Russland prüft Online-Glücksspiel: Staat erwartet Milliarden-Einnahmen
Russland prüft Rückkehr zum Online-Glücksspiel nach jahrelangem Verbot
Mehr als 15 Jahre nach dem vollständigen Verbot von Online-Glücksspielen erwägt Russland offenbar eine grundlegende Kehrtwende. Erstmals seit 2009 könnte digitales Wetten unter staatlicher Kontrolle legalisiert werden – allerdings nicht in Form eines offenen Marktes, sondern über ein stark zentralisiertes Modell mit nur einem zugelassenen Betreiber.
Ein staatlich kontrolliertes Monopol statt Lizenzmarkt
Der Vorschlag des Finanzministeriums
Laut einem Bericht der Wirtschaftszeitung Kommersant hat Finanzminister Anton Siluanov Präsident Wladimir Putin gebeten, einen Plan zur Legalisierung von Online-Glücksspiel zu prüfen. Kern des Vorschlags ist ein staatlich autorisierter Einzelbetreiber, der das gesamte legale Online-Wettgeschäft im Land abwickeln würde.
Nach dem aktuellen Konzept müsste dieser Betreiber monatlich mindestens 30 Prozent seiner Erlöse nach Auszahlung der Gewinne direkt an den Staat abführen. Nach Schätzungen des Finanzministeriums könnte dieses Modell jährlich rund 1,3 Milliarden Euro zusätzliche Einnahmen für den Staatshaushalt generieren.
Warum ein Ein-Betreiber-Modell?
Innerhalb der Regierung gilt das Monopolmodell als Mittelweg: Einerseits soll es die weitverbreitete illegale Online-Wettaktivität in geregelte Bahnen lenken, andererseits verspricht es kalkulierbare und stabile Steuereinnahmen. Ein offenes Lizenzsystem, wie es in vielen europäischen Ländern existiert, ist derzeit offenbar nicht vorgesehen.
Ein riesiger Schwarzmarkt trotz jahrelangem Verbot
Legales Glücksspiel beschränkt auf wenige Zonen
Derzeit ist Glücksspiel in Russland ausschließlich in stationärer Form erlaubt – und auch das nur in ausgewählten Regionen. Das Finanzministerium schätzt, dass diese landbasierten Casinos jährlich etwa 22,4 Milliarden Euro umsetzen. Zu den bekanntesten Standorten zählt Primorje nahe Wladiwostok.
Illegales Online-Geschäft deutlich größer
Demgegenüber steht ein enormer illegaler Online-Markt. Nach Medienberichten beläuft sich der jährliche Umsatz nicht lizenzierter Online-Plattformen auf rund 39,5 Milliarden Euro. Etwa 100 illegale Anbieter sollen trotz staatlicher Sperrmaßnahmen weiterhin aktiv sein.
Diese Diskrepanz gilt als eines der zentralen Argumente für eine mögliche Legalisierung. Befürworter sehen darin die Chance, einen bereits existierenden Markt unter staatliche Kontrolle zu bringen.
Spielerschutz versus soziale Risiken
Argumente der Befürworter
Befürworter einer Regulierung argumentieren, dass ein legales Online-Angebot erstmals verbindliche Spielerschutzmaßnahmen ermöglichen würde. Dazu zählen Einsatzlimits, Identitätsprüfungen sowie Instrumente zur Prävention von Spielsucht.
Kritik aus Zivilgesellschaft und Fachverbänden
Kritiker warnen jedoch davor, dass eine Legalisierung die gesellschaftlichen Risiken erhöhen könnte. Insbesondere Menschen mit geringem Einkommen oder ältere Bevölkerungsgruppen könnten stärker gefährdet sein.
Vertreter von Spielerschutzorganisationen betonen, dass Legalisierung zwar ein Instrument gegen den Schwarzmarkt sei, ohne konsequente staatliche Kontrolle jedoch auch gegenteilige Effekte haben könne.
