Pokertheorie und Pokerstrategien richtig verstehen – hilfreiche Information

In seiner simpelsten Form ist Poker ein Nullsummenspiel. Ohne eine dritte Partei wie ein Spielsalon oder ein Casino, die für das Spielen eine Gebühr verlangen, bleibt die Geldsumme auf dem Tisch immer konstant. Wenn ein Spieler verliert, gewinnt ein anderer. Dieser Umstand gewinnt an Bedeutung, wenn man die Wahrscheinlichkeitstheorie auf das Pokern anwendet. Wenn zwei Spieler eine unendliche Partie spielen, diktiert das Gesetz der Serie, dass beide gleich häufig genau dasselbe Blatt in genau derselben Spielsituation erhalten. Beide werden irgendwann mit einem Straight Flush König gegen den Royal Flush des anderen verlieren. Beide werden irgendwann mit dem Blatt 7 hoch gewinnen. In der reinen Theorie halten sich Gewinne und Verluste die Waage, und demzufolge müssten die Spieler bei Spielende genauso viele Chips vor sich liegen haben wie zu Beginn.

Damit stecken wir mitten in einer philosophischen Krise. Wenn nämlich die Wahrscheinlichkeitstheorie richtig ist, und das ist sie, wie lässt sich dann am Pokertisch Geld verdienen? Die Antwort ist wunderbar einfach und unglaublich kompliziert zugleich; in ihrem Kern ist sie reinster Machiavelli und reinster Sun Tzu: Der bessere Spieler, der seinem Gegner denkerisch und strategisch überlegen ist, wird das meiste Geld gewinnen. Beim Pokern geht es nicht darum, wie viele Pots man gewinnt oder wie toll man dabei aussieht. (Zugegeben, ich finde, ich sehe manchmal ziemlich gut aus, wenn ich gewinne.) Wer gewinnen will, darf sich nicht damit begnügen, Ansprüche auf den Pot anzumelden, nur weil er die besten Karten hat.

Vergessen Sie nicht, das beste Blatt wird nicht mit einem üppigen Tarifgehalt belohnt. Niemand schenkt Ihnen einen Batzen Geld, nur weil Sie einen Royal Straight Flush halten. Sie müssen erst einen Dummen finden, der dafür bezahlt. Sie müssen Ihre Gewinne mit Verstand und Tücke maximieren und sich jeden Dollar mühsam erarbeiten, den Ihre Konkurrenten bereit sind, locker zu machen – und wenn Sie nicht das Siegerblatt halten, müssen Sie so schnell wie möglich die Segel streichen. Wenn Sie ein schlechtes Blatt halten, müssen Sie, um Ihre Verluste möglichst gering zu halten, den Wert Ihrer Karten in Relation zu denen Ihrer Konkurrenten setzen. Es gibt keine vorher festgelegte Strafgebühr für ein grauenhaftes Blatt. Im Gegenteil, je stärker Ihre Verliererkarten sind, desto mehr Geld werden Sie hergeben müssen. Deshalb gilt beim Poker das schlechteste Blatt als das zweitbeste am Tisch.

Wenn ein Spieler beim Five Card Draw vier Asse hat, ist sein Gegner mit einer High Card viel besser bedient als mit einem Full House. Ohne Paar wird er wahrscheinlich sofort passen und einen kaum nennenswerten Betrag verlieren, während er ein Full House häufig überschätzen wird. Er wird sich auf einen Erhöhungskrieg einlassen, um schließlich festzustellen, dass er nur auf Platz zwei liegt.
Wenn Sie Ihre Verluste minimieren und Ihre Gewinne maximieren wollen, müssen Sie unbedingt lernen, Ihre Konkurrenz richtig einzuschätzen. Sitzen Sie mit konservativen Spielern am Tisch, die passen, wenn sie kein großes Blatt haben?

Spielen sie aggressiv und neigen zum Überbieten? Oder handelt es sich um lauter Zweifler, die jeden Einsatz allein deshalb mitgehen, weil sie sehen möchten, was Sie haben? Solche Überlegungen werden Ihr Spielverhalten ungemein beeinflussen. Vor einigen Monaten nahm ich meinen Bruder mit in einen der New Yorker Underground-Pokerclubs und stieß ihn mitten in ein kleines Turnier gegen ein paar knallharte Spieler. Es war das erste Mal, das wir gemeinsam gegen gute Konkurrenz spielten, und ich wollte ihm unbedingt zeigen (und damit angeben), wie gut ich geworden war. So lautete jedenfalls mein Plan. Aber das Gesetz der Serie hatte für diesen Nachmittag etwas anderes vorgesehen. Ich flog als dritter Spieler sang- und klanglos aus dem Rennen. Während mir diese Schmach zuteil wurde, belegte mein Bruder, der keine Ahnung von den Turnier- regeln hatte, den dritten Platz.

