Texas Holdem in einem professionellen Poker-Club spielen

Start im Casinoland Landminen umgehen Einen Jackpot gewinnen
Das Blitzlicht, Glanz, Glamour und Wichtigkeit angeht, schlägt nichts einen professionellen Kartenclub oder ein Spielcasino als Ort, um Poker zu spielen. Mit schönen Spieltischen, bequemen Stühlen, professionellen Kartengebern, klaren Regeln und behördlicher Überwachung sind sie die schönsten Orte der Welt, um Poker zu spielen.

Alle professionellen Kartenclubs und -casinos arbeiten mehr oder weniger gleich und – wie Sie vermutlich ahnen – sind so organisiert, dass jeder so schnell wie möglich zum Spiel kommt. Es gibt immer ein detailliertes Regelwerk, dessen wichtigste Elemente deutlich sichtbar aus- hängen. Es gibt die Regeln auch in Form von kleinen Broschüren und es empfiehlt sich, ein Exemplar zu erfragen und es gründlich zu studieren. Das gilt besonders, wenn der Club einen Jackpot ausschüttet. Oft sind die Bedingungen, unter denen er ausgezahlt wird, etwas verzwickt, deswegen ist es enorm wichtig, dass Sie sich in der extrem selten auftretenden Jackpotsituation richtig verhalten, sollte Fortuna Ihnen so hold sein, dass Sie tatsächlich einmal auftritt (mehr zum Thema Den Jackpot zu erwischen versuchen später in diesem Artikel).

Vorstellung des Personals
Hier nun eine virtuelle Tour, damit Sie erfahren, wer in einem amerikanischen Cardroom welche Aufgaben übernimmt. Nahezu die identische Organisation finden Sie in den Kartenclubs in Wien, zum Beispiel im Concord Card Casino. Die Organisation in deutschen Spielbanken mit Pokerangebot ist weniger personalintensiv. Das liegt zum einen daran, dass Poker nicht deren Hauptgeschäft ist, zum anderen, dass dort selten mehr als drei oder vier Tische verfügbar sind. Mehr zu Pokern in deutschen Spielbanken später in diesem Artikel.

Der Mann an der Tafel
Eine große weiße Tafel ist das zentrale Steuerungsinstrument im Kartenclub. Dort steht die Boardperson und überwacht das Platzangebot und die Wartelisten für laufende Spiele. Interessenten melden sich bei der Boardperson und sie trägt ihre Namen, Initialen oder Spitznamen mit einem dicken Filzstift in Listen auf der Tafel ein. Wenn Sie bereits wissen, welches Limit Sie spielen wollen, sagen Sie es der Person und Ihnen wird entweder direkt ein freier Platz angeboten oder Sie kommen auf die Liste. Sie können sich für mehrere Limits vormerken lassen und sobald ein Platz frei wird, werden Sie über Lautsprecher gerufen. In modernerer Form erfüllt heutzutage meist ein Computer mit riesigem Plasmabildschirm die Funktion der guten alten Tafel.

Wenn die Wartelisten lang sind und es trotzdem leere Tische gibt, verzweifeln Sie nicht. Es kann sein, dass gerade kein Kartengeber verfügbar ist. Aber es liegt selbstverständlich im Interesse des Clubs, niemanden lange warten zu lassen. Wartende Gäste sind a) unzufrieden und b) zahlen keine Taxe. Wenn Sie gerufen werden, bezieht sich die Boardperson immer auf einen bestimmten Tisch, indem sie Ihnen eine Nummer nennt. Sie finden die Tischnummer entweder auf einem Schild neben dem Chipfach des Dealers oder es hängt direkt über dem Tisch. Wenn Sie Ihren Platz nicht finden können, fragen Sie jemanden vom Personal, z.B. den Floorman (Saalchef).

Der Floorman (Saalchef)
Der Floorman ist verantwortlich für die operativen Dinge im Kartenclub. Er ist Vorgesetzter der Kartengeber und seine Entscheidung bei Streitfällen ist endgültig. In besonders kleinen Clubs ist meist einer in Personalunion Boardman und Floorman (und fragen Sie mich nicht, warum die alle Schnurrbärte tragen).

Der Dealer (Kartengeher)
Ja, es ist genau so, wie Sie denken. Der Geber spielt selbst nicht mit, er agiert nur als Dienstleister und leitet das Spiel und steuert den Ablauf. Wann immer Sie ein Problem beim Spiel haben, sollten Sie zunächst den Dealer fragen (nicht die anderen Spieler). Wenn Ihnen seine Antwort oder Entscheidung nicht gefällt, können Sie immer nach dem Floorman rufen lassen. Manchmal gibt der Dealer Ihnen auch Ihre Chips. Legen Sie einfach Ihr Geld auf den Tisch und das Personal wird Ihnen sagen, was Sie tun müssen.

