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Das richtige Bankrollmanagement lernen – Internet Poker Grundlagen

Ein nicht zu unterschätzender Punkt beim Online-, wie übrigens auch beim Livepoker, ist der korrekte Umgang mit der Bankroll. Einfach ausgedrückt: Spielen Sie niemals über Ihre Verhältnisse! Beim Livepoker hört man immer wieder Geschichten von Personen, die ihr letztes Hab und Gut verspielt haben. Sie sollten nie einen höheren Einsatz bringen als den, den Sie locker verschmerzen können. Klar möchte man beim Poker auch gewinnen und als guter Spieler gelingt Ihnen dies wahrscheinlich öfter als einem Anfänger. Doch auch der Profi muss mitunter Durststrecken überwinden, während derer er keinen müden Cent gewinnt. Dies kann sich unter Umständen über mehrere Monate hinziehen – auch das gehört zum Poker. Entweder erleiden Sie einen Bad Beat nach dem anderen, verlieren stets mit dem besseren Blatt oder bekommen partout keine spielbaren Blätter. Und um eben diesem Phänomen vorzubeugen, muss Ihre Bankroll stimmen.

Stets klein anfangen: 5% der Bankroll als Buy-In
Fangen wir ganz von vorne an: In der Regel sollten Sie allerhöchstens 5% Ihrer Bankroll, also des Gelds, das sich auf Ihrem Poker-Konto befindet, als Buy-In ausgeben. Haben Sie 50$ eingezahlt, sollten Sie demzufolge nicht mehr als 2$ für ein Turnier, Sit’n’Go oder ähnliches investieren. Noch besser: Sie fangen zunächst auf der untersten Stufe mit 1 $ an. Sie sollten sich darüber im Klaren sein, dass es immer einen Unterschied macht, ob Sie um Spielgeld oder um echtes Geld spielen. Da man sein Spielgeld ständig wieder aufladen kann, spielt es keine Rolle, ob es mit unnötigen Moves verballert wird oder nicht – man kann ja jederzeit nachkaufen. Sobald es jedoch um Echt Geld geht, sollte das Ganze ein wenig anders ablaufen. Ich betone hier das Wort sollte, da dies in den niedrigen Blinds leider recht selten der Fall ist. Bei 1$- oder 2$-Turnieren bzw. -Sit’n’Gos gambelt die Mehrzahl der Spieler genauso, als würde es sich um Spielgeld handeln. Der Einsatz ist nicht hoch und im Falle einer Niederlage setzt man sich einfach an den nächsten Tisch. Zu verlockend ist die Aussicht auf eine frühe Verdopplung – auch mit einer marginalen Hand. Dennoch müssen Sie sich zu Beginn durch diese Stufen hochkämpfen. Begehen Sie nicht den Fehler, sich gleich zu Beginn an einem 10$-Turnier zu versuchen, nur um recht früh ausscheiden zu müssen. In diesem Fall hätten Sie bereits 20% Ihrer Bankroll verspielt (plus Rake). Fünf solcher Versuche und Sie wären Ihr gesamtes Geld los. Aus diesem Grund ist es ratsam, sich langsam nach oben vorzutasten.

Natürlich können Sie auch bei einem 50$-Turnier auf Gambier treffen. Doch Sie können gleichzeitig davon ausgehen, dass sich in diesen Regionen Spieler tummeln, die schon etwas mehr Erfahrung aufzuweisen haben und dementsprechend spielen. Gerade als Anfänger sollten Sie sich nicht auf derlei Risiken einlassen, da die besseren Spieler nur auf solche Gelegenheiten warten. Sie wissen ziemlich schnell, wie gut ein Spieler ist und nehmen diesem dann seinen gesamten Stack ab.