Finanzielle Hintergründe und geopolitischer Kontext
Steigender Druck auf den Staatshaushalt
Die Diskussion findet vor dem Hintergrund stark steigender Staatsausgaben statt. Der Krieg in der Ukraine tritt in sein viertes Jahr ein und belastet den russischen Haushalt erheblich.
Schätzungen zufolge belaufen sich die bisherigen Kosten des Konflikts auf mehr als 550 Milliarden Euro. Diese Summe übersteigt die jährlichen Ausgaben für zentrale staatliche Bereiche wie Bildung oder Gesundheitswesen deutlich.
Keine Änderungen beim landbasierten Glücksspiel
Trotz der Überlegungen zum Online-Markt wurden bislang keine Änderungen an der bestehenden Regulierung für stationäre Casinos angekündigt. Das landbasierte Glücksspiel soll weiterhin auf wenige Zonen beschränkt bleiben.
Ein möglicher Wendepunkt für die russische Glücksspielpolitik
Sollte Russland den Schritt zur Legalisierung tatsächlich vollziehen, wäre dies ein historischer Bruch mit der bisherigen Linie. Erstmals seit dem Verbot im Jahr 2009 würde Online-Glücksspiel wieder erlaubt – allerdings vollständig unter zentraler staatlicher Aufsicht.
Ob dieses Modell den illegalen Markt effektiv eindämmen kann oder neue Risiken schafft, bleibt offen. Klar ist jedoch, dass die Debatte einen tiefgreifenden Wandel in der russischen Glücksspielpolitik markiert.
FAQ – Reguliertes Online-Glücksspiel in Russland
Warum diskutiert Russland eine Legalisierung von Online-Glücksspiel?
Russland prüft eine Legalisierung, um den umfangreichen illegalen Online-Markt unter staatliche Kontrolle zu bringen und zusätzliche, planbare Einnahmen für den Staatshaushalt zu erzielen.
Wie soll das geplante Online-Glücksspielmodell aussehen?
Nach dem aktuellen Vorschlag soll es keinen offenen Lizenzmarkt geben. Stattdessen ist ein einzelner, staatlich autorisierter Betreiber vorgesehen, der das gesamte legale Online-Glücksspiel im Land abwickelt.
Welche Einnahmen erwartet der russische Staat?
Das Finanzministerium geht davon aus, dass der Betreiber mindestens 30 Prozent seiner Erlöse nach Auszahlung der Gewinne an den Staat abführt. Dadurch könnten jährlich rund 1,3 Milliarden Euro in den Staatshaushalt fließen.
Ist Online-Glücksspiel derzeit in Russland erlaubt?
Nein. Online-Glücksspiel ist seit 2009 verboten. Erlaubt sind ausschließlich stationäre Casinos in ausgewählten, staatlich festgelegten Glücksspielzonen.
Wie groß ist der illegale Online-Glücksspielmarkt?
Schätzungen zufolge erreicht der illegale Online-Markt ein jährliches Umsatzvolumen von rund 39,5 Milliarden Euro und ist damit deutlich größer als der legale, landbasierte Glücksspielsektor.
Welche Argumente sprechen für eine Regulierung?
Befürworter sehen Vorteile in besserem Spielerschutz, klaren Kontrollmechanismen, der Eindämmung illegaler Anbieter sowie in stabilen Steuereinnahmen für den Staat.
Welche Kritik gibt es an den Plänen?
Kritiker warnen, dass eine Legalisierung die soziale Belastung erhöhen könnte, insbesondere für einkommensschwache oder ältere Bevölkerungsgruppen, falls die staatliche Kontrolle nicht ausreichend streng ausfällt.
Hat die Diskussion Auswirkungen auf landbasierte Casinos?
Derzeit sind keine Änderungen an der bestehenden Regulierung für stationäre Casinos geplant. Diese sollen weiterhin nur in wenigen ausgewählten Regionen betrieben werden dürfen.
