Die Anfangskarten im Spiel, Karten zum Mitgehen – Internet Poker Grundlagen

Hohe Paare, wie A – A und K – K, seltener niedrige Paare, ebenso A – K und A – Q, verfügen über eigenes Gewinnpotenzial. D. h. mit diesen Karten können Sie, unter den entsprechenden Voraussetzungen, auch dann gewinnen, wenn sich Ihr Blatt durch die Gemeinschaftskarten nicht verbessert. Wie bereits erwähnt, hängt dies vor allem von der Anzahl der im Pot verbleibenden Spieler ab. Alle anderen Karten werden erst dann zu guten, wenn die Gemeinschaftskarten dazu passend fallen. Selbstverständlich gilt: Je höher die Kartenwerte, desto höher die Chance eines Gewinnblattes.

Als Basisregel können wir hier annehmen, dass jede Verbindung von zwei Kartenwerten über 10 spielbar ist; also: A – 10, K – J, Q – 10, J – 10 usw. Wie Sie in der Tabelle sehen können, ist dies in früher Position nicht in jedem Fall ratsam, was wiederum von der Eigenschaft des Tisches abhängt, womit wir uns zu einem späteren Zeitpunkt aus-einander setzen werden. Halten Sie sich Folgendes vor Augen: Ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Anfangskarten zu einem starken Blatt verbessern, gering, dann rechtfertigt sich der Einsatz nur unter der Voraussetzung, dass eine gewisse Anzahl von Spielern im Pot bleibt und dieser somit entsprechend hoch ausfällt! Dabei müssen Sie auch berücksichtigen, dass sich Ihr Blatt schon am Flop verbessern sollte. Sie rechnen also grundsätzlich nicht mit fünf, sondern vorläufig nur mit drei folgenden Karten. Hat sich nämlich Ihr Blatt vor der folgenden Einsatzrunde nicht entsprechend verbessert, wird sich ein weiterer Einsatz nicht rechnen. Alle bis dahin eingesetzten Chips sind somit verloren. Halten Sie zwei Karten verschiedener Werte, dann ist die Wahrscheinlichkeit knapp über 2 zu 1, dass Sie ein Paar floppen, fast 50 zu 1, dass es zwei Paare werden, und gar nur über 1.000 zu 1, dass es ein Full House wird.

Ergo, wir spielen solche Karten, die uns nicht nur die genannten Möglichkeiten einräumen, sondern auch eine Straße oder ein Flush, und besser noch beides gleichzeitig, ermöglichen. Beispiel: 10♥ – 9♥ (Suited Connectors).

Jede Kombination von zwei Karten, zwischen denen nicht mehr als drei Werte offen sind, kann zur Straße werden. Allerdings auch hier mit unterschiedlicher Wahrscheinlichkeit. Welche Karten brauchen Sie am Tisch, wenn Sie 10 – 6 in der Hand halten?
Und welche Karten passen, wenn Ihre eigenen 10-9 sind?
6 – 7 – 8
7 – 8 – J
8 – J – Q
J – Q – K

Sie sehen: Haben Sie zwei verbundene Karten (10 – 9), dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese zur Straße werden, viermal höher als mit drei Abständen, dreimal höher als bei zwei Abständen und doppelt so hoch als bei einem. Nachdem wir unsere Gewinnchance maximieren wollen, spielen wir diese verbundenen Karten meist auch nur dann, wenn sie von gleicher Farbe sind. Zwei Karten gleicher Farbe ohne, oder mit nur kleiner, Chance auf eine Straße (mehr als ein Abstand) sind selten spielbar, denn die alleinige Chance auf ein Flush ist wiederum nicht attraktiv genug. Wir werden nur dann über den Flop hinaus mitgehen, wenn dieser zumindest zwei passende Karten bringt – und dafür ist die Wahrscheinlichkeit wiederum nur rund 8 zu 1.
Nachdem wir in früher Position nicht wissen, wie viele Spieler mitgehen werden, gar nicht zu reden von der Gefahr einer unerwünschten Erhöhung, spielen wir hier nur Karten hoher Werte.
In späterer Position hängt es davon ab, wie viele Spieler im Pot sind. Haben alle vor uns gepasst, dann werden Karten wie 8♠ – 7♠ wertlos, weil die Wahrscheinlichkeit, Straße, Flush oder zumindest zwei Paare zu formen, in keiner Relation zum niedrigen Pot steht.

