Entain fordert Ende illegaler Glücksspiel-Sponsoren im britischen Sport vor neuer Gesetzgebung
Entain fordert britische Sportvereine zum sofortigen Ausstieg aus Partnerschaften mit unlizenzierten Glücksspielanbietern auf
Der Glücksspielkonzern Entain erhöht den Druck auf den britischen Sport und fordert Vereine, Ligen sowie Sportverbände dazu auf, ihre Sponsoringverträge mit nicht lizenzierten Glücksspielanbietern freiwillig und unverzüglich zu beenden. Nach Ansicht des Unternehmens sollte der Sport nicht auf neue gesetzliche Vorgaben warten, sondern bereits jetzt Verantwortung übernehmen und sich klar von illegal operierenden Wettanbietern distanzieren.
Hintergrund ist eine derzeit laufende Konsultation des britischen Ministeriums für Kultur, Medien und Sport (Department for Culture, Media and Sport – DCMS). Sie soll klären, wie gegen Werbung und Sponsoring durch nicht lizenzierte Glücksspielunternehmen künftig vorgegangen werden soll. Die Konsultation endet am 9. September. Anschließend müssten mögliche Gesetzesänderungen jedoch noch das parlamentarische Verfahren durchlaufen, weshalb mit einer Umsetzung frühestens Ende des Jahres gerechnet wird.
Entain will freiwilliges Handeln statt langwieriger Gesetzgebung
Für Stella David, Chief Executive Officer von Entain und damit auch verantwortlich für bekannte Marken wie Ladbrokes und Coral, ist dieser Zeitplan zu langsam. Sie bezeichnete die Konsultation zwar als wichtigen Schritt im Kampf gegen den illegalen Glücksspielmarkt, machte jedoch deutlich, dass Vereine und Verbände bereits heute handeln könnten.
Nach ihrer Auffassung besteht keinerlei Grund, auf eine gesetzliche Verpflichtung zu warten. Sportorganisationen sollten bestehende Kooperationen mit Anbietern ohne britische Glücksspiellizenz eigenständig beenden und damit ein klares Signal für Integrität und Verbraucherschutz setzen.
David betonte außerdem, dass unlizenzierte Anbieter häufig keinerlei Verbraucherschutz gewährleisten, keine Steuern im Vereinigten Königreich entrichten und teilweise Verbindungen zur organisierten Kriminalität aufweisen könnten.
Forderung an Regierung und Glücksspielaufsicht
Neben den Sportorganisationen richtet Entain seine Forderungen auch an die britische Regierung sowie an die Gambling Commission. Das Unternehmen verweist dabei auf das Vorgehen der britischen Finanzaufsicht FCA, die bereits Schreiben an verschiedene Sportorganisationen verschickt hatte, um vor Kooperationen mit unregulierten Krypto-Unternehmen zu warnen.
Nach Ansicht von Entain sollten Glücksspielaufsicht und Regierung ähnlich entschlossen gegen nicht lizenzierte Wettanbieter vorgehen und deren Präsenz im britischen Sport deutlich stärker einschränken.
Premier League verbietet Trikotwerbung – andere Sponsoringformen bleiben möglich
Bereits beschlossen ist, dass Premier-League-Vereine ab der Saison 2026/27 keine Glücksspielunternehmen mehr auf der Vorderseite ihrer Trikots präsentieren dürfen. Dieses freiwillige Branchenabkommen beendet eine der sichtbarsten Werbeflächen für Wettanbieter im englischen Fußball.
Dennoch bleiben zahlreiche alternative Sponsoringmöglichkeiten bestehen. Logos dürfen weiterhin unter anderem auf den Trikotärmeln, Trainingskleidung oder im Stadionumfeld erscheinen. So wird beispielsweise erwartet, dass Everton seine Zusammenarbeit mit Stake als Ärmelsponsor fortsetzt.
Aus Sicht von Entain reicht diese Maßnahme deshalb nicht aus, solange weiterhin nicht lizenzierte Unternehmen über andere Werbeformen Millionen von Fans erreichen können.
Fast die Hälfte aller Glücksspielwerbung könnte bald von illegalen Anbietern stammen
Besonders alarmierend sind aktuelle Marktprognosen der Betting and Gaming Council (BGC) sowie des World Advertising Research Centre. Nach deren Berechnungen könnten bereits in der Saison 2026/27 rund 47,7 Prozent aller Glücksspielwerbeausgaben im Vereinigten Königreich auf unregulierte Anbieter entfallen.
Sollte sich dieser Trend fortsetzen, könnten illegale Betreiber bereits im Jahr 2028 mehr Werbeausgaben tätigen als sämtliche regulierten Glücksspielunternehmen zusammen.
Eine weitere vom BGC beauftragte Untersuchung schätzt das Werbebudget unlizenzierter Anbieter bereits heute auf rund 800 Millionen Pfund jährlich.
Der Schwarzmarkt wächst deutlich schneller als der regulierte Markt
Auch die Umsätze des illegalen Glücksspielmarktes entwickeln sich nach Einschätzung von Branchenexperten rasant. Daten der Marktforschungsgesellschaft H2 Gambling Capital zeigen, dass der Umsatz unlizenzierter Anbieter von rund 5 Milliarden Pfund im Jahr 2019 auf etwa 16,6 Milliarden Pfund im Jahr 2025 gestiegen ist.
Bleibt diese Entwicklung bestehen, könnte sich das Volumen des Schwarzmarktes bis 2028 nochmals nahezu verdoppeln. Für regulierte Unternehmen und Behörden stellt dies eine erhebliche Herausforderung dar, da immer mehr Spieler außerhalb des überwachten Lizenzsystems aktiv werden.
Illegale Anbieter nutzen soziale Medien und Influencer
Bereits während der Fußball-Weltmeisterschaft hatte Entain eine umfangreiche Untersuchung zum Online-Schwarzmarkt veröffentlicht. Dabei wurden zahlreiche Methoden identifiziert, mit denen unlizenzierte Glücksspielanbieter gezielt britische Verbraucher ansprechen.
Nach Angaben des Unternehmens kommen unter anderem gefälschte Wettseiten, kopierte Markenauftritte sowie intensive Werbekampagnen über soziale Netzwerke, Streaming-Plattformen, Influencer und Affiliate-Webseiten zum Einsatz.
Besonders kritisch bewertet Entain dabei, dass entsprechende Inhalte teilweise auch Minderjährige erreichen. Nach Unternehmensangaben wurden Werbemaßnahmen identifiziert, die Nutzer unter 18 Jahren ansprechen konnten.
Briefe an Premier League und mehrere Vereine
Entain beschränkt sich nicht auf öffentliche Forderungen. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben bereits Schreiben an Premier-League-Geschäftsführer Richard Masters, den Vorsitzenden der neuen Independent Football Regulator David Kogan OBE sowie an sechs englische Profiklubs versandt.
Darin fordert Entain die Verantwortlichen auf, ihre Beziehungen zu unregulierten Glücksspielunternehmen kritisch zu überprüfen und bestehende Kooperationen möglichst zeitnah zu beenden.
Illegal Gambling Taskforce soll Maßnahmen beschleunigen
Anfang des Jahres hat die britische Regierung eine sogenannte Illegal Gambling Taskforce eingerichtet. In diesem Gremium arbeiten Vertreter von Technologieunternehmen, Werbeplattformen, sozialen Netzwerken, Zahlungsdienstleistern sowie lizenzierte Glücksspielanbieter gemeinsam an Strategien gegen den illegalen Markt.
Nach Auffassung von Entain bietet diese Arbeitsgruppe die Chance, konkrete Maßnahmen gegen unlizenzierte Betreiber zu entwickeln. Allerdings dürfe es nicht bei Diskussionen bleiben. Entscheidend seien wirksame Kontrollen und eine konsequente Durchsetzung bestehender Regeln.
Entain fordert umfassendere Strategie gegen den Schwarzmarkt
Abschließend machte Stella David deutlich, dass Sponsoringverbote allein das Problem nicht lösen werden. Zwar begrüße Entain die aktuelle Konsultation der Regierung ausdrücklich, dennoch müsse der Kampf gegen illegale Glücksspielanbieter deutlich breiter angelegt werden.
Viele unlizenzierte Unternehmen würden ihre Kunden inzwischen hauptsächlich über digitale Kanäle gewinnen. Deshalb dürften Einschränkungen im Sportsponsoring nicht dazu führen, dass andere Werbewege unbeachtet bleiben.
Nach Ansicht des Unternehmens müssen Regierung, Aufsichtsbehörden und Technologieplattformen gemeinsam gegen das gesamte digitale Netzwerk vorgehen, das unlizenzierte Glücksspielangebote in Großbritannien überhaupt erst wachsen lasse.
Fazit
Mit seiner aktuellen Initiative fordert Entain nicht nur strengere gesetzliche Regelungen, sondern vor allem ein sofortiges freiwilliges Umdenken im britischen Sport. Vereine und Verbände sollen Partnerschaften mit nicht lizenzierten Glücksspielunternehmen eigenständig beenden, anstatt auf neue Gesetze zu warten.
Angesichts des wachsenden Schwarzmarktes, steigender Werbeausgaben illegaler Anbieter und der zunehmenden Verlagerung in soziale Medien dürfte die Diskussion über den richtigen Umgang mit unreguliertem Glücksspiel den britischen Sport noch lange begleiten.
FAQ
Was fordert Entain von britischen Sportvereinen?
Entain fordert Vereine, Ligen und Sportverbände auf, Sponsoringverträge mit nicht lizenzierten Glücksspielanbietern freiwillig und sofort zu beenden.
Warum möchte Entain nicht auf neue Gesetze warten?
Das Unternehmen ist der Ansicht, dass der Gesetzgebungsprozess noch viele Monate dauern wird und Vereine bereits jetzt Verantwortung übernehmen können.
Warum gelten unlizenzierte Glücksspielanbieter als problematisch?
Sie unterliegen nicht den britischen Verbraucherschutzregeln, zahlen keine britischen Glücksspielsteuern und können teilweise Verbindungen zur organisierten Kriminalität aufweisen.
Welche Änderungen gelten bereits in der Premier League?
Ab der Saison 2026/27 verschwindet Glücksspielwerbung von der Vorderseite der Trikots. Andere Sponsoringformen bleiben jedoch weiterhin erlaubt.
Wie groß ist der illegale Glücksspielmarkt inzwischen?
Schätzungen zufolge ist der Umsatz unlizenzierter Anbieter in Großbritannien zwischen 2019 und 2025 von rund 5 auf 16,6 Milliarden Pfund gestiegen.
Über welche Kanäle werben illegale Anbieter?
Vor allem über soziale Medien, Streaming-Plattformen, Influencer, Affiliate-Webseiten sowie teilweise über gefälschte Markenauftritte.
Welche Rolle spielt die Illegal Gambling Taskforce?
Sie soll gemeinsam mit Behörden, Technologieunternehmen und der Glücksspielbranche wirksame Maßnahmen gegen den wachsenden Schwarzmarkt entwickeln.
