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Bluffen ist in Texas Holdem eine Kunst – Pokerstrategien für fortgeschrittene

Bluffen ist ein wichtiger Aspekt des Texas Hold’em, und es ist unwahrscheinlich, dass Sie regelmäßig gewinnen, wenn Sie nicht erfolgreich bluffen können. Aber Sie müssen lernen, es zum richtigen Zeitpunkt zu tun, sonst kommt man Ihnen drauf, und Sie verlieren einen Haufen Chips – und dazu noch Ihr Image am Tisch.

Wir unterscheiden zwei Arten von Bluffs: Einen totalen Bluff, bei dem Sie absolut nichts auf der Hand haben, aber so tun, als hätten Sie wer weiß was, um die anderen abzuschrecken, und den Semi-Bluff, bei dem Ihre Hand keine allzu großen Aussichten hat zu gewinnen. Repräsentieren nennt man die Strategie, so zu tun, als hätte man Karten, die man gar nicht hat. Das kann man auf verschiedene Arten tun, auf die ich gleich näher eingehen werde. Aber zuerst ist es ganz wichtig, dass ich Ihnen erkläre, warum Sie niemals einen totalen Bluff mit einem Spieler vom Typ Calling Station versuchen sollten.

Wir haben schon gesehen, dass diese Art Spieler mit Freuden ihre Chips in die Mitte schieben, egal, was Sie haben, daher wird eine gebluffte Erhöhung sie auch nicht ab- schrecken. Sie werden vielmehr mitgehen, und wenn sie nun ein niedriges oder mittleres Paar haben, stehen Sie schlecht da. Vielleicht bekommt der Spieler sogar noch ein Top Pair und geht mit, und Ihnen wird gar nicht bewusst, was für eine gute Hand Ihr Gegenüber hat. Vermeiden Sie es also unbedingt, Calling Stations zu bluffen. Mit dem Rock können Sie es versuchen. Er wird bei Ihrem Bluff nicht mitgehen, außer er sieht sich in der Lage, die Runde zu gewinnen. Wenn er allerdings mitgeht, seien Sie nach Turn und River vorsichtig mit weiteren Bluffs, denn die Wahrscheinlichkeit, dass Sie geschlagen werden könnten, ist zu groß. Wenn Sie den Bluff wirklich noch weitertreiben wollen, dann atmen Sie am besten tief durch und gehen gleich All-In, damit alle glauben, Sie hätten eine Monsterhand. Natürlich laufen Sie auch hierbei Gefahr, dass jemand mitgeht und Sie gnadenlos rausfliegen.

Wenn Sie einen Pot mit einem totalen Bluff gewinnen, lassen Sie sich nicht dazu hinreißen, Ihre Karten zu zeigen, wenn Sie es nicht unbedingt müssen. Sie mögen sich ja freuen, wie pfiffig Sie das gemacht haben, aber spielen Sie buchstäblich lieber mit verdeckten Karten, damit die anderen Spieler über Ihre Spielweise und Ihre Fähigkeiten beim Bluffen weiterhin im Unklaren bleiben. Wenn Sie sehr lange an einem Tisch spielen, können Sie Ihre Karten vielleicht einmal zeigen, aber nicht öfter, auf diese Art wird keiner schlau aus Ihnen werden.

Ich möchte Ihnen ein Beispiel für einen totalen Bluff zeigen, den ich einmal beim European Poker Tour Grand Final in Monte Carlo gegen den Millionär und das Internetpoker- Genie Erik Sagstrom durchgezogen habe. Ich saß im Big Blind, drei Spieler waren mitgegangen, und ich checkte
mit folgenden Karten:
10♣ 6♦

Eine furchtbare Hand, aber ich kam einfach zu dem Schluss, dass hier niemand, Erik eingeschlossen, eine besonders tolle Starthand haben konnte. Eine gute Gelegenheit also, um den Pot zu stehlen, also erhöhte ich ums Vierfache. Erik ging als Einziger mit, was mich nicht sonderlich überraschte, und
auf dem Flop kam: A♦ J♣ 4♥

Ich hatte überhaupt nichts, aber das wusste Erik ja nicht. Also setzte ich meinen Bluff fort und tat so, als hätte ich ein Ass. Wenn er ein Ass hatte, musste ich annehmen, dass er nur einen schlechten Kicker hatte, sonst hätte er ja schon vor dem Flop erhöht. Also erhöhte ich um den Betrag im Pot. Wenn Erik kein Ass hatte oder vielleicht einen Buben, konnte er schlecht mitgehen, und prompt gab er dann auch auf und überließ mir einen netten kleinen Pot. Aber wenn er nochmals erhöht hätte, hätte ich aufgeben müssen, selbst wenn er mit mir nur dasselbe Spiel gespielt hätte wie ich mit ihm, also den Bluffer geblufft hätte.

