Das Spiel in einer tight-aggressiven Pokerpartie richtig verstehen – detailliertere Information

In einer tight-aggressiven Partie spielen zwei oder mehr TAGs und nicht mehr als ein looser Spieler. Der Rest der Spieler agiert durchschnittlich oder tight. Meistens sind nur relativ wenig Spieler an einem Pot beteiligt und es wird selten geraist beziehungsweise gereraist. Darüber hinaus sind viele Hände vor dem Showdown beendet. Die Poker-Artikel über die anderen Spielstile enthalten einen Abschnitt mit dem Titel „Andersartige Verhältnisse akzeptieren“. Solch ein Abschnitt passt hier nicht hinein, weil die meisten guten Autoren in tight-aggressiven Partien spielen beziehungsweise darüber schreiben.

Die Regeln für diese Partien sind von denjenigen für das Spiel gegen einen einzelnen TAG abgeleitet, allerdings mit einigen zusätzlichen Schlussfolgerungen. Auf jeden Fall müssen Sie Ihre Spielweise unbedingt anpassen. Eine tight-aggressive Partie ist die anspruchsvollste. Wenn Sie diese Tatsache nicht akzeptieren und sich nicht entsprechend umstellen, können Sie schwere Verluste erleiden.

Die erste Frage, die es zu beantworten gilt, ist natürlich: Sollten Sie überhaupt mitspielen ? Die Antwort lautet fast immer: Nein! In der Tat ist die Antwort bei einer Partie mit wenigen Spielern nahezu sicher: Nein!
Es gibt viele Gründe, nicht zu spielen, und kaum einen, der dafür spricht. Wahrscheinlich werden Sie verlieren und möglicherweise viel mehr, als Sie verkraften können. Gewinnen Sie, ist es nicht viel. Die Partie kann derart stressig und anstrengend verlaufen, dass Sie keine Erholung finden. Spielen Sie nicht gerade Ihr bestes Poker, haben Sie überhaupt keine Chance und wenn doch, können Sie trotzdem leicht verlieren.

Also: Was soll die Quälerei?
Es sprechen drei Gründe für das Spielen gegen einen einzelnen TAG, aber derjenige, der sich auf die Schwächen der anderen Spieler bezieht, greift in diesem Fall nicht. Spielen Sie nicht, es sei denn, Sie verspüren den starken Wunsch, sich mit den Besten zu messen oder 1 von ihnen zu lernen. Spielen diese Motive für Sie eine große Rolle und sind Sie gewillt, die unvermeidlichen Risiken einzugehen … dann nichts wie ran!
Bevor Sie sich jedoch an den Tisch setzen, denken Sie gewissenhaft darüber nach, was es Sie kosten könnte – und zwar in finanzieller wie auch psychologischer Hinsicht. Nehmen wir für den Moment an, dass Sie es sich finanziell leisten können.

Die wichtigere Frage lautet dann: Inwiefern kann Ihr Ego beeinflusst werden? Wenn Ihnen die Vermutung, einer der besten Spieler zu sein, viel Vergnügen bereitet, wollen Sie vielleicht gar nicht erkennen, dass dem nicht so ist. Im Folgenden ein paar notwendige Veränderungen.

Veränderung Nr. 1: Spielen Sie nur, wenn Sie voll auf der Höhe sind. Diese Warnung ist nunmehr noch viel wichtiger. Zuvor haben wir Sie vor einem hochklassigen Spieler gewarnt. Jetzt ist die gesamte Partie hochklassig. Wenn Sie auch nur ein bisschen unkonzentriert sind, können Sie schwere Verluste erleiden.

Veränderung Nr. 2: Entscheiden Sie im Vorfeld, wie viel Sie riskieren wollen. Nahezu jeder spielt schlecht, wenn er verzweifelt versucht, Verluste auszugleichen – und dieses Risiko ist in diesem Fall größer als sonst. Sie werden in dieser Partie viel eher verlieren als in jeder anderen und es wird viel schwieriger als sonst, diese Verluste wieder auszugleichen. Außerdem werden Sie sich vielleicht nicht eingestehen wollen, dass die anderen Spieler besser sind. Möglicherweise führen Sie Entschuldigungen wie Pech usw. ins Feld und kaufen sich dann weitere Chips.

Wenn Sie sich kein Limit setzen und sich nicht daran halten, könnten Sie sich verbeißen, mehr Chips kaufen, diese verlieren, verzweifeln und zum Schluss die Bankroll aufzehren. Denken Sie also vor der Partie gewissenhaft nach und kaufen sich gleich alle Chips, die Sie bereit sind, aufs Spiel zu setzen. Sich dieses Verlustlimit zu setzen, hat jedoch einen wesentlichen Nachteil. Sobald Sie sich diesem Limit nähern, könnten Sie in den „Turniermodus“ verfallen und einige marginal profitable Hände folden, um Ihre Chips nicht zu gefährden. Umgekehrt könnten Sie eine Hand spielen, die Sie folden sollten, weil Sie einen kleinen Stack haben und die Blinds auf Sie zukommen.

Veränderung Nr. 3: Ziehen Sie in den frühen Setzrunden die Anforderungen an. Da die Partie tight und aggressiv verläuft, müssen Sie in der ersten Setzrunde beim Stud und vor dem Flop beim Hold’em selektiver vorgehen. Sie müssen sogar noch tighter als in einer tight- passiven Partie agieren, besonders in Early Position. Die Gegner in diesen Partien spielen Premium-Hände und einige gehen dabei aggressiv zu Werke. Callen Sie mit marginalen oder schlechten Karten, haben Sie keine Chance. Sie werden von besseren Händen geschlagen und die Raises Ihrer Gegner zwingen Sie möglicherweise dazu, viel mehr zu riskieren als ursprünglich geplant. Diese Problematik stellt sich in Early Position besonders ernsthaft dar; Sie könnten sich gegen einen hochklassigen Spieler, der Position auf Sie hat, in einer Heads-Up-Situation wiederfinden.

Veränderung Nr. 4: Wählen Sie Ihren Platz mit besonderer Sorg-falt aus. Bei einer derart hochklassigen Partie müssen Sie jeden sich bietenden Vorteil nutzen. Studieren Sie die Gegnerschaft, beobachten Sie die Action und wechseln Sie auf den bestmöglichen Platz. (Anmerkung: Sie machen das auch aus defensiven Gründen. Wenn die falschen Spieler hinter Ihnen sitzen, kann das zu unnötigen Fehlern führen.)

Veränderung Nr. 5: Befolgen Sie die Regeln für das Spiel gegen TAGs, sogar wenn diese gar nicht am Pot beteiligt sind. Weil die gesamte Partie tight-aggressiv abläuft, müssen Sie gegen jeden behutsamer als üblich vorgehen. Diese Art der Partie verändert viele Spieler und führt dazu, dass diese die Anforderungen anziehen und aggressiver zu Werke gehen. Wenn Sie die Action beobachten, werden Sie feststellen, dass alle bis auf die schwächsten Spieler diesen Weg einschlagen. Sie tun gut daran, genauso zu handeln.