Die anderen Spieler im Auge halten – Texas Holdem

Wenn Sie sich mit den Startkarten in den verschiedenen Positionen vertraut gemacht haben, sind Sie erst ganz am Anfang zu einem vertieften Verständnis des Spiels. Sie müssen eine Menge anderer Faktoren im Auge behalten, die ich in den folgenden Abschnitten behandeln werde.

Modifikationen für No Limit
Die Empfehlungen im Abschnitt Welche Karten Sie in welcher Position spielen sollten gelten für Limit Hold’em. Ich empfehle sehr, dass Sie Ihre ersten Erfahrungen bei Limit Hold’em sammeln, bevor sie bei No Limit zu unangenehm werden. Zunächst müssen Sie ein Gefühl für das Spiel entwickeln. Erst dann wagen Sie sich an No Limit. In No-Limit-Turnieren sollten Sie die Anforderungen an Startkarten in jeder Positionsgruppe um eine Stufe anheben (z.B. spielen Sie nur gleichfarbige Asse bis Buben aus früher Position anstatt Ass bis 10). Damit schützen Sie Ihr Turnierkapital, denn wenn Sie alles verloren haben, ist das Turnier für Sie vorbei (im nächsten Artikel7 finden Sie mehr zu Turnieren).

In No Limit Cashgames können Sie mit den Anforderungen um eine Stufe heruntergehen (z.B. gleichfarbige Asse bis zur 9 anstatt bis zur 10 aus früher Position). Doch dazu braucht es viel Erfahrung. No Limit Cashgame geht weit über Anfängerniveau hinaus, deswegen vertiefe ich es nicht sehr in diesem Poker-Ratgeber.

Die Spielerzahl im Auge behalten
Die Anzahl aktiver Spieler in einer Hand ist für Ihre Erfolgschancen bestimmend. Was vor Ihnen passiert, können Sie leicht verfolgen, weil Sie es hören: Check! Call! Raise! Gefährlich wird es eventuell, wenn Sie nicht mehr auf die Spieler hinter sich achten. Der Druck und die Aufregung, bevor Sie Ihre eigene Aktion getätigt haben, sind vielleicht weg und Ihre Konzentration könnte jetzt nachlassen, bis Sie wieder an der Reihe sind. Sie müssen kein Mathe-Genie sein, um zu wissen, dass die Gewinnchancen kleiner werden, je mehr Spieler in der Hand sind. Wenn jemand trotz Mehrfacherhöhungen im Spiel bleibt, ist er entweder geistig etwas lädiert oder – viel wahrscheinlicher – er hat ein starkes Blatt.

Die aktiven Spieler beobachten
Die Typen von aktiven Spielern in einer Hand haben gewaltigen Einfluss auf Ihr eigenes Bietverhalten. Der Verrückte, der under the Gun auch jedes Müllblatt spielt, muss anders behandelt werden als die Dame, die in derselben Position nur Blätter wie A-A spielt. Wenn Sie an einem Pokertisch wählen können, sollten Sie die aggressivsten Spieler immer rechts von sich wissen. Natürlich trifft es zu, dass diese Leute etwas Monsterartiges an sich haben und viel erhöhen (was Sie oft zum Aussteigen bringen wird), aber es ist viel besser, diese Aktionen vor der eigenen Aktion zu sehen, als dass sie hinter einem passieren. Wenn der Aggressor hinter Ihnen sitzt und Sie bieten und er erhöht, müssen Sie manchmal aussteigen und haben einen Einsatz investiert, der nichts mehr bringt.

Wie gut ist das Startblatt Von dem Typen wirklich?
Angenommen, Sie spielen und alle vor Ihnen haben die Karten vor einem Burschen direkt vor Ihnen weggeworfen. Sie sitzen beide in mittlerer Position und der andere erhöht. Ein Blick in Ihre Karten enthüllt verschiedenfarbige A-Q. Ein gutes Blatt zum Mitgehen, aber vielleicht bekommen Sie ein besseres Gefühl für das Blatt des anderen, wenn Sie jetzt erhöhen. Wenn er entsprechend meiner Empfehlungen aus diesem Artikel spielt, würde sein Blatt irgendwo zwischen A-A und verschiedenfarbigen J-Q liegen (oder schlechter, je nach dem Zustand des Spielers und wie er in seiner Position ein Blatt wie 4-4 bewertet).

Natürlich sagt Ihre erneute Erhöhung den anderen Spielern, dass Sie ein starkes Blatt haben, aber darum geht es nicht. Viele hinter Ihnen (an einem konservativen Tisch vielleicht alle), werden jetzt aussteigen. Wenn der Gegner vor Ihnen erneut an der Reihe ist, wird sein Verhalten Ihnen etwas sagen. Wenn er nicht wieder erhöht, zeigt dass, dass er eine gute, aber keine grandiose Hand hat. Wenn er sofort zurückfeuert, dann hat er entweder ein Superblatt oder möchte einfach nicht herumgeschubst werden. Natürlich ist diese Methode nicht narrensicher, aber Sie werden überrascht sein, wie gut sie funktioniert – besonders auf lange Sicht und an Tischen mit kleinerem Limit.

Es macht auch keinen Sinn, einen anderen Spieler zu erhöhen, wenn er immer mitgeht und Sie denken, Ihr Blatt ist nicht das Beste (oder wenn Sie ihn zumindest davon überzeugen wollen). Natürlich versüßen Erhöhungen den Pot, aber wenn Sie nicht sicher sind, den besagten Pot zu gewinnen, könnte Ihr Extraeinsatz auch schnell mit dem Pot davon marschieren. Je schwieriger eine Person zu bluffen ist, desto seltener sollten Sie versuchen, ihn zu bluffen.

Achten Sie auf diese Leute und auf deren relative Position zu Ihnen, wenn sie im Spiel sind. Sie müssen relativ schnell eine gute Klassifizierung der Spieler an Ihrem Tisch vornehmen, allerdings dürfen Sie dabei nicht sklavisch an einmal gefällten Einschätzungen kleben bleiben. Wenn Sie zum Beispiel bemerken, dass jemand under the Gun mit einem Paar Dreier erhöht, so bedeutet das entweder, dass er kleine Paare zu hoch bewertet oder die Wichtigkeit von Position nicht verstanden hat. Solange es keine Umstände gibt, die ein solches Verhalten erlauben (z.B. wenn die Person Chipkönig in einem Turnier ist, wo nur noch wenige Spieler übrig sind), denken Sie an Ihre Beobachtung und an die Position der Person relativ zu Ihnen.

Hinweis: Wenn der Dealerbutton um den Tisch geht, wird die Person zeitweise vor Ihnen, zeitweise aber auch hinter Ihnen agieren.

Im nächsten Poker-Artikel vertiefe ich das Thema der Einschätzung von Spielern und der entsprechenden Spielweise. Hier kommen nun ein paar allgemeinere Hinweise, worauf Sie achten müssen, wenn es um Spielertypen und deren Startkarten geht:
✓ Lockere (loose) Spieler: Diese Leute spielen zu viele Startblätter oder setzen zu hoch auf ihre Blätter.
✓ Zurückhaltende (tight) Spieler: Diese Leute spielen nur die wirklich besten Startblätter, eventuell sogar nur eine Teilmenge aus der Positionsliste in der Tabelle
✓ Aggressive Spieler: Diese Leute erhöhen, erhöhen, erhöhen.
✓ Bluffer: Sie sollten sehr grob einschätzen, wie die Bluffwahrscheinlichkeit jedes Spielers an Ihrem Tisch ist.
✓ Schüchterne Spieler: Die Schüchternen steigen sehr schnell aus.