Indien verschärft Kontrolle: ASCI-Bericht 2025 zeigt massive Zunahme illegaler Wettwerbung und digitaler Verstöße
ASCI-Bericht 2025: Ein Blick auf Indiens digitale Werbewelt
Der Halbjahresbericht des Advertising Standards Council of India (ASCI) für 2025 zeigt deutlicher als je zuvor, wie stark sich die indische Werbelandschaft in die digitale Sphäre verlagert hat – und wie viele Reibungspunkte sich daraus ergeben. Zwischen April und September wurden 6.841 Beschwerden eingereicht und 6.117 Anzeigen umfassend geprüft. Dieser drastische Anstieg im Vergleich zum Vorjahr – 70% mehr Beschwerden und über 100% mehr bearbeitete Anzeigen – verdeutlicht, dass der digitale Raum längst zur Hauptbühne für Werbung, aber auch für Verstöße geworden ist.
Gründe für den starken Anstieg der Fälle
Die Zunahme hat drei zentrale Ursachen: Erstens hat ASCI seine Überwachungsmechanismen deutlich verstärkt, vor allem in sozialen Netzwerken und mobilen Umgebungen. Zweitens steigen Bewusstsein und Sensibilität der Verbraucher – Nutzer melden problematische Werbung heute schneller und häufiger. Drittens arbeitet ASCI enger mit staatlichen Stellen zusammen, darunter dem Informations- und Rundfunkministerium. Diese Kooperation schafft mehr Transparenz und deutlich mehr Druck auf Anbieter, die gegen Richtlinien verstoßen.
Illegale Wettwerbung bleibt das größte Problemfeld
Der auffälligste Bereich bleibt die illegale Online-Werbung von Wettanbietern. Trotz gesetzlicher Verbote und öffentlicher Warnungen wurden im Untersuchungszeitraum 4.575 Anzeigen identifiziert, die klar gegen indisches Recht verstoßen. In drei weiteren Fällen handelte es sich um sogenannte „Surrogate Ads“ – scheinbar harmlose Werbung, die jedoch verdeckte Hinweise auf illegale Wettportale enthält. Die hohe Fallzahl zeigt, wie aggressiv Anbieter versuchen, im indischen Markt Fuß zu fassen, obwohl ihnen die rechtliche Grundlage fehlt.
Weitere Branchen im Fokus
Neben der Wettindustrie fallen auch andere Kategorien regelmäßig auf. Persönliche Pflegeprodukte verursachten 367 Verstöße, gefolgt vom Gesundheitssektor mit 332 Fällen sowie Lebensmittel- und Getränke-Anzeigen (211) und dem Bildungsbereich (71). Diese fünf Sektoren zusammen machen rund 90% aller Fälle aus und zeigen, dass viele Unternehmen noch immer Schwierigkeiten haben, klare, transparente und regelkonforme Botschaften zu formulieren.
Der digitale Raum dominiert die Verstöße deutlich
97% aller beanstandeten Anzeigen stammen von digitalen Plattformen – ein nahezu vollständiger Shift weg von traditionellen Medien. Innerhalb dieser Kategorie führt Meta mit großem Abstand: 78,9% aller digitalen Verstöße entfielen auf Facebook und Instagram. Dahinter folgen eigenständige Webseiten (13,7%), Google-Anzeigen (4,6%) und Immobilienportale (3%). Fernsehen, Radio und Printmedien spielen mit weniger als 3% nur noch eine marginale Rolle.
Hohe Quote notwendiger Anpassungen
Besonders bemerkenswert ist, dass in 98% der geprüften Fälle Änderungen notwendig waren. Fast jede Anzeige enthielt also irreführende Inhalte, Verstöße gegen Offenlegungspflichten, übertriebene oder nicht belegbare Behauptungen oder schlicht illegale Elemente. Für ASCI ist das ein Signal, dass viele Marken dringend Prozesse zur Qualitätssicherung und internen Vorprüfung ausbauen müssen.
Influencer-Werbung als wachsendes Risiko
Ein weiterer problematischer Bereich ist die Influencer-Kommunikation. ASCI analysierte 1.173 Influencer-Beiträge – fast alle mussten korrigiert werden. Etwa 59% der Posts bewarben Produkte, die nicht legal beworben werden dürfen, zum Beispiel Glücksspiel oder bestimmte Finanzprodukte. Noch alarmierender ist die Zahl der fehlenden Werbekennzeichnungen: 76% der populärsten Creator verstoßen weiterhin konsequent gegen Offenlegungspflichten, obwohl klare Regeln existieren.
