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Bluffen im Poker Texas Holdem ist entscheidend – empfehlenswerte Information

Der berühmte Mathematiker und Mitarbeiter beim Manhattan-Projekt John von Neumann schrieb 1944 gemeinsam mit Oskar Morgenstern das Buch Spieltheorie und wirtschaftliches Verhalten. Darin entwickelten die beiden Autoren einen Zweig der Mathematik, den sie Spieltheorie nannten. Die Spieltheorie ist zusammengefasst eine Methode, um Alltags- und Wettbewerbssituationen mathematisch zu erklären. In einem Kapitel, das sich ausschließlich dem Pokern widmet, liefert von Neumann komplizierte mathematische Erklärungen für die Aktionen, die das Spiel bestimmen. Er weist den verschiedenen Blättern einen Wahrscheinlichkeits- und einen Geldwert zu und kommt zu folgendem Schluss: Man kann nicht pokern, ohne zu bluffen.

In seiner rudimentärsten Form ist Poker ein Spiel, in dem ein Spieler sagt: Ich bin bereit zu wetten, dass mein Blatt besser ist als deins. Damit das Spiel weitergeht, muss es einen anderen Spieler geben, der diese Aussage anzweifelt und sein Blatt für das beste hält. Würden Sie das Spiel so mechanisch betreiben, wie von Neumann es in seinen anfänglichen Berechnungen tat – der Betrag, den ein Spieler zu setzen bereit ist, steigt proportional zur Stärke seines Blatts -, wären Sie leicht zu durchschauen. Andere Spieler würden die Stärke Ihres Blatts sofort erraten, sobald Sie Ihren Einsatz tätigen. Sie würden nur dann Mitbieter haben (und wahrscheinlich mehr als das Ante einstreichen), wenn Sie das schwächere Blatt halten, und müssten sich auf eine sehr lange Nacht gefasst machen. Darum sind Täuschungswille und der nötige Grips so unerlässlich für das Spiel. Manchmal müssen Sie ein Blatt repräsentieren, dass Sie gar nicht haben, denn sonst können Sie Ihre Karten gleich offen und für alle sichtbar auf den Tisch legen.

Wenn ich an von Neumanns Schlussfolgerung denke, fällt mir mein Freund Eli Angel ein. Elis Nachname passt zu ihm wie die Faust aufs Auge, denn er ist einer der nettesten Menschen, die ich kenne. Obendrein ist er Keksbäcker, ein Beruf, der seinem Engelimage sehr förderlich ist. Wir spielen jetzt seit drei Jahren zusammen im Club, und ich habe ungelogen noch nie erlebt, dass er Karten aufdeckt, die er nicht repräsentiert hat. Ich bin nicht der Einzige, dem das auffällt. Jeder weiß, dass Eli absolut nie blufft. Offenbar hält er es für unehrlich, ein Blatt zu repräsentieren, das man nicht hat. Aus diesem Grund verlaufen Elis Spiele ausgesprochen ereignislos. Ich gehe nie mit oder erhöhe seinen Einsatz, wenn ich nicht genau weiß, dass ich super Karten habe. Den anderen geht es vermutlich genauso. Die Pots, die Eli gewinnt, sind deshalb nie so groß, wie sie eigentlich sein sollten. Erschwerend kommt hinzu, dass er aussieht wie ein richtig lieber Kerl. Man braucht nicht einmal zu merken, dass er nie blufft, denn bei seiner treuherzigen Ausstrahlung geht man ohnehin davon aus, dass er die Wahrheit sagt. Das schadet einem Spieler am Kartentisch.

Man stellt sich ein Pokerspiel am besten vor, als würden sich zwei Armeen auf dem Schlachtfeld gegenüber stehen. Solange keine Seite bereit oder in der Lage ist, die andere zu täuschen, braucht man lediglich die Soldaten zu zählen, um den Ausgang der Schlacht zu ermitteln. Nach diesen ehrenhaften Regeln wurden früher Kriege geführt. Die Engländer bezwangen so mehrmals die Schotten. Sie ließen eine überwältigende Anzahl Truppen aufmarschieren und handelten dann mit den schottischen Adligen ihren Sieg aus. Für einen armen Highlander, der so dem Tod auf dem Schlachtfeld entging, war das ein sehr guter Handel, aber als Strategie im Bietkrieg ist diese Taktik natürlich denkbar ungeeignet. Erst wenn die Möglichkeit zu täuschen in das Spiel integriert wird, hat man eine vernünftige Arbeitsgrundlage.

