Unser Anteil an dem Sportwetten-Markt

Es hätte ganz gewiss günstigere Zeitpunkte für solch eine Veröffentlichung geben können als ausgerechnet diesen. Im März 2005, mitten hinein in den nicht abebben wollenden Aufruhr über die Wettaffäre rund um die kroatischen Dunkelmänner Sapina aus Berlin und den auf Abwege geratenen Jung-Schiedsrichter Robert Hoyzer, legte DFB-Präsident Theo Zwanziger in einem Zeitungsinterview noch einmal ein Thema auf den Tisch, das der Führung des größten deutschen Sportfachverbandes offenkundig schon längere Zeit unter den Nägeln gebrannt hatte: der Plan, nach Ablauf der Kooperationsvereinbarung mit Sponsor ODDSET mit eigenen Wettangeboten auf den Markt zu kommen.

Das, so machte Zwanziger im selben Interview deutlich, war keineswegs als perfides Gedankenspiel in Zeiten intensiven Krisenmanagements zu verstehen. Nein, wollte man jenem Mann Glauben schenken, der nach der Weltmeisterschaft 2006 und dem damit verbundenen Rücktritt von Langzeitfunktionär Gerhard Mayer-Vorfelder die Führung über den Deutschen Fußball-Bund übernimmt, dann ist das Vorhaben für den größten deutschen Sportfachverband längst beschlossene Sache. Wenn nur die Justiz mitspielt. Genauer gesagt das Bundesverfassungsgericht, das sich ja schon seit längerer Zeit mit der Thematik Sportwetten befasste. Wir werden auf den Richtung weisenden Spruch in diesem Sportwettenportal zu einem späteren Zeitpunkt noch näher eingehen. Nur so viel sei schon jetzt verraten: Die Karlsruher Richter haben darüber zu befinden, ob das Anbieten von Sportwetten in der Bundesrepublik bislang zu Recht staatlich reglementiert war. Kippen die Juristen wie allgemein erwartet die bestehende Rechtslage, dann wäre der Weg in den begehrten Marktauch für „Quereinsteiger“ wie den Deutschen Fußball-Bund frei
(der Prozess war bei Redaktionsschluss dieses Buches noch nicht entschieden).
Wobei gerade in der Politik nicht jeder Verständnis für derartige Ambitionen zeigt wen wundert es, angesichts des akut bedrohten Staatliehen Monopols! Der bayerische Finanzminister Kurt Faltlhauser etwa wetterte, ein Verband wie der DFB stoße mit seinen Ambitionen einen langjährigen Partner wie ODDSET vor den Kopf und bewege sich obendrein bis zu einem anders lautenden Richterspruch jenseits des geltenden Rechts.

Doch von derlei Kritik will man in der DFB-Führung, die sich die Pläne gegen alle Widerstände zwischenzeitlich auch vom obersten Verbandsorgan, dem DFB-Bundestag, bestätigen Ließ, naturgemäß nichts wissen. Und das nicht nur, weil man den treuen Sponsor ODDSET-ungeachtet aller Vermutungen, dass der nach einer Freigabe wohl in private Hände übergehen könnte – ohnehin als Partner auch für ein eigenes Wettangebot vorgesehen hatte. Man sehe schlicht nicht ein, betonte Theo Zwanziger, dass man den Markt und die damit verbundenen hohen Gewinne dauerhaft fremden Unternehmen überlassen müsse: „Die nutzen unsere Spielpläne, und wir haben nichts davon.“
Das mag nicht eben sympathisch klingen für einen Verband, der ohnehin zu den wohlhabendsten Sportorganisationen des Landes zählt. Doch es ist ja gar nicht so, dass der Fußball-Verband nebst der per Grundlagenvertrag angeschlossenen Deutschen Fußball-Liga mit einem eigenen Wettangebot nur blindwütig das eigene Vermögen mehren will.
Im Gegenteil: Stärker noch als im bestehenden Angebot von ODDSET, das Teile seiner Gewinne in die Sportförderung fließen lässt, sollen die möglichen Mehreinnahmen vornehmlich der Basis zugute kommen der Amateur-wie Breitensport solle gestützt werden, betonte Zwanziger. Wenn das funktioniert, dann könnte das Beispiel ziemlich schnell auch für andere Disziplinen Schule machen.
Der Deutsche Sportbund ist schon jetzt in die Überlegungen integriert.