Prediction Markets vor Regulierung? Weltlotterie-Verband warnt vor Risiken für Sportwetten, Spielerschutz und Fairness im Markt
Prediction Markets wachsen rasant – nun fordert die Glücksspielbranche klare Regeln
Die Diskussion um sogenannte Prediction Markets nimmt weltweit an Fahrt auf. Während Befürworter diese Plattformen als innovative Finanzprodukte betrachten, sehen zahlreiche Vertreter der Glücksspielbranche darin etwas völlig anderes: Sportwetten und Ereigniswetten in neuem Gewand. Genau diese Position vertritt nun auch die World Lottery Association (WLA), die in einem ausführlichen Positionspapier vor den Risiken eines weitgehend unregulierten Marktes warnt.
Nach Ansicht der Organisation verschwimmen die Grenzen zwischen Finanzprodukten und klassischen Wettangeboten immer stärker. Das Problem dabei: Viele Prediction-Market-Plattformen unterliegen nicht denselben Vorschriften, die für lizenzierte Wettanbieter oder staatliche Lotteriegesellschaften gelten. Dadurch entstehe ein Ungleichgewicht, das nicht nur die Branche, sondern auch Verbraucher und den Sport selbst betreffen könne.
Milliardenmarkt mit enormem Wachstum
Die Zahlen verdeutlichen, warum das Thema inzwischen auf der Agenda vieler Regulierungsbehörden steht. Laut den von der WLA zitierten Marktdaten lag das monatliche Transaktionsvolumen von Prediction Markets Anfang 2024 noch bei weniger als 100 Millionen Euro.
Innerhalb von weniger als zwei Jahren explodierte dieser Wert jedoch regelrecht. Ende 2025 wurden bereits mehr als 12 Milliarden Euro pro Monat umgesetzt. Im Januar 2026 erreichte der Markt sogar ein Volumen von rund 24 Milliarden Euro.
Diese Entwicklung zeigt, wie stark das Interesse der Nutzer an solchen Plattformen gestiegen ist. Branchenanalysten gehen inzwischen davon aus, dass der globale Markt bis zum Jahr 2030 die Marke von 930 Milliarden Euro überschreiten könnte.
Besonders bemerkenswert ist dabei, dass etwa 90 Prozent aller derzeitigen Aktivitäten auf Sportereignisse und andere Event-basierte Märkte entfallen. Genau dieser Umstand sorgt bei der WLA für große Sorgen.
Wetten werden zu „Kontrakten“ – doch bleibt das Ergebnis dasselbe?
Prediction-Market-Anbieter bezeichnen ihre Produkte häufig nicht als Wetten. Stattdessen sprechen sie von Verträgen, Positionen oder Handelsinstrumenten. Nutzer werden nicht als Spieler bezeichnet, sondern als Händler oder Investoren.
Für die WLA handelt es sich dabei jedoch vor allem um eine sprachliche Umverpackung. Der Kern des Produkts bleibe unverändert: Menschen setzen Geld auf ein zukünftiges Ereignis und erzielen einen Gewinn oder Verlust abhängig vom Ausgang dieses Ereignisses.
Ob es sich dabei um ein Fußballspiel, eine Wahl, einen politischen Beschluss oder wirtschaftliche Entwicklungen handelt, spielt für die Organisation keine entscheidende Rolle. Der finanzielle Anreiz basiert weiterhin auf Unsicherheit und dem Eintritt eines bestimmten Ergebnisses.
Deshalb fordert die WLA, dass Regulierungsbehörden nicht die Bezeichnung eines Produkts bewerten, sondern dessen tatsächliche Funktion.
Die Forderung nach einem funktionalen Regulierungsansatz
Im Mittelpunkt des Positionspapiers steht die Forderung nach einem sogenannten „funktionalen Regulierungsmodell“. Vereinfacht bedeutet dies: Wenn ein Produkt wirtschaftlich wie eine Wette funktioniert, sollte es auch wie eine Wette reguliert werden.
Die WLA argumentiert, dass die rechtliche Einstufung nicht davon abhängen dürfe, ob ein Anbieter von „Trades“, „Kontrakten“ oder „Märkten“ spricht. Entscheidend sei vielmehr die Frage, ob ein Nutzer Geld riskiert, um von einem bestimmten Ereignis finanziell zu profitieren.
Genau deshalb fordert der Verband eine einheitliche Betrachtungsweise durch Glücksspiel- und Finanzaufsichtsbehörden.
Spielerschutz darf nicht umgangen werden
Ein weiterer wichtiger Aspekt betrifft den Schutz der Verbraucher. Klassische Wettanbieter müssen in vielen Ländern umfangreiche Vorschriften erfüllen. Dazu gehören Identitätsprüfungen, Alterskontrollen, Maßnahmen gegen Spielsucht, Einzahlungslimits sowie Programme zur Selbstsperre gefährdeter Spieler.
Nach Auffassung der WLA fehlen viele dieser Schutzmechanismen bei zahlreichen Prediction-Market-Plattformen oder werden nur eingeschränkt umgesetzt.
Dadurch könnten insbesondere junge Nutzer oder gefährdete Personengruppen leichter Zugang zu risikoreichen Angeboten erhalten. Die Organisation warnt davor, dass sich hier dieselben Probleme entwickeln könnten, die Regulierungsbehörden im klassischen Online-Glücksspiel bereits seit Jahren bekämpfen.
Gefahr für die Integrität des Sports
Besonders deutlich fällt die Kritik im Bereich Sportwetten aus. Gemeinsam mit United Lotteries for Integrity in Sports weist die WLA darauf hin, dass unregulierte Märkte neue Möglichkeiten für Spielmanipulationen schaffen könnten.
Lizenzierte Wettanbieter sind verpflichtet, verdächtige Wettmuster zu überwachen und entsprechende Meldungen an Behörden oder Sportorganisationen weiterzugeben. Prediction Markets verfügen oftmals nicht über vergleichbare Systeme.
Dadurch könnten auffällige Aktivitäten unentdeckt bleiben. Nach Ansicht der WLA steigt damit das Risiko, dass manipulierte Sportereignisse für finanzielle Gewinne ausgenutzt werden.
Insbesondere bei kleineren Wettbewerben oder weniger beachteten Sportarten könnten solche Risiken erheblich sein.
Geldwäsche und Insiderinformationen als weitere Risiken
Die WLA verweist zudem auf mögliche Schwachstellen bei der Bekämpfung von Geldwäsche und Insiderhandel. Während regulierte Glücksspielunternehmen umfangreiche Kontrollen durchführen müssen, sei dies bei Prediction Markets nicht immer der Fall.
Besonders kritisch wird es dort, wo Nutzer Zugang zu vertraulichen Informationen besitzen und diese für eigene finanzielle Vorteile nutzen könnten.
Der Verband fordert deshalb dieselben Standards bei Geldwäscheprävention, Transaktionsüberwachung und Verdachtsmeldungen, die bereits im regulierten Glücksspielmarkt etabliert sind.
Ungleiche Wettbewerbsbedingungen
Neben den regulatorischen Risiken sieht die WLA auch wirtschaftliche Probleme. Staatliche Lotteriegesellschaften und lizenzierte Wettanbieter tragen hohe Kosten für Steuern, Lizenzgebühren, Spielerschutzprogramme und gesellschaftliche Projekte.
Prediction-Market-Plattformen könnten hingegen teilweise dieselben Kunden ansprechen, ohne vergleichbare Verpflichtungen erfüllen zu müssen.
Aus Sicht der WLA entsteht dadurch ein ungleicher Wettbewerb, der langfristig erhebliche Auswirkungen auf die gesamte Glücksspielbranche haben könnte.
Die Organisation befürchtet, dass regulierte Anbieter Marktanteile verlieren, während neue Plattformen von geringeren regulatorischen Anforderungen profitieren.
Regulierungsbehörden stehen vor einer wichtigen Entscheidung
Die kommenden Jahre dürften entscheidend dafür sein, wie sich Prediction Markets entwickeln. Der Markt wächst schneller als viele Experten erwartet hatten und zieht zunehmend Aufmerksamkeit von Investoren, Medien und Politik auf sich.
Die WLA fordert Regierungen, Glücksspielaufsichten, Finanzmarktbehörden und Sportorganisationen dazu auf, frühzeitig klare Regeln zu schaffen. Je länger die Regulierung hinausgezögert werde, desto schwieriger könnte eine spätere Kontrolle des Marktes werden.
Für die Organisation steht fest: Prediction Markets mögen technisch innovativ sein, doch sobald finanzielle Gewinne direkt vom Ausgang eines Ereignisses abhängen, sollten dieselben Schutzmaßnahmen gelten wie im klassischen Wettgeschäft.
FAQ
Was sind Prediction Markets?
Prediction Markets sind Plattformen, auf denen Nutzer auf zukünftige Ereignisse setzen oder entsprechende Kontrakte handeln können.
Warum kritisiert die WLA diese Plattformen?
Die WLA sieht viele Prediction Markets als faktische Wettangebote, die jedoch nicht denselben Regulierungen unterliegen wie klassische Sportwettenanbieter.
Wie groß ist der Markt mittlerweile?
Das monatliche Handelsvolumen liegt inzwischen bei rund 24 Milliarden Euro und wächst weiterhin stark.
Welche Risiken werden genannt?
Die WLA verweist auf Risiken bei Spielerschutz, Geldwäsche, Insiderhandel, Spielmanipulationen und ungleichen Wettbewerbsbedingungen.
Fordert die WLA ein Verbot von Prediction Markets?
Nein. Die Organisation fordert vielmehr eine Regulierung nach denselben Standards, die bereits für lizenzierte Wettanbieter gelten.
Warum ist das Thema für die Glücksspielbranche wichtig?
Prediction Markets konkurrieren zunehmend mit klassischen Sportwetten und könnten die Marktstruktur der Branche langfristig verändern.