Am 3. Mai 1863 standen sich eine gut 1600 Mann starke Yankeebrigade unter dem Kommando von Colonel Abel Streight und eine Gruppe Konföderierter unter der Führung von General Nathan B. Forrest auf dem Schlachtfeld gegenüber. Die Yankees, die nach langer Verfolgungsjagd erschöpft waren, beschlossen, sich einzugraben und .las Gefecht abzuwarten. Was sie in ihrem Versteck zu sehen bekamen, war sehr beunruhigend. Die feindlichen Soldaten marschierten in Intervallen über ein Feld und bezogen in einem nahe gelegenen Wald Stellung. Es folgte viel schwere Artillerie. Nach Colonel Streights Zählung waren die Südstaatler an Soldaten mindestens dreifach und an Waffen sogar sechsfach überlegen. Kurz darauf erklärte sich der Yankeecolonel bereit, die Waffen niederzulegen und zu kapitulieren.

Ein kleiner Trupp Konföderierter betrat das Yankeecamp, um die Waffen einzusammeln und die Gefangenen für den langen Marsch ins Internierungslager aufzustellen. Als alles bereit war und das Signal zum Abmarsch ertönte, kamen die restlichen Soldaten aus ihrem Waldversteck, um die Gefangenen nach Rome, Georgia, zu führen. Es waren nur 600 Mann. Die Yankees hatten in Wirklichkeit immer dieselben Truppen und dieselbe schwere Artillerie gesehen. Sie waren über die Gefechtslinie in den Wald und im Kreis wieder zurück marschiert. In Wahrheit waren Streights Truppen dem Feind um über eintausend Mann überlegen. Das ist ein perfektes Beispiel für einen gut durchdachten, erstklassig ausgeführten Bluff. Der Spieler mit den schwächeren Karten gewann das Spiel. Aber Forrests Täuschungsmanöver hätte noch weiter gehen können. Nehmen wir rein theoretisch an, die beiden Kommandeure hätten sich ein zweites Mal gegenüber gestanden.

Forrest lässt seine Männer wieder in den Wald marschieren, und Streight denkt sich: Das habe ich schon einmal gesehen, und ich falle bestimmt kein zweites Mal darauf herein. Also gibt er seinen Truppen den Befehl zum Angriff. Diesmal sind Forrests Truppen jedoch tatsächlich in der dreifachen Überzahl. Anstatt klug zu handeln und den Rückzug anzutreten, werden Streight und seine Männer niedergemetzelt. Die Fähigkeit, nicht vorhandene Stärke zu demonstrieren, zwingt Ihren Gegner, sich die beim Pokern alles entscheidende Frage zu stellen: Hat er wirklich gute Karten oder tut er nur so? Darum kann ein Bluff niemals erfolglos sein. Klappt er, ist alles in Butter und Sie gewinnen den Pot. Klappt er nicht und der Gegner will nach einer fetten Erhöhung sehen, decken Sie Ihre Karten auf und zeigen stolz Ihre High Card Bube, womit Sie zumindest bewiesen haben, dass Sie bluffen können. Das nennt man erfolgreiche Eigenwerbung.

Mein Bruder ist ein sehr guter Bluffer. Anders als bei Eli ist seine äußere Erscheinung ein echter Spielvorteil. Er hat Hände so groß wie Baseballhandschuhe, und wenn er pokert, verschwinden die Karten darin. Das wirkt ziemlich einschüchternd. Sie sitzen ihm gegenüber und fürchten, dass er über den Tisch langt und Ihnen den Hals umdreht, wenn Sie ihm eine unglückliche Niederlage beibringen. Er macht auf jeden seiner Bluffs aufmerksam, egal ob er erfolgreich war oder nicht. Früher hielt ich ihn für einen Angeber, weil er nach jeder Runde, die er durch Bluffen gewonnen hatte, unaufgefordert seine Karten aufdeckte. Aber das war ein Irrtum. Er wollte bloß allen zeigen, dass er zuweilen bereit ist, falsche Stärke zu demonstrieren.

