10 Clubs mit nicht lizenzierten Wettanbietern in Premier League

Premier League: Hälfte der Clubs arbeitet mit nicht in Großbritannien lizenzierten Wettanbietern

Die Verbindungen zwischen der Premier League und der Glücksspielbranche sorgen erneut für Diskussionen in Großbritannien. Mittlerweile unterhalten zehn der 20 Vereine der höchsten englischen Fußballliga Sponsoring- oder Werbepartnerschaften mit Glücksspielunternehmen, die über keine britische Lizenz verfügen. Damit könnte eine wichtige Einnahmequelle der Clubs durch geplante neue Vorschriften der Regierung gefährdet werden. Die Zahl dieser Partnerschaften ist innerhalb weniger Monate deutlich gestiegen. Noch vor dem Sommer arbeiteten sechs Premier-League-Clubs mit entsprechenden Anbietern zusammen, inzwischen sind es zehn. Die Entwicklung fällt ausgerechnet in die erste Saison, in der die Vereine freiwillig auf Glücksspielunternehmen als Hauptsponsoren auf der Vorderseite ihrer Trikots verzichten.

Britische Regierung prüft Verbot von Glücksspiel-Sponsoring

Die britische Regierung beschäftigt sich derzeit mit einem möglichen Verbot von Sponsoring durch Glücksspielanbieter ohne Lizenz für den britischen Markt. Eine achtwöchige Konsultation zu den geplanten Änderungen wurde inzwischen abgeschlossen. Eine entsprechende Regelung könnte bereits im kommenden Jahr eingeführt werden. Für die Premier-League-Clubs steht finanziell einiges auf dem Spiel. Sponsoring und Werbung aus der Glücksspielbranche bringen den Vereinen weiterhin hohe Einnahmen. Ein Verbot könnte bestehende Geschäftsmodelle erheblich verändern und die Clubs dazu zwingen, neue Sponsoren aus anderen Branchen zu suchen.

Die Premier League soll sich deshalb gegen ein umfassendes Verbot einsetzen. Ein wichtiges Argument der Liga ist, dass viele der betroffenen Wett- und Casinoanbieter hauptsächlich Kunden in Asien und anderen internationalen Märkten ansprechen und ihre Angebote offiziell nicht für britische Spieler bestimmt sind.

VPN-Nutzung sorgt für Kritik

Genau dieser Punkt wird von Kritikern allerdings infrage gestellt. Auch wenn bestimmte Plattformen offiziell nicht auf Großbritannien ausgerichtet sind, können Nutzer teilweise über VPN-Dienste auf entsprechende Angebote zugreifen, Konten eröffnen und Wetten platzieren. Die Diskussion betrifft deshalb nicht nur Fußball-Sponsoring, sondern auch die grundsätzliche Frage, wie effektiv der regulierte britische Glücksspielmarkt gegenüber internationalen Plattformen abgeschirmt werden kann. Nach Zahlen der Campaign for Fairer Gambling erzielten nicht lizenzierte Betreiber im ersten Halbjahr 2025 rund 379 Mio.€ Umsatz mit britischen Nutzern. Dies soll etwa 9% des britischen Online-Glücksspielmarktes ausgemacht haben. 2022 soll der entsprechende Anteil noch bei rund 2% gelegen haben.

Lizenzierte Wettanbieter kritisieren Premier-League-Partnerschaften

Auch innerhalb der Glücksspielbranche wächst der Konflikt. Regulierte Anbieter wie Ladbrokes und William Hill stehen den Partnerschaften zwischen Fußballvereinen und international tätigen Unternehmen ohne britische Lizenz kritisch gegenüber. Entain, zu dessen Marken Ladbrokes gehört, hat sich laut Berichten an alle zehn Premier-League-Clubs gewandt, die entsprechende Geschäftsbeziehungen unterhalten.

Das Unternehmen argumentiert, dass nicht lizenzierte Anbieter nicht denselben britischen Spielerschutzvorgaben unterliegen wie Unternehmen mit einer Zulassung. Dazu gehören unter anderem bestimmte Maßnahmen zur Selbstsperre, Einzahlungslimits und weitere Instrumente zum Schutz gefährdeter Spieler.

Everton und Stake im Mittelpunkt der Diskussion

Besonders viel Aufmerksamkeit erhält die Partnerschaft zwischen Everton und Stake. Der Premier-League-Club hatte zuletzt einen neuen Vertrag über drei Jahre abgeschlossen, durch den Stake als Ärmelsponsor auftritt. Entain kritisierte diese Zusammenarbeit ausdrücklich. Das Unternehmen sieht einen grundsätzlichen Widerspruch zwischen den strengeren Anforderungen an lizenzierte britische Wettanbieter und der Möglichkeit für Fußballvereine, gleichzeitig Werbeverträge mit international tätigen Glücksspielplattformen ohne britische Lizenz abzuschließen. Auch Fulham arbeitet weiterhin mit einem Glücksspielunternehmen zusammen. Die frühere Partnerschaft mit SBOTOP auf der Vorderseite des Trikots wurde auf die Trainingsbekleidung verlagert. Andere Vereine nutzen Glücksspielpartnerschaften unter anderem für Bandenwerbung im Stadion oder weitere Branding-Möglichkeiten.

