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Der tight-aggressive Spieler, Gegner TAG Teil II – neue Pokerstrategien lernen

Der tight-aggressive Spieler, Gegner TAG Teil I

Stärken
Im Vergleich mit den anderen verkörpert dieser Spielstil pure Stärke. Poker belohnt Disziplin, tightes Spielverhalten und selektive Aggressivität – und davon haben TAGs mehr als genug. TAGs sind in der Regel gut bis exzellent in der Analyse von Händen. Sie müssen sich auf die Gegner konzentrieren, um diesen Stil anzuwenden und haben auch die Zeit und Persönlichkeit, um ihre Fähigkeiten zu verbessern. Da sie so oft folden, haben sie Gelegenheit, die anderen Spieler zu studieren – und wegen ihrer Disziplin, Zähigkeit und Konzentration können sie diese Zeit produktiv nutzen. TAGs haben in ihr Urteilsvermögen großes Vertrauen. Andernfalls könnten sie ihren Spielstil gar nicht durchhalten. Es bedarf großen Selbstvertrauens, eine gute Hand wegzuwerfen, weil man denkt, geschlagen zu sein, oder mit einer mittelmäßigen zu raisen, weil man davon ausgeht, sie sei die beste.

Schwächen
Im Vergleich mit den anderen weist der tight-aggressive Spielstil keine nennenswerten Schwächen auf – abgesehen von der Tendenz, einige schlechtere Spieler zu vergraulen. Ihre Gewinnsucht weist möglicherweise auf einige gravierende persönliche Defizite hin. Sie könnten gleicher Meinung wie Jack Straus sein, der sagte: „Ich würde meine eigene Großmutter ausnehmen, wenn sie mit mir Poker spielte.“ Diese Obsession machte aus ihm einen großen Champion, würde aber die meisten Menschen verschrecken und einige gute „Kunden“ vergraulen. Eventuell hat sie auch sein Privatleben beeinflusst, aber dies hat nichts mit unseren Angelegenheiten zu tun. TAGs befriedigen keine sonstigen Bedürfnisse. Sie spielen sicher weder um der Entspannung oder Gesellschaft willen noch empfinden sie reine Freude am Zocken aus purem Spaß. Pokern bedeutet für sie ernsthafte „Arbeit“, auch wenn sie das Geld gar nicht benötigen. Bei diesem Spiel geht es ums Gewinnen und möglicherweise bezahlen sie für das Erreichen dieses Ziels einen hohen seelischen Preis. Aber vermutlich interessiert das die meisten von ihnen gar nicht. Sie spielen, um zu gewinnen, und gewinnen – Ende der Geschichte.

Handanalyse
Die Karten eines TAG sind besonders schwer zu analysieren. Abgesehen von den Täuschungen, denen man vielleicht aufsitzt, denken und handeln diese Spieler anders als die meisten anderen. Sie haben sich unter Kontrolle, während die anderen Spieler häufig ihren Impulsen nachgeben. Viele Spieler konzentrieren sich zum Beispiel auf den absoluten Wert ihrer Hände – und nicht auf das Verhältnis zu den gegnerischen. Sie „verlieben“ sich eventuell in ihre starken Blätter und ignorieren Hinweise, dass sie geschlagen sind, und betten mit einem hoffnungslos unterlegenen Full House aggressiver als mit einem Gewinner-Paar. Im Gegensatz dazu betten TAGs entsprechend ihrer Einschätzung der relativen Stärke ihrer Hand. Sie folden „gute“ Hände, die anscheinend geschlagen sind, und raisen mit „mittelmäßigen“ oder „schwachen“, bei denen sie davon ausgehen, vorne zu liegen, oder bringen diese Raises, um ihre Gewinnchancen zu erhöhen. Außerdem berücksichtigen sie bei ihren Entscheidungen immer auch die Potgröße.

Um die Karten der TAGs analysieren zu können, müssen Sie lernen, sich in deren Denkweise hineinzuversetzen. Natürlich sollten Sie das auch bei jedem anderen machen, aber bei diesen Spielern fällt das besonders schwer. Sie müssen entscheiden, was TAGs über die Spielweise der anderen denken und die Aktionen aufgrund deren Wahrnehmungen und Motive interpretieren – und nicht Ihrer eigenen. Im Übrigen übermitteln TAGs selten Verhaltensmuster oder verräterische Signale. Ihre gesamte Herangehensweise beruht auf Selbstbeherrschung und sie werden keinerlei Informationen preisgeben.

Sie handeln wohlüberlegt und nicht, um Sehnsüchte oder Ängste auszuleben. Andere Spielertypen kehren dieses Prinzip häufig um und unterliegen ihren Impulsen, anstatt wohldurchdachte Entscheidungen zu treffen. LAGs raisen, weil sie sich nach Action sehnen; LPAs callen, weil sie dazugehören wollen; TPAs folden, weil sie das Risiko fürchten. TAGs minimieren den Einfluss der Impulse und handeln wohldurch-dacht. Sie wissen, was sie tun und warum sie es tun. Der Schlüssel zu ihrem Geheimnis ist: Achte auf die Absicht deiner Aktionen.

Die Absichten von TAGs sind erheblich vielseitiger und komplexer als bei anderen Spielern. Wenn ein Rock raist, ist er sich sicher. Sie geschlagen zu haben. Ein Maniac könnte auch aus purem Spaß raisen. Aber bei einem TAG sind mehrere Gründe denkbar:
1. Er glaubt, die beste Hand zu haben.
2. Er glaubt, der Erwartungswert seines Draws rechtfertige einen Raise.
3. Er möchte das Feld minimieren, um mit seiner Hand – die im Moment nicht unbedingt die beste sein muss – bessere Gewinnchancen zu erhalten.
4. Er möchte sich damit in der nächsten Setzrunde eine Free Card kaufen.
5. Er blufft.
6. Er semiblufft.

Offensichtlich ist die Analyse seiner Karten bedeutend komplizierter als bei einem anderen Spieler. Lassen Sie mich zwei von TAGs ausgezeichnet gespielte Hände beschreiben. Beide zeigen nicht nur großartige Fähigkeiten in der Handanalyse, sondern auch ein großes Selbstvertrauen der Spieler.
1. Ein TAG raiste beim Hold’em in Late Position vor dem Flop mit

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Auf dem Flop kamen

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womit er Top Two Pair hielt – eine ausgezeichnete Hand. Ein anderer Spieler bettete und ein zweiter callte. Er raiste, woraufhin die anderen callten. Auf dem Turn kam der J♥. Seine Gegner checkten, er bettete und erneut callten beide. Auf dem River kam ein zweiter Bube. Der erste Spieler checkte und der zweite, ein loose-passiver Spieler, bettete. Im Pot lagen über 12 Big Bets. Unser Mann dachte lange nach und foldete. Der loose-passive Spieler hielt

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hoffte auf eine Straight und bekam am Ende drei Buben. Der TAG nahm an, dass er nur mit Trips betten würde, und lag damit absolut richtig.
2. In einer anderen Hold’em-Partie reraiste ein Spieler mit A3 einen Rock bei einem Board mit

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weil er richtigerweise zu dem Schluss kam, dass der tight-passive Raiser A2 hielt und somit ein minimal schlechteres Full House als er selbst. Er ging noch einmal die gesamte Setzfolge durch, brachte diese mit dem Spielstil des Raisers in Verbindung, kam zu dem Ergebnis, dass er die beste Hand hat und untermauerte seine Einschätzung.

Diese Beispiele zeigen das Wesen des tight-aggressiven Spielstils. Ein TAG bettet aggressiv und foldet dann für den Preis einer einzigen Bet, wenn er meint, geschlagen zu sein. Ein anderer TAG bringt aufgrund seiner Fähigkeiten in der Handanalyse einen guten Reraise. Für jeden, der diese beiden Spieler nicht kennt, wäre es extrem schwierig, sie auf diese Hände zu setzen. Sie sind wegen der Komplexität und nüchternen, analytischen Herangehensweise von TAGs gezwungen, viel härter für die Handanalyse zu arbeiten. Die allgemeinen Prinzipien, die für die anderen Spielertypen gelten, sind auf diese Spieler nicht in vergleichbarer Weise anwendbar. Sie müssen hinter das Geheimnis der Karten Ihres Gegners kommen und lernen, wie dieser bestimmte TAG denkt und agiert.

Ein nützlicher Schritt in diese Richtung ist, sich immer, wenn Sie selbst nicht am Pot beteiligt sind, ausschließlich auf den TAG zu konzentrieren. Lassen Sie ihn merken, dass er „Ihr Untersuchungs- objekt“ ist. Beobachten Sie ihn, wenn er foldet, raist usw. Fragen Sie bei bestimmten Aktionen nach, warum er so gespielt hat. Prophezeien Sie, was er als nächstes tun wird, und versuchen Sie herauszufinden, warum er es gemacht – oder unterlassen – hat.

Halten Sie nach Mustern Ausschau. Es gibt ganz sicher welche; Sie müssen einfach härter dafür arbeiten, sie zu erkennen. Machen Sie sich Notizen. Wenn Sie ihn gut studieren, könnten Sie nicht nur lernen, die richtigen Schlüsse aus ihm zu ziehen, sondern auch Ihr Spiel im Allgemeinen verbessern. Eine der besten Methoden, eine Fähigkeit zu lernen, ist, einen Meister zu kopieren.