Sobald er einmal bewiesen hat, dass er bluffen kann und auf Risiko spielt, zweifeln die meisten Spieler selbst dann an der Stärke seiner Karten, wenn er das bestmögliche Blatt hält. Viele Spieler gehen deshalb seinen letzten Einsatz mit, denn sie wollen sehen, ob sein Blatt tatsächlich so gut ist, wie er behauptet. Dadurch fährt er höhere Gewinne ein als viele andere Spieler. Den starken Mann zu markieren, ist nicht die einzige Methode, um zu bluffen. Nehmen wir als Beispiel den Weltmeisterschaftskampf im Schwergewichtsboxen von 1974, der als Rumble in the Jungle in die Annalen eingegangen ist. Muhammad Ali und George Foreman stiegen in Kinshasa, der Hauptstadt Zaires, gegeneinander in den Ring. Man ging allgemein von einem ungleichen Kampf aus. Viele Medienvertreter, allen voran der ABC- Kommentator Howard Cosell, äußerten die Meinung, Ali sei zu alt und zu müde, um sich auch nur ehrbar gegen Foreman zu schlagen. Er galt als der sichere Verlierer (die offizielle Quote stand bei 4 :1 gegen ihn), und viele bangten nicht nur um Alis Ruf sondern um sein Leben.

Der Kampf begann erwartungsgemäß damit, dass Foreman Ali vorführte. Das Bild, als Ali, von seinem mächtigen Gegner brutal zugerichtet, in den Seilen hing, ist bis heute präsent geblieben. Der Schriftsteller George Plimpton kommentierte die Szene mit den Worten, Ali habe ausgesehen, als würde er sich rückwärts aus dem Fenster lehnen, um nachzusehen, was auf dem Dach los sei. Als der erschöpfte Ali taumelnd in den Seilen hing, erkannte Foreman seine Chance, dem Kampf ein Ende zu bereiten. Die ganze siebte Runde über drosch er wie ein Berserker auf Ali ein, bis er selbst völlig entkräftet war. Als Foreman die Puste ausging und seine Schläge schwächer wurden, boxte Ali sich aus den Seilen frei und ging mit voller Wucht auf seinen Gegner los. Ali hatte nur so getan, als hätte er keine Reserven mehr, und Foreman war auf seinen Bluff hereingefallen. Zur Überraschung aller schlug Ali den bis dahin unbesiegten Champion in der nächsten Runde k.o.

Anders als General Forrest, der Stärke markierte, als er schwach war, täuschte Ali Erschöpfung vor, während er sich für seinen Gegenangriff wappnete. Beim Poker nennt man diese Taktik Slowplaying. Ihre geläufigste Form ist ein Manöver, das ich bereits erwähnte und das man Check Raise nennt. Ein Spieler mit einem starken Blatt entscheidet sich, anstatt die Bietrunde zu eröffnen, lieber zu checken. Er tut also, als hätte er schlechte Karten und verleitet so seinen Gegner, einen Einsatz zu tätigen. Sobald das geschehen ist und er mit Setzen dran ist, geht er zum Überraschungsangriff über und erhöht. Der Sinn und Zweck dieses Bluffs liegt darin, dem gegnerischen Spieler ein Gefühl von Sicherheit vorzugaukeln. Ein Check Raise eröffnet zwei mögliche Szenarien. Nehmen wir an, Ihr Gegner hat ein schwaches Blatt. Wenn Sie mit einem Gebot eröffnen, wird er unter Umstanden passen. Dann gewinnen Sie nur das Ante. Wenn SH- aber checken, könnte ihn das davon überzeugen, dass seine Karten, zumindest im Verhältnis zu Ihren, gar nicht so übel sind. Also bietet er und versucht, den Pot zu stehlen. Sie dagegen steigen weder aus noch gehen Sie mir, sondern Sie erhöhen, und höchstwahrscheinlich wird er dann passen. Mit dieser Stillhaltetaktik gewinnen Sie einen zusätzlichen Einsatz.

Das zweite Szenario tritt ein, wenn Ihr Gegner gute, aber keine Spitzenkarten hat. Wenn Sie die Bietrunde mit einem Einsatz eröffnen, wird er bloß mitgehen. Wenn Sie aber checken, und ihm gefällt sein Blatt, wird er einen Einsatz bringen, den Sie anschließend erhöhen können. Sollte er passen, tritt das erste Szenario ein. Wenn ihm sein Blatt aber wirklich gefällt, wird er mitgehen, um die nächste Karte zu sehen. Der Pot ist jetzt viel größer, und Sie gewinnen weit mehr als nur das Ante. Spielerische Täuschungsmanöver erfüllen noch einen weiteren Zweck. Das Check Raise ist eine Möglichkeit, Ihre Gegner davor zu warnen, scheinbare Schwäche auszunutzen. Sie sind jetzt nicht mehr der plumpe Spieler, dessen Karten jeder auf Anhieb lesen kann. Das Checken ist kein Zeichen absoluter Schwäche mehr. Wenn Sie das nächste Mal mit einem grenzwertigen Blatt checken, wird Ihr Gegner nicht mehr so willig bieten, denn er weiß jetzt, dass Sie seinen Einsatz unter Umständen erhöhen werden. Er wird sich gegen ein Gebot entscheiden, und Sie bekommen viele, viele Turn- und Riverkarten umsonst zu sehen.