Der Chiprunner
Ein weiterer Dienstleister, den man in größeren Casinos findet. Er nimmt Ihr Bargeld entgegen und wechselt es an der Kasse in Chips, die er dann möglichst schnell zu Ihnen zurückbringt. Er macht es wirklich so schnell wie möglich, rennt aber nicht dabei, daher ist die Bezeichnung Chiprunner eindeutig unpassend (wir nehmen an, er arbeitet wirklich für das Casino, wenn nicht, rennt er allerdings doch, nämlich aus dem Haus, mit den Sicherheitsleuten im Nacken).

Der Kassierer
Die Kasse wird auch als Käfig bezeichnet (wegen der Gitter). Hier sitzen die Kassierer, die Ihnen Bargeld für Ihre Chips zurücktauschen, nachdem Sie aufgehört haben zu spielen. In großen Casinos gibt es meist eine eigene Kasse für den Pokerbereich. Nutzen Sie diese besonderen Kassen, wenn möglich. Dort sind die Schlangen immer kürzer als im übrigen Spielbereich. Wenn etwas auch nur leicht Ungewöhnliches passiert – z.B. Sie gewinnen eine größere Summe, haben einen Disput mit einem anderen Spieler oder wollen dem Mann in Uniform einfach nur etwas näher sein, dann können Sie den Kassierer immer bitten, dass er Ihnen jemand vom Sicherheitspersonal zur Seite stellt, wenn Sie das Casinogelände verlassen wollen.

Proposition Players, Props
Diese Leute erhalten vom Casino ein kleines Gehalt, damit sie Spiele am Laufen halten. Allerdings müssen Proposition Player ihr eigenes Geld einsetzen und riskieren (ansonsten wäre es ohne Zweifel ein Traumjob mit langen Wartelisten – wer möchte nicht mit dem Geld anderer spielen und dafür auch noch bezahlt werden). Nahezu alle Casinos haben die Regel, dass Props entweder eindeutig erkennbar sein müssen (z.B. durch ein kleines Schild) oder sich auf Nachfrage eines Spielers identifizieren müssen. Es könnte zunächst etwas einschüchternd wirken, gegen einen professionellen und bezahlten Spieler antreten zu müssen. In Wirklichkeit sind Props aber ganz normale Leute wie viele andere auch.

Nach meiner Erfahrung spielen sie sehr solide, aber nicht extravagant. Man kann sie besiegen, so wie jeden anderen auch, allerdings gehören sie meist zu der etwas härteren Sorte von Spielern, da sie sehr genau wissen, was sie tun. Üblicherweise finden Sie Props nur, wenn Tische unterbesetzt sind oder wenn ein neuer Tisch in Gang gebracht werden soll. Es gibt keinen Grund für das Haus, Props an vollbesetzten Tischen spielen zu lassen. Wie Sie wissen, erlebt Poker seit geraumer Zeit einen ziemlichen Aufschwung (das ist auch ein Grund, warum Sie diesen Poker-Ratgeber lesen) und mit zunehmender Popularität müssen die Clubs nicht mehr so viele Props engagieren. Tatsächlich werden sie sogar etwas selten, aber wenn Sie einmal neugierig sind, lohnt es sich, nach ihnen zu fragen.

Shills
Shills kann man mit Props vergleichen, allerdings spielen sie mit Geld des Hauses und dürfen ihre Gewinne nicht behalten. Deswegen haben sie ziemlich enge Vorgaben, ShillRules (Regeln) genannt, die genau festlegen, was sie während der Wettrunden dürfen und was nicht. Man könnte Shills als die Dinosaurier der Pokersäle bezeichnen, die kurz vor dem Aussterben sind. In den letzten zehn Jahren habe ich sie nur in Spielen gesehen, wo es darauf ankam, die Jackpotbedingungen herzustellen – Sie bekamen ihre Karten und stiegen automatisch aus (mehr zu Jackpots später in diesem Artikel).

Angestellte außerhalb der Dienstzeit
Manche Casinos erlauben ihren Angestellten zu spielen, wenn sie keinen Dienst haben. Die Regularien erfordern allerdings nahezu überall, dass sie als Angestellte erkennbar sind, z.B. durch ein entsprechendes Namensschild. Wie jemand für acht Stunden als Dealer arbeiten kann und sich anschließend einfach auf die andere Seite des Tisches setzen kann, ist mir unbegreiflich. Nach meiner Erfahrung stellen diese Leute bei höheren Limits eine Bedrohung dar, bei niedrigen Einsätzen aber in keiner Weise.

