Bally’s Intralot übernimmt Evoke: William Hill und 888 vor milliardenschwerer Glücksspiel-Fusion in Europa
Bally’s Intralot will Evoke übernehmen – William Hill und 888 vor neuem Eigentümer
Die Glücksspielbranche steht vor einer weiteren bedeutenden Konsolidierung. Bally’s Intralot hat eine Vereinbarung zur Übernahme von Evoke getroffen, dem Mutterkonzern der bekannten Marken William Hill und 888. Die Transaktion erfolgt als Aktientausch und bewertet Evoke mit rund 283 Millionen Euro.
Die geplante Fusion könnte eine der größten Übernahmen im europäischen Glücksspielsektor der kommenden Jahre werden und ist gleichzeitig eine direkte Reaktion auf die sich verschärfenden regulatorischen Rahmenbedingungen im Vereinigten Königreich.
Aktionäre erhalten neue Anteile an Bally’s Intralot
Im Rahmen der Vereinbarung erhalten Evoke-Aktionäre für jede gehaltene Aktie 0,537 neue Aktien von Bally’s Intralot. Zusätzlich wird eine begrenzte Barzahlungsoption angeboten.
Das Angebot bewertet jede Evoke-Aktie mit umgerechnet etwa 0,61 Euro. Gegenüber dem durchschnittlichen Kursniveau der vergangenen Monate entspricht dies einem deutlichen Aufschlag von rund 77 Prozent.
Auch im Vergleich zum Aktienkurs vor Bekanntgabe der strategischen Überprüfung Ende 2025 liegt die Bewertung mehr als doppelt so hoch.
Der Verwaltungsrat von Evoke hat bereits angekündigt, die Transaktion einstimmig unterstützen zu wollen.
Abschluss der Fusion frühestens 2026
Vorbehaltlich der Zustimmung von Aktionären und Aufsichtsbehörden rechnen beide Unternehmen mit einem Abschluss der Übernahme im vierten Quartal 2026 oder Anfang 2027.
Sollten die meisten Investoren die Aktientauschvariante wählen, würden die bisherigen Evoke-Aktionäre künftig etwa 11,5 Prozent am neuen Gesamtkonzern halten.
Hohe Schuldenlast setzte Evoke unter Druck
Die Übernahme kommt nicht überraschend. Bereits Ende 2025 hatte Evoke mehrere internationale Investmentbanken beauftragt, strategische Alternativen zu prüfen.
Hintergrund war die angespannte finanzielle Situation des Unternehmens. Zum Ende des Geschäftsjahres 2025 belief sich die Nettoverschuldung auf rund 2,1 Milliarden Euro. Gleichzeitig lag die Börsenbewertung des Konzerns nur noch bei knapp über 210 Millionen Euro.
Diese Diskrepanz sorgte zunehmend für Druck auf das Management und die Investoren.
Britische Steuererhöhungen verändern den Markt
Eine entscheidende Rolle bei den aktuellen Entwicklungen spielen die neuen Glücksspielsteuern im Vereinigten Königreich.
Im April wurde die Steuer auf Online-Casinospiele von 21 auf 40 Prozent erhöht. Darüber hinaus soll die Besteuerung von Online-Sportwetten ab April 2027 von 15 auf 25 Prozent steigen. Eine Ausnahme gilt lediglich für Pferderennen.
Die Unternehmen sprechen von einem grundlegenden Wandel der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Die neuen Steuersätze dürften erhebliche Auswirkungen auf die Profitabilität vieler Anbieter haben.
Branchenbeobachter erwarten deshalb weitere Zusammenschlüsse und Übernahmen in den kommenden Jahren.
William Hill kämpft mit steigenden Kosten
Besonders stark betroffen ist William Hill. Die traditionsreiche Marke gehört seit mehreren Jahren zu Evoke und betreibt weiterhin ein großes Netz stationärer Wettshops in Großbritannien.