Sie wissen jetzt, weshalb man blufft. Die nächste Frage lautet, wie oft man blufft. Die vielen Lehrbücher, in denen Spieler versucht haben, diese Frage zu beantworten, würden ganze Bibliotheken füllen. Tatsache ist jedoch, dass es keine eindeutige Antwort gibt. Sie müssen in jeder Situation individuell entscheiden. Der ausschlaggebende Faktor, sich für oder gegen einen Bluff zu entscheiden, sind Ihre Gegner. Um an verschiedenen Kartentischen zu gewinnen, müssen Sie verschiedene Strategien anwenden. Es erscheint Ihnen vielleicht wenig originell, aber oft fahren Sie am besten, indem Sie Ihre Mitspieler nachahmen. Fehlt den anderen der nötige Grips, spielen sie sehr schlicht. Schlechte Spieler begehen häufiger den Fehler, dass sie ein Gebot mitgehen, statt zu passen, als umgekehrt. In diesem Fall ist ein Bluff nicht Besonders effizient. In den zahllosen Spielen, die ich in meiner Dienstagabendrunde absolviert habe, habe ich schätzungsweise zweimal geblufft.

Es hat wirklich keinen /weck. Irgendjemand ist immer dabei, der ein Gebot mitgeht. Unerfahrene Pokerspieler unterliegen dem kapitalen Denkfehler, Profit zu machen bedeute, möglichst viele Spiele zu gewinnen. Sie begreifen nicht, dass man am meisten Gewinn macht, indem man häufig passt und so seine Verluste minimiert. Deshalb kann man bei uns so gut wie nie den Pot kassieren, ohne sein Blatt aufdecken /u müssen. Sollte es in meiner Dienstagabendrunde eines läges geschehen, dass ich biete und keiner geht mit, komme ich vielleicht doch zu der Überzeugung, dass ich durch Bluffen gewinnen kann. Aber bis dahin sehe ich keinen Sinn darin.

Wenn Sie auf dem gleichen Niveau spielen wie das Gros der zig Millionen Pokerfreunde, die es weltweit gibt, liegen Sie wahrscheinlich irgendwo zwischen meiner Dienstagabendrunde und dem Endturnier der World Series of Poker. Sie werden sich vielleicht fragen, wie viel hei diesem Turnier aller Turniere geblufft wird. Auch darauf gibt es keine eindeutige Antwort, aber dafür eine ziemlich gute Faustregel: Je besser die Konkurrenz, desto wichtiger ist es, Täuschungsmanöver zu inszenieren. Womit wir bei der Frage sind, wann man bluffen soll. Nun, zum Bluffen müssen Sie sich zunächst ein klares Ziel setzen. Wenn Sie ein zurückhaltender Spieler sind und höchstens einmal pro Abend bluffen, konzentrieren Sie sich darauf, einen ganz bestimmten Pot zu gewinnen. Wenn Sie als jemand gelten, der nur mit Spitzenkarten bietet, wird Ihnen ein großer Bluff zweifelsohne dieses zusätzliche Spiel pro Abend einbringen.

Wenn Sie dagegen ein verwegener Zocker oder ein Kamikazespieler sind, der ein actiongeladenes Spiel mit vielen abwägbaren Risiken schätzt, sollte es dagegen Ihr Ziel sein, durch Bluffen Ihre Bilanz auszugleichen. Verstehen Sie mich nicht falsch, Sie versuchen, Profit zu machen, doch wenn es nicht klappt, ist es nur halb so wild. Falls das in Ihren Ohren absurd klingt, denken Sie an von Neumanns Schlussfolgerung: Es gibt keinen erfolglosen Bluff. Wenn Sie Ihre Bilanz ausgleichen und genauso oft gewinnen, wie Sie erwischt werden, machen Sie Ihren Profit nicht speziell durchs Bluffen. Sie erreichen aber, dass mehr Spieler Ihr Gebot mitgehen, wenn Sie tolle Karten haben. Wenn Sie ein Full House haben und ein anderer hat zwei niedrige Paare, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass er Ihren fetten Einsatz mitgeht, weil er weiß, dass Sie gern bluffen. So kommen Sie zu Ihrem Profit.