Allerdings, Karten wie A – 4 oder K – 6, sogar in verschiedener Farbe, können unter genau dieser Voraussetzung vorsichtig gespielt werden. Sind nur mehr zwei oder drei Spieler vor uns, so ist es durchaus möglich, dass wir hier die besten Karten in der Hand halten (sollte es aber trotzdem zu einer Erhöhung kommen, dann werden wir uns am besten vom ersten Einsatz stillschweigend verabschieden!). Der Spieler am Small Blind kann sich, nachdem ein halber Einsatz bereits erbracht ist, auch auf recht wilde Spekulationen einlassen.

Natürlich, Karten wie 7 – 2 (diese Kombination nennen wir übrigens „Bierblatt“), 8-3 und Ähnliches rechtfertigen auch keinen halben Einsatz. Doch verbundene Karten verschiedener Farbe oder gleichfarbig unverbundene können unter dieser – und ich betone: unter dieser – Voraussetzung gespielt werden! Betrachten Sie die folgende Tabelle als Richtlinie! Das spezielle Verhalten der einzelnen Gegner, extreme Passivität oder Aggressivität, müssen in die Entscheidung immer mit einbezogen werden. Wie Sie in weiterer Folge sehen werden, so ist es allerdings immer besser, Vorsicht walten zu lassen. Wenn Sie nicht sicher sind, ob ein Blatt spielbar ist oder nicht, dann ist es meist ratsam zu passen.

Obwohl jeder Pokerprofi, jeder Ratgeber, jedes Buch und jede Computeranalyse ähnliche Empfehlungen abgeben wie die folgende Tabelle, so werden Sie überrascht sein, wie viele Spieler absolut alle Karten spielen, inklusive 7-2. Lassen Sie sich davon nicht verwirren. Wir freuen uns über solche Gegner. Sie sind es, die unsere Gewinne finanzieren. Sicher lassen wir uns nicht zu ähnlichem Spiel verleiten! Lassen Sie sich auch nicht durch vorübergehende Erfolge solcher risikofreudiger Spieler verwirren. Nehmen Sie es hin, wenn Sie gelegentlich von einem Spieler geschlagen werden, aus dessen wertlosen Anfangskarten plötzlich ein übermächtiges Blatt, Flush, Full House oder Straße, geworden ist. Es zählt nicht der einzelne Pot, der durch schlechtes Spiel gewonnen wird. Auch nicht ein einzelner glückbestrahlter Abend. Was zählt, ist der Erfolg am Ende der Woche, des Monats, des Jahres!

Auch passiert es jedem Pokerspieler, dass er, völlig gerechtfertigt, mit Q – 6 passt. Dann kommt der Flop: Q – Q – 6! Sollte dies Anlass zu Ärger sein? Sollten wir uns durch eine Überraschung, die einmal in tausend Spielen vorkommt, in unserer weiteren Strategie beeinflussen lassen? Mit Sicherheit nicht! Falls Sie mit Black Jack auch nur oberflächlich vertraut sind, so werden Sie wissen, dass Sie mit 19 niemals eine Karte ziehen. Kauft Ihr Nebenmann danach eine 2, würden Sie die Richtigkeit Ihrer Entscheidung bezweifeln? Sicher nicht!

Anfangskarten, die ein Mitgehen rechtfertigen, unter Berücksichtigung der Position

Under-the-Gun

■ Jedes Paar ab 7 7 In gleicher Farbe:

■                   A – K, Q, J, 10, 9

■                   K – Q, J, 10

■                   Q-J, 10

■                   J – 10

In verschiedener Farbe:

■ A – K, Q

Frühe Position
■ Jedes Paar ab 6 – 6 In gleicher Farbe:

■                   A – K, Q, J, 10, 9, 8

■                   K – Q, J, 10

■                   Q-J, 10

■                   J – 10

In verschiedener Farbe:

■                   A – K, Q, J

■                   K – Q, J

■                   Q-J

Mittlere Position
Jedes Paar ab 5 – 5 In gleicher Farbe:

■                   A-x

■                   K – Q, J, 10, 9

■                   Q-J, 10, 9

■                   J – 10, 9

■                   10-9

In verschiedener Farbe:

■       A – K, Q, J, 10

■       K – Q, J, 10

■       Q-J

Späte Position

■ Jedes Paar In gleicher Farbe: In verschiedener Farbe:
■ A-x ■ A-x
■ K – Q, J, 10, 9, 8, 7, 6 ■ K – Q, J, 10, 9, 8, 7
■ Q-J, 10, 9, 8 ■ Q – J, 10, 9
■ J – 10, 9, 8, 7 ■ J – 10, 9
■ 10 – 9, 8 ■ 10-9
■ 9 – 8, 7
■ 8 – 7, 6
7 – 6, 5
■ 6 – 5, 4
■ 5 – 4, 3

Small Blind
■ Jedes Paar
■ Alle Verbindungen von Karten mit Werten höher als 9
■ Alle Karten gleicher Farbe
■ Alle Karten unterschiedlicher Farbe mit nicht mehr als zwei

Abständen
Abschließend und zusammenfassend muss hier hinzugefügt werden, dass – ich wiederhole es – diese Angaben als Richtlinie gelten und auf die jeweiligen Gegebenheiten am Tisch angepasst werden müssen. Ferner, sobald eine Erhöhung vorgenommen worden ist, sollten wir nur dann mitgehen, wenn die Karten den Empfehlungen der frühen Position entsprechen, da wir davon ausgehen müssen, dass der Spieler, der erhöht hat, über ein Blatt dieser Kategorie verfügt.
Haben wir mit einem annehmbaren Blatt, sagen wir ICK? – 99, einen Einsatz erbracht und danach wird erhöht, dann kommt es auf die Zahl der Mitspieler an, ob wir der Erhöhung folgen! Grundsätzlich passen wir mit solchen Karten nach einer Erhöhung. Liegt aber bereits ein Einsatz von uns im Pot, und die Zahl der Spieler, die mitgehen, ist entsprechend groß, dann bleibt die zu erwartende Gewinnhöhe in Relation zur Wahrscheinlichkeit, das siegreiche Blatt zu kaufen. Gehen wir davon aus, der Spieler nach uns erhöht, und es sind vier weitere, die bei der Erhöhung mitgehen. Es liegen somit, mit unserem ersten Einsatz, 11 Stück im Pot. Somit steht der zweite, von uns verlangte, Einsatz im Verhältnis von 11 zu 1.

Bleiben aber nur ein oder zwei Spieler im Pot oder verfügt unser Blatt über nur geringes Kaufpotenzial, wie K – 8 verschiedenfarbig, dann ist es mit Sicherheit besser zu passen, als ein zweites Stück zu verschwenden! Sofern wir bei der Auswahl unserer spielbaren Karten zu Leichtsinn tendieren, kommt es hier häufig zu unliebsamen Überraschungen, und zwar, wenn nicht nur eine, sondern mehrere Erhöhungen folgen. Stellen Sie sich vor, in mittlerer Position bringen Sie einen Einsatz mit K♥ – 6♥. Nicht, dass es irgendeiner Empfehlung oder Berechnung entspricht, doch Sie mögen die Kartenfarbe Herz. Neben dem möglichen Flush träumen Sie von K – K oder 6 – 6 am Flop, oder gar 6 – 6 – K. Viel Unsinn steigt uns während langer Stunden am Pokertisch oft in den Sinn! Beide Spieler in später Position gehen mit, ebenso Small Blind, und Big Blind legt einen Einsatz zu. Hier geht wiederum ein Spieler vor Ihnen mit, Sie auch, und plötzlich fällt Small Blind ein, dass auch seine Karten viel versprechend sind. Es fällt ein dritter Einsatz! Die Chips summieren sich! Zwei Einsätze haben Sie bereits erbracht, also investieren Sie auch den dritten. Und weil fast alle Pokerspieler im Herzen Gambier sind, will der Mann am Dealerbutton seinen Positionsvorteil für einen besonders hohen Pot nutzen und erhöht ein drittes Mal! Natürlich bringen Sie auch noch das vierte Stück – und plötzlich sind Sie mit vier Einsätzen im Pot, mit Karten, die nicht einmal einen Einsatz gerechtfertigt hätten!

John Vorhaus, Autor des Buches „Killer Poker“, empfiehlt, niedrige Karten generell nicht zu spielen! Ungeachtet möglicher Einfarbigkeit, ungeachtet der Position, schlicht, mit allem, was unter 9 ist, passen! (Strategischen Gründen räumt Vorhaus natürlich Ausnahmen ein!) Unter gewissen Voraussetzungen, vor allem auf sehr passiven Tischen (wir werden diesen Begriff später besprechen), in eine entsprechende Strategie eingebettet, sollte man auch diesen Vorschlag nicht außer Acht lassen.
Phil Hellmuth, Gewinner der World Series of Poker 1989 und Autor des Buches, „Play Poker Like the Pros“, rät insbesondere Anfängern, ausschließlich die besten zehn Anfangskarten zu spielen, die er folgendermaßen einteilt:

1.     А- А
2.  

K- K

3. Q – Q
4. A- K
5. J – J
6. 10 – 10
7. 9 – 9
8.  

8 – 8

9. A – Q
10. 7 – 7

Allerdings möchte ich hier hinzufügen, dass es sowohl meiner eigenen Erfahrung als auch der nachfolgenden Statistik entspricht, dass Karten wie A♣ – 0♣ oder K♦ – Q♦ einträglicher sind als 7 – 7 oder 8-8. Doch unterschiedliche Empfehlungen von Fachleuten tragen letztendlich zum Reichtum an Variationen des Pokerspiels bei!

Die nachfolgende Tabelle entstammt einer im Internet erstellten Statistik und zeigt, wie hoch der durchschnittliche Gewinn mit welchen Anfangskarten ausfällt. Diese Werte entstammen keinem Simulator, sondern wirklich ausgetragenen Spielen, und zwar jeweils mehreren hunderttausend. Der (in Klammern) angeführte Bewertungsfaktor zeigt, wie hoch der Gewinn im beobachteten Zeitraum, mit den jeweiligen Karten, in Relation zum Blindeinsatz, ausgefallen ist. Entspricht dieser Faktor 2,32, auf Tischen mit Einsatz $ 2/4, dann bedeutet dies, dass im Durchschnitt $ 4,64 mit diesen Karten, im gegebenen Fall A – A, gewonnen worden sind. Alle nicht angeführten Kartenkombinationen, wie etwa 6-7, führten im Beobachtungszeitraum zu Verlusten.

Diese Tabelle ist natürlich als grundsätzliche Information zu verstehen, die weder das Geschick des einzelnen Spielers noch die jeweilige Situation, wie es nun einmal der Eigenschaft von Statistiken entspricht, berücksichtigen kann. Trotzdem, zur Einschätzung der Gewinnerwartung, auf den Anfangskarten basierend, wird hiermit ein durchaus ernst zu nehmender Einblick gewährt.
Der Buchstabe „s“, neben manchen Kombinationen, bedeutet, dass es sich um Karten in der gleichen Farbe handelt, und entspringt dem englischen Wort für Kartenfarbe, Suit bzw. suited (in der gleichen Farbe).

Bewertungsfaktor statistisch gewinnbringender Anfangskarten

A-A (2,32) 9-9 (0,38) K-Q (0,16) 10-9s (0,05)
K- K (1,67) A – 10s (0,32) 7-7 (0,16) A – 4s (0,05)
Q-Q (1,22) A-Q (0,31) J – 10s (0,15) Q – 9s (0,05)
J – J (0,86) K-Js (0,29) A – 8s (0,10) J – 9s (0,04)
A – Ks (0,78) 8-8 (0,25) K – 9s (0,09) Q-J (0,03)
A-Qs (0,59) Q-Js (0,23) A- 10 (0,08) A – 6s (0,03)
10-10 (0,58) K- 10s (0,20) A- 5s (0,08) 5-5 (0,02)
A- K (0,51) A- 9s (0,19) A – 7s (0,08) A – 3s (0,02)
A-Js (0,44) A-J (0,19) K-J (0,08) K- 8s (0,01)
K-Qs (0,39) Q – 10s (0,17) 6-6 (0,07) K- 10 (0,01)