Während sich seine Siegesserie den ganzen Nachmittag lang fortsetzte, redete ich mir ein, dass es sich nur um < me Glückssträhne handeln könne. Das änderte sich, als er plötzlich die All-in-Wette eines erstklassigen Spielers mitging, obwohl er nur ein mickeriges Paar Sechs hielt. Das war einfach ungeheuerlich. Als das Turnier beendet war, erklärte ich ihm, wie beeindruckt ich gewesen sei. Er erwiderte: Ach, komm, es war doch sonnenklar, dass der Kerl nur geblufft hat. Hatte ich meinen Bruder etwa falsch eingeschätzt? Besaß er womöglich übernatürliche Fähigkeiten und konnte die Gedanken anderer Menschen lesen?

Einige Monate später zeigte ich ihm eine Pokerseite im Internet, wo man mit Kreditkarte in einem virtuellen Kartenraum spielen konnte. Wir kauften uns für ein paar hundert Dollar ein und spielten ein bisschen 20-40 Hold’em. In einem Spiel erhöhte ein Spieler noch vor dem Flop nur aufgrund seiner Pocket-Cards, und wir gingen mit. Der andere setzte und erhöhte bei jeder Gelegenheit, die sich ihm bot. Nachdem die River-Card ausgegeben war, standen mein Bruder und ich mit einem sehr mittelmäßigen Blatt da. Ich schlug daher vor zu passen. Aber mein Bruder wollte nichts davon hören. Er wollte bis zur letzten Runde mitgehen, weil er der Meinung war, der andere würde bluffen. Nun war ich gern bereit zu glauben, dass mein Bruder, wenn er einem Spieler in persona gegenüber saß, in der Lage war, anhand seiner Körpersprache sein Blatt zu lesen. Kein Problem.

Dass er aber am Computer bloß anhand einer Comiczeichnung und der Mausklicks des Gegners entscheiden konnte, ob ein Mensch in Bulgarien bluffte, weckte doch meine Skepsis. Aber wie bei älteren Brüdern üblich, setzte er sich durch, und wir zogen mit. Als der andere sein Königspaar aufdeckte, verloren wir weitere 40 Dollar. Dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Mein Bruder war ein guter Pokerspieler, aber vor allem war er der geborene Skeptiker, der an allem fundamentale Zweifel hegte. Ich weiß nicht, ob das mit unserer Kindheit zu tun hat, aber so ist er eben.

Auch wenn mein Bruder von Zeit zu Zeit sehr profitabel pokert, bleibt ein Skeptiker auf lange Sicht doch auf der Strecke. Mein Poker spielender Professor in Wesleyan ließ fast zwei Monate lang Computersimulationen von Hold’em-Spielen laufen. Nachdem er für einen Tisch mit sieben Spielern verschiedene Persönlichkeitsprofile erstellt hatte, ließ er den Computer 50 000 Spiele absolvieren. Das Experiment zeigte, dass der Spieler mit dem Gewinnerblatt in nur elf Prozent aller Spiele gepasst hatte. Mit anderen Worten war ein Bluff nur in rund einem von zehn Versuchen erfolgreich. Daraus ergibt sich die logische Schlussfolgerung, dass der Skeptiker in neunzig Prozent aller Fälle sein Geld verschwendet. Eine umfangreichere Auswertung der Statistiken ergab, dass beständiges Mitgehen sogar noch unrentabler ist, da immer die Möglichkeit besteht, dass auch andere Spieler mitgehen, die unter Umständen ein besseres Blatt haben als der Skeptiker. Selbst wenn es dem Skeptiker gelingt, den Bluffer zu erwischen, kann er trotzdem noch verlieren.

Wenn Sie wissen, dass ein Mensch wie mein Bruder an Ihrem Tisch sitzt, sollten Sie Ihre Spielstrategie ändern. All die aufregenden Techniken wie doppeltes Bluffen oder Slowplaying, die große Spieler einsetzen, sind bei ihm wirkungslos. Ist ein Skeptiker im Spiel, müssen Sie daran denken, dass er meistens bis zu Ihrer letzten Bietrunde mitgehen wird, denn er will sich überzeugen, dass Sie tatsächlich das Blatt halten, das Sie repräsentieren. Das macht das Spiel zu einem Showdown-Wettbewerb. Sie werden kaum ein Spiel gewinnen, indem Sie versuchen, den Skeptiker abzuschrecken. Im Endeffekt brauchen Sie die besten Karten, um den Pot zu kassieren.
Wenn Sie Ihre Chancen, einen Skeptiker zu schlagen, verbessern möchten, sollten Sie die Anzahl der Spiele begrenzen, die Sie mitspielen.

