sicherheit verleiht, die für fortgeschrittene Strategien unumgänglich ist.

Insbesondere, wenn es uns an entsprechender Erfahrung mangelt, ist es immer ratsam, sich mit beschränktem Budget an den Tisch zu setzen. Gewiss, halten wir das Siegesblatt in der Hand und können den erbrachten Einsatz nicht zur Gänze halten, dann wird dadurch unser Gewinn geschmälert. Andererseits aber reduzieren wir auch unser Verlustrisiko auf diesen eingebrachten Betrag. Wie Sie wissen, das unschlagbare Blatt zeigt sich mehr als selten! Gelingen uns einige gute Coups, kann unser Stack wirklich sehr rasch anwachsen; und, glauben Sie mir, mit gewonnenem Geld spielt es sich um vieles leichter.

Außerdem, ist Ihr vorläufiges Kapital aufgebraucht, dann können Sie jederzeit in Ihre Tasche greifen und mehr Chips nachkaufen. Jedenfalls sind Sie dadurch vor überraschenden Bad Beats, die Ihr gesamtes Budget auf einen Schlag verschlingen könnten, abgesichert.

Unter routinierten Spielern wird die Frage oft diskutiert, inwieweit es ein Vorteil sein könnte, über mehr Chips zu verfügen als die Gegner. Der bereits erwähnte Umstand, dass wir Topkarten gewinnbringender nutzen können, übt auf diese Diskussion natürlich entsprechenden Einfluss aus. Trotzdem, die Meinungen bleiben geteilt, ob der höhere Stack wirklich ein Vorteil ist und, wenn ja, ob dieser auch signifikant ist. (Doyle Brunson gehört hier natürlich zu den Anhängern der hohen Kapitalverfügbarkeit! Doch, wie gesagt, verschaffen Sie sich erst einmal einen Bruchteil seiner Spielerfahrung, bevor Sie auch nur einen Versuch unternehmen, seine Strategie anzuwenden!)