Slow-Play könnte nervig sein – Pokerstrategien für fortgeschrittene

Eine effektive, wenn auch etwas riskante Methode, mit einer Monsterhand wie A, A oder K, K richtig viele Chips zu bekommen, ist das Slow-Play aus einer vorderen Position, d. h., Sie spielen eine sehr gute Hand zurückhaltend, damit die anderen Spieler nichts ahnen und nicht gleich aufgeben. Angenommen, es sitzen neun Spieler an einem Tisch, und Sie müssen die Wettrunde eröffnen. Sie blicken auf Ihre Starthand und sehen A, A. Nun könnten Sie freilich anständig erhöhen und hoffen, dass jemand mitgeht, aber es besteht die Möglichkeit, dass alle anderen nach Ihnen aussteigen, und dann kassieren Sie nur die Blinds. Stattdessen können Sie aber auch nur minimal erhöhen oder einfach nur mitgehen. Dadurch verführen Sie die Spieler nach Ihnen zu der Annahme, sie könnten mit einem niedrigen Paar oder A, K oder A, Q eine bessere Hand haben, und er-höhen. Wenn das passiert, können Sie erneut erhöhen und sie damit aus dem Pot drängen (und damit ihre Chips ein-streichen) oder zum Mitgehen bewegen. Wenn das passiert, müssen Sie auf dem Flop superaggressiv spielen, damit Ihr Gegner seine Hand nicht verbessern kann. Wenn auf dem Flop Karten gleicher Farbe liegen oder es nach Straße riecht, müssen Sie natürlich vorsichtig bleiben. Wenn auf dem Flop ein Paar liegt, könnte es passieren, dass Ihr Gegenspieler jetzt Trips hat. Außerdem besteht immer die Chance, dass er jetzt Two Pair hat.

Manchmal, wenn Sie mit Ihrer Monsterhand vor dem Flop nur mitgehen, können Sie fünf oder sechs Leute dazu animieren, ebenfalls mitzugehen, denn es kostet sie ja nicht viel, den Flop zu sehen. Wahrscheinlich ahnen sie nicht, dass Sie eine tolle Hand haben, aber bei so vielen Gegnern ist es äußerst wahrscheinlich, dass mindestens einer durch den Flop seine Hand verbessert, und das ist gefährlich für Sie. Je mehr Hände Sie spielen, umso besser werden Sie begreifen, wie Slow-Play Ihnen helfen kann, und umso schneller werden Sie auch merken, wenn jemand dasselbe mit Ihnen machen will. Wenn ein Rock oder Lion in erster Position nur mitgeht, dann gebe ich auf, außer ich habe selbst eine Monsterhand. Es ist nämlich ziemlich wahrscheinlich, dass diese Spieler die Sache schon im Kasten haben und die anderen jetzt nur noch reinlegen wollen. Sorgen Sie dafür, dass Sie nicht zu diesen Leuten zählen, und frustrieren Sie sie, indem Sie aufgeben und sie mit ihrer Monsterhand allein weiterspielen lassen! Wenn Sie das Wettverhalten Ihrer Gegner von Anfang an gut beobachten, werden Sie solche Phänomene bald zehn Meter gegen den Wind riechen.

Auf einem Turnier in London habe ich es erst neulich versäumt, genauer hinzusehen, und das hätte ich beinahe teuer bezahlen müssen. Wir hatten uns gerade an den letzten Tisch gesetzt, ich hatte die meisten Chips. Bei der ersten Runde saß ich auf der besten Position. Der erste Spieler war ein gewisser Tony Tikay Kendall, ein bekanntes Gesicht auf den Pokerturnieren in Großbritannien und Europa. Er fragte den Dealer befremdlicherweise, wie hoch die kleinstmögliche Erhöhung war. Die setzte er, und alle anderen stiegen sofort aus. Nur ich nicht. Ich hatte zwei Zehner auf der Hand. Ich erhöhte noch einmal, ohne Tonys offensichtliches Slow-Play zu durchschauen. Er schob natürlich prompt alle Chips in die Mitte, und ich ging mit, mit einem wahren Berg von Chips. Es war dann keine große Überraschung, als er zwei Könige zeigte, und ich muss wohl nicht extra erwähnen, dass mein Blatt sich nicht mehr verbesserte, und ich ihm seinen Einsatz verdoppelte. Glücklicherweise kam mich das Ganze nicht allzu teuer zu stehen, und ich riss mich zusammen und warf ihn später aus dem Turnier, um selbst auf dem dritten Platz zu landen. Aber dieses Beispiel mag Ihnen zeigen, wie effektiv Slow- Play bei unvorsichtigen Spielern sein kann!

Noch ein letztes Wort zum Slow-Play: Denken Sie immer daran, dass eine Calling Station in vorderer Position immer mitgehen wird, egal, was für Karten er hat. Bei ihm können Sie fast mit Sicherheit davon ausgehen, dass er keine Slow- Play-Taktik verfolgt. Wenn Sie eine gute Hand haben, erhöhen Sie, und dann wird er wahrscheinlich aufgeben. Wenn er mitgeht oder seinerseits wieder erhöht, dann hat er eine Monsterhand, und Sie sollten zusehen, dass Sie aussteigen – außer Sie haben die Nuts (eine unschlagbare Hand in einem konkreten Spiel).