Das ist die einfachste Methode. Gehen Sie in der ersten Bietrunde nur mit, wenn Sie ein Spitzenblatt haben. Pokerspiele entscheiden sich in der Regel sofort nach der ersten Kartenausgabe, also lange vor dem Flop oder dem Kartentausch. Wenn Sie von Anfang an das beste Blatt halten, haben Sie auch die besten Chancen, am Ende zu gewinnen. Was ist nun ein gutes Startblatt? Das hängt ganz vom jeweiligen Spiel ab. Ich beziehe mich fast immer auf Casinospiele wie Omaha, Hold’em oder Stud, weil ich die am besten kenne. Aber die Mehrheit aller Pokerpartien findet in den heimischen vier Wänden statt und wird mit wilden Karten oder sonderbaren Draws und Flops gespielt. Diese“privaten Spielvarianten tragen fantastische Namen wie Anaconda, Hello Lavern, Pass the Trash, Double Draw, Double Stud, Crazy Pineapple, Night Baseball, Johnny One-Nut und so weiter. Obwohl die Wahrscheinlichkeitsrechnung durch die vielen wilden Karten und exotischen Regeln (Ich will sehen, Tommy, was hast du? Fünf Asse! Ich auch. Komm, lass uns teilen.) verzerrt wird, bleiben die Grundprinzipien doch dieselben.

Zu den Fieblingsspielen meiner Studienfreunde gehört eine Variante namens Scungilli. Dabei handelt es sich um ein High-Low-Spiel mit geteiltem Pot, bei dem jeder Spieler fünf Karten erhält. Wie bei Texas Hold’em oder Omaha wird danach das Board ausgelegt (dasselbe Prinzip: erst drei Karten und dann zweimal je eine), nur dass es beim Scungilli anstatt einer Reihe zwei Reihen mit je fünf Gemeinschaftskarten gibt. Die Spieler bilden ihre beste Kombination also aus fünfzehn Karten – das ist beinahe ein Drittel des Decks. Es ist mir gleich, wer Sie sind oder welche Pokervariante Sie am liebsten spielen, aber Sie müssen zugeben, dass das ziemlich lächerlich ist. In Vegas oder im Winchester Club ist die Nachfrage nach Scungilli nicht besonders groß, und doch spiele ich es, trotz meiner Unerfahrenheit, besser als die meisten anderen aus meiner Collegerunde. Warum das so ist, lässt sich leicht erklären. Ich wende beim Scungilli dieselben mathematischen Regeln an wie bei anderen Pokerspielen, und für gewöhnlich lande ich damit ganz vorn.

Eric Scoleri ist einer der Stammspieler in meiner Runde. Sein Können liegt im Vergleich zu den anderen ungefähr im Durchschnittsbereich. Das heißt jedoch nicht, dass er ein unauffälliger Pokerspieler wäre. Ganz im Gegenteil, er hat etwas Einmaliges. Wenn wir Hold’em oder Five Card Draw spielen, wo das beste Blatt den gesamten Pot kassiert, gewinnt Eric. Das Ziel, eine möglichst hohe Kartenkombination zu bilden, ist ein Konzept, das ihm vollkommen einleuchtet. Bei Scungilli dagegen verliert er, und zwar aus einem einzigen Grund. Sobald ein High-Low-Spiel mit geteiltem Pot angekündigt wird, setzt die Vielfalt der möglichen Ziele sein logisches Verständnis außer Kraft. (Einmal sagte er zu mir: Jetzt wart mal kurz, ich kann hoch spielen und ich kann tief spielen, aber steckt hinter der Idee, beides zu spielen, nicht ein Widerspruch?) High-Low-Spiele rauben ihm den Verstand. Egal, was für Karten er bekommt, er spielt sein Blatt durch bis zur River-Card.

Ich möchte an dieser Stelle einige Worte über High- Low-Spiele sagen, eine Variante, die vielen, die regelmäßig zu Hause pokern, möglicherweise verwirrend erscheint. Bei dieser Spielform kann es zwei Gewinner geben: den Spieler, der, wie beim normalen Poker, das höchste Blatt hält, und den Spieler, der das niedrigste Blatt hält. Die hohen Blätter sind der leichte Teil, aber manche Spieler verwechseln ein niedriges Blatt mit einem schlechten Blatt. Sie sind der Meinung, ein niedriges Paar oder kein Paar, also fünf beliebige Karten, seien ein niedriges Blatt. Das trifft nicht immer zu. Ein Paar ist nämlich nichts weiter als ein sehr schlechtes hohes Blatt. Ein niedriges Blatt besteht aus fünf sehr niedrigen Karten. Das niederstmögliche Blatt ist Ass, 2, 3, 4, 6. (In Casinos gilt dagegen standardgemäß die Kombination Ass, 2, 3, 4, 5 als das niederstmögliche Blatt, obwohl sie gleichzeitig ein Straight ist.) High-Low-Spiele werden in der Regel mit fünf oder mehr Karten gespielt. Beim Omaha haben die Spieler zum Beispiel vier Pocket-Cards plus fünf Gemeinschaftskarten, also insgesamt neun.