Wenn Erik in diesem Beispiel bei meiner Erhöhung nach dem Flop mitgegangen wäre, dann wäre ich beim Turn vor der Entscheidung gestanden, entweder noch einmal ordentlich zu wetten oder zu schieben. Wenn ich auf dem Turn noch einmal gewettet hätte, hätte ich den Pot immer noch gewinnen können, aber wenn er im Spiel geblieben wäre, dann hätte ich auf dem River noch passen müssen, denn es wäre zu offensichtlich gewesen, dass er doch irgendwas Gutes auf der Hand haben musste.

Eine andere Art des Bluffs wäre, zuerst zu spielen wie ein Rock, bis Sie davon ausgehen können, dass die anderen Spieler von Ihnen nur eine Erhöhung erwarten, wenn Sie eine wirklich gute Hand haben. Ab und zu können Sie dezent erhöhen, wenn Sie in hinterer Position sitzen, auch wenn Ihre Hand nur so lala ist. Dann genießen Sie am Tisch irgendwann solchen Respekt, dass die anderen wahrscheinlich gleich aufgeben, wenn sie nichts richtig Gutes auf der Hand haben, und so können Sie in regelmäßigen Abständen die Blinds einkassieren. Aber machen Sie das nicht immer so – irgendwann erkennen die anderen das Muster und kommen Ihnen auf die Schliche!

Wenn ein Lion am Tisch sitzt, wäre ich vorsichtig mit einem Bluff, denn wenn er auch nur eine ansatzweise gute Hand hat, wird er aggressiv Zurückschlagen. Denken Sie immer daran: Spielen Sie nur dann gegen den Lion, wenn Sie sicher sind, dass Sie mit Ihrer Hand überlegen sind.
Der Semi-Bluff ist eine viel gebräuchlichere Taktik, die Ihnen oft Unterkommen wird. In den meisten Fällen dann, wenn ein Spieler damit rechnet, dass er den Pot mit einer Wette gleich einsacken kann, wenn er so tut, als hätte er eine etwas bessere Hand. Sie können so etwas mit einem zweiten Paar machen, wenn Sie anfangs ein Paar hatten und eine Over-Card auf dem Tisch liegt oder wenn Sie einen guten Straight oder Flush Draw haben.

Angenommen, Sie haben:8♠ 8♦
Und auf dem Flop kommt: 9♥ 5♠ 4♦
Oder Sie haben K♥ Q♦
Und auf dem Flop kommt: A♣ Q♠ 7♥
Oder Sie haben: A♣ 10♣
Und auf dem Flop kommt: J♣ 7♣ 2♦
Oder Sie haben: 10♣ J♠
Und auf dem Flop kommt: 2♦ 8♥ 9♥

Bei einem Semi-Bluff müssen Sie sich immer vor Augen halten, dass immer noch ein Spieler mitgehen kann, auch wenn Sie versuchen, den Pot jetzt und hier mitzunehmen. Und das ist umso wahrscheinlicher, wenn Sie einen solchen Bluff in vorderer Position versuchen. Das ist ja schön und gut, wenn Sie dann auf dem Flop tatsächlich Ihre Outs bekommen, aber denken Sie kurz darüber nach, warum dieser andere Spieler mitgeht. Wenn da irgendwo ein Flush Draw ist und Sie so tun, als würden Sie gleich Ihre Straße komplettieren, dann könnte die Karte, die Ihre Straße komplettiert, auch den Flush Ihres Gegners komplettieren. Jedes Mal, wenn wieder eine neue Karte aufgelegt wird, wenden Sie die schlichte Regel an, die ich Ihnen zu Anfang erklärt habe: Was haben Sie jetzt und was glauben Sie, was Ihr Gegner jetzt hat?

Kurz gesagt: Bluffen ist lebenswichtig, um einen Vorrat an Chips aufzubauen, indem Sie immer mal wieder Pots einstreichen, die Sie eigentlich gar nicht verdient haben.

PokerStars-Tipps
Joe Nahem, WSOP-Champion 2005, PokerStars-Team:
Viele Amateure machen den Fehler, zu viel zu bluffen oder ohne Outs zu bluffen. In letzterem Fall sollten Sie auf keinen Fall Ihr Geld aufs Spiel setzen, es sei denn, Sie sind sicher, dass Ihr Gegenüber dem Druck Ihres Bluffs nicht gewachsen ist.

Aber überspannen Sie den Bogen nicht, indem Sie es an der falschen Stelle oder mit den falschen Spielern probieren, und denken Sie immer daran, dass jemand, der mitgeht, über die Gemeinschaftskarten seine Hand ganz gewaltig ausbauen kann, während Sie nach wie vor nichts haben.

Und lassen Sie sich nicht in Versuchung führen, ohne eine anständige Hand immer weiter mitzugehen, nur weil Sie annehmen, Ihr Gegenspieler bluffe.