Die Reserven müssen stimmen
Eine andere Überlegung bei der richtigen Anwendung der Bankroll liegt darin, dass man auch mal eine Durststrecke überwinden können muss, ohne dabei gleich pleite zu gehen. Wie schon erwähnt, gewinnt selbst der beste Pokerspieler der Welt nicht jedes Spiel. Und auch wenn manche glauben, sie kämen bei jedem Sit’n’Go unter die ersten drei Plätze – solche Spieler gibt es so gut wie nicht. Die Schwankungen, besonders im Onlinebereich, sind derart groß, dass man darauf mit einer entsprechenden Bankroll vorbereitet sein sollte. Bei einer Einzahlung von 50$ und Einsätzen von 1$ werden Sie mindestens 50 Spiele absolvieren können, bevor Sie pleite sind. Nehmen wir nun mal an, dass Sie nicht bei allen 50 Spielen leer ausgehen und auch die eine oder andere Partie für sich entscheiden. Somit hätten Sie selbst bei allerschlechtesten Voraussetzungen (im Falle einer sehr lang anhaltenden Pechsträhne) etwa 60 bis 70 Versuche, bevor das Geld ausgeht. In dieser Zeit lernen Sie stetig hinzu. Spielen Sie in niedrigen Blindstufen, müssen Sie sich eben entsprechend auf die Gegner einstellen und deren Spielstil akzeptieren bzw. annehmen.

Wenn sich Ihre Bankroll dann verdoppelt hat – ohne dass Sie dabei nachgezahlt haben – und Sie sich ganz gut im niedrigen Bereich schlagen, sollten Sie daran denken, eine Stufe höher zu steigen. Versuchen Sie es nun mit 2$- und 3$-Einsätzen und gehen Sie anfangs nicht zu leichtsinnig ans Werk. In diesen Stufen wird der spielerische Unterschied noch nicht gravierend sein. Doch darum geht es gar nicht. Es geht um die höheren Einsätze und den Umgang damit. Bedenken Sie, dass jede Niederlage Sie doppelt trifft, da ja auch ein höherer Einsatz bezahlt wurde.

Beobachten Sie genau, wie Sie sich in den höheren Stufen schlagen und ob Sie eventuelle Verluste auch verkraften können. Sie sollten nie um Beträge spielen, deren Verlust Ihnen wehtut. Aus diesem Grund sollten Sie sich auch erst an höhere Buy-Ins wagen, wenn Sie sich auf dem unteren Level sicher fühlen. Lassen Sie sich von ersten Rückschlägen nicht abschrecken – die hätten Sie ebenso gut in den unteren Stufen treffen können. Wenn Sie glauben, mit den Spielern der höheren Stufen mithalten zu können bzw. mit eventuellen Verlusten gut klarzukommen, und dabei ein gutes Gefühl haben, ist das in Ordnung. Verlieren Sie ständig in einem höheren Level, sollten Sie ohne lange zu überlegen wieder einen Gang zurückschalten. Sie müssen sich in dem jeweiligen Level wohlfühlen. Ständig unter dem Druck zu stehen, mit den Anderen mithalten zu können, lässt Sie nicht frei aufspielen – dann sind Sie einfach noch nicht reif für diesen Level. Sammeln Sie weitere Erfahrung in einem niedrigeren Level und verdienen Sie dort Ihr Geld. Auch wenn es so ein wenig länger dauern sollte: Mit jedem Spiel gewinnen Sie an Erfahrung und irgendwann werden Sie soweit sein, auch in einem höheren Level erfolgreich mitspielen zu können.

Ohne Geduld geht gar nichts
Poker ohne Geduld ist wie ein Auto ohne Reifen! Wenn Sie nicht auf gute Hände bzw. eine gute Gelegenheit warten können, ist der Pokersport nichts für Sie. Sobald Sie nicht mehr warten können und überhastet spielen, wird sich das ganz schnell rächen.

Der ROI: So berechnen Sie, wie es um Ihre Finanzen steht
Kommen wir nun zu einer Methode, mit der sich errechnen lässt, ob Sie sich in der Gewinnzone aufhalten oder nicht. Der Wert, der sich daraus ergibt, nennt sich ROI (Return on Investment), kommt aus der Finanzwelt und gibt darüber Aufschluss, ob Sie mit Ihrer Investition Gewinn oder Verlust machen. Dieser ROI berechnet sich folgendermaßen: (Gewinn – Investitionskosten) / Investitionskosten = ROI Hierzu ein kleines Beispiel: Die Kosten für ein Sit’n’Go (also der Buy-In) belaufen sich auf 10$. Bei neun Personen bekommt der erste Platz 50$. Daraus ergibt sich folgende Rechnung: (Gewinne – Investitionskosten) / Investitionskosten = (50$ – 10$) / 10$ = 400% (wohlgemerkt für den ersten Platz) Nehmen wir nun an, Sie belegen bei diesem Turnier den dritten Platz und erhalten dafür 20$. In diesem Fall würde Ihr ROI folgendermaßen aussehen: (20$ -10$)/10$ =100%

Der ROI lässt sich immer dann ermitteln, wenn sich Kosten und Nutzen einer Investition einander schlüssig zuordnen lassen und eindeutig aus einer bestimmten Handlung resultieren. Das ist zum Beispiel bei dem oben genannten Sit’n’Go der Fall. Wenn alle Randbedingungen gleich bleiben, ist eine Investition mit einem höheren ROI die bessere. Der ROI sagt allerdings weder etwas über die Größenordnung des Rückflusses noch über die Risiken der Investition aus. In unserem Beispiel ist das Ganze noch recht einfach, doch hängt der ROI natürlich nicht nur von einem gespielten Sit’n’Go ab. Ihren ROI berechnen Sie aus allen getätigten Einsätzen sowie den resultierenden Gewinnen. Erst daraus ergibt sich dann ein Wert, dem Sie entnehmen können, ob Sie auf Dauer Erfolg versprechend spielen oder nicht. Driftet dieser ROI in einen negativen Wert ab, sollten Sie schleunigst etwas an Ihrem Spiel ändern. Solange der ROI positiv ist, sind Sie in der Gewinnzone.

Bild 13.1 Ein Programm, das die Aufgabe des Bankrollmanagements für Sie übernimmt, finden Sie z. B. auf vmw.pokertracking*com. Sie können hier anhand eines Diagramms erkennen, wie Ihr jeweiliger Verdienst aussieht und ob sich dieser im negativen oder im positiven Bereich befindet. (Quelle: poker- tracking*com)

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Dieser ROI lässt sich natürlich entsprechend schneller anheben, wenn Sie z. B. mehrere Tische zur selben Zeit spielen. Angenommen, Sie haben an einem Tisch einen ROI von 1%. Weiter angenommen, Sie öffnen einen zweiten Tisch und können auch an diesem Ihren durchschnittlichen ROI von 1% einfahren, dann haben Sie somit einen ROI von 2%. Fahren Sie an diesem zweiten Tisch jedoch einen negativen ROI ein, geht somit auch der ROI vom ersten Tisch entsprechend zurück.
Ein höherer Einsatz (Buy-In) bedeutet nicht automatisch auch einen besseren ROI. Aufgrund der höheren Investition sieht die ganze Rechnung natürlich auch etwas anders aus. Sie müssen also entsprechend oft gewinnen bzw. ins Geld kommen, damit diese gestiegene Investition wieder ausgeglichen wird.

Hourly Rate: Der ROI für Cash games
Beim Cashgame hingegen nimmt man nicht den ROI zur Hilfe, sondern die so-genannte Hourly Rate. Diese besagt, wie viel Gewinn oder Verlust Sie in einer Stunde machen. Wenn Sie also nach 10 Stunden einen Gewinn von 100$ gemacht haben, bedeutefrdas, dass Sie in der Stunde 10$ verdient haben. Ihre Hourly Rate beträgt also 10$. Dieser Gewinn wird das eine oder andere Mal auch in BBs (Big Blinds) angezeigt. Angenommen, Sie haben bei dem oben angeführten Ergebnis ein Cashgame mit den Blinds 0,5$/1$ gespielt. Bei einem Gewinn von 100$ über 10 Stunden bedeutet das also, dass Sie in der Stunde zehn BBs oder auch Big Bets erspielt haben. Wenn Sie also sowohl Ihren ROI als auch Ihre Hourly Rate ausrechnen und ständig aktualisieren, werden Sie sehr schnell bemerken, ob Ihr Spiel gewinnbringend ist oder nicht und ob Sie daran etwas verändern sollten.