Auf geht’s
Wenn Sie sich entschieden haben, ein Spielchen in einem professionellen Kartenclub zu versuchen, halten Sie sich an folgende Schritte:
1. Halten Sie Bargeld und einen Ausweis bereit. Wenn Sie Bargeld brauchen, heben Sie es an einem Automaten außerhalb des Casinos ab, dort sind die Gebühren meist niedriger. Besonders die ATM-Gerate in amerikanischen Casinos kassieren saftige Gebühren. Fast alle Kartenclubs fordern, dass die Spieler einen Lichtbildausweis dabei haben, obwohl Sie eventuell nie danach gefragt werden (ich wurde bisher nur bei größeren Turnieren danach gefragt).

2. Klären Sie bei der Boardperson, welche Limits dort gespielt werden. Sie wird Ihnen entweder sofort einen freien Tisch zuweisen oder Sie auf eine Liste setzen (Sie können sich auf mehrere Listen setzen lassen).

3. Wenn der Floorman Sie zu Ihrem Tisch führt, teilen Sie ihm oder dem Dealer mit, wie viele Chips Sie kaufen möchten. Legen Sie Ihr Geld auf den Tisch. In manchen Häusern gibt Ihnen der Dealer Chips aus seinem Vorrat, manchmal besorgt aber auch ein Chiprunner Ihnen Chips von der Kasse. Keine Sorgen wegen der Vorgehensweise – man wird es Ihnen sagen.

4. Wenn der Dealer Ihnen sagt, Sie müssen einen Blind platzieren, um mitspielen zu können, tun Sie das. In manchen Kartenclubs (z.B. in Kalifornien) müssen Sie einen Betrag entsprechend dem Big Blind setzen, um Ihre ersten Karten zu erhalten, egal in welcher Position. In Las Vegas bekommen Sie die ersten Karten gratis. Theoretisch ist es besser, Sie warten, bis Sie mit dem Big Blind ohnehin an der Reihe sind, es macht allerdings nicht den Riesenunterschied.

5. Drücken Sie die Daumen und beginnen Sie mit dem Spiel.

Erkunden Sie Ihre Möglichkeiten
Hier nun einige Dinge, die ein Kartenclub abgesehen vom Spiel bieten kann. Nutzen Sie einige oder alle davon:

Kostenlose Fachzeitschriften
Nahezu alle Spielsäle haben Fachzeitschriften wie Card Player oder Poker Digest in großen Mengen ausliegen. Diese Presseerzeugnisse – ebenso wie jede andere, die Sie finden – sind für Spieler gratis, selbst wenn ein Preis auf der Titelseite abgedruckt ist. Nehmen Sie sich immer ein Exemplar. Die Beiträge sind meist großartig und manchmal hat genau Ihr Kartenclub gerade eine besondere Werbeaktion für Leser des Magazins. In deutschen Spielbanken, die Poker anbieten, findet man seit einiger Zeit Gratisexemplare von Card Player Europe, Poker Europa und dem relativ neuen deutschsprachigen Casino und Pokermagazin.

Eine Pause einlegen
Wann immer Sie eine Pause einlegen möchten, können Sie einfach vom Tisch gehen und Ihre Chips dort stehen lassen. Es wäre natürlich höflich (ist aber nicht erforderlich), wenn Sie dem Dealer das mit den Worten Ich setze aus ankündigen würden, bevor Sie gehen. In manchen Casinos – besonders den extrem geschäftigen – wird ein glasklarer Plastikbehälter über Ihre Chips gestülpt. Dann kann ein anderer Spieler von Ihrem Platz spielen. Er packt seine Chips einfach auf die Box und spielt huckepack (ja, so heißt es wirklich und es ist genau so verrückt, wie es klingt).
Wie lange Sie von Ihrem Platz fernbleiben können, ist von Haus zu Haus unterschiedlich, normalerweise wird aber eine Stunde zugelassen. Fragen Sie den Geber, wenn es nicht klar ist, bevor Sie gehen. Sollten Sie länger wegbleiben als zulässig, werden Ihre Chips in Sicherheit gebracht und Sie können sie beim Floorman abholen.

