Tennis – die Rückkehr des weißen Sports

Es ist noch nicht allzu lange her, da waren sie ein handfester Straßenfeger, die Auftritte der Schläger schwingenden Zunft. Wann immer sich die nationalen Vorzeigegrößen Boris Becker oder Steffi Graf irgendwo um Titel stritten, war die Nation vor den Bildschirmen versammelt. Und manch eine dieser Gelegenheiten hat sich als sportliches Jahrhundertereignis in die Erinnerung der Menschen eingebrannt – allen voran natürlich der Triumph von Boris Becker im Tennis-Mekka von Wimbledon, mit dem der gerade 17-Jährige in Deutschland einen regelrechten Tennisboom auslöste. Wer etwas auf sich hielt, der schaute nicht nur zu, sondern versuchte selbst in dem „weißen Sport“ sein Glück. Diese Boomzeiten gehören nicht zuletzt wegen des Rücktritts der beiden deutschen Superhelden der Vergangenheit an – Tennis hat sich wie so viele Sportarten nach steilen Höhenflügen wieder auf ein normales Maß reduziert. Doch die Disziplin hat sich sehr wohl ein großes Gewicht im internationalen Sportgeschehen bewahrt. Wann immer die namhaften Turniere auf dem Kalender stehen, wann immer sich die herausragenden Protagonisten irgendwo die Bälle Zuspielen, dann ist das öffentliche Interesse nach wie vor hellwach.

Tennis – die Struktur
Und die Gelegenheiten für große Spiele sind zahlreich. Schließlich gibt es kaum einen zweiten Sport – sogar der Fußball kann da nicht mithalten – in dem selbst die Topspieler scheinbar lückenlos, ohne nennenswerte Pause im Einsatz wären. Schon im Januar beginnt in Australien für die Branchengrößen das Tennisjahr, das erst im Dezember, zumindest für die Besten, mit der Weltmeisterschaft den letzten großen Zahltag bringt. Tennis ist keinen Witterungsbeschränkungen auferlegt. Wenn in Europa nicht mehr risikolos unter freiem Himmel gespielt werden kann, zieht man eben auf einen anderen Kontinent oder zumindest unter das Hallendach.

Durchhänger können die Spieler sich kaum erlauben. Dazu ist der Tennis-Kalender zu dicht mit absoluten Highlights bestückt. Allen voran natürlich jene vier „Giganten“, an denen normalerweise jeder ambitionierte Profi seine Saison orientiert: Die Grand Slam Turniere von Melbourne, Paris, London und New York fordern nicht nur die Reiselust der Profis heraus. Sie verlangen ihnen auch ein überragendes Durchhaltevermögen ab denn im Gegensatz zu dem bei internationalen Turnieren üblichen Wochen-Rhythmus müssen die Tennisprofis bei den Grand Slams über zwei Wochen hinweg ihre Klasse zeigen. Und das im wahrsten Sinne des Wortes, denn bei diesen vier Highlights geben sich die besten Spielerinnen und Spieler der Zunft ein Stelldichein.

Schon von den ersten Runden an sind die Stars der Szene also gefordert. Und in noch einer Hinsicht ist ein langer Atem angebracht: Im Gegensatz zu den sonstigen Turnieren der internationalen Serie müssen zumindest die Männer in Melbourne, Paris, London und New York ihre Partien nach dem Modus „Best of five“ austragen. Wer in die nächste Runde vorstoßen will, muss also drei Sätze für sich entscheiden. Bei schwierigen äußeren Bedingungen, wie der in Australien oder den USA oft großen Hitze, kann dieser Faktor durchaus Spiele entscheiden. Doch dazu später noch etwas mehr.