Transparenz als Kernproblem
Oft wird Werbung in persönlichen Content eingebettet, ohne dass klar sichtbar ist, dass es sich um bezahlte Kooperationen handelt. Für Konsumenten ist das ein Vertrauensbruch, für die Branche ein Rückschritt im Bemühen um Professionalität. Genau diese Intransparenz ist es, die ASCI wiederholt kritisiert.
Stellungnahme der ASCI-Führung
ASCI-CEO Manisha Kapoor spricht offen über die Herausforderung, die illegale Wettwerbung und undurchsichtige Influencer-Posts darstellen. Sie betont, dass im digitalen Zeitalter Vertrauen äußerst verletzlich ist. Gleichzeitig erkennt sie eine positive Entwicklung: Immer mehr Marken akzeptieren ASCI-Entscheidungen ohne Widerspruch und arbeiten freiwillig an Korrekturen. Das zeigt, dass die Selbstregulierung langsam an Stärke gewinnt.
Die Rolle des Verbraucherschutzes
Kapoor betont, dass verlässliche Werbung kein Hindernis für Kreativität sei, sondern eine Voraussetzung für nachhaltige Markenbindung. Fehlverhalten einzelner Unternehmen gefährde die Glaubwürdigkeit der gesamten Branche.
Bedeutung für Indiens Zukunft im Online-Markt
Die Veröffentlichung des Berichts fällt in eine Zeit, in der Indien verstärkt über ein landesweites Regelwerk für Online-Gaming und strengere Maßnahmen gegen illegale Wettplattformen diskutiert. Der Bericht zeigt klar, dass regulatorischer Handlungsbedarf besteht – aber auch, dass Verbraucher und Behörden zunehmend wachsam werden. Die digitale Werbewelt des Landes steht an einem Wendepunkt: zwischen rasanter Entwicklung und wachsender Verantwortung.
FAQ
Was zeigt der ASCI-Halbjahresbericht 2025?
Der Bericht zeigt einen deutlichen Anstieg an Beschwerden und untersuchten Anzeigen. Vor allem digitale Werbung wird zunehmend beanstandet, insbesondere illegale Wettwerbung.
Warum gibt es so viele Verstöße im Bereich illegale Wettanbieter?
Trotz Verbot versuchen viele nicht registrierte Wettplattformen weiterhin, über Social Media und Webseiten indische Nutzer zu erreichen. Der digitale Raum erleichtert diese Umgehungsversuche.
Welche Branchen verursachen nach illegalem Glücksspiel die meisten Verstöße?
Nach Wettwerbung folgen persönliche Pflegeprodukte, Gesundheitsangebote, Lebensmittel- und Getränkeunternehmen sowie Bildungsanbieter. Diese fünf Sektoren machen den Großteil aller Fälle aus.
Warum stammen 97% der Verstöße aus dem digitalen Bereich?
Weil Werbung zunehmend online stattfindet und Plattformen wie Meta, Google und Webseiten hohe Reichweite bieten. Gleichzeitig sind die Kontrollen dort komplexer und Verstöße leichter zu platzieren.
Wie schneiden Influencer in Bezug auf Werberegeln ab?
Sehr schlecht. Fast alle überprüften Influencer-Posts mussten korrigiert werden, insbesondere wegen fehlender Werbekennzeichnung oder der Bewerbung unzulässiger Produkte.
Welche Plattform verursacht die meisten Werbeverstöße?
Meta liegt mit fast 79% aller digitalen Verstöße deutlich an der Spitze, gefolgt von Webseiten, Google-Anzeigen und Immobilienportalen.
Wie reagiert die ASCI auf die zunehmenden Verstöße?
ASCI verstärkt die Überwachung, arbeitet enger mit Behörden zusammen und verzeichnet eine steigende Bereitschaft von Unternehmen, freiwillig Regeln einzuhalten und Anzeigen zu korrigieren.
Welche Bedeutung hat der Bericht für Indiens zukünftige Regulierung?
Die Ergebnisse fließen in laufende Debatten über neue nationale Online-Gaming-Gesetze in Indien ein und unterstützen die Forderung nach strengeren Maßnahmen gegen illegale Wettplattformen.
