Was man noch über das Radsport-Wetten wissen soll

Sie haben den Radsport als Spielwiese für die eine oder andere Wette ins Visier genommen? Seien Sie sich bewusst, dass Sie damit kein einfaches Terrain betreten denn auch wenn bei den Rad-Assen weit mehr Teamarbeit im Spiel ist als man es auf den ersten Blick vermuten mag, funktioniert diese Disziplin nicht wie eine Mannschaftssportart. Es ist nicht wie beim Fußball, wo möglicherweise die Nebenspieler den Durchhänger des Spielmachers kompensieren – vom Trainer und seinen Auswechseloptionen ganz zu schweigen.

Im Radsport zählt die Form des Individuums. Und so gut die Vorbereitung auf das jeweilige Ereignis auch immer gewesen sein mag – die Form ist ganz zwangsläufig gewissen Schwankungen unterworfen. Das hat selbst der sonst meist so unangreifbare Amerikaner Lance Armstrong feststellen müssen, nämlich bei der Tour de France von 2004, als er bei einem Zeitfahren bis dato nie da gewesene eineinhalb Minuten auf seinen Rivalen Jan Ullrich einbüßte und damit das Rennen um den Gesamtsieg noch einmal unerwartet spannend werden ließ. Oder Ullrich selbst, der 1997 im Eisass einen plötzlichen Schwächeanfall erlitt und nur dank der wortgewaltigen Mithilfe seines Teamkollegen Udo Bölts das schon sicher geglaubte gelbe Trikot rettete. Ein Jahr später hatte Ullrich in einem ähnlichen Fall weniger Glück. Seinerzeit jagte ihm der inzwischen verstorbene Italiener Marco Pantani das wertvolle Textil ab und durfte sich anstelle des favorisierten Deutschen in Paris als Gesamtsieger feiern lassen.

Da ist es prinzipiell relativ egal, ob man nun mit einem Langzeittipp etwa auf den kommenden Tour-Champion oder per Einzeltipp auf den Tagessieger setzt. Schon kleine Formschwankungen, Verletzungen oder andere unvorhergesehene Ereignisse können kleine und größere Ziele binnen kürzester Zeit zunichtemachen. Das mag ein wenig nach Lotterie klingen. Doch keine Sorge, ganz so sehr sind auch die Radrennen nicht dem Zufall unterworfen: Gerade bei Langzeittipps erweist sich der Sport der Zweirad-Asse meist als durchaus berechenbar.

Für die Tour de France wird in der Fachwelt meist schon sehr frühzeitig ein Grüppchen von vier bis fünf Favoriten gehandelt. Und aus diesem Grüppchen, das zeigt die Erfahrung, rekrutiert sich meist auch der Sieger. Wer seinen Tipp auf den Toursieger schon ein Jahr im Voraus abgibt, der wird zwar selbst im Falle von Topfavoriten mit zumindest ordentlichen Quoten belohnt. Letztlich ist ein derartiger Tipp aber mehr vom Glück als von guter Sachkenntnis abhängig. In einem Jahr kann schließlich viel passieren: eine Formkrise, eine Verletzung, oder vielleicht greift ja auch eine neue Größe im Kampf um die Spitze ein. Wer seine Wette zeitnäher abschließt, dessen Tipp beruht wiederum auf einem fundierteren Urteil – doch werden gerade Favoritentipps dann natürlich mit weit schlechteren Quoten bestraft.

Wer indes ein sichereres Auge bei der Suche nach den leider seltenen, neuen Gesichtern im Kampf um die Spitze beweist, der kann seine Chancen auf manch guten Extra-Euro ganz erheblich verbessern. Wer in den vergangenen Jahren bei der Frage nach dem Toursieg auf Lance Armstrong, Jan Ullrich oder den Italiener Ivan Basso tippte, der konnte aus gutem Grund nicht mit nennenswerten Gewinnen rechnen. Doch auch diese Sterne der Radsportszene mussten erst einmal aufgehen. Wäre das Wettgeschäft 1996 schon weiter entwickelt gewesen, hätte ein Tipp auf Jan Ullrich in die Top-3 der Tour gutes Geld bringen können. Immerhin radelte der Jung-Profi seinerzeit im Gleichschritt mit seinem Team-Kapitän Bjarne Riis bis auf Platz zwei. Oder wer hätte geahnt, dass Lance Armstrong nach überstandener Krebserkrankung 1999 das Zeug hatte, die „große Schleife“ durch Frankreich zu gewinnen.

Ein wenig anders sieht die Sache bei den kleineren Rundfahrten aus. So klar die Favoritenrolle in den meist auch viel dünneren Teilnehmerfeldern vergeben sein
mag – ein Außenseitertriumph liegt immer im Bereich des Möglichen. Schließlich haben Stars wie Ullrich oder Armstrong ihr Training nur selten auf diese Gelegenheiten ausgerichtet. Für sie waren etwa die Auftritte im Frühjahr oder Frühsommer meist nur Gelegenheiten, den eigenen Körper in die angemessene Wettkampfform für die Tour de France zu bringen. In diesen Phasen loten Fahrer noch nicht durchweg ihre Grenzen aus – ein Erfolg ist damit sogar ziemlich unwahrscheinlich. Ähnlich sah es in der Regel bei den Starts nach dem großen Saison-Highlight aus. Meist zeigt die Formkurve dann schon wieder merklich nach unten, und der Start dient mehr wirtschaftlichen Zwecken als ernsthaften sportlichen Ambitionen. 2005 etwa beteiligte sich das Team T-Mobile mit Größen wie Jan Ullrich oder Alexander Winokurow an der Deutschland-Tour – wohl wissend, dass der Sieger in Bonn, nur unweit des Firmensitzes von Sponsor T-Mobile, gekürt werden würde. Doch es kam so, wie es in solchen Fällen des öfteren kommt: Winokurow blieb vom ersten Tag an ein Schatten seiner selbst und gab schließlich lustlos auf der kränkelnde Ullrich kämpfte zwar redlich, musste am Ende aber dem in bestechender Form auftretenden Amerikaner Levi Leipheimer vom deutschen Konkurrenzteam Gerolsteiner den Vortritt lassen. Leipheimer gewann die beiden wichtigsten Etappen, schlug dabei sogar seinem höher eingeschätzten Teamgefährten Georg Totschnig ein Schnippchen und durfte in Bonn auf die höchste Stufe des Siegertreppchens klettern. Noch so ein Tipp, der sich hätte auszahlen können.

Anders herum packen Topfavoriten vor einem Großereignis wie der Tour de France oft längst nicht ihr ganzes Leistungsvermögen aus. Lance Armstrong etwa radelte 2004 oder 2005 bei Rundfahrten in Südfrankreich unerklärlich weit hinter der Konkurrenz her und stand wenig später bei der Tour eben doch wieder als die dominierende Figur im Rampenlicht. Was für ein Ansatzpunkt für einen gelungenen Außenseitertipp!

Aber es muss ja auch gar nicht immer der Kampf um den Gesamtsieg sein, der zum Gegenstand einer Wette gemacht wird. Schauen Sie bei Ihren Recherchen in der Radsportszene einmal genau hin: Vielleicht können Sie ja auch ein neues Kletter- oder Sprinttalent ausmachen, dem Sie den Sprung auf die ganz große Bühne Zutrauen. Gerade in diesen Bereichen sind die Buchmacher meist sehr starr auf die einschlägigen Szenegrößen fixiert, doch die Erfahrung zeigt, dass im Kampf um die „kleinen Trikots“ ein Außenseiter-Triumph weit wahrscheinlicher ist. So geschehen erst unlängst bei der Tour 2005, als der Däne Mikael Rasmussen aus dem niederländischen Rabobank-Team ins Rampenlicht stürmte und das rotgepunktete Bergtrikot bis nach Paris brachte.

Doch hüten Sie sich beim Tipp auf den künftigen Gewinner jener Trikots vor den Anwärtern auf den Gesamtsieg gerade die Tour de France wird Jahr für Jahr auf den Etappen im Hochgebirge entschieden, und es sind dementsprechend zuverlässig die Topfavoriten, die hier auf den Teilstücken den Ton angeben. Doch mehr als vordere Platzierungen wird das den Szenegrößen in den Teilwertungen nicht einbringen. Wer in Paris das grüne oder rotgepunktete Trikot auf den Schultern tragen will, der muss über die vollen drei Wochen intensiv um die bei den jeweiligen Wertungen zu vergebenden Punkte kämpfen, wobei ein um den Gesamtsieg fahrender Athlet zwangsläufig zu viele Kräfte verbrauchen würde. Bei der Beurteilung eines möglichen Anwärters auf die wertvollen Trikots sollten Sie auch das Stehvermögen einzuschätzen versuchen. So sprintstark beispielsweise ein einzelner Athlet sein mag – er muss auch in der Lage sein, über volle drei Wochen hinweg seine Leistung zu erbringen. Die Fahrt durchs Hochgebirge inklusive, bei der es in einem vorgegebenen Zeitlimit ans Ziel zu kommen gilt der Italiener Mario Cipollini etwa demonstrierte bei mehreren Tour-Auftritten auf den Flachetappen seine Sonderklasse im Sprint und stieg dann pünktlich vor dem schmerzhaften Teil der Tour aus. Solange zumindest, bis ihn die Organisatoren wegen dieser „Respektlosigkeit“ von allen weiteren Auflagen des berühmtesten Radwettbewerbs der Welt aussperrten.

Der Angriff auf alle Wertungen indes ist für die Stars trotz der damit meist verbundenen Geldprämien meist gar nicht notwendig. Hier kommt der Teamfaktor der Sportart ins Spiel. Auch wenn im Radfahren der individuelle Athlet naturgemäß die weit größere Öffentlichkeitswirkung hat als eine komplette Mannschaft, treten Radsportler bei den großen Wettbewerben nie als wirkliche Einzelgänger auf. Abhängig vom Ereignis kann jeder zugelassene Profirennstall eine verschiedene Anzahl an Fahrern für einen Wettbewerb melden.

Für die Tour de France startberechtigte Teams etwa schicken neun Athleten auf die Reise. Bei der Zusammensetzung des Kaders gibt es natürlich denkbar unterschiedliche Herangehensweisen. Als einzige echte Gemeinsamkeit haben die Mannschaften alle einen Kapitän benannt. Das ist im Normalfall derjenige Fahrer, der Ambitionen auf das Gesamtmasse ment hat. Eine Position, an der üblicherweise während eines Ereignisses nur dann gerüttelt wird, wenn offensichtlich einer der so genannten Wasserträger besser in Form ist als der Chef selbst. So startete Ullrich etwa 1997 als Helfer für seinen Kapitän Bjarne Riis in die Tour de France und blieb dieser Rolle auch trotz offensichtlich besserer Möglichkeiten eisern treu. Bis ihm Teamchef Walter Godefroot während einer schweren Pyrenäen-Etappe das Freizeichen gab, das Ullrich prompt zum Griff nach dem gelben Trikot nutzte.

Die Stellung des Kapitäns wird freilich unterschiedlich ausgelegt. „Alleinherrscher“ Lance Armstrong etwa hat sich bei der Tour de France stets ein Team zusammenstellen lassen, das einzig und allein seinem Ziel unterworfen war: dem Gesamtsieg. Die acht Teamgefährten hatten ihren Kapitän auf der Strecke zu versorgen, hatten Tempoarbeit zu machen um lästige Konkurrenten abzuschütteln oder entwischte Fahrer wieder einzuholen. Und sie sollten nach Möglichkeit auch einigermaßen begabte Zeitfahrer sein. Schließlich hat sich Armstrong bei seinen Tour-Triumphen meist schon im Mannschafts-Zeitfahren, das üblicherweise in der ersten Woche ausgetragen wird, einen Vorsprung geholt, den er später nur noch zu verwalten hatte.

Ullrichs Team T-Mobile beziehungsweise Telekom dagegen startete bis 2005 in der Regel mehrgleisig orientiert ins Saisonhighlight. Zwar war das Augenmerk durchaus darauf gerichtet, dem Kapitän zum zweiten Toursieg zu verhelfen. Doch in Erik Zabel hatte das Team noch einen zweiten Star in seinen Reihen, der sich seiner Antrittsschnelligkeit wegen voll auf den Kampf um das grüne Trikot des besten Sprinters konzentrierte. Immerhin das hat sich ausgezahlt – Zabel entschied stolze sechs Mal den Kampf um das höchst angesehene Sprintertrikot für sich, so oft wie kein anderer vor ihm in der langen Geschichte der Tour. Und wie T-Mobile Zabel in seinen Reihen hatte, haben auch andere Teams stets den einen oder anderen Spezialisten mit ins Rennen geschickt. Wenn das gelbe Trikot realistisch gesehen nicht zu haben ist, sind die ebenfalls mit ordentlichen Geldprämien dotierten anderen Trikots nicht die schlechteste Alternative. Wobei gerade die Sprinter bei der Vorbereitung des Endspurts in einer Etappe manche Kräfte der Helfer für sich beanspruchen – inwieweit diese Kräfte dann im Rennen um das gelbe
Trikot fehlten, darüber sind sich traditionell auch die Experten uneins. T-Mobile zumindest hat sich 2005 zur Abwechslung einmal voll auf den Kampf um den Gesamtsieg konzentriert. Am Ende hatte man zwar die Mannschaftswertung der Tour gewonnen, für den zwei Mal gestürzten Jan Ullrich blieb in der Endabrechnung jedoch „nur“ Platz drei.

Geht es um einzelne Etappen, dann wird die Einschätzung der Favoriten erheblich schwieriger denn auch wenn sich in der Endabrechnung einer Rundfahrt zuverlässig die Stars an der Spitze eines Klassements versammeln, so stehen im Etappenalltag meist andere Gesichter im Blickpunkt. Armstrong etwa entschied bei seinem siebten und letzten Toursieg 2005 eine einzige Etappe für sich. Doch im Regelfall muss der Tipp auf den Tagessieger kein reines Glücksspiel sein. Abhängig vom Streckenprofil der jeweiligen Etappe begrenzt sich die Zahl der Sieganwärter meist auf ein überschaubares Maß.

