Poker-Turnier im Texas Holdem spielen – weiteren Tipps

Die Art, wie Spieler eliminiert werden, macht ein Turnier einzigartig. Sie müssen sich (im Fluss der Chips) bewegen wie der Haifisch, den Sie nachzuahmen versuchen. Dann werden Sie überleben.

Tischwechsel
Mit fortschreitendem Turnier werden mehr und mehr Leute aus dem Wettbewerb ausscheiden. Die übrigbleibenden Spieler werden dann immer gleichmäßig auf die verbleibenden Tische verteilt, damit immer möglichst die gleiche Anzahl Spieler an jedem Tisch sitzt. Besonders in großen Turnieren werden Sie für den größten Teil der Zeit an vollbesetzten Tischen sitzen oder es fehlt kurzfristig maximal eine Person. Deswegen müssen Sie wissen, wie an einem vollbesetzten Tisch gespielt wird, damit Sie sich weiter hocharbeiten können. Um das Turnier zu gewinnen, müssen Sie auch damit umgehen können, dass die Zahl der Wettbewerber an einem Tisch schrumpfen wird.

Relativ zum Spielerfeld manövrieren
Sie können ein Turnier in drei Phasen betrachten: Frühphase, mittlere Phase, Spätphase.

Vom Start an dabei sein
In der Frühphase ist die beste Strategie – besonders bei großen Turnieren -, sich zurückzulehnen, die anderen Spieler zu beobachten und ein Gefühl für sie und die Atmosphäre zu entwickeln. Seien Sie sehr vorsichtig und überbieten Sie Ihre Blätter nicht. Um zu gewinnen, müssen Sie zunächst einmal nur überleben. Überleben wird schwierig, wenn Sie Ihre Chips leichtsinnig verbal lern. Langsam und beharrlich lautet die Devise. In Turnieren, die sehr viele Startchips ausgeben oder wo sehr viele Teilnehmer im Rennen sind, sollten Sie auf Spieler achten, die besorgt oder unentschlossen wirken. Solche Leute brauchen ewig, um voranzukommen. Wenn Sie dann jemanden beobachtender offensichtlich will, dass es weitergeht, dann können Sie ziemlich sicher ein aggressives Manöver erwarten. Obwohl es nicht ungefährlich ist, gegen diese Leute zu spielen, kommt doch oft in frühen und mittleren Stadien des Turniers ein guter Teil Ihrer Chips von diesen Angsthasen.

Wenn Sie dann eine unschlagbare Hand finden, sollten Sie sie auf keinen Fall zu stark anspielen. Es ist besser, Sie gewinnen einen kleinen Pot, als wenn niemand mitgeht. Sie brauchen jede Möglichkeit, Chips zu sammeln. Außerdem erzeugen Sie damit ein bestimmtes Image: das des soliden Spielers, der eher weniger erhöht. Dieser Ruf könnte Ihnen später helfen, wenn Sie einen Bluff versuchen. Die goldene Regel jeder Spielsituation lautet: Gewinne maximieren und Verluste minimieren! In den Frühstadien eines Turniers maximieren Sie Gewinne durch Einsätze, die von anderen mitgegangen werden. Gleichzeitig müssen Sie bereit sein, mit unsicheren oder gewagten Blättern sofort auszusteigen.

Wenn Sie im Frühstadium jemanden einen offensichtlichen oder höhnischen Bluff machen sehen (er zeigt zum Beispiel seine Karten, wenn er einen kleinen Pot gewonnen hat), ignorieren Sie es einfach. Zu Beginn eines Turniers, wenn die Blinds im Vergleich zu den Chipständen noch winzig sind, versuchen viele Spieler, sich ein falsches Image aufzubauen, aus dem sie später durch gegenteiliges Verhalten Nutzen ziehen wollen. Diese Versuche kommen besonders häufig in Turnieren mit geringem Startgeld oder Freerolls vor. Fallen Sie nicht darauf herein.

Durch die Mitte wursteln
Nachdem etwa ein Drittel der Teilnehmer ausgeschieden sind, verändert das Turnier seinen Charakter. Sie werden bemerken, dass die Verrückten, die Außenseiter und die Ungeduldigen langsam ausgemerzt werden. Übrig bleiben die mehr kalkulierenden und ruhigeren Spieler. Die Blinds dürften jetzt schon eine Rolle spielen und Sie müssen auf das 10:1-Verhältnis (Chips zu Big Blind) achten. Sie müssen jetzt eine Idee aggressiver werden, gleichzeitig aber auch bereit sein, marginale Blätter wegzuwerfen – besonders wenn mehrere Spieler sich um den Pot streiten.

Ab der Mitte des Turniers sollten Sie vor dem Flop nicht mehr einfach nur den Big Blind mitgehen, sondern immer mindestens dreifach erhöhen. Niemand, besonders der Big Blind nicht, darf jetzt noch gratis Karten zu sehen bekommen. Auch wenn Sie im Big Blind sind und alle bis zum Small Blind aussteigen, der lediglich ergänzt. Auch hier sollten Sie (wenn Sie spielbare Karten haben) den Small Blind um mindestens drei Big Blinds erhöhen.

Ihr Chipstand relativ zu den Blinds
Es gibt zwei Schlüsselgrößen in einem Turnier: wenn Sie etwa zehnmal so viel Chips haben, wie der Big Blind gerade beträgt, und wenn Ihr Vorrat auf unter fünf Big Blinds schrumpft.

Die 10:1-Reget für Ihr Turnierspiet
Achten Sie während des ganzen Turniers auf Ihren Chipvorrat als Vielfaches des Big Blinds. Wenn Sie z.B. zu Beginn 1.000 Chips haben und der Big Blind beträgt 20, dann haben Sie komfortable 50 Big Blinds. Keine Angst, Sie müssen kein Wunