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Das Phänomen Sportwetten-Börse – Wette zu versteigern

Im Zeitalter des virtuellen Umschlagplatzes ebay war irgendwie zu erwarten, dass auch zum Thema Wetten neue Geschäftsformen auf den Markt kommen. Und in der Tat hat es nicht lange gedauert – bereits seit 2004 ist auch in Deutschland eine neue Form des Wettangebots auf dem Markt: die Wettbörse. Wer wissen will, was das ist, der sollte sich von allzu traditionalistischen Begriffsdefinitionen nicht weiter abschrecken lassen. Natürlich hat jene Börse, bei der es neuerdings um Sportwetten geht, nicht viel gemein mit jenem, vom niederländischen „Beurs“ stammenden Wort für ein Gebäude, in dem sich Kaufleute zum Handel von Waren aller Art trafen. Was aber ist nun eine Wettbörse?

Im Gegensatz etwa zur gängigen Sportwette, bei der ein Wetter beim Buchmacher eine Wette und formal den damit verbundenen Wettvertrag abschließt, treffen auf einer Wettbörse nur die Wettkunden untereinander ein Abkommen. Dies gilt zumindest in wirtschaftlicher Hinsicht, denn rechtlich gesehen bleiben die Wetter Kunden einer Börse. Was herauskommt, das muss man sich wie einen (elektronischen) Markt vorstellen, auf dem sich Wettbegeisterte treffen, um gegeneinander zu wetten. Die veranstaltende Börse tritt dabei gewissermaßen als Vermittler auf. Sie sammelt die eingereichten Wettangebote ein, vergleicht sie auf Gemeinsamkeiten und bringt die entsprechenden Interessenten virtuell an einen Tisch. In der Erscheinungsform ähnelt dies tatsächlich dem realen Aktienmarkt. Die Quote legt sich automatisch fest.

Vereinfacht könnte man das Geschäft mit folgendem Beispiel beschreiben: Tippen 50 von der jeweiligen Börse zusammengeführte Wetter vor der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 auf einen Weltmeister Brasilien und nur einer auf Gastgeber Deutschland, dann würde Letzterer bei einem Coup der Schützlinge von Bundestrainer Jürgen Klinsmann den gesamten Einsatz abräumen – wenn mehrere Wetter richtig getippt haben, verteilt sich der Gewinn entsprechend.

In der Realität machen sich die Systeme natürlich ungleich komplexer aus. Beim Anbieter bluevex etwa – übrigens noch ein Geschäftsfeld von wetten*de-Gründer Bernd Hobiger – können Wettinteressierte nach der üblichen Registrierung für den jeweiligen Ausgang eines Sportereignisses – etwa einen Sieg des FC Bayern über den SV Werder Bremen – Wettscheine erwerben. Jeder Wettschein hat einen angezeigten Wert, der sich je nach Veränderungen der Quote und der jeweiligen Nachfrage aber laufend ändern kann. Prinzipiell kann eine Wette so schon vor dem jeweiligen Ereignis zum Geschäft werden, denn bei entsprechenden Kursveränderungen können Wetter ihre Scheine auf Wunsch auch vorzeitig wieder veräußern. Tut der Wetter das nicht, dann wird ihm im Erfolgsfall der Gegenwert des entsprechenden Scheins auf seinem Wettkonto gutgeschrieben.

Beim Rivalen mybet wiederum können Wetter ihre Gelder zur aktuell ausgelobten Höchstquote auf einen bestimmten Spielausgang ersetzen oder – und das macht die Sache doppelt spannend – selbst eine noch höhere Quote vorschlagen. In diesem Fall wird die Wette allerdings erst gültig, wenn ein Mitspieler auf den Vorschlag eingeht.

Das große Plus dieses Konstruktes ist für viele Spieler, dass bis zu 98 Prozent der eingezahlten Beträge auch wieder an die Teilnehmer zurückfließen denn die in der Praxis nur als Vermittler auftretenden Börsen behalten als Provision in der Regel nicht viel mehr als zwei Prozent ein. Gerade in einem Staat wie Deutschland, der Glücksspielen gegenüber restriktiv eingestellt ist, tut man sich bislang noch schwer, das Phänomen der Wettbörsen einzuschätzen. Gibt es Ansatzpunkte, die Börsen anders einzustufen als etwa die klassische Sportwette? Bislang wurde jedenfalls, wohl auch auf Grund der Kürze der Zeit, noch kein Gericht beauftragt, sich mit dieser Frage zu befassen. Was sich aber auch erübrigen dürfte, sollten die Verfassungsrichter das Glücksspielmonopol ein für alle Mal kippen.

In Deutschland sind 4 drei verschiedene Wettbörsen aktiv:
Betfair*de
Mybet*com
Spomaxx*de
Bluevex*de