Sie können aus diesen neun Karten quasi beliebig Ihre beste Fünf-Karten-Kombination bilden, vorausgesetzt, Sie verwenden dabei zwei eigene und drei aus dem Board. Dem-zufolge können Sie, wenn Sie hoch und tief spielen möchten, zwei verschiedene Kombinationen aus jeweils fünf Karten bilden. Beim Scungilli erhöhen sich die Chancen, beides zu spielen immens, weil mit fünfzehn Karten gespielt wird. Sie können mit nahezu jeder Fünferkombination Ihr Hoch-Blatt bilden und mit einer zweiten Fünferkombination Ihr Tief-Blatt. Es ist durchaus möglich, dass Sie als Hoch-Blatt ein Straight Flush haben und gleichzeitig, wie oben beschrieben, das niederstmögliche Blatt halten.
Diese exotischen High-Low-Spiele haben etwas sehr Verführerisches an sich, weil es durch die vielseitig zu urwendenden Karten viele verschiedene Gewinnmöglichkeiten gibt. Dennoch ist es auch hier möglich, gut zu spielen: Steigen Sie nach Möglichkeit niemals in ein Spiel ein, wenn Sie keine Hoffnungen auf ein sehr gutes niedriges Blatt haben.

Das höchstmögliche Blatt lässt sich mit zwei beliebigen karten bilden. In einem Omaha-Spiel, in dem das Board aus A♥ 3♦ 6♣ 8♥ 10♣ besteht, hat jeder Spieler, der 2, 4, 7, 9 halt, sowohl das niederstmögliche als auch das höchstmögliche Blatt (Ass, 2, 3, 4, 6 als Tief und Straight 10 als Hoch). Beim regulären Omaha bietet kaum ein Spieler in den ersten Runde mit, wenn er 2, 4, 7, 9 hält. Aber beim High-Low werden die 2 und die 4 zu wertvollen Tief- karten, die das Blatt spielbarer machen. Deshalb werden bei Spielen mit geteiltem Pot so absonderliche Blätter wie kleine Straights oder Baby-Flushes gebildet; die Spieler |M den anfangs eine Tief-Kombination an und flüchten sich schließlich doch in eine Hoch-Kombination.

Wenn Sie also keine Chancen haben, beides zu spielen und Sie gewaltig im Nachteil. Sie konkurrieren nur um den halben Pot. Eric spielt beim Scungilli jedes Spiel ausnahmslos bis zum bitteren Ende und steht dann meistens mit dem drittbesten High und dem viertbesten Low da. Dann verliert er alles, was er in den vorangegangenen Spielen gewonnen hat. Seine strikte Weigerung, bei einem Ante von fünfzig Cent sofort zu passen, kostet ihn im Schnitt 15 Dollar pro Spiel. Wenn Ihnen so etwas dreimal am Abend und vierzig Abende im Jahr passiert, summiert sich das auf fast 2000 Dollar. Wenn Sie profitabel spielen wollen, müssen Sie, unabhängig von der Spielvariante, zuerst die Kriterien hochschrauben, wann Sie in ein Spiel einsteigen. Wenn Sie Seven Card Stud spielen, und Ihre ersten drei Karten sind König, Dame, Neun von verschiedener Farbe, ist das ein schrecklich unrentables Startblatt, obwohl es sich um relativ hohe Karten handelt. Sie liegen hinter jedem Spieler zurück, der ein niedriges Paar Zwei oder auch nur ein einzelnes Ass hält.

In einem solchen Fall ist es am besten, Sie schmeißen Ihre Karten sofort hin und warten zwei Minuten, bis neu gegeben wird. Positionsspiele wie Omaha oder Texas Hold’em, in denen jede Bietrunde unabhängig von den vorangegangenen Spielaktionen am selben Platz beginnt, erfordern variable Einstiegskriterien. Sie müssen Ihr Spielverhalten nach der Tischposition ausrichten, die Sie im Verhältnis zum Dealer einnehmen. Wenn Sie in einer hinteren Position sitzen, sollten Sie übermütig (loose) spielen und entsprechend zurückhaltend (tight), wenn Sie einer der Ersten sind, die sich erklären müssen. Die Kombination 6-7 selbe Farbe ist nicht gerade ein gut zu spielendes Blatt, wenn Sie die Pistole auf der Brust haben (das heißt, wenn Sie eröffnen müssen). Wenn Sie aber der Geber sind und eine Reihe von Spielern vor Ihnen mitgeboten haben, könnte dieses Blatt sogar eine Erhöhung wert sein. (Je mehr Mitbieter es gibt, desto mehr Geld liegt im Pot, und das macht ein mittelmäßiges Blatt attraktiver, auch wenn möglicherweise stärkere Blätter im Spiel sind.)

Wenn Sie die Kriterien für einen sinnvollen Spieleinstieg hochgeschraubt haben, ist die erste Hürde zum profitablen Spieler genommen. Das ist der Augenblick, in dem ein Pokerspieler erwachsen wird. Seine Spielmotivation ändert sich. Er begreift, dass es nicht länger darauf kommt, am Kartentisch Spaß zu haben. Die Suche nach Vergnügung ist etwas für diejenigen, die er schröpfen will. Auch raffinierte Spieler haben Spaß am Spiel, aber der Spaß tritt hinter ihre wachsende Spielüberlegenheit zurück. Wenn Sie so weit gekommen sind, lautet die Frage nicht mehr, welches Blatt Sie wann spielen, sondern wie lange Sie es spielen. Es gibt nur wenige Gründe, die Sie dazu veranlassen sollten, in ein Spiel einzusteigen. Der erste ist natürlich, dass Sie glauben, das Gewinnerblatt zu halten. Das ist ein erstklassiges Argument, um weiter im Spiel zu bleiben. Aber was ist, wenn Sie einen Draw haben, das heißt, wenn Ihr Blatt unvollständig ist und Sie ml eine bestimmte Karte hoffen müssen? Wie lange bleiben Sie dann im Spiel? In diesem Fall kommt das Prinzip der Pot Odds zur Anwendung.

Das Berechnen der Pot Odds ist der Grundstein, auf dem man beim Poker eine Gewinnstrategie aufbaut. Im ersten Schritt versuchen Sie dahinter zu kommen, welche Platter Ihre Konkurrenz hält. In den meisten Fällen ist dabei ein fatalistisches Denken hilfreich. Versuchen Sie, mm ungünstigsten Fall auszugehen. Nehmen wir ein Spiel Hold’em mit fünf Bietern und niedrigen Einsätzen (was darauf schließen lässt, dass niemand ein hohes Paar hält). Wenn im Flop B♥ 9♠ 5♦ liegen, sollten Sie davon ausgehen, dass ein Spieler ein Bubenpaar hält. Im nächsten Schritt errechnen Sie die Anzahl der Gewinnkarten, die für Sie im Spiel sind. Wenn Sie 5♦ D♣ spielen, haben Sie folgende Gewinnkarten: die drei übrigen Damen (eine Dame bringt Ihnen ein höheres Paar) plus die vier Achter und die vier Könige (eine Acht oder ein König bringen Ihnen den bestmöglichen Straight). Das ergibt zusammen elf Gewinnkarten. Da Sie fünf der zweiundfünfzig Karten (Ihre Pocket- Cards und den Flop) gesehen haben, rechnen Sie sich aus, dass Ihre Chancen 11:47 stehen, sich mit der nächsten Karte zu verbessern.

Da Sie noch zwei Gelegenheiten haben (die Turn-Card und die River-Card), berechnen Sie Ihre Pot Odds am besten, indem Sie die Zahl der Gewinnkarten verdoppeln. Im Moment haben Sie also eine Gewinnchance von 22:47 oder zirka 46 Prozent. Damit sind Sie gegenüber einem Bubenpaar leicht im Nachteil. Die Frage, ob Sie ein Gebot mitgehen sollen, ist damit jedoch weiter offen. Jetzt vergleichen Sie die Einsatzsumme im Pot mit der Wahrscheinlichkeit, dass Sie gewinnen. Es muss so viel Geld im Pot liegen, dass ein Mitbieten gerechtfertigt ist. Aber wie viel ist genug? Die Gewinnsumme muss groß genug sein, um das Risiko zu rechtfertigen. Wenn Sie eine Münze werfen, werden Sie nur dann auf das Ergebnis wetten, wenn die Gewinnquote dem wahrscheinlichen Spielausgang entspricht. Da die Chancen, dass die Münze auf Kopf oder Zahl fällt, bei 50:50 stehen, werden Sie nur dann wetten, wenn die Ausschüttung mindestens doppelt so hoch ist wie Ihr Einsatz (ein Dollar Gewinn für einen Dollar Einsatz).

Böte man Ihnen dagegen für einen Einsatz von einem Dollar nur fünfzig Cent Gewinn an, würden Sie die Wette aus verständlichen Gründen ablehnen. Das Risiko wäre nicht gerechtfertigt, weil die Ausschüttung nicht exakt der Gewinn-wahrscheinlichkeit entspricht. In dem oben beschriebenen Spiel sind Sie mit einer Gewinnchance von 46 Prozent leicht in der Underdog- Position. Sie würden daher nur dann einen Einsatz von zehn Dollar mitgehen, wenn bereits elf Dollar im Pot liegen. Diese Bedingung lässt sich sehr leicht erfüllen, wenn Ihr Gegner ebenfalls zehn Dollar setzt. Wenn Sie in einem vergleichbaren Spiel 8♣ 8♥ halten und im Board liegen A♦ B♣ 5♦ werden Sie bei Ihren Berechnungen feststellen, dass Sie bei zwei Gewinnkarten die beiden noch übrigen Achter) nur zwei Möglichkeiten haben, Ihr Blatt zu verbessern. Das ergibt eine ungefähre Gewinnchance von 4:47 oder knapp 1:12. Bei einer so niedrigen Quote müssen mindestens 120 Dollar uh Pot liegen, um einen Einsatz von 10 Dollar zu rechtfertigen.

Sobald Sie das Zählen der Gewinnkarten und das B< rechnen des Pot Odds beherrschen, können Sie dazu übergehen, die Effective Odds zu berechnen, indem Sie zukünftige Ereignisse mit in Ihre Überlegungen einbeziehen. Nehmen wir zum Beispiel an, Sie spielen auf einem Draw zum bestmöglichen Flush. Es wird nur noch eine Karte ausgegeben, und es liegt noch nicht genügend Geld im Pot, um ein Weiterspielen zu rechtfertigen. Sie können nun die letzte Bietrunde in Ihre Berechnungen der Pot Odds mit einbeziehen, denn wenn die River-Card eine Ihrer Gewinnkarten ist, sind Sie der sichere Sieger.

Chancen, aus einem Deck von 47 unbekannten Karten  
eine hilfreiche Karte zu erhalten  
Szenario Anzahl Gewinn- Gewinn­chancen  
der Ge­winnkarten bei chancen bei  
  zwei noch einer noch  
  folgenden folgenden  
  Karten Karte  
Sie haben nach dem Flop einen Drilling, benötigen zum Gewinn aber einen Vierling, oder Sie haben einen Inside Draw zu einem Straight Flush. 1 4,3 % 2,2 %
Sie haben ein Pocket-Paar, brauchen zum Gewinn aber einen Drilling. Oder Sie haben einen offenen Straight Flush Draw, während ein anderer Spieler ein besseres Blatt als einen Flush hält. 2 8,4% 4,3 %
Sie haben ein Paar und brauchen zum Gewinn einen hohen Kicker. 3 12,5 % 6,5 %
Sie müssen zum Gewinn Ihren Inside Straight Draw vervollständigen. 4 16,5% 8,7%
Sie haben ein Paar und brauchen zum Gewinn einen hohen Kicker oder einen Drilling. 5 20,4% 10,9%

 

 

Szenario Anzahl der Gewinn­karten Gewinn­chancen bei zwei noch folgenden Karten Gewinn­chancen bei einer noch folgenden Karte
Sie haben zwei Over-Cards und brauchen zum Gewinn ein Paar. Oder Sie haben einen offenen Straight Draw, während eine bestimmte Farbe einem Ihrer Gegner einen Flush einbringt. 6 24,1 % 13,0%
  7 27,8 % 15,2%
Sie haben einen offenen Straight Draw. 8 31,5% 17,4%
Sie haben einen 4er-Flush. 9 35,0% 19,6%
  10 38,4 % 21,7%
Sie haben einen 4er-Flush und ein Over-Paar und brauchen entweder einen vollständigen Flush oder einen Drilling. 11 41,7% 23,9 %
Sie haben einen 4er-Flush und eine Over-Card und müssen zum Gewinn eines der Blätter vervollständigen. 12 45,0% 26,1 %
  13 48,1 % 28,3 %
  14 51,2% 30,4 %
Sie haben einen offenen Straight Flush Draw. 15 54,1 % 32,6 %
  16 57,0% 34,8 %
  17 59,8 % 37,0 %

 

 

Sie haben einen offenen Straight Fush Draw und eine Over-Card und müssen zum Gewinn eines

du Blatter vervollständigen.