Vor wenigen Wochen kündigte das Unternehmen die Schließung von rund 200 Wettfilialen an. Als Hauptgründe wurden steigende Kosten und die verschärfte Steuerbelastung genannt.
Nach Schätzungen des Managements könnten die neuen Regelungen zusätzliche jährliche Belastungen von bis zu 181 Millionen Euro verursachen.
Diese Entwicklung belastete nicht nur die Gewinne, sondern auch den Aktienkurs erheblich.
Aktie verlor seit William-Hill-Übernahme massiv an Wert
Seit der milliardenschweren Übernahme des William-Hill-Filialgeschäfts vor vier Jahren hat Evoke einen Großteil seines Börsenwertes eingebüßt.
Der Aktienkurs verlor in diesem Zeitraum rund 90 Prozent seines Wertes.
Viele Investoren zweifelten zunehmend daran, ob das Unternehmen seine hohe Schuldenlast langfristig bewältigen kann.
Die nun geplante Fusion mit Bally’s Intralot soll neue finanzielle Stabilität schaffen und gleichzeitig Synergien innerhalb des Konzerns ermöglichen.
Neuer Glücksspielriese mit globaler Reichweite
Nach Angaben von Bally’s Intralot würde die kombinierte Unternehmensgruppe künftig in sechs Kernmärkten aktiv sein und einen adressierbaren Gesamtmarkt von mehr als 48 Milliarden Euro bedienen.
Im britischen Online-Casino-Segment würde der neue Konzern zu den größten Anbietern des Landes gehören. Auch im Bereich der Online-Sportwetten würde das Unternehmen eine bedeutende Marktposition einnehmen.
Die Verantwortlichen sehen insbesondere im Vereinigten Königreich weiterhin großes Wachstumspotenzial, trotz der strengeren Regulierung.
Familie Shaked unterstützt die Fusion
Unterstützung erhält die Transaktion auch von der bekannten Familie Shaked.
Die Unternehmerfamilie gehörte zu den Mitgründern von 888 im Jahr 1997 und ist bis heute größter Einzelaktionär von Evoke. Mit einem Anteil von rund 19 Prozent besitzt sie erheblichen Einfluss auf wichtige Unternehmensentscheidungen.
Die Zustimmung der Familie gilt daher als wichtiges Signal für den weiteren Verlauf der Übernahme.
Schulden bleiben ein wichtiger Risikofaktor
Trotz der positiven Reaktionen auf die geplante Fusion gibt es weiterhin kritische Stimmen.
Vor allem die hohe Verschuldung beider Unternehmen sorgt bei Analysten für Diskussionen. Gemeinsam bringt der neue Konzern Verbindlichkeiten in Milliardenhöhe mit.
Bally’s Intralot-Chef Robeson Reeves betonte jedoch, dass aktuell keine größeren Vermögenswerte verkauft werden sollen. Lediglich bei außergewöhnlich attraktiven Angeboten würde man mögliche Verkäufe prüfen.
Das Hauptziel bleibe weiterhin, das kombinierte Unternehmen langfristig zu stärken und die Marktposition auszubauen.
FAQ
Wer ist Evoke?
Evoke ist der Eigentümer der bekannten Glücksspielmarken William Hill und 888.
Wie hoch ist der Wert der Übernahme?
Die Transaktion bewertet Evoke mit rund 283 Millionen Euro.
Warum kommt es zur Fusion?
Vor allem die verschärften Steuerregelungen im Vereinigten Königreich und die hohe Verschuldung von Evoke gelten als Hauptgründe.
Wann soll die Übernahme abgeschlossen werden?
Der Abschluss wird für Ende 2026 oder Anfang 2027 erwartet.
Welche Rolle spielt William Hill?
William Hill gehört zu Evoke und ist einer der bekanntesten Sportwettenanbieter Großbritanniens.
Werden Vermögenswerte verkauft?
Derzeit gibt es laut Unternehmensführung keine konkreten Pläne für größere Verkäufe von Unternehmensteilen.