Sobald Sie sich ein Ziel gesetzt haben, können Sie anfangen, Ihre Strategie einzusetzen. Viele Spieler begehen den Riesenfehler, Täuschungsmanöver in ihr Spiel einzubauen, als gäbe es ein vorgeschriebenes Kontingent. Sie repräsentieren auf Teufel komm raus Blätter, die sie nicht haben, ohne Rücksicht darauf zu nehmen, gegen wen sie spielen oder was für Karten auf dem Tisch liegen. Das ist das Dümmste, was man am Pokertisch machen kann. Es gibt gute Gelegenheiten zum Bluffen, aber es gibt ebenso Zeiten, in denen man strikt die Finger davon lässt. Jedes Pokerspiel beginnt als Wettstreit um das Ante. Vorhin sprach ich von der großen Enttäuschung, die man erlebt, wenn man mit einem guten Blatt nur das Ante
kassiert.

Gelingt Ihnen das aber jedes Mal, spielen Sie mehr oder weniger kostenlos. Daher ist es sehr einträglich, das Ante durch einen Bluff zu stehlen. Dafür gibt es günstige Voraussetzungen. Die Taktik, mit schlechten Karten um das Ante zu bluffen, funktioniert gut, solange Sie wenige Mitspieler haben. Je weniger Spieler um den Pot streiten, desto wahrscheinlicher ist es, dass Sie alle abschrecken. Vergessen Sie nicht, jeder muss passen, damit Ihre List aufgeht. Wenn Ihre Taktik bei allen Spielern bis auf einen funktioniert, hat sie eben nicht funktioniert. Obendrein ist es hilfreich, in einer hinteren Position zu sitzen. Wenn Sie der letzte Bieter sind, können Sie beobachten, was am Tisch geschieht. Wenn Sie in einer vorderen Position erhöhen oder bieten, wissen Sie nie, wie die Spieler, die nach Ihnen kommen, handeln werden. I laben dagegen viele Spieler gecheckt oder gepasst, wissen Sie, dass Sie es mit schwachen Blättern zu tun haben, die sich von einem hohen Einsatz Ihrerseits mit ziemlicher Sicherheit abschrecken lassen.

Es gibt jedoch Spiele, die ohne Ante gespielt werden. Bei diesen gibt es die so genannten Blinds, die blinden Einsätze. Hold’em ist so ein Spiel, das, vor allem in Casinos und Clubs, fast immer mit Blinds gespielt wird. Der Spieler links vom Dealer ist der Little Blind. Er ist verpflichtet, die Hälfte der festgelegten Mindestsumme zu setzen. In einem 1-2-Dollar-Spiel muss der Little Blind also fünfzig, Cent setzen, damit er einen Blick auf seine Karten werfen darf. Der Spieler zu seiner Linken ist der Big Blind. Er muss die volle Summe von einem Dollar setzen. Dann geht es weiter im Uhrzeigersinn, und jeder Spieler entscheidet, ob er mit dem Einsatz des Big Blind mitgehen will. Durch diesen obligatorischen Grundeinsatz kriegt niemand den Flop umsonst zu sehen. Jeder Spieler, der nach dem Blind an der Reihe ist, kann entweder mitgehen, erhöhen oder passen. In der ersten Bietrunde ist das Checken verboten.

Der Diebstahl eines Blinds ähnelt dem Ante-Stealing, denn auch hier ist Ihre Position am Tisch von großer Wichtigkeit. Sind Sie der Geber (im Casino der Dealer oder der Button), und alle Spieler haben mit Ausnahme der Blinds gepasst, wird Ihnen eine Erhöhung des Wetteinsatzes, ganz gleich, wie gut Ihre Karten sind, oft den Pot einbringen. Schließlich spielen Sie gegen zwei völlig wahllose Blätter. Sie müssen allerdings in Betracht ziehen, wessen Blind Sie stehlen. Sie möchten natürlich die schwachen Spieler angreifen. Die Wahrscheinlichkeit, mit Ihrem Diebstahl ungeschoren davonzukommen, steigt, wenn Sie es mit ängstlichen oder zurückhaltenden Spielern zu tun haben. Manche Spieler werden fuchsteufelswild, wenn ihnen ihr Blind gestohlen wird. Ich bin einer davon. Einem Geber, der meinen Einsatz erhöht, rate ich, wirklich gute Karten zu haben, denn ich gehe zum Sturmangriff über und erhöhe wieder.

