Der Traum der World Series von Texas Holdem – Poker Turnierstrategien

Das Schöne am Pokern ist, dass dank Internet jeder im Handumdrehen dieses Spiel lernen und gut darin werden kann. Solange Sie die grundlegenden Ratschläge befolgen, die in diesem Poker-Portal erklärt werden, können Sie sich zutrauen, es mit den Besten aufzunehmen.

Ich habe es in meinem ersten Jahr vom blutigen Anfänger bis zur Teilnahme an der berühmten European Poker Tour gebracht, und dann habe ich auch noch einen Versuch beim ganz großen Turnier gewagt – beim Hauptturnier der World Series of Poker in Las Vegas.

Die WSOP ist der ultimative Test für die Fähigkeiten eines Pokerspielers und bietet die Chance, in die Geschichte der ganz Großen des Spiels einzugehen. Außerdem haben Sie dort natürlich die Möglichkeit, so reich zu werden, wie Sie es sich in Ihren wildesten Träumen nicht vorgestellt hallen. Nachdem ich meine Fähigkeiten bei der EPT erprobt hatte, war ich bereit, um den größten Pot überhaupt zu spielen.

Dem Spieler auf dem ersten Platz winkten 12 Millionen Dollar – ein hübsches kleines Sümmchen -, das Problem war nur, dass man fast 9000 andere Spieler schlagen musste. um dieses Preisgeld einzusacken. Tja, irgendjemand muss es eben gewinnen.

Wer hätte gedacht, dass ich mich also nach wenig mehr als einem Jahr unter die ganz Großen mischen würde? Aber es ist mir trotzdem so passiert, und ich fuhr mit aller Zuversicht zur WSOP, denn ich wusste, dass auch relativ unbekannte Spieler manchmal aus dem Nirgendwo auftauchen und sich die begehrte Meisterschaft holen. Der Buchhalter Chris Moneymaker 2003, der Patentanwalt Greg Raymer 2004 und der Chiropraktiker Joe Hachem 2005 sind berühmt geworden, weil sie bei der Meisterschaft für eine Teilnahmegebühr von 10.000 $ unzählige Mitspieler aus dem Feld schlugen. Vielleicht, aber nur vielleicht würde sie 2006 ja der Schriftsteller Simon Young gewinnen.

PokerStars sponserte meine Bemühungen, und ich flog von London Gatwick nach Las Vegas. Ich sollte zweieinhalb Wochen im Treasure-Island-Hotel bleiben, und meine Familie wollte sich meine Reise auch zunutze machen und während der ersten Woche zu einem Sommerurlaub in die Staaten kommen.

Bei so einem großen Teilnehmerfeld – 8773, um genau zu sein – mussten die Organisatoren die Veranstaltung im riesigen Tagungszentrum des Rio-Hotels ausrichten. Sie teilten uns in vier Gruppen, sodass 2000 Spieler als Gruppe 1A starteten, weitere 2000 als 1B usw. Mir wurde per Los Gruppe ID zugeteilt, sodass ich erst am Montag anfing. Das bedeutete, dass ich ein paar Tage hatte, um den Jetlag zu überwinden, bevor ich mich der Sache widmete.

Ich verbrachte die Zeit mit meiner Familie, aber als im Rio die Spiele der Gruppen 1A, B und C begannen, war ich alles andere als entspannt und brannte nur darauf, auch endlich loslegen zu können. Am Vorabend meines ersten Spieltages war ich jedoch seltsam bedrückt und machte mir Sorgen, wie ich mich wohl schlagen würde. Würde ich am Ende an einem Tisch mit lauter professionellen Spielern landen? Würde ich schon in den ersten paar Minuten rausfliegen und zum Versager gestempelt werden? Das wäre dann doch eine etwas zu weite Reise gewesen – für dreißig Minuten Pokern.

Ich brachte eine leichte Mahlzeit herunter (Hasenfutter, •messen am amerikanischen Standard) und ging früh schlafen, ungefähr um 22 Uhr, während sich der Großteil von Vegas fertig machte, um auszugehen und zu feiern. Ich brauchte jedoch so viel Ruhe wie möglich, weil ich am nächsten Tag einen (hoffentlich) langen Spieltag vor mir halle. Gott sei Dank schlief ich schnell ein und wachte um 9 Uhr morgens wieder auf. Über den Zimmerservice beleihe ich mir einen großen Kaffee und trank. Und trank noch mehr, bis mir irgendwann ganz schwindlig war. Das Spiel sollte zu Mittag beginnen, und um 11 Uhr nahm ich mir ein Taxi für die kurze Strecke zum Rio.