Leicht vorstellbar, dass die vier Grand Slams auch bei den Buchmachern am höchsten im Kurs stehen. Wenn auf den berühmtesten Tennis-Plätzen der Welt gespielt wird, sehen sich Wettfreunde einem breiten Angebot gegenüber. Und nicht nur da – zumindest je ein Turnier für Männer wie Frauen kann in Sachen öffentlicher Aufmerksamkeit durchaus mit den vier Traditionsturnieren mithalten. Die Rede ist von den Saisonfinals, die die Spielergewerkschaften nun schon seit längerer Zeit für die Jahresbesten auf den Kalender setzen. Ob es nun der Tennis Masters Cup der Männer ist oder die derzeit fest an die spanische Hauptstadt Madrid vergebenen WTA Tour Championships – diese letzten Saisonhöhepunkte werden noch einmal zum Showdown der Stars. Nur die besten acht Spielerinnen und Spieler sind für das abschließende Spektakel des Tennisjahres zugelassen. Wer sich durchsetzt, nimmt reichlich Prestige und vor allem eine siebenstellige Prämie mit. Kein Wunder also, dass sich auch bei müdesten Beinen keine Szenegröße diese Chance entgehen lassen will.

Grand Slam Turniere und Saisonfinale bieten das höchste Preisgeld, und bei diesen fünf Großereignissen sind auch die meisten Punkte für die Weltranglisten zu holen. Wobei die Tableaus der Besten übrigens seit geraumer Zeit für Männer und Frauen nach einem unterschiedlichen System geführt werden. So steht bei Roger Federer, Nicolas Kiefer und Kollegen neben der noch immer existierenden Rangliste das Prinzip der Champions Race im Vordergrund. Diese Rangliste gibt über das Abschneiden der Spieler in einem Kalenderjahr Auskunft. Mit Jahresbeginn fängt jeder Spieler also bei Null an – was die bereits im Januar anstehenden Turniere zu einer besonderen Angelegenheit macht denn wer hier unverhoffte Erfolge einfährt, der kann sich zumindest zeitweise im Glanz der Ranglistenspitze sonnen. Bei den Frauen dagegen gilt seit jeher die klassische Weltrangliste. In diese Bewertung werden alle Ergebnisse aus den zurückliegenden zwölf Monaten einbezogen. Erfolge die länger zurückliegen, fallen aus der Wertung heraus.

Doch auch wenn diese erwähnten fünf großen Turniere aufgrund ihrer außergewöhnlichen Gewichtung die Schlüsselereignisse sind, so sollte man auch die vielen anderen Wettbewerbe nicht vergessen, die Weltklasse-Tennis auf dem Sportkalender fast schon zum 365-Tage-Erlebnis machen. Unter den vielen internationalen Turnieren, bei denen die Profis während des Jahres ihre Brötchen und Punkte verdienen, haben die Spielergewerkschaften hinter Grand Slams und Masters Cup eine zweite Reihe in den Mittelpunkt gerückt, die sich durch das ausgelobte Preisgeld und die Organisation noch ein wenig vom Rest des Geschehens abhebt.

Bei den Frauen variieren die Namen der als „Tier I“ höchst bewerteten Turniere von Zeit zu Zeit, die Spielergewerkschaft der Männer ATP dagegen hat sich auf den Kreis der Tennis Masters Series festgelegt. Ein elitärer Zirkel von neun, teils auch für Frauen ausgeschriebenen Turnieren, die für die Besten fast schon Pflichttermine sind. Diese Serie führt die weitbesten Tennisprofis wechselweise in die USA und nach Europa. So stehen üblicherweise im Frühjahr die amerikanischen Mastersturniere von Indian Wells und Miami auf dem Programm. Nach Auftritten in Monte Carlo, Rom und Hamburg kehrt die Szene noch einmal nach Übersee zurück, wo im Vorfeld der US Open die letzten nordamerikanischen Masters in Toronto oder Montreal und in Cincinnatti anstehen. Madrid und Paris setzen der Serie schließlich ein würdiges Ende.