Ante- und Blind-Spiele eignen sich in der Regel ideal zum Bluffen: Bei Ante-Spielen haben die anderen Ihnen durch Checken oder Passen mehr oder weniger zu verstehen gegeben, dass sie schlechte Karten haben, und bei Blind-Spielen bieten sie auf Karten, die sie nicht gesehen haben. Aber was machen Sie, wenn ein anderer Spieler vor Ihnen erhöht hat? Sofern Sie kein tolles Blatt haben, zahlt es sich meistens aus, die Karten hinzuschmeißen. Haben Sie hingegen das Glück, hinter einem sehr verwegenen Spieler zu sitzen, der gern und viel blufft, sind Sie in der idealen Position, den Bluff zu erwidern. Sie erhöhen einfach seine Erhöhung, warten auf die nächsten Karten und eröffnen die nächste Bietrunde mit einem Gebot. Er wird wahrscheinlich annehmen, dass Sie die besseren Karten haben und auf der Stelle passen. Erhöht ein zurückhaltender Spieler vor Ihnen, sieht die Sache wieder ganz anders aus.

Nehmen wir an, Sie spielen zu siebt 10-20 Hold’em. Der Little Blind setzt seine fünf Dollar, der Big Blind seine zehn, und dann wird gegeben. Der Spieler links vom Big Blind hat jetzt die Pistole auf der Brust. Er ist der Erste, der aufgrund seiner Karten entscheiden muss, ob er zehn Dollar bringen möchte. Er passt. Der nächste Spieler erhöht. Jetzt sind Sie an der Reihe. Sie werfen einen Blick auf Ihre Karten: A♠ 10♠. Dieses Blatt ist ein äußerster Grenzfall, um eine Erhöhung mitzugehen. Sie verlieren gegen jedes Ass mit einer Bildkarte (Bube, Dame, König) als Kicker. Außerdem sind die drei übrigen Asse im Deck Ihre einzigen Gewinnkarten, während sich die Kombination Ass/Bildkarte mit jeder beliebigen Bildkarte auf ein Paar verbessert. Kurz gesagt gibt es für einen zurückhaltenden Spieler kaum ein schlechteres Blatt. Für Sie spricht nur, dass Ihre Karten von derselben Farbe sind und dass Sie einen Positionsvorteil haben.

Meistens schreit eine Situation wie diese förmlich danach, die Karten hinzuschmeißen. Wenn Sie sich dennoch fürs Mitspielen entscheiden, dürfen Sie das Gebot Ihres Gegners auf keinen Fall nur mitgehen. Tun Sie so, als hätten Sie ein starkes Blatt, indem Sie seine Erhöhung mit einem Reraise (Erhöhung einer Erhöhung) kontern. Das gibt Ihnen die großartige Gelegenheit festzustellen, wie gut sein Blatt tatsächlich ist. Geht er Ihre Erhöhung nur mit, stehen Sie womöglich gut da. Sollte er die Bietrunde jedoch kappen (die dritte und gewöhnlich letzte Erhöhung machen), müssen Sie Ihren Kontrahenten auf eines der drei für ihn möglichen Spitzenblätter setzen (Paar Asse, Paar Könige, Paar Damen). Dann müssen Sie auf Ihr Glück bauen und hoffen, dass Sie einen Flush, einen Straight oder einen Zehner-Drilling bekommen.

Das Wichtigste ist nun, erneut zu erhöhen. Damit leiten Sie nicht nur Ihren Bluff ein und erfahren mehr über sein Blatt, sondern Sie schrecken auch alle anderen Spieler ab. Die meisten Spieler, die in Big-Blind-Position sind, werden eine Erhöhung mitgehen, denn sie haben bereits den halben Einsatz (10 von 20 Dollar) getätigt und erhalten aufs Mitspielen einen gewaltigen Rabatt. Bei drei zu haltenden Geboten werden sie sich logischerweise deutlich mehr sträuben, denn Sie haben das Mitbieten teuer gemacht. Sagen wir, alle anderen Spieler haben gepasst, und Sie spielen Heads-up gegen den Spieler, der zuerst erhöht hat. Ob Ihr Bluff erfolgreich ist oder in die Hose geht, hängt jetzt vom Flop ab. Überlegen Sie sich zuerst, was für Sie ein schlechter Flop wäre. Wenn ein Ass und/oder ein König dabei sind und Ihr Gegner eröffnet, ist das der ideale Zeitpunkt, Ihre Verluste gering zu halten und Ihr Blatt hinzuschmeißen.

Falls er bietet, halten Sie mit ziemlicher Sicherheit selbst dann das Verliererblatt, wenn das Ass dabei ist und Sie das höchste Paar mit einem guten Kicker haben. Falls er ein Ass und eine andere Bildkarte hat, bleiben Ihnen nur drei Gewinnkarten (die drei Zehnen) im Deck. Sie werden mit hoher Wahrscheinlichkeit verlieren, und es ist nicht genug Geld im Pot, um die Jagd auf ihn zu rechtfertigen. Liegt dagegen ein Ass im Flop und er checkt, können Sie ihn auf ein Paar Buben setzen und mit Ihrem Paar Asse drauflos bieten. Wenn im Flop nur nutzloses Zeug liegt, zum Beispiel 3♠ 7♥ 9♣ ist für Sie der Zeitpunkt zum Bieten gekommen. Erschrecken Sie nicht, wenn der andere mitgeht. Die meisten Spieler, die ein Ass mit einer Bildkarte halten, gehen das erste Wettgebot mit, egal, wie der Flop aussieht. Schließlich geht es nur um 10 Dollar.

Wenn die Turn-Card ihm kein Paar bringt und Sie bieten 20 Dollar, wird er mit fast hundertprozentiger Sicherheit passen, obwohl seine Kombination Ass-König das Siegerblatt ist. Er wird passen, weil er Sie für besser hält. Ihr Reraise vor dem Flop deutet auf ein hohes Pocket-Paar hin, und das jagt ihm mächtig Angst ein. Er wird sein schickes Blatt wahrscheinlich hinschmeißen, obwohl Sie mit der Kombination Ass-10 zu keinem Spielzeitpunkt die besseren Karten hatten. Das bedeutet aber keineswegs, dass Sie jedes Mal den Pot gewinnen, wenn Sie mit Ass-10 ein Reraise machen. Sie müssen sich darüber im Klaren sein, dass es, obwohl Sie von Anfang an beschlossen hatten zu bluffen, drei oder vier Situationen gab, in denen Sie mit dem Gedanken spielten, Ihren Plan sausen zu lassen. Genau diesen Punkt vergessen schlechte Spieler. Sie begreifen nicht, dass es denkbar ungünstige Konstellationen gibt, um zu bluffen.

Nehmen wir das folgende Beispiel: Sie haben mit 6♠ 8♠ erhöht, und vier Spieler gehen mit. Der Flop kommt als K♥ B♥ 9♣ .Eine denkbar schlechte Situation, um Ihren Bluff weiter durchzuziehen. Fast jeder mittelmäßige Spieler würde beim Hold’em mitgehen, wenn zwei Bildkarten im Flop sind. Sie können relativ sicher sein, dass irgendjemand ein Paar oder sogar zwei hat. Des Weiteren ist es wahrscheinlich, dass ein Spieler einen Straight Draw und ein anderer einen Flush Draw hat. Bei einem Flop wie diesem und vier Mitbietern ist es höchste Zeit, Ihren Bluff sausen zu lassen und die Karten hinzuschmeißen.

Neben einem Vollbluff, der einem Spieler, falls er auf ein Gebot reagieren muss, nur geringe Chancen bietet, tatsächlich zu gewinnen, gibt es auch den so genannten Pseudo- oder Semibluff. Nehmen wir zur Veranschaulichung ein Spiel Hold’em, das Sie gegen einen einzigen Kontrahenten spielen. Sie halten B♦ 10♦. Im Flop sind 9♣ 7♥ 2♦ Sie checken, weil der Flop Ihnen nicht viel bringt. Ihr Gegner bietet. Solange Sie den Verdacht hegen, er tätigt lediglich eine Positionswette – er versucht den Pot zu kaufen, weil Sie durch Checken ein schlechtes Blatt repräsentiert haben -, sollten Sie mitgehen. Sie haben immer noch zwei Over-Cards und einen Inside Straight (auch Bauchschuss genannt), dem nur die Acht fehlt. Die Turn-Card ist die Karo Dame. Auch diese Karte bringt Ihnen kein vollständiges Blatt, aber Ihre Chancen haben sich gewaltig verbessert. Fast jede Karte wird Ihnen nun zum Sieg verhelfen. Neun Karten bringen Ihnen einen Flush (alle übrigen Karos), sechs Karten (die Achter und die Könige aller Farben außer Karo) einen Straight und weitere sechs Karten (die übrigen Buben und Zehner) ein anständiges Paar. Das ist fast das halbe Deck.