Die ganze Halle brummte vor Aufregung – mehr als zweitausend Spieler, Hunderte von Fans, Verkaufsstände, Funktionäre und andere Zaungäste. Ich war jetzt ganz konzentriert und hörte auf meinem iPod Musik – ausgerechnet I Vow to Thee, My Country -, während ich auf den Startschuss wartete. Mir schienen Ewigkeiten zu vergehen, bis schließlich die Flügeltüren zum riesigen Amazon Room von den Sicherheitskräften aufgestoßen wurden. Man führte uns hinein, und wir harrten unseres Schicksals. Die Räumlichkeiten waren unglaublich. Man muss sich ungefähr die Große eines riesigen Flugzeughangars vorstellen – und das Ganze voller Pokertische. An jedem saß ein Dealer, der da-rauf wartete, dass seine neun Spieler Platz nahmen.

Ich fand meinen Tisch – Nummer 66, Sitz 2. Nach den Formalitäten, bei denen wir unseren Eintrittsschein und einen Lichtbildausweis zeigen mussten, ertönten die unsterblichen Worte Shuffle up and deal! (Mischen und aus-teilen) über den Lautsprecher. Hier saß ich also, auf der größten Veranstaltung, an der ich überhaupt jemals teilgenommen hatte, und sah einem großartigen ersten Tag entgegen. Zuerst musste ich meinen Gegnern auf den Zahn fühlen. Keine namhaften Spieler dabei, das war schon mal gut. Nur acht Männer, die sich für die WSOP anscheinend allesamt übers Internet qualifiziert hatten. Wir bekamen für den Anfang jeder 10.000 Chips (gemischt aus Tausendern in Gelb, Fünfhundertern in Rosa, Hundertern in Schwarz und Fünfundzwanzigern in Grün). Zwischen den Erhöhungen der Blinds sollten jedes Mal bequeme zwei Stunden liegen, angefangen wurde mit 25 und 50.

Ich saß in der ersten Runde im Big Blind, was bedeutete, dass ich an letzter Stelle saß, bevor wir auch nur angefangen hatten! Ich erinnere mich noch, dass ich J, 7 in verschiedenen Farben bekam, und nachdem ein Spieler in mittlerer Position erhöht hatte, gab ich auf, um Schaden zu vermeiden.

Ich brauchte nicht lange, um die Spieler am Tisch zu analysieren. Links von mir saß ein junger Amerikaner in Übergröße mit einer unsäglich lauten Stimme. Und die setzte er auch ein. Bei jeder Gelegenheit. So oft, dass ich mir schließlich die Kopfhörer meines iPod in die Ohren steckte, um sein ständiges Gelaber nicht mehr mit anhören zu müssen – es war sowieso alles völlig sinnfrei. Ich glaube, er war einfach total begeistert, dabei sein zu können. Rechts von mir saß ein älterer Herr, langsam und ruhig, ein bisschen vom Typus Rock. Gegenüber saß der einzige Spieler, den ich an diesem Tisch als gefährlich identifiziert hatte – ein junger, dreister Amerikaner, der genau wusste, was er tat, und keine Angst hatte, seine Chips in die Mitte zu schieben. Weitere drei schienen mir ganz solide Spieler, und bei einem anderen hatte ich das Gefühl, dass er eher loose spielte.

Die erste Stunde ging ereignislos vorbei. Ich spielte ein paar Hände, eine allerdings war ganz interessant. Als ich in mittlerer Position saß, hatten bis zu mir alle gepasst, und ich blickte auf meine zwei Achter. Wie immer ging ich mit, denn ich wollte nicht erhöhen, wenn ich riskierte, dass da-nach ein Spieler mit einer besseren Hand mitging. Zwei andere schlossen sich mir an, einschließlich der übergewichtigen Laberbacke. Auf dem Flop kam 2, 3, 5 – toll für mich mit meinem Over-Pair. Ich erhöhte nach dem Flop – noch einmal 200 Chips -, um dann die Laberbacke zu hören: All-In. Was? So früh wollte ich mein Turnier nicht mit einem Over-Pair aufs Spiel setzen, und mir war klar, dass er über den Flop eine Straße bekommen hatte. Ich gab auf, und er zeigte natürlich stolz seine Nuts: 4, 6. Ich bekam den Pot, aber ich hatte das deutliche Gefühl, dass er schlecht gespielt hatte und auf dem Turn mehr Chips aus mir hätte herausholen können.

Cierade als ich begann, mich am Tisch wohlzufühlen, nachdem ich in einer Stunde auf ungefähr 12.000 Chips aufgestockt hatte, wurde ich umgesetzt. Wenn Spieler aus dem Spiel fliegen, werden die spärlicher besetzten Tische natürlich irgendwann zusammengelegt. Ein Spieler war bereits bei unserem Tisch ausgeschieden (ich bin sicher, es war der loose Spielende), also waren wir als Nächstes dran. Ich wurde zu meinem neuen Tisch ganz nach hinten geschickt, wo ich das Ausspähen meiner Gegner von vorne a n gehen musste. Es war ein geschäftiger Tisch, an dem viel wettet wurde, und ich hatte schnell den Spieler ausgemacht, von dem ich annahm, dass er als Nächstes aus- scheiden würde.

Innerhalb von zwanzig Minuten hatte ich verdoppelt. Vier Spieler gingen vor dem Flop mit, und da ich J, 10 (mit verschiedenen Farben) in der Hand hatte, ging ich auch mit, um den Flop billig sehen zu können. Stellen Sie sich vor, wie ich mich freute, als ich mit 9, K, Q eine Straße bekam, die Nuts. Ich fühlte mit einer ersten Wette vor, und abgesehen von dem einen schwachen Spieler gaben alle auf. Ich schätzte ihn auf A, K oder Two Pair und wusste, dass ich ihn schlagen konnte. Als auf dem Turn eine völlig nutzlose Karte kam, erhöhte ich mit 3000 Chips, um ihm vorzuspiegeln, ich bluffte, um ihn vom Pot abzudrängen. Es funktionierte großartig. Er verkündete All-In!, und ich ging sofort mit. Er drehte seine K, Q um – Top Two Pair also – und war entsetzt, als er meine 10, J sah. Nur ein weiterer König oder eine Dame auf dem River hätte ihn noch retten können, aber es kam nur eine weitere nutzlose Karte. Ich ruinierte ihn gründlichster hatte danach nur noch 1000 Chips oder so übrig, während mein Chipvorrat auf satte 26.000 hochschoss.

In diesem Stadium lag ich bequem über dem Durchschnitt, und es sah gut aus. Aber ganz so einfach ist es eben nie, und zwei Stunden später war ich wieder runter auf 16.000, nachdem ich bei einem Flop mit dem Ass als höchster Karte mit meinem A, 10 an einem A, J gescheitert war, und meine zwei Neuner konnten zwei Over-Cards nicht standhalten. Ich blieb noch vier Stunden an diesem Tisch, bis wir kurz vor der Mittagspause wieder aufgeteilt wurden. Ich wurde umgesetzt an einen Tisch, der näher an der Mitte war, direkt am Geländer des Zuschauerbereichs. Hunderte von Fans drängen sich an diesem Geländer und versuchen, einen Blick auf ihre Helden zu erhaschen oder einfach zuzusehen, wie Leute wie ich absahnten.

Die Zuschauer kennen sich aus und wissen gutes Spiel zu schätzen. Die erste Hand, die ich an meinem Tisch spielte. gefiel ihnen gut. Es ist immer schön, wenn man den anderen Spielern möglichst schnell zeigt, mit wem sie es zu um haben, daher war ich glücklich, als ich zwei Damen auf die Hand bekam. Die Blinds lagen bei 100 bzw. 200 mit einem Ante von 25, also erhöhte ich gleich mal mit 800. Zu meiner Überraschung erhöhte der nächste Spieler nochmals, auf 2000 – und der nächste ging sogar All-In! Da wartet man ewig und drei Tage auf eine gute Starthand, und dann so was! Es wäre leicht gewesen, mitzugehen – denn ich hätte ja immer noch die Nase vom haben können, vielleicht gegen A, K. Aber das war die Sache nicht wert, denn die anderen konnten genauso gut A, A oder K, K halten. Also gab ich auf, und die beiden fochten den Kampf untereinander aus. Nachdem sie ihre Einsätze gemacht ballen, zeigten sie ihre Karten: Der eine hatte K, K, der andere A, A! Es war gut gewesen, dass ich aufgegeben hatte, und die Zuschauer belohnten mich mit einem Applaus. Zufällig kam auf dem Turn dann ein König, der die Asse tatsächlich noch schlug. Was für ein Pech!

Dann hatten wir eine Pause zum Willkommensdinner, ich ging mit ca. 16.000 Chips – das entsprach ungefähr dem Durchschnitt – in die Pause. Zu diesem Zeitpunkt waren wir schon um die 800 Spieler weniger. Doch wenn ich große Turniere spiele, kann ich einfach nichts essen, also hielt ich mich an eine Flasche Wasser und Zigaretten (eine üble Angewohnheit, aber wenn man während des Turniers nicht rauchen kann, hat man in den Pausen solchen Nachholbedarf). Ich suchte meine Kollegen von PokerStars, und wir tranken einen Kaffee zusammen und stärkten uns gegenseitig den Rücken. An den Tischen kommen zwar Kellner, und für das übliche Trinkgeld von 1 $ bekommen Sie so viel Wasser und Cola, wie Sie möchten, aber das führt meistens dazu, dass man eine Toilettenpause braucht, und das ist nicht gut, weil man dadurch zu viele Runden verpasst.

Der Rest des Tages verlief unspektakulär. Ich wurde für die letzten zwei Stunden noch einmal an einen anderen Tisch gesetzt, wo ich mich auf 17.775 Chips hocharbeitete (knapp unter Durchschnitt), bevor das Ende der Spiele verkündet wurde – um 2 Uhr 30 in der Nacht. Ich war sehr müde, aber auch in Hochstimmung, weil ich den ersten Tag heil überstanden hatte. Aber mit schnell ins Bett gehen wurde es nichts. Stattdessen mussten unsere Chips noch gezählt, in Beutel gepackt und der Empfang bestätigt werden, und wir mussten unsere Plätze für Tag 2B per Los ermitteln (die Überlebenden von 1A und 1B spielten vor uns, an Tag 2A). Das dauerte über eine Stunde, und dann stürzten sich alle auf die Taxis. Die Schlange war elend lang, also zögerte ich nicht, mir eine Stretchlimousine zu bestellen, die ich mir auf dem Rückweg nach Treasure Island mit einem Schweden teilte, der sich an diesem Tag auch wacker geschlagen hatte. Um 4 Uhr morgens kam ich schließlich ins Bett und schlief wie ein Baby, bis mich am nächsten Morgen um 10 Uhr meine Familie weckte, die unbedingt wissen wollten, wie es mir tags zuvor ergangen war.

Am Dienstag hatte ich also wieder einen freien Tag, während 2A ihre Kämpfe austrugen. Große Namen fielen in besorgniserregendem Tempo: Doyle Brunson, Phil Hellmuth, Chris Moneymaker, Isabelle Mercier, Devilfish und Howard Lederer waren nur ein paar von den Namen, die mit leeren Händen in der Hitze von Vegas verschwanden. Ich ruhte mich also wieder gut aus, nahm ein leichtes Abendessen zu mir und ging vor meinem nächsten Spiellag früh schlafen. Meine Familie musste auch wieder nach England zurück und machte sich jetzt auf den Weg zum Flughafen. Nach einem rührenden Abschied sprang ich ins Taxi und fuhr zum Rio-Hotel.

Ich hatte mir vorgenommen, meinen Chipvorrat stetig an wachsen zu lassen, um meine Chancen zu wahren, aber kaum hatten wir unsere Plätze für Tag 2 eingenommen, da wurde der Tisch auch schon wieder aufgehoben. An meinem neuen Tisch blieb ich dann aber für den Rest des ganzen Tages. Die verbliebenen Teilnehmer waren natürlich gute Spieler, denn sie hatten ja auch schon einen ganzen lag überlebt. Es würde mir also nichts geschenkt werden. Aber die Dinge wurden schnell leichter, als ich auf über 40.000 verdoppelt hatte. Die Blinds standen bei 300 bzw. (>00, die Antes bei 75, da hatte ich als Starthand zwei wunderbare Asse und erhöhte gleich einmal ordentlich auf 1000. Zu meiner großen Freude ging ein Spieler mit einem ansehnlichen Chipvorrat (um die 70.000) All-In. Ich ging natürlich mit, und er zeigte K, K. Vom Flop, Turn und River bekam er auch nichts Verwendbares mehr, und ich war lein raus. Dachte ich jedenfalls! Eine Stunde später war ich wieder runter auf 20.000, als meine J, J nichts gegen A, Q auszurichten vermochten.

Ich konnte mich noch einmal verbessern, als ich mit meinen 10, 10 All-In ging, gegen einen Spieler, der mit A, k mitgegangen war, aber damit war mein Glück für diesen Tag dann auch zu Ende. Die Blinds gingen langsam in schmerzhafte Höhen – 600 und 1200 mit einem Ante von 700, was bedeutete, dass jede Runde 3600 kostete! Ich schlug mich weiter durch und hoffte, dass es reichen würde, um Tag 2 zu überstehen und Tag 3 weiterspielen zu können, an dem die Platzierungen, für die Gewinne ausgezahlt wurden, schon bald in greifbare Nähe rücken würden.

Aber mit nur ungefähr 10.000 verbliebenen Chips würde das schwierig werden, und ich musste zumindest einmal verdoppeln, um sicherzustellen, dass ich es schaffte. Zwanzig Minuten vor Spielende (es war kurz vor Mitternacht) glaubte ich die perfekte Chance zu haben. Ich war auf dem Button, und vor mir hatten alle gepasst. Ich blickte auf meine Starthand: 10, 10 – eine großartige Gelegenheit. Ich verkündete All-In, hoffte, dass der Small und Big Blind aufgeben oder mit einer mittelmäßigen Hand mitgehen würden. Zu meinem großen Schrecken erhöhte der Small Blind nochmals – und der Big Blind ein weiteres Mal, mit allem Selbstvertrauen der Welt. Jetzt wusste ich, dass ich in Schwierigkeiten war. Der Small Blind gab auf, und jetzt standen nur noch der Big Blind und ich uns gegenüber. Ich drehte meine 10, 10 um und wusste in dem Moment schon, dass ich schlechter dastand als er – und natürlich drehte er Q, Q um. Konnte das Wunder über Flop, Tum oder River geschehen? Nein.

Also flog ich zwanzig Minuten vor dem Ende von Tag 2 raus – auf dem 1100. Platz von 8773 Teilnehmern. Ein Gewinn wurde bis Platz 870 ausgezahlt, ich war also nicht weit am Geld vorbeigeschrammt. Mein Weg aus dem Saal hinaus war langsam und schmerzlich. Ich war so weit gekommen und hatte gegen die besten Spieler der Welt so gut gespielt, aber das reichte noch nicht aus.

Ein Taxi brachte mich zurück nach Treasure Island, wo mein Zimmer leer war, weil meine Familie schon irgendwo über dem Atlantik schwebte. Ich lag stundenlang wach und ging mein Spiel im Kopf immer wieder durch. Ich hatte ein paar tolle Spiele gemacht, hatte teilweise mehr als
40.000 Chips gehabt, aber dann hatte ich ein paar Fehler und ein bisschen Pech hie und da teuer bezahlen müssen. Wenn meine zwei Zehner am Schluss nur standgehalten Hütten, dann hätte ich am Freitag ins Rio zurückgehen und Tag 3 mit genügend Chips spielen können, um es bis auf die Platzierungen zu schaffen, für die es Gewinne gab.

Stattdessen waren die World Series für dieses Jahr erledigt für mich. Also blieb mir noch eine Woche allein in Vegas, sodass ich noch ein wenig schreiben und ein paar Cash-Games spielen konnte. Diese Spiele – ich spielte vor Ilern im Treasure Island Poker Room und im nahe gelegenen Mirage-Hotel – waren erfolgreich. Ich spielte meistens 1 $, 3 $ No-Limit und gewann mehr als genug, um meine Ausgaben für diesen Urlaub zu decken. Die Heimreise, die eigentlich schon lang genug gewesen wäre, wurde durch die verschärften Sicherheitskontrollen am Londoner Flughafen noch unerträglich in die Länge gezogen. Aber es war schön, nach Hause zurückzukommen, zum relativ friedlichen Internetpoker und den britischen Kartenclubs.

Was die World Series betrifft, sollten Sie einfach selbst mal hinfahren und teilnehmen, wenn sich eine Gelegenheit für Sie bietet. Es ist wirklich ein Zermürbungskrieg epischen Ausmaßes, aber einer, den Sie niemals vergessen werden. Gegen die besten Spieler der Welt anzutreten ist unvergesslich. Und das war es sicher auch für Jamie Gold, den amerikanischen Show-Agenten, der mit dem ersten Preis nach Hause ging. Jetzt zählt er seine 12 Millionen Dollar. Aber dort gewesen zu sein, teilgenommen und die Hochs und Tiefs erlebt zu haben, das war jeden Cent wert, Ich schwör’s.

PokerStars-Tipps
Greg Raymer, WSOP-Champion 2004, PokerStars-Team:
Ich glaube, die WSOP gewinnt man genauso wie jedes andere Turnier oder Pokerspiel. Man muss immer daran arbeiten, sein Spiel zu verbessern, und jedes Spiel für sich spielen.