Der reguläre Tisch ohne Limit spielen – No Limit Pokerstrategien

Wenn wir uns nun dem Spiel ohne Limit widmen, dann müssen wir uns bewusst sein, dass sich die hierbei angewandten Strategien vom limitierten Spiel grundsätzlich unterscheiden. Nur wenige Spieler fühlen sich in beiden Kategorien wohl!

Spielen wir ohne Limit, so ist das Analysieren der jeweiligen Situation, das Erahnen des gegnerischen Blattes, das Verstehen der Motivation für seinen Einsatz, von wesentlich größerer Wichtigkeit. Am limitierten Tisch mögen wir, wenn wir einen Fehler begehen, ein oder zwei Einsätze mehr verspielen. Am Tisch ohne Limit kann ein kleiner Fehler zum Totalverlust führen.

Was immer wir tun, das AU-in des Gegners hängt über dem Tisch wie das Schwert des Damokles!

Die Blindeinsätze sind festgesetzt. Der Mindesteinsatz in der ersten und zweiten Einsatzrunde entspricht dem Big Blind, in der dritten und vierten Einsatzrunde dem Doppelten davon. Die Obergrenze jeder Erhöhung ist ausschließlich die Summe der Chips, die der Spieler vor sich auf dem Tisch liegen hat.

So wie am limitierten Tisch, so ist auch hier, und hier natürlich aus noch verständlicherem Anlass, das Nachkaufen von Chips während des Spiels ausgeschlossen. Ist der Stack eines Gegners niedriger, so richtet sich das Maximum nach diesem niedrigeren; natürlich nur diesem speziellen Spieler gegenüber. Wie schon ganz am Anfang erklärt, sind mehrere Spieler mit unterschiedlichen, durch ihre beschränkten Reserven bedingten, Einsätzen im Spiel, so teilt sich der Pot in einen Haupt- und einen oder mehrere Nebenpots. Am limitierten Tisch ist eine solche Situation nur in seltenen Fällen gegeben, hier jedoch entsprechend häufiger.

Nehmen wir ein Beispiel;
Im Pot befinden sich $ 50.
Spieler A) bringt einen Einsatz in der Höhe von $ 80.
Spieler B) geht mit, hat aber nur $ 35 vor sich. Sein Einsatz ist somit All-in. Von den $ 80 von Spieler A wandern somit $ 35 in den Hauptpot. Die Differenz von $ 45 liegt an der Seite im Nebenpot.
Spieler C) erhöht auf $ 150. Davon fallen wieder $ 35 in den Hauptpot (entsprechend dem Einsatz von Spieler B)) und $ 115 in den Nebenpot.
Spieler D) geht mit (und wieder fallen $ 35 davon in den Hauptpot und der Rest in den Nebenpot).

Spieler A) fehlt somit mit $ 70. Sein Stack entspricht aber nur mehr $ 50! Er geht mit (All-in) Am Hauptpot ist er bereits voll beteiligt. Nachdem der Nebenpot aber nun eine Höhe von $ 115 pro Spieler angenommen hat, ihm aber $ 20 fehlen, um dies abzudecken, werden jeweils $ 20 von -Spieler C) und D) in den zweiten Nebenpot geschoben. Und somit liegen im
■ Hauptpot $ 190 – Spieler A), B), C), D)
■ Ersten Nebenpot $ 285 – Spieler A), C), D)
■ Zweiten Nebenpot $ 40 – Spieler C), D)

Es folgt der Showdown:
A) Straße
B) Flush
C) Drilling
D) Zwei Paare

Somit gewinnt:
■ B) den Hauptpot, denn sein Blatt ist das beste am Tisch
■ A) den ersten Nebenpot, denn er schlägt die daran beteiligten C) und D)
■ C) den zweiten Nebenpot, denn sein Blatt ist besser als das von D)
Potteilung

Pic 3

In einem privaten Spiel kann eine derartige Situation zu gewissen Verwirrungen führen, am organisierten Spieltisch wird der Vorgang jedoch von einem professionellen erfahrenen Dealer organisiert. Im Internet erfolgt die Teilung des Pots natürlich automatisch in Sekundenbruchteilen.

Um die Stacks der Spieler an einem Tisch anfangs halbwegs auszugleichen, gibt es Regelungen. Das Buy-in ist nicht nur nach unten, sondern auch nach oben begrenzt. In Kasinos und Kartenklubs sind die Regelungen völlig unterschiedlich. Online entspricht die Untergrenze des Buy-in üblicherweise dem Zwanzigfachen eines Mindesteinsatzes (Big Blind) und die Obergrenze dem Zweihundertfachen.