Für deutsche Sportfans und dementsprechend auch für die deutschen Buchmacher stehen aber vor allem die Turniere im eigenen Land im Mittelpunkt. Allen voran natürlich die beiden Internationalen Deutschen Tennis Meisterschaften der Männer in Hamburg, bzw der Frauen in Berlin, die derzeit ja auch der zweiten Garde des internationalen Tennisgeschehens angehören. Doch auch Weltranglistenturniere wie die BMW Open in München ziehen durchaus einiges Interesse auf sich. Doch – man mag es auf den ersten Blick vielleicht gar nicht glauben – auch die Disziplin der großen Individualisten kann von Zeit zu Zeit zum Teamsport mutieren. Immerhin drei Mannschaftswettbewerbe sorgen über das Jahr verteilt immer wieder für Aufsehen. Wobei wohl auch wegen der längsten Tradition der Davis Cup das größte Ansehen genießt. Das Turnier der Männer-Nationalmannschaften wird des besonderen Modus wegen nicht für die Weltranglisten gewertet und ist mit vergleichsweise geringen Preisgeldern dotiert. Trotzdem mischen Jahr für Jahr die Superstars der Szene beim Rennen um die riesige Silberschüssel mit. Und der Weg zur Trophäe ist hart. Wer gewinnen will, der muss sich mit seiner Mannschaft durch vier über das Jahr verteilte Runden kämpfen. Und jede einzelne Runde kann ziemlich unangenehm werden denn Davis-Cup-Partien finden grundsätzlich auf einer Heimanlage eines der beiden beteiligten Kontrahenten statt. Wer es ist, das ergibt sich aus der Geschichte – hatte man im Vergleich mit einer Nation zuvor einmal Heimrecht, dann muss man bei der nächsten Auflage des Duells auswärts antreten. Und wie in so vielen Sportarten kann auch im Tennis das Heimrecht sogar matchentscheidende Bedeutung haben. Nicht nur der Unterstützung durch die eigenen Fans wegen: Die Heimmannschaft darf auch entscheiden, auf welchem Belag die Spiele stattfinden.

Gerade frühe Niederlagen können durchaus bedrohliche Folgen haben. So steht für die Mannschaften, die sich gleich in der ersten Runde eines Jahres einen Ausrutscher leisten, sogar der Klassenerhalt auf dem Spiel. Ähnlich wie etwa im Eishockey üblich, sind auch die Tennis-Nationen in verschiedene Leistungsklassen unterteilt. Die Top-16 kämpfen um den Pokal – dahinter geht es in kontinentalen Gruppen um Auf- oder Abstieg. Die Buchmacher jedenfalls haben den Davis Cup längst als beliebte Spielwiese für ihre Kunden entdeckt.

Bei den Frauen konnte sich der Mannschaftswettbewerb noch nicht ganz den vergleichbaren Stellenwert erarbeiten, zumindest was die öffentliche Aufmerksamkeit betrifft, die die Länderspiele auf sich ziehen. Doch zumindest für die weitbesten Spielerinnen ist auch der Fed Cup (Kurzform für Federations Cup) eine feste Größe auf dem Kalender.
Das Prinzip dieses Turniers ist mittlerweile dem des Davis Cup angeglichen. Im Gegensatz zu früheren Tagen, als der Pokal in Turnierform an einem einheitlichen Austragungsort vergeben wurde, wird der Wettbewerb nun über das Jahr verteilt in mehreren Runden an je drei Tagen ausgetragen. Wobei der Weg zum Gesamtsieg immerhin nicht ganz so weit ist wie bei den Männern – bei den Frauen sind nur acht Teams in der Weltgruppe I der Besten vertreten, schon mit zwei Siegen ist also gegebenenfalls das Finale erreicht.

Doch es gibt noch einen dritten Mannschaftswettbewerb, der zwar gegenüber den Vorbildern Davis Cup und Fed Cup deutlich im Schatten steht, der es aber immerhin auch regelmäßig in die Schlagzeilen bringt. Und das, obwohl der World Team Cup der Männer auf dem Gelände des Düsseldorfer Rochusclubs im Mai binnen von nur einer Woche entschieden wird. Doch diese Mannschafts-Weltmeisterschaft, seit 1978 das dritte große Tennis-Highlight auf deutschem Boden, vereinigt ja immerhin die besten Tennis-Nationen der Welt denn Hoffnungen auf die Teilnahme dürfen sich zunächst einmal nur jene sieben Verbände machen, deren Topspieler in der Einzel-Weltrangliste am besten platziert sind – die beiden besten Platzierungen werden dafür kurzerhand zusammengefasst den damit verbleibenden achten und letzten Platz dürfen die Veranstalter nach eigenem Ermessen über eine so genannte Wildcard vergeben. Dies ist eine kleine Rückversicherung, sollte die Mannschaft des Deutschen Tennis Bunds einmal nicht direkt für das Teilnehmerfeld qualifiziert sein. Auch dieses Treffen der Besten wird von den Buchmachern regelmäßig zum Gegenstand zahlreicher Wettangebote gemacht.