18 62,4 % 39,1 %
  19 65,0 % 41,3%
  20 67,5 % 43,5 %

 
Wenn Sie erst einmal verstanden haben, wie man Gewinnkarten zählt, bekommen Sie eine bessere Vorstellung davon, was ein gutes Startblatt ist. Nehmen wir an, Sie spielen Seven Card Stud gegen einen einzelnen Gegner. Ihre ersten drei Karten sind 2, 3, 6 der Farbe Kreuz. Die meisten Amateure würden in der ersten Bietrunde mitgehen, weil sie einen Flush Draw haben. In den meisten Fällen bringt das Ante jedoch nicht die erforderlichen Pot Odds hervor, die das unwahrscheinliche Ereignis recht- fertigen, dass zwei der vier noch folgenden Karten die Kreuze sind, die Sie zum Sieg benötigen. Wenn Sie das Prinzip der Pot Odds verstanden haben, werden Sie mit einem solchen Startblatt passen, ohne ein einziges Mal mitzubieten.

Um die Pot Odds zu berechnen, ist es zudem unerlässlich, dass Sie herausfinden, welche Karten die anderen Spieler halten. Das gelingt Ihnen, indem Sie erstens die Körpersprache Ihrer Gegner nach einem Teil absuchen, der sie verrät, und zweitens, indem Sie aus ihren Spielaktionen (gehen sie einfach mit oder erhöhen sie) und ihrer Position am Tisch ableiten, welches Blatt sie halten. Wenn Sie nur erstklassige Startblätter spielen, die Pot Odds berechnen und zusätzlich die Fähigkeit erwerben, andere Spieler zu lesen, sind Sie auf dem besten Weg, ein profitabler Kartenspieler zu werden. Als weiteren wichtigen Schritt zur Gewinnmaximierung sollten Sie sich klarmachen, weshalb Sie eigentlich bieten. Im Wesentlichen verfolgt man mit einem Gebot zwei Ziele. Das erste versteht sich eigentlich von selbst. Man ist auf das Geld der anderen aus. Wenn man also fest
davon überzeugt ist, das beste Blatt zu haben, möchte man bieten und erhöhen, um so die Geldsumme im Pot zu erhöhen.

Das zweite Ziel, weshalb man bietet (und erhöht), besteht darin, das Teilnehmerfeld zu reduzieren. Wenn Sie einen oder alle Konkurrenten eliminieren, erhöhen sich Ihre Gewinnchancen. Sie dürfen jedoch nie vergessen, dass diese beiden Ziele oft kontraproduktiv sind. Einerseits erhöht sich die mögliche Gewinnsumme, wenn möglichst viele Teilnehmer im Spiel verbleiben. Andererseits unkt bei einer hohen Anzahl Spielteilnehmer die Wahrscheinlichkeit, dass Sie das Gewinnerblatt halten. Deshalb ist das Bieten eine Kunst, und deshalb gibt es beim Poker fast nie ein hundertprozentig richtiges Manöver. Es kommt vor, dass man keine einzige Bietrunde eröffnet, obwohl man ein tolles Blatt hat. Diese Strategie nennt man Slowplaying. Man hält sich zurück, damit so viele Teilnehmer wie möglich im Spiel verbleiben. Nehmen wir an, es wird Texas Hold’em gespielt. Sie haben 4♣ 4♦ und erhöhen.

Dann kommt der Flop: 4♥ 4♠ 3♣. Sie haben einen Vierling. Saustark. Falls keiner der anderen Spieler ein Dreierpaar als Pocket-Cards hat, könnten Sie mit einem frühzeitigen hohen Gebot oder einer Erhöhung die Konkurrenz abschrecken. Dann gewinnen Sie nur das Ante. Es gibt zwar Schlimmeres, aber trotzdem müssen Sie sich immer darüber im Klaren sein, dass Ihre Aufgabe nicht allein darin besteht, den Pot zu gewinnen, sondern .ins diesem Gottesgeschenk so viel Kapital wie möglich zu schlagen. Also stellen Sie sich tot. Es ist hilfreich, wenn Sie gegen aggressive Konkurrenten spielen, die ihre Blätter überbieten, aber auch wenn das nicht der Fall ist, lautet
Ihre Strategie bis zur letzten Bietrunde checken und mitgehen.

Soll doch ruhig einer der anderen einen Straight, einen Flush oder ein Full House bekommen. Am Ende steht er gegenüber Ihrem Vierling praktisch nackt da. Lassen Sie das Feld ruhig aufholen, während der Pot gemästet wird. Je nachdem, aus welcher Position Sie spielen, machen Sie Ihre Erhöhung oder Ihren Check Raise in den späteren Runden. Natürlich hat das Slowplaying auch einen Nachteil: Da immer mehr Geld im Pot landet, liefern Sie den anderen Spielern einen Grund, Sie zu jagen. Und manchmal werden Sie auch geschasst. Angenommen, Sie bekommen D♦ D♥ (eine Kombination, die aus nahe liegenden Gründen Siegfried & Roy genannt wird). Sie erhöhen, und ein paar der anderen gehen mit. Der Flop kommt mit D♣ 3♠ 4♥ Sie haben jetzt drei Damen, den Top-Drilling.

Dieses Blatt eignet sich hervorragend zum Slowplaying, da die anderen kaum eine Möglichkeit haben, an Sie heranzukommen. Umso besser, wenn Ihr Gegner, der Ass-König hält, seine beste Karte kriegt und sich einbildet, er sei der sichere Gewinner. Liegen im Flop dagegen 10♣ 8♣ D♣, ist das ein furchtbares Blatt zum Slowplaying, denn es gibt unzählige Karten, die Ihnen schaden können. Gut möglich, dass Sie bereits tot sind. Die Turn-Card braucht nur ein weiteres Kreuz oder eine weitere Straight-Karte zu sein, und schon werden Ihre drei Damen so gut wie unspielbar. In diesem Fall müssen Sie Ihr Blatt so schnell wie möglich spielen und entweder darauf hoffen, dass Sie die potentiellen Gewinner abschrecken oder zumindest dafür sorgen, dass es für die anderen teuer wird, die nächste Karte zu sehen.

(Nur eine kleine Randbemerkung zum Check Raise: In manchen privaten Pokerrunden wird auf das Check Raising herabgesehen, und bisweilen ist es sogar verboten. Ich will die Verfechter dieser Regel nicht beleidigen, aber sie widerspricht allem, wofür das Wetten steht. Es ist absurd, wenn es beim Pokern keine Möglichkeit zur Täuschung gibt. Doyle Brunson sagte einmal, dass ein Pokerspiel ohne die Möglichkeit des Check Raise einem Fußballspiel ohne Vorwärtspass gleiche. Um effektiv zu spielen, muss man vom geradlinigen Weg abweichen können. Ansonsten verkommt Poker zu einem reinen Positionsspiel. Ein Spieler, der sich in einem Spiel, in dem der Check Raise verboten ist, vor Ihnen erklären muss, befindet sich unglaublich im Nachteil. Wenn er sich entscheidet, nicht zu bieten, kann das nur bedeuten, dass er ein schwaches Blatt hält. Da er keinerlei Möglichkeit hat, Ihnen eine Falle zu stellen, haben Sie mit jedem aggressiven Gebot eine Riesenchance, den Pot zu gewinnen.)

Bei Spielen mit Einsatzlimit ist das Wann der wichtigste feil des Bietens. Bei Spielen ohne Einsatzlimit ist die wichtigste Entscheidung dagegen das Wie viel. Vor drei Jahren nahm ich zum ersten Mal an einem No-Limit- Spiel mit hohen Einsätzen teil, über das ich eine Reportage für den Esquire schreiben sollte. Die Partie fand im Winchester statt, und das Buy-in lag bei 10 000 Dollar. Ich hatte damals schon ein bisschen Erfahrung mit No-Limit-Spielen, aber ich hatte noch nie mit einem so einschüchternden Startkapital gespielt. Es gehört zu den größten Fehlern, die man beim Poker machen kann, an einem Spiel teilzunehmen, dessen Einsätze die eigenen Möglichkeiten übersteigen. Sobald Sie anfangen, über den realen Wert der vielen Chips nachzudenken, werfen Sie sich selbst aus dem Spiel. Ich neige dazu, ängstlich und verkrampft zu spielen, wenn meine Verluste mich schwerer treffen, als ich es gewohnt bin.

In einem der ersten Spiele bekam ich 10-8, verschiedene Farbe. Der Flop brachte mir den bestmöglichen Straight, einen Straight 10. Im Pot lagen ungefähr 30 Dollar. Nach dem Flop eröffnete einer der anderen Spieler die Bietrunde mit 10 Dollar. Ich konnte an nichts anderes mehr denken, als dass ich das bestmögliche Blatt hielt. Ich würde das Spiel gewinnen. Ohne zu zögern, erhöhte ich um die gesamten 10 000 Dollar, die ich hatte. Ich hielt es für völlig ausgeschlossen, dass der andere bei 40 Dollar im Pot meine zehn Riesen mitgehen würde, es sei denn, er hatte das gleiche Blatt wie ich. Er passte also. Das ist ein perfektes Beispiel dafür, wie man seinen Gewinn nicht maximiert. Es lag so wenig Geld im Pot, dass ich hätte abwarten und geringe Beträge setzen sollen. Mit dieser Strategie hätte ich mir ein paar extra Dollar verdient. Stattdessen gewann ich mehr oder weniger den Mini-malbetrag, und das ist schlicht und einfach schlechtes Pokern.