Solange ein Spieler am Tisch verweilt, ist es ihm nicht gestattet, Chips gegen Geld einzuwechseln, auch wenn sein Stack das Maximum-Buy- in an Höhe übersteigt. (Er kann natürlich seinen Platz verlassen, die Chips einwechseln und zu einem späteren Zeitpunkt, mit weniger Kapital, als neuer Spieler zum Tisch zurückkehren!)

Nachkaufen von Chips ist jederzeit (zwischen den Spielen) möglich, sofern dabei nicht die Obergrenze überschritten wird. Reduziert sich der Stack eines Spielers unter das Minimum, kann er damit, ohne nachkaufen zu müssen, weiterspielen.

Ähnlich dem No-Limit ist das Spiel mit Pot-Limit, mit der wir uns hier aber nicht näher auseinander setzen. Erstens wird es grundsätzlich weniger gespielt, und zweitens ist die Spielstrategie in beiden Fällen eine sehr ähnliche. Der Unterschied ist, wie der Name ausdrückt, dass der Höchsteinsatz durch die Höhe des jeweiligen Pots geregelt ist, der sich somit, von Spieler zu Spieler, maximal verdoppeln kann. Liegen $ 10 im Pot, dann entspricht der Höchsteinsatz genau dieser Höhe. Werden diese $ 10 gesetzt, dann steigt die Pothöhe dadurch auf $ 20 an, was dem nächsten Spieler eine Erhöhung um $ 20 erlaubt und so weiter.

Nachdem sich diese Poterhöhungen über vier Einsatzrunden hinweg wiederholen, können auch in dieser Variante die Pots zu ansehnlicher Höhe anwachsen.
Was sind die markanten Unterschiede, zwischen dem Spiel am limitierten Tisch und dem ohne Limit?
■ Nachdem der Pot wesentlich höher ansteigen kann, steigt die indirekte Potquote (also die der zu erwartenden Einsätze) in ihrer Berücksichtigungswürdigkeit.
■ Da auf jeden Einsatz bzw. jede Erhöhung ein AU-in folgen kann, müssen die Karten von Anfang an auch entsprechend eingestuft werden, ob sie einer unverhältnismäßig hohen Erhöhung standhalten könnten.
■ Es bieten sich, durch den Abschreckungseffekt hoher Einsätze, mehr Möglichkeiten zu Bluffs.

Auf limitierten Tischen entwickeln sich mögliche Verluste entsprechend langsam. Am Tisch ohne Limit kann eine einzige Niederlage das gesamte Spielkapital, inklusive dem vorangegangenen Gewinn, kosten!

Dementsprechend lernen wir hier aber auch, und zwar zwingend, dem Spiel höchstmögliche Aufmerksamkeit zu schenken. Es gibt Pokerspieler, denen es am limitierten Tisch an Geduld fehlt, weil sich der zu erwartende Gewinn eines einzigen Spiels in Grenzen hält. In No-Limit- Spielen jedoch haben sie überhaupt keine Probleme, Überstunden hin-weg auf genau die Situation, die eine Begegnung, zu warten, die zu einem befriedigenden Tagesgewinn führen kann.

Zum Sammeln von Erfahrung und zur Verbesserung des Spiels ist es in jedem Fall ratsam, auch auf Tischen ohne Limit zu spielen. Ob sie langfristig empfehlenswerter sind als limitierte, kann nur vom Spieler selbst beurteilt werden. Es hängt von den jeweiligen charakterlichen Eigenschaften, der Spielerfahrung, der Risikobereitschaft, Geduld, Disziplin und sicher noch von vielem mehr ab. Viele Profis, die über lange Zeiträume ohne Limit gespielt haben, sind dann doch wieder auf die limitierten Tische zurückgekehrt. Die Gewinne und Verluste sind überschaubarer. Das Risiko kostspieliger Überraschungen ist entsprechend geringer. Andere finden am Tisch ohne Limit jedoch ihren geliebten Heimathafen, fühlen ihre Dominanz und verstehen es, sie auszunützen. Für Weltklassespieler wie Doyle Brunson zeigt sich erst im Spiel ohne Limit das wahre Können. Es ist wohl nicht notwendig, gesondert darauf hinzuweisen, dass das Einteilen des verfügbaren Spielkapitals hier mit entsprechender Vorsicht und Sorgfalt durchgeführt werden muss!