Dies ist die perfekte Situation für einen Semibluff. Anstatt mitzugehen, machen Sie ein Check Raise und signalisieren so, dass Sie ein gigantisches Blatt halten. Sollte der andere nur geblufft haben, wird er seine Karten sofort hinschmeißen. Geht er mit, müssen Sie die Gelegenheit beim Schopf packen und das Spiel bis zum Ende durchziehen. Falls Sie eine Ihrer einundzwanzig guten Karten kriegen, sollten Sie innerlich drei Kreuze machen und darauf hoffen, dass er mitbietet. Sagen wir, der andere hat einen König und eine Neun. Damit hat er nach dem Flop ein erstklassiges Paar mit einem super Kicker. Die River-Card ist ein Ass. Er wird es sich zweimal überlegen, ob er auf die River-Card setzt. Da Sie bei der Turn-Card ein Check Raise gemacht haben, wird er davon ausgehen, dass die Dame oder zumindest das Ass Ihr Blatt verbessert hat, und wenn er als Spieler etwas taugt, wird er sich die letzte Bietrunde ersparen und passen.

Semibluffs funktionieren noch besser, wenn Sie Positionsvorteil auf Ihren Gegner haben. Wenn Sie K♥ 10♥ halten, und der Flop ist D♥ B♥ 4♣ haben Sie einen 4er-Straight- Flush. Hält Ihr Kontrahent einen Buben oder eine Dame, bleiben Ihnen zwei Chancen (die Turn- und die River- Card) und achtzehn Gewinnkarten (neun Herzkarten, drei Asse, drei Neuner und drei Könige). Sie sind der Favorit. Ihr Gegner bietet. Sie gehen mit. Die Turn-Card ist die 6♦, die Sie kein Stück weiterbringt. Er bietet erneut. Wenn Sie jetzt seinen Einsatz erhöhen und erhält nur ein niedriges Paar oder Ass-König, stehen die Chancen gut, dass er passen wird, obwohl er das Siegerblatt hat. Wer weiß, vielleicht ist er auch ein Schwarzseher, der mit einem Buben passt, weil er davon ausgeht, dass Sie eine Dame haben.

Auf jeden Fall – und das ist wichtig – ist es sehr unwahrscheinlich, dass er auf die River-Card bietet, nachdem Sie erhöht haben. Das heißt, dass Sie den gleichen Betrag wie er eingezahlt haben (vorausgesetzt, er hat auf die River-Card gesetzt), aber dennoch höhere Siegchancen haben, da er möglicherweise aussteigt. Semibluffs funktionieren auch beim Five Card Draw sehr gut. Wenn Sie zwei niedrige Paare bekommen und nur sehr wenige Gegner haben, ist das eine tolle Gelegenheit, ein viel höheres Blatt zu repräsentieren, als Sie tatsächlich halten. Sie bieten oder erhöhen um den höchstmöglichen Betrag und lassen sich nicht beirren, wenn es zum Kartentausch kommt. Da Ihre Chancen auf ein Full House bei 1:15 stehen, ziehen Sie keine Karte, sondern tun so, als hätten Sie ein fertiges Blatt. Nach dem Kartentausch bieten Sie das Maximum, und jeder Spieler, der einen niedrigen Drilling oder zwei höhere Paare als Sie hat, wird davon ausgehen, Sie hätten einen Straight oder einen Flush.

Er wird seine Karten hinschmeißen. Und falls doch jemand mitgeht, ist Ihr Bluff durch die zwei Paare gut genug abgesichert. Verlieren Sie gegen einen Straight oder einen Drilling, haben Sie durch Ihre Aktion wenigstens dafür gesorgt, dass sich beim nächsten Mal, wenn Sie ein fertiges Blatt wie ein Full House bekommen, einer Ihrer Mitspieler an Ihren Bluff erinnern wird. Er wird jedes Ihrer Gebote mitgehen und mit seinen zwei Paaren verlieren. Wir kommen nun zu der großen Frage, wie Sie entscheiden, ob ein anderer Spieler blufft. Nun, es gibt hunderte von Möglichkeiten, um das herauszufinden. Sie heißen Tells.