8XBet arbeitet mit mehreren englischen Clubs zusammen

Ein weiteres Beispiel ist 8XBet. Das Unternehmen verfügt über eine Lizenz auf Curaçao und unterhält Partnerschaften mit mehreren englischen Fußballvereinen. Genannt werden unter anderem Chelsea, Newcastle United und Aston Villa sowie Clubs außerhalb der Premier League. Damit zeigt sich, dass internationale Glücksspielunternehmen ihre Präsenz im englischen Fußball längst nicht ausschließlich über klassische Trikotsponsoring-Verträge aufbauen. Digitale Werbung, Stadionflächen, Trainingsbekleidung und weitere Marketingrechte gewinnen zunehmend an Bedeutung.

Premier League verzichtet auf Wettanbieter als Haupt-Trikotsponsoren

Seit dieser Saison gilt in der Premier League eine freiwillige Beschränkung für Glücksspielwerbung auf der Vorderseite der Spieltrikots. Die Vereine hatten sich bereits zuvor darauf verständigt, Wettanbieter dort nicht mehr als Hauptsponsoren zu präsentieren. Das bedeutet allerdings kein vollständiges Ende des Glücksspiel-Sponsorings. Ärmelwerbung, Trainingskleidung, Bandenwerbung und verschiedene digitale Partnerschaften bleiben grundsätzlich wichtige Vermarktungsmöglichkeiten. Genau diese Alternativen könnten nun ebenfalls stärker unter regulatorischen Druck geraten, sofern die britische Regierung Partnerschaften mit nicht in Großbritannien lizenzierten Unternehmen umfassender einschränkt.

Premier League könnte Bestandsschutz für bestehende Verträge fordern

Nach Medienberichten soll die britische Regierung beabsichtigen, die neuen Regeln im kommenden Jahr einzuführen. Noch ist allerdings entscheidend, wie genau ein mögliches Verbot ausgestaltet wird. Ein wichtiger Streitpunkt dürften bereits abgeschlossene Sponsoringverträge sein. Die Premier League könnte darauf drängen, bestehende Vereinbarungen bis zu ihrem regulären Vertragsende weiterlaufen zu lassen. Davon würde beispielsweise Evertons dreijähriger Vertrag mit Stake profitieren.

Ohne einen solchen Bestandsschutz könnten Clubs gezwungen sein, Verträge vorzeitig zu beenden oder neu zu strukturieren. Das könnte erhebliche finanzielle Auswirkungen haben, da Glücksspielunternehmen in den vergangenen Jahren zu wichtigen Sponsoren im englischen Profifußball geworden sind.

Regulierung könnte Sponsoring-Markt der Premier League verändern

Die kommenden Monate dürften deshalb entscheidend für die zukünftige Rolle der Glücksspielbranche im englischen Fußball werden. Ein Verbot von Partnerschaften mit Anbietern ohne britische Lizenz würde nicht automatisch sämtliche Glücksspielwerbung aus der Premier League entfernen, könnte den Kreis potenzieller Partner aber deutlich verkleinern. Für Unternehmen mit britischer Glücksspiellizenz könnte dies gleichzeitig die Wettbewerbssituation verändern. Premier-League-Clubs müssten stärker zwischen international ausgerichteten Sponsoren und Unternehmen unterscheiden, die sämtliche regulatorischen Anforderungen des britischen Marktes erfüllen.

Mit zehn von 20 Premier-League-Clubs, die derzeit Geschäftsbeziehungen zu nicht in Großbritannien lizenzierten Glücksspielunternehmen unterhalten, betrifft die Diskussion inzwischen die Hälfte der Liga. Ob bestehende Verträge geschützt werden und wie weit das geplante Verbot tatsächlich reichen wird, dürfte daher sowohl für die Vereine als auch für die internationale Wettbranche von großer Bedeutung sein.

FAQ

Wie viele Premier-League-Clubs arbeiten mit nicht in Großbritannien lizenzierten Glücksspielanbietern?

Nach den vorliegenden Angaben unterhalten zehn der insgesamt 20 Premier-League-Clubs Sponsoring- oder Werbepartnerschaften mit Glücksspielunternehmen ohne britische Lizenz. Damit betrifft die Diskussion die Hälfte der Liga.

Will Großbritannien Glücksspiel-Sponsoring in der Premier League verbieten?

Diskutiert wird ein Verbot von Sponsoring durch Glücksspielunternehmen, die keine entsprechende Lizenz für den britischen Markt besitzen. Ein generelles Verbot sämtlicher Glücksspielpartnerschaften ist damit nicht gleichzusetzen.

Dürfen Wettanbieter noch auf Premier-League-Trikots werben?

Die Premier-League-Clubs verzichten seit dieser Saison freiwillig auf Glücksspielunternehmen als Hauptsponsoren auf der Vorderseite ihrer Spieltrikots. Andere Werbeflächen und Sponsoringformen können jedoch weiterhin genutzt werden, sofern sie den geltenden Vorschriften entsprechen.

Welche Premier-League-Clubs arbeiten mit Stake zusammen?

Im Mittelpunkt der aktuellen Diskussion steht insbesondere Everton. Der Club hat einen dreijährigen Vertrag mit Stake als Ärmelsponsor abgeschlossen.

Was könnte mit bestehenden Sponsoringverträgen passieren?

Die Premier League könnte sich dafür einsetzen, dass bereits abgeschlossene Verträge bis zu ihrem regulären Ende weitergeführt werden dürfen. Ob ein solcher Bestandsschutz Bestandteil einer neuen Regelung wird, hängt von der endgültigen Ausgestaltung der Vorschriften ab.

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