merkur gründer paul gauselmann mit 91 jahren gestorben

Merkur-Gründer Paul Gauselmann mit 91 Jahren gestorben

Merkur-Gründer Paul Gauselmann im Alter von 91 Jahren gestorben

Die deutsche Glücksspiel- und Automatenbranche verliert eine ihrer prägendsten Unternehmerpersönlichkeiten. Paul Gauselmann, Gründer und langjähriger Vorstandsvorsitzender der heutigen Merkur Group, ist am Freitag kurz vor seinem 92. Geburtstag gestorben. Über fast sieben Jahrzehnte entwickelte der Unternehmer aus Nordrhein-Westfalen sein anfänglich kleines Geschäft zu einer international tätigen Unternehmensgruppe mit mehr als 15.000 Beschäftigten und einem Gesamtumsatz von rund 2,1 Milliarden Euro.

Insgesamt 67 Jahre lang prägte Gauselmann die Entwicklung seines Unternehmens. Gleichzeitig engagierte er sich über Jahrzehnte für die Interessen der deutschen Automatenwirtschaft und wurde zu einem der bekanntesten Vertreter der Branche. Für sein unternehmerisches und gesellschaftliches Engagement erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, darunter 2003 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. Ein Jahr später ernannten ihn die Städte Espelkamp und Lübbecke zum Ehrenbürger.

Paul Gauselmann hinterlässt seine Ehefrau Karin, vier Söhne, neun Enkelkinder und sieben Urenkel.

Merkur Group würdigt einen außergewöhnlichen Unternehmer

Die Merkur Group erinnerte in ihrem Nachruf nicht nur an den Unternehmer, sondern insbesondere an den Menschen Paul Gauselmann. Innerhalb des Unternehmens sei er als nahbarer und inspirierender Chef bekannt gewesen, der sich unabhängig von Position und Aufgabe Zeit für seine Mitarbeiter genommen habe.

Wertschätzung und Kommunikation auf Augenhöhe gehörten nach Angaben des Unternehmens zu seinen wichtigsten Grundsätzen. Gauselmann hatte selbst als Arbeitnehmer begonnen und wusste aus eigener Erfahrung, welche Bedeutung Anerkennung und persönlicher Kontakt innerhalb eines Unternehmens besitzen können. Diesem Prinzip sei er während seines gesamten Berufslebens treu geblieben.

Kindheit während des Zweiten Weltkriegs

Paul Gauselmann wurde 1934 in Borghorst bei Münster geboren. Seine Kindheit war von schweren persönlichen und historischen Erfahrungen geprägt. Im Alter von nur zwei Jahren verlor er seine Mutter und wuchs anschließend bei Verwandten in Münster auf, getrennt von seinem Vater und seinen vier Brüdern.

Als 1939 der Zweite Weltkrieg begann, war Gauselmann fünf Jahre alt. Luftangriffe, Angst und materielle Not gehörten zu seinen frühen Erfahrungen. Später erinnerte er sich daran, dass Spiele während der langen Nächte eine besondere Bedeutung bekommen hätten. Sie hätten geholfen, die Zeit zu überstehen und zumindest für einige Momente von der Angst abzulenken.

Diese schwierigen Jahre prägten nach eigener Aussage auch seinen späteren Charakter. Improvisieren, Lösungen finden und sich unter schwierigen Bedingungen behaupten zu können, wurden Eigenschaften, die ihm später als Unternehmer zugutekamen.

Vom Telekommunikationstechniker zum Automatenentwickler

1950 schloss Gauselmann seine schulische Ausbildung als Klassenbester ab und begann anschließend eine Ausbildung im Bereich Telekommunikation. Schon früh übernahm er Verantwortung und wurde zum Leiter einer eigenen Prüfungsabteilung befördert.

1956 wechselte er zu einem Automatenunternehmen aus Coesfeld, das unter anderem amerikanische Wurlitzer-Musikboxen importierte. Dort kam Gauselmann intensiver mit einer Branche in Kontakt, die später sein gesamtes Berufsleben bestimmen sollte.

Während dieser Zeit entwickelte er eine erste Fernwahleinheit für deutsche Musikboxen. Seine Entwicklung präsentierte er dem in Espelkamp ansässigen Unternehmen Harting. Kurz darauf wurde er dort als Techniker eingestellt und stieg innerhalb von nur vier Jahren zum Leiter der Automatenentwicklung auf. Mit gerade einmal 26 Jahren hatte er damit bereits eine wichtige Führungsposition erreicht.

1957 beginnt die Geschichte des eigenen Unternehmens

Parallel zu seiner Tätigkeit als Angestellter begann Gauselmann 1957, nebenberuflich selbstständig Musikboxen aufzustellen. Aus diesem zunächst kleinen Geschäft entwickelte sich Schritt für Schritt sein eigenes Unternehmen. 1964 machte er sich schließlich vollständig selbstständig und konzentrierte sich auf die Aufstellung von Geldspiel- und Unterhaltungsautomaten in der Gastronomie.

Zu dieser Zeit spielte das gewerbliche Automatenspiel in der öffentlichen Wahrnehmung noch eine vergleichsweise geringe Rolle. Gauselmann wollte dies verändern und setzte auf professionellere sowie hochwertigere Spielstätten.

1974 eröffnete der damals 40-Jährige in Delmenhorst seine erste eigene Spielhalle. Bei Ausstattung und Service orientierte er sich nach Unternehmensangaben am Standard eines Vier-Sterne-Hotels – ein für die damalige Automatenbranche ungewöhnliches Konzept.

Merkur B legt 1977 den Grundstein für den internationalen Erfolg

Der entscheidende Durchbruch gelang wenige Jahre später. 1977 brachte das Unternehmen mit dem Merkur B seinen ersten selbst entwickelten Geldspielautomaten auf den deutschen Markt. Das Gerät wurde zu einem großen kommerziellen Erfolg und gab den entscheidenden Impuls für das schnelle Wachstum der Unternehmensgruppe.

Es folgten zahlreiche weitere Eigenentwicklungen und im Laufe der Jahrzehnte Hunderte Patente. Gleichzeitig expandierte das Unternehmen zunehmend außerhalb Deutschlands. Aus dem kleinen Geschäft eines einzelnen Automatenaufstellers entstand so Schritt für Schritt eine international tätige Unternehmensgruppe.

Heute beschäftigt die Merkur Group mehr als 15.000 Menschen. Über 2.000 davon arbeiten in Espelkamp und Lübbecke. Damit gehört die Unternehmensgruppe zu den bedeutendsten Arbeitgebern der Wirtschaftsregion Minden-Lübbecke.

Mehr als 2 Milliarden Euro Umsatz und über 15.000 Mitarbeiter

Das Lebenswerk Gauselmanns lässt sich auch an den wirtschaftlichen Dimensionen des heutigen Unternehmens ablesen. Die Merkur Group erzielt einen Gesamtumsatz von rund 2,1 Milliarden Euro und ist international in unterschiedlichen Bereichen der Glücksspiel- und Unterhaltungsindustrie tätig.

Die gelbe Merkur-Sonne entwickelte sich dabei über Jahrzehnte zu einem der bekanntesten Markenzeichen der deutschen Automatenwirtschaft. Gleichzeitig wurde das Unternehmen international ausgebaut und diversifiziert.

Für Gauselmann ging die unternehmerische Tätigkeit allerdings stets über die Entwicklung des eigenen Konzerns hinaus. Schon in den 1960er-Jahren engagierte er sich aktiv in den Verbänden der deutschen Automatenwirtschaft.

38 Jahre Engagement für die deutsche Automatenbranche

Mehr als 38 Jahre lang nahm Gauselmann wichtige Funktionen innerhalb der Branchenverbände wahr. 28 Jahre davon stand er an der Spitze des Verbandes der Deutschen Automatenindustrie. In dieser Funktion prägte er die politische und wirtschaftliche Entwicklung des gewerblichen Automatenspiels in Deutschland maßgeblich mit.

Gauselmann galt dabei als Unternehmer, der Konflikten nicht grundsätzlich aus dem Weg ging. Gleichzeitig legte er nach eigener Philosophie großen Wert auf den direkten Dialog. Probleme sollten möglichst miteinander und nicht übereinander besprochen werden.

Über mehrere Jahrzehnte wurde er damit zu einem der wichtigsten Ansprechpartner der Branche gegenüber Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit.

Familienstiftung sichert die Zukunft der Merkur Group

Eine zentrale Frage für Gauselmann war, wie sein Unternehmen langfristig als Familienunternehmen erhalten werden kann. Deshalb wurden 2016 die Anteile der Unternehmen der Familie auf die Gauselmann-Familienstiftung übertragen. Sie ist heute alleinige Eigentümerin der Merkur Group.

Paul Gauselmann blieb bis 2024 Vorsitzender des Stiftungsvorstands. Anschließend übergab er diese Verantwortung an seinen Sohn Michael Gauselmann. Damit leitete die Familie frühzeitig den Übergang zur nächsten Generation ein und schuf eine Struktur, die den Fortbestand des Unternehmens langfristig sichern soll.

Seine Familie bezeichnete Gauselmann immer wieder als wichtigste Säule seines privaten und beruflichen Lebens. Seine Ehefrau Karin hatte er 1967 während eines Winterurlaubs kennengelernt. Später zog sie mit ihm nach Espelkamp und wurde zu einer seiner engsten Vertrauten. Gemeinsam lebten beide bis zuletzt in ihrem Haus im ländlichen Umfeld von Espelkamp.

Millionen für Espelkamp und Lübbecke

Neben seinem Unternehmen spielte gesellschaftliches Engagement eine wichtige Rolle in Gauselmanns Leben. Über viele Jahre unterstützte er Projekte aus den Bereichen Soziales, Kultur, Sport und Gesundheit. Dazu gründete er zunächst die Paul Gauselmann Stiftung, aus der später gemeinsam mit seiner Ehefrau die Paul und Karin Gauselmann Stiftung hervorging.

Besonders eng blieb sein Engagement mit Espelkamp und der gesamten Region Minden-Lübbecke verbunden. So finanzierte er unter anderem den Bau von zwei Kindertagesstätten in Espelkamp mit rund sechs Millionen Euro.

Als die Stadt zuletzt in erhebliche finanzielle Schwierigkeiten geriet, stellte Gauselmann weitere 8,7 Millionen Euro zur Verfügung. Auch Lübbecke, wo sich das Produktionswerk der Merkur Group befindet, erhielt zusätzliche fünf Millionen Euro.

Innerhalb weniger Monate stellte der Unternehmer damit rund 20 Millionen Euro für gemeinnützige und öffentliche Zwecke zur Verfügung. Unterstützt wurden darüber hinaus Projekte im Gesundheitswesen, in der medizinischen Versorgung und bei Rettungsdiensten.

Schloss Benkhausen als Teil seines Lebenswerks

Ein weiteres langfristiges Projekt war Schloss Benkhausen in Espelkamp. Gauselmann erwarb das rund 500 Jahre alte und damals stark sanierungsbedürftige Anwesen im Jahr 2010.

Nach umfangreichen Renovierungsarbeiten entstand dort ein modernes Schulungs- und Veranstaltungszentrum mit Hotelbetrieb. Eine historische Scheune auf dem Gelände beherbergt zudem das Deutsche Automatenmuseum mit der Sammlung Gauselmann.

Damit bewahrte der Unternehmer nicht nur ein historisches Gebäude der Region, sondern schuf gleichzeitig einen Ort, an dem sich die Geschichte der deutschen Automatenwirtschaft dokumentieren lässt.

Tennis war eine große Leidenschaft von Paul Gauselmann

Neben seiner unternehmerischen Tätigkeit besaß Gauselmann eine besondere Leidenschaft für den Sport. Vor allem Tennis begleitete ihn über viele Jahre. Beim Tennisclub Espelkamp-Mittwald engagierte er sich als Förderer und Ehrenvorsitzender und stand selbst aktiv für Mannschaften des Vereins auf dem Platz.

Auch andere Amateur- und Profisportvereine profitierten von seiner Unterstützung. Dieses Engagement war Teil einer umfassenderen Philosophie, einen Teil des unternehmerischen Erfolgs an die Region zurückzugeben, in der sein Unternehmen gewachsen war.

Paul Gauselmann hinterlässt ein internationales Unternehmen

Aus einem kleinen Nebenerwerb mit Musikboxen entstand innerhalb von fast sieben Jahrzehnten eine internationale Unternehmensgruppe mit mehr als 15.000 Beschäftigten. Gleichzeitig prägte Paul Gauselmann die Entwicklung der deutschen Automatenbranche über mehrere Generationen hinweg.

Sein Einfluss beschränkte sich dabei nicht auf die wirtschaftliche Seite. Mit Stiftungen, Spenden und zahlreichen regionalen Projekten investierte er einen erheblichen Teil seines Vermögens in gesellschaftliche Vorhaben. Seine Ehefrau Karin Gauselmann wird dieses Engagement nach seinem Tod weiterführen.

Die Merkur Group würdigte ihren Gründer zum Abschied als außergewöhnlichen Menschen und Unternehmer. Für das Unternehmen beginnt nun endgültig die Zeit nach Paul Gauselmann. Die Strukturen für die Fortführung seines Lebenswerks hatte er allerdings bereits selbst geschaffen: als Familienstiftung, als international aufgestellte Unternehmensgruppe und mit der nächsten Generation der Familie in verantwortlicher Position.

FAQ

Wann ist Paul Gauselmann gestorben?

Paul Gauselmann starb am Freitag kurz vor seinem 92. Geburtstag. Der Gründer der Merkur Group wurde 91 Jahre alt.

Wer war Paul Gauselmann?

Paul Gauselmann war ein deutscher Unternehmer und Gründer der heutigen Merkur Group. Aus einem kleinen Geschäft mit Musikboxen und Automaten entwickelte er innerhalb von fast sieben Jahrzehnten eine internationale Unternehmensgruppe.

Wie groß ist die Merkur Group?

Die Merkur Group beschäftigt heute mehr als 15.000 Menschen und erzielt einen Gesamtumsatz von rund 2,1 Milliarden Euro. Mehr als 2.000 Mitarbeiter sind allein an den Standorten Espelkamp und Lübbecke tätig.

Wann gründete Paul Gauselmann sein Unternehmen?

1957 begann Gauselmann zunächst nebenberuflich mit der selbstständigen Aufstellung von Musikboxen. 1964 machte er sich vollständig selbstständig. Ein entscheidender Wachstumsschub folgte 1977 mit dem selbst entwickelten Geldspielautomaten Merkur B.

Welche Auszeichnungen erhielt Paul Gauselmann?

2003 wurde Paul Gauselmann mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet. 2004 ernannten ihn Espelkamp und Lübbecke aufgrund seines umfangreichen gesellschaftlichen Engagements zum Ehrenbürger.

Wer führt das Lebenswerk von Paul Gauselmann weiter?

Die Merkur Group gehört vollständig der Gauselmann-Familienstiftung. Paul Gauselmann übergab 2024 den Vorsitz des Stiftungsvorstands an seinen Sohn Michael Gauselmann. Auch seine Ehefrau Karin wird das gemeinnützige Engagement der gemeinsamen Stiftung fortführen.

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