Rollen spielen und Mathematik einbeziehen beim Texas Holdem

Jetzt, nachdem Sie die Grundlagen kennen gelernt haben, ist es Zeit, etwas tiefer einzusteigen.

Die Gegner einschätzen
Das bei weitem Wichtigste in einer Pokerpartie ist, herauszufinden, wie die Gegner ticken, und dann das eigene Spiel darauf einzustellen. Wenn jemand gegen Sie setzt, dann könnte Ihre Reaktion bei dem einen ein sofortiges Aussteigen, bei einem anderen aber vielleicht eine knallharte Erhöhung sein.
Bei der Entscheidung müssen Sie folgende Faktoren berücksichtigen:
✓ Wie wahrscheinlich ist es, dass Ihr Gegner blufft?
✓ Spürt der Gegner aufgrund Ihres momentanen Einsatzes oder aufgrund Ihres generellen Verhaltens am Tisch Schwäche bei Ihnen?
✓ Beeinflusst seine Tischposition seinen Spielstil?
✓ Enthalten die Gemeinschaftskarten Hinweise auf ein starkes Blatt (oder eventuell auf ein geplatztes Blatt und der Gegner versucht einen Bluff)?

Selbst wenn Sie nichts anderes aus diesem Poker-Ratgeber lesen, schauen Sie im nächsten Artikel, dort finden Sie sehr viele Einzelheiten darüber, wie der Gegner gespielt wird (im Gegensatz zu den Karten).

Rollen spielen
Wenn Sie an der Reihe sind, haben Sie genau fünf Reaktionsmöglichkeiten:
✓ Schieben (check): Wenn vor Ihnen niemand gesetzt hat
✓ Setzen (bet): Wenn niemand gesetzt hat
✓ Mitgehen (call): Wenn vor Ihnen jemand gesetzt hat und Sie den Betrag ausgleichen wollen
✓ Erhöhen (raise): Wenn jemand vor Ihnen gesetzt hat, Sie den Betrag aber noch steigern wollen
✓ Aussteigen (fold): Wenn Sie es nicht mehr aushalten
Wegen dieser begrenzten Zahl an Möglichkeiten glauben manche Leute, mit Poker habe es nicht viel auf sich. Nichts ist weiter von der Wahrheit entfernt.

Bluffen
Eines der bekanntesten (und am meisten überbewerteten) Merkmale von Poker ist das Bluffen (man repräsentiert ein anderes Blatt, als man tatsächlich hat, in der Hoffnung, der Gegner wird aufgeben). Beim Bluff trennt sich im Poker die Spreu vom Weizen – und die Möglichkeit des Bluffs kennzeichnet den grandiosen Unterschied zwischen Poker und nahezu jedem anderen denkbaren Spiel.

Bluffen funktioniert am besten, wenn
✓ Sie allein gegen einen schwächeren Gegner stehen (der vermutlich aussteigen wird)
✓ eine Menge Geld auf dem Spiel steht und Sie im Gewinnfall sehr viel besser dastehen würden
✓ es für die anderen Gründe gibt, anzunehmen, Sie blufften nicht
✓ die Gemeinschaftskarten auf ein Blatt hindeuten, dass Sie haben könnten (Straight oder Flush), aber tatsächlich nicht haben

Bluffen ist keine gute Idee, wenn
✓ Sie jemanden herausdrängen wollen, der bekannt dafür ist, dass er gern kontrolliert
✓ es keinen offensichtlichen Grund für einen Bluff gibt
✓ Sie gegen jemanden spielen, der denkt: Natürlich gehe ich bei dem Kerl mit, der blufft doch ständig.
✓ Sie nichts oder fast nichts durch den Bluff gewinnen

Slowplaying
Von slowplaying spricht man, wenn jemand anfangs mit einer besonders starken Hand zurückhaltend spielt, um die Gegner nicht zu verschrecken. So hofft er, dass mehr Leute im Pot bleiben und er später mehr Geld macht. Die gute Nachricht ist, dass Slowplay hilft, die Monsterhand zu tarnen, und die Gegner weiter zur Verfügung stehen. Die schlechte Nachricht ist, dass die Gegner so manchmal preiswert an Zusatzkarten kommen, mit denen sie letztlich gewinnen. Der nächste Artikel hat Slowplay zum Schwerpunkt. Im Interesse von Verschleierung sollten Sie vielleicht so tun, als schauten Sie woanders nach, wenn Sie zu nächsten Artikel herüberschleichen und dort lesen.

Mathematik einbeziehen
Die zweitwichtigsten Kenntnisse (nach dem Kennen, Lesen und Spielen des Gegners), die man am Pokertisch braucht, kommen aus der Mathematik.
Mathe? Würg! Das war doch schon in der Schule das absolute Horrorfach! Doch keine Angst, die Mathematik im Pokerspiel ist nicht besonders kompliziert. Man kann vieles im Kopf erledigen, wenn man ein paar Kleinigkeiten weiß, wie:
✓ Ein Kartendeck enthält 52 Karten.
✓ Es existieren, vier verschiedene Farben (Pik, Herz, Karo, Kreuz).
✓ Je Farbe existieren 13 Werte (2-10, J, Q, K, A).

Was Sie nicht herausfinden können (oder wollen), lernen Sie auswendig.
Auf zwei wichtige Größen muss geachtet werden: Wie groß sind die Chancen, aus einem Ansatz (zum Beispiel auf dem River mit vier Kreuzkarten aus den Hand- und den Gemeinschaftskarten) das komplette Blatt (den Flush) zu machen? Wie hoch ist die Potquote (Pot Odds, das Verhältnis von nötigem Einsatz zu möglichem Gewinn)?
Die Mathematik behandle ich detailliert in nächsten Artikel. Und es wird nicht die Gähnübung, die Sie vielleicht aus der Schule kennen. Versprochen!