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Texas Holdem vorsichtig spielen und nicht zu viel Risiko eingehen – Poker Strategie

An einem schönen Januartag 1992 fuhr ich von Washington, D. C., zurück nach New York. Ich war sehr in Eile, denn zu Hause wartete meine Pokerrunde. Ich war damals ein rücksichtsloser Dreiundzwanzigjähriger, der sich benahm, als wäre er allein auf der Welt. Mein Fahrstil war vielleicht das beste Beispiel. Ich fuhr zu schnell und zu leichtsinnig, und heute schäme ich mich deswegen fast genauso wie für den Kajal, mit dem ich mir auf der Highschool die Augen schminkte. Mein Auto, ein froschgrüner Porsche 911T, Baujahr ’72 mit kalifornischem Kennzeichen, hatte ich kurz zuvor für sechstausend Dollar gekauft. Ich besitze den Wagen heute noch, und obwohl er so zerbeult und heruntergekommen ist wie sonst keiner, fährt er sich unglaublich gut. Die Außentemperatur lag für Januar bei milden zehn Grad. Ich fuhr natürlich mit Sonnenbrille und offenem Verdeck und hatte die Anlage voll aufgedreht. Dazu rauchte ich ungefähr sieben Zigaretten gleichzeitig.

Während ich durch Baltimore County raste, schaute ich mit Sicherheit kein einziges Mal in den Rückspiegel. Nachdem ich mich eine ganze Weile völlig verzückt dem Fahrvergnügen hingegeben hatte, bemerkte ich plötzlich den Polizeihubschrauber, der über mir schwebte. Das holte mich schlagartig in die Realität zurück. Ich sah in den Rückspiegel und entdeckte ein bis zwei Meilen hinter mir eine Phalanx Streifenwagen. Mein Tacho zeigte 125 Meilen an, und mir war klar, dass ich in der Falle saß. Ich war mir sicher, dass an einem Strafzettel kein Weg mehr vorbeiführen würde. Ich fuhr an den Seitenstreifen und wartete auf die Cops. Als der erste Polizist an meinem Fenster auftauchte, hielt ich schon den Führerschein und die Kfz-Papiere gezückt. Anstatt einen Blick darauf zu werfen, zerrte er mich aus dem Wagen, und bevor ich Luft holen konnte, lag ich schon mit Hand- schellen gefesselt über der Motorhaube.

Beim Anlegen der Handschellen brach der Polizist mir das Nasenbein. Das Blut, das mir aus der Nase strömte, versaute meinen furchtbaren 80er-Jahre-Armani-Anzug, was aus heutiger Sicht das einzig Positive an der Geschichte war. Anschließend las er mir meine Rechte vor und brachte mich zum Streifenwagen. Dort erfuhr ich, was gegen mich vorlag. Ich wurde nicht nur des Verstoßes gegen die Straßenverkehrsordnung in siebzehn Punkten und wegen vier weiterer kleiner Delikte beschuldigt, angeblich floh ich auch vor der Polizei. Da ich mich in diesem Punkt für unschuldig hielt, erhob ich Einspruch.

Red’ keinen Stuss, sagte der Cop, natürlich bist du geflüchtet.
Mein Wagen fährt 150 Sachen, widersprach ich dem
aufgebrachten Südstaaten-Macho. Wenn ich wirklich hätte flüchten wollen, hätten Sie mich nie und nimmer gekriegt.

Das war der erste einer unglaublichen Folge bescheuerter Fehler, die mir unterliefen. Der Cop zückte seine Rennwagenlizenz und sagte: Wette nicht mit mir, wer weiter pinkeln kann, Bürschchen, sonst piss ich auf dich drauf. Von einer kleinen kalifornischen Dealerratte lasse ich mich bestimmt nicht abhängen. Auf der Fahrt ins Gefängnis versuchte ich ihm verzweifelt klar zu machen, dass ich weder seine Fahrkünste noch seine Männlichkeit in Frage stellen wollte, aber er bediente sich weiter seiner (bis dato) symbolischen Waffen. Ich kam in eine Arrestzelle und wartete darauf, der Kautionsbevollmächtigten vorgeführt zu werden. Während ich allein in meiner Zelle saß und nachdachte, begriff ich, was echte Not bedeutet. Ich grübelte angstvoll über meine nächste Zukunft nach. Im Streifenwagen hatte ich den Cop gefragt, ob man mich in ein richtiges Gefängnis bringen würde. Er verneinte und erklärte mir, dass ich vorerst ins Untersuchungsgefängnis kommen würde, bis die Kautionsbevollmächtigte über eine eventuelle Verlegung entschied.

Was ist der Unterschied?, fragte ich.
Für ein Bürschchen wie dich ein gewaltiger. Im Untersuchungsgefängnis vergolden sie dir vielleicht die Rosette. In einer Haftanstalt kannst du dir da sicher sein.

Junge, Junge, meine Prioritäten änderten sich schlagartig, als ich mir vorstellte, wie ich zwischen lauter Schwerverbrechern in der Gemeinschaftsdusche stand. Die Pokerrunde war mir plötzlich gleichgültig, und ich wollte auch nicht mehr nach Hause. Hauptsache, ich musste nicht ins richtige Gefängnis. Meine gebrochene Nase fühlte sich schon viel besser an. Von mir aus hätten sie mir auch noch ein blaues Auge verpassen oder ein paar Rippen brechen können. Ich hatte schon so viele Niederlagen in meinem Leben eingesteckt, dass ich mich nicht mehr an jede einzelne erinnern konnte. Im Stillen betete ich mir immer wieder denselben Satz vor: Bitte schickt mich ins Untersuchungsgefängnis, bitte schickt mich ins Untersuchungsgefängnis.

Nach zirka einer Stunde brachte mich der Cop zur Kautionsbevollmächtigten, die zu entscheiden hatte, ob in meinem Fall Fluchtgefahr bestand. Falls Ja, oblag es ihr, eine Kautionssumme festzulegen, da am Sonntagabend kein Richter verfügbar war. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die 1-95 von Miami nach New York von vielen Drogenkurieren befahren wird, ich in einem knallgrünen Porsche mit kalifornischem Nummernschild unterwegs war und einen Anzug trug wie Don Johnson in Miami Vice. Während die Kautionsbevollmächtigte meinen Führerschein in der Hand hielt, stellte sie mir einige simple Fragen.

Ist Andy Bellin Ihr richtiger Name?
Na ja, nicht ganz. Eigentlich ist mein Vorname Andrey, aber ich heiße überall Andy oder Andrew. (Siehe Anhang B.)
Ich sah, wie sie in Großbuchstaben VIELE DECKNAMEN aufschrieb.
Dann fragte sie: Ist das Ihre gültige Anschrift?
Auf meinem Führerschein stand noch die alte Adresse in Poughkeepsie, New York, wo ich während des Studiums in Vassar gewohnt hatte. Nein, erklärte ich. Ich bin vor kurzem nach Middletown, Connecticut, umgezogen.
Wie lautet die genaue Anschrift?
Ich wohne im Studentenwohnheim.
Welche Straße?, hakte sie nach. Ich hatte natürlich keine Ahnung.
Unter VIELE DECKNAMEN vermerkte sie KEIN FESTER WOHNSITZ.
Was sind Sie von Beruf?
Eine wirklich ausgezeichnete Frage. Ich bin Student.
Und womit verdienen Sie Ihren Lebensunterhalt?
Die Antwort Meine Mutter ist gestorben und hat mir etwas Geld hinterlassen kam mir ziemlich ungünstig vor. Ich spiele Poker und bin Barmann klang auch nicht viel besser.
Ich habe eine Forschungsstelle in der Sternwarte. Außerdem bin ich von den Studiengebühren befreit.
Wie hoch ist Ihr Einkommen?
Zirka siebzig Dollar in der Woche.
Wie viel ist Ihr Auto wert, Mr. Bellin?
Es hat sechstausend Dollar gekostet.
Und Sie verdienen siebzig Dollar in der Woche? Interessant. Ich setze die Kaution auf zehntausend Dollar fest. Bringen Sie ihn nach Baltimore County.
Ist das ein richtiges Gefängnis oder ein Untersuchungsgefängnis?, erkundigte ich mich.

Nachdem mein Betteln und Flehen eine Weile ungehört verhallten, brachte man mich ins Untersuchungsgefängnis. Bis mein Fall bearbeitet wurde, kam ich wieder in eine Arrestzelle, die ich mir mit einem Mann teilte, der gerade eine dreijährige Haftstrafe wegen Totschlags antrat. Er stahl mir Stück für Stück alles, was ich am Leib hatte. Meine Armbanduhr, meinen Ohrring, mein Geld, einfach alles. Zu seiner Verteidigung muss ich anführen, dass er mir die Sachen nicht im eigentlichen Sinne stahl. Er bat nur höflich darum. Und ich überließ sie ihm gern. Ich blieb ungefähr vierzig Stunden in Baltimore County und wurde dann auf Kaution freigelassen. Ich musste dem Staatsanwalt schriftlich versichern, dass ich von einer Klage gegen den Polizisten, der mir die Nase gebrochen hatte, absehen würde. Im Gegenzug ließ er alle Anklagepunkte fallen und verhängte lediglich ein Bußgeld von 305 Dollar wegen Leichtsinnigkeit im Straßenverkehr. Ich bekam nicht einmal einen Strafzettel wegen Geschwindigkeitsüberschreitung. Und ich musste auch nicht mit den Knackis duschen.

Dumm gelaufen oder: Wie ich zu meinem Namen kam
Kleine Mutter wollte mich bei meiner Geburt Andrea Deila Croce Bellin nennen. In Italien ist Andrea ein sehr geläufiger Männername, wenn nicht sogar ein Machoname. Ich glaube, er bedeutet der Mutige. Typisch Italien. In Amerika ist Andrea dagegen ein Frauenname, und mein Vater wollte auf keinen Fall einen Jungen großziehen, der Sue hieß. Als er auf dem Weg zum Amt war, um die Geburtsurkunde einzureichen, beschloss er, für die Männlichkeit seines Sohnes einzutreten. Er ließ das a streichen und Andrea in den russischen Namen Andrei ändern. Das war wenigstens ein richtiger MÄNNERname. Diese Geste war rührend gemeint, aber leider lebte mein Vater in dem Irrglauben, Andrei werde mit y und nicht mit i geschrieben. Deshalb heiße ich laut Geburtsurkunde Andrey Deila Croce Bellin.

Obwohl es noch eine Hand voll anderer gibt, die auch Andrey heißen, bin ich jedes Mal, wenn ich meinen Namen gedruckt sehe, dankbar, dass es Korrekturleser gibt. Mein ganzes Leben lang wurde ich entweder Andrea (in beiden Aussprachen), Andrew (die meisten Menschen halten das y für einen Druckfehler) oder Andre genannt. Meine Lehrerin in der ersten Klasse fand diese Namensvielfalt so verwirrend, dass sie mich einfach Andy nannte. Dafür bin ich ihr bis heute dankbar.