Abwesenheit bei Cashgames
In einem Cashgame legt der Dealer manchmal eine kleine orange Marke mit der Aufschrift Player Absent an den Platz des Abwesenden. Wenn Sie Blinds verpassen, werden andere Marken vor Ihren Platz gelegt, z.B. mit der Aufschrift missed Small Blind oder missed Big Blind. Die leeren Plätze bekommen keine Karten. Wenn Sie zurückkommen, können Sie entweder:
✓ warten, bis Sie wieder den Big Blind bringen müssen. Der Dealer nimmt dann alle Marken weg und Sie setzen und spielen wie gehabt.

✓ sofort wieder einsteigen. Dazu müssen Sie die verpassten Blinds nachzahlen. Vermutlich werden Sie beide Blinds nachzahlen müssen. Dann ist Ihr Big Blind wie einer außerhalb der Position zu werten und Sie können am Ende der ersten Wettrunde nochmals erhöhen. Ihr Small Blind geht als totes Geld in den Pot. Glauben Sie mir, niemand wird mit Ihnen diskutieren, wenn Sie das tun.

Abwesenheit bei Turnieren
Bei Turnieren muss der Dealer weiter Karten an die abwesenden Spieler austeilen (die dann aber automatisch zum Muck genommen werden). Abwesende Spieler müssen auch Blinds zahlen. In besonders großen Turnieren bilden sich erfahrungsgemäß während der Pausen lange Schlangen vor den Waschräumen, deswegen sollten Sie erwägen, eventuell einmal ein Spiel auszusetzen, wenn es dringend wird. Im Turnierbereich werden mittlerweile auf großen Bildschirmen immer aktuelle Blinds, Restzeit des Einsatzintervalls und Zeit bis zur nächsten Pause eingeblendet.

Keine Angst, wenn Sie den Start eines Turniers (besonders eines großen) verpassen, für das Sie angemeldet sind. Es dauert in der Regel eine Weile, bis die Blinds ernsthaft gefährlich werden. Viele professionelle Spieler verpassen deswegen absichtlich den Beginnzeitpunkt von wirklich großen Turnieren (z.B. dem Hauptturnier der World Series). Sie wollen nicht mit den frühen Maniacs in Kontakt kommen, die sowieso im Lauf der Zeit rausfliegen werden.

Den Platz Wechseln
Wenn Sie aus irgendwelchen Gründen Ihren Platz am Tisch nicht mögen, sagen Sie dem Dealer, dass Sie wechseln möchten, sobald ein anderer Platz frei wird. Wenn Sie im Gegenuhrzeigersinn wechseln möchten (auf die Blinds zu), dann ist das kein Problem. Wenn Sie im Uhrzeigersinn wechseln, müssen Sie den Big Blind setzen) um sofort spielen zu können, oder so viele Spiele warten, wie Sie Positionen weitergerückt sind (damit ist gesichert, dass Sie mit gleicher Frequenz Blinds zahlen wie die anderen am Tisch).

Den Tisch Wechseln
Wenn Sie an einem Tisch spielen, der einfach zu hart ist, wenn es unhöfliche Spieler gibt oder wenn Sie einfach nur einen besseren Blick auf die Bar und die Cocktailgirls möchten, können Sie den Floorman informieren. Er nimmt Sie auf eine Liste und sorgt dafür, dass Sie an einen anderen Tisch kommen, wenn dort ein Platz frei wird.

Preiswerte Snacks und Getränke nutzen
Kartenclubs haben häufig preiswertes (manchmal sogar kostenloses) Essen für Spieler. Fragen Sie den Dealer oder Floorman, wie es in dem betreffenden Club geregelt ist. Oft hat das zugehörige Restaurant spezielle preiswerte Menüs für sitzende Spieler, die mit kleinen Rollwagen direkt am Tisch serviert werden.

Ermäßigung für Hotelzimmer
In vielen Casinos gibt es spezielle Übernachtungstarife für Pokerspieler. Fragen Sie vor der Anreise oder fragen Sie den Floorman vor Ort. Der Strip in Las Vegas wird immer teurer – und Sie sollten jede Möglichkeit der Kostenreduzierung nutzen.

Der Lieblingsmannschaft zuschauen
Sport – besonders Sportwetten – und Poker gehen Hand in Hand. Es gibt keinen amerikanischen Pokerclub, der nicht sechs verschiedene Sportkanäle auf Großbildschirme überträgt. Der Lieblingsmannschaft Zusehen ist eine gute Methode, sich von der manchmal stundenlangen Monotonie der Kartentische abzulenken – oder ein wenig Dampf abzulassen, nachdem man zwei bad Beats am Stück erleben musste. Dafür hält der Dealer, wenn man möchte, auch den Platz frei.