Wer sein Geld auf den Ausgang einer einzelnen Etappe setzen will, sollte neben den allgemeinen Informationen über die Befindlichkeiten der Fahrer vor allem das Profil des bevorstehenden Teilstücks im Auge behalten. Auf den in der ersten Tour-Woche üblichen Flachetappen ist die Chance für erfolgreiche Ausreißversuche überaus gering. Diese Etappen stehen praktisch ausnahmslos im Zeichen der Sprintspezialisten. Wobei sich hier meist sehr schnell andeutet, welcher Fahrer aktuell die beste Endgeschwindigkeit und das größte Stehvermögen mitbringt. Fast im selben Ausmaß sind die Etappen im Hochgebirge – abseits vom Showdown der Superstars um die Gesamtführung – eine sichere Domäne der Kletterkünstler im Feld. Wobei es hier die ganz besonderen Tage zu beachten gilt. Wenn die Tour de France in den Pyrenäen die Grenzen zum Nachbarland Spanien erreicht, dann sind gerade die vielen spanischen Kletterasse wie Iban Mayo besonders motiviert.

Am schwersten fällt die Prognose üblicherweise, wenn es durch welliges Gelände geht. In diesem Terrain nämlich sind Ausreißversuche programmiert. Immer wieder versuchen einzelne Grüppchen dem Feld zu enteilen – am Ende hängt es vom Durchhaltevermögen, von der Organisation des Verfolgerfeldes und so manch anderen Faktoren ab, wer Erfolg hat. Doch auch für diese Fälle lassen sich bei den Feldern der Tour so manche Spezialisten ausmachen. Einer davon kam in diesen Jahren auch zuverlässig aus Deutschland: Der Berliner Jens Voigt gehörte zu jenen Fahrern, die unermüdlich ihr Heil in der Flucht suchten.

Manchmal ist es nicht der schlechteste Tipp, die Aktivität einzelner Fahrer in den vorangegangenen Etappen unter die Lupe zu nehmen. Hat ein Athlet immer wieder Fluchtversuche gestartet, dann wird er es auch wieder tun – bis einer vielleicht zum Erfolg führt.

Doch ziehen Sie daraus für die Auswahl Ihrer Wette nicht die falschen Schlüsse der Großauftritt eines Fahrers an einem Tag heißt im Radsport keineswegs, dass dieser Athlet automatisch auch am nächsten Tag wieder zu den heißen Sieganwärtern zählt. Zu einem derartigen Kunststück sind normalerweise nur die absoluten Superstars der Szene fähig. Andere Fahrer lassen einem außergewöhnlichen Kraftakt eher einen kapitalen Einbruch folgen.

Bei den klassischen Eintagesrennen sind natürlich etwas andere Maßstäbe anzusetzen. Die Rundfahrtspezialisten sind hier zwar in Einzelfällen am Start, in der Regel aber ohne nennenswerte Siegambitionen. Häufig treten diese Fahrer sogar als Helfer für die sonst im Schatten stehenden Kollegen auf. Gerade bei den Frühjahrsklassikern zu Beginn der Straßensaison kristallisieren sich sehr schnell jene Akteure heraus, deren Augenmerk diesen Tagesrennen und der UCI ProTour-Rangliste gilt. Auch hier erlaubt ein Blick auf das Strecken profil gewisse Vorhersagen, welche Fahrertypen im Vorteil sind. Bedingt durch die sehr langen Strecken – der zu Saisonbeginn anstehende Klassiker Mailand-San Remo ist mit 290 Kilometern der dickste Brocken – sind jedoch meist Sprinter oder Allrounder mit Sprintqualitäten im Vorteil. Setzt das Feld auf den langen Strecken einem Ausreißversuch zeitig ein Ende, dann machen die Sprintspezialisten den Sieg unter sich aus. Haben die Ausreißer das nötige Stehvermögen, ihren Fluchtversuch bis ins Ziel zu bringen, dann setzt sich am Ende der schnellste Mann der Ausreißergruppe durch. 2005 etwa entschied mit dem Italiener Danilo DiLuca ein Mann aus letzterer Kategorie die UCI ProTour für sich. Doch mit dem Belgier Tom Boonen brachte es ein ausgemachter Sprintspezialist immerhin auf Platz zwei.
Besonderen Reiz haben wie bei so vielen Einzelsportarten die Live- Wetten, die vor allem beim Branchenführer bwin besonders reichhaltig im Angebot stehen. Überquert Jan Ullrich die Ziellinie vor Ivan Basso? Wird die Etappe im Sprint entschieden? Macht Jan Ullrich gegenüber Lance Armstrong Zeit gut? Die Fantasie kennt bei den stetig wechselnden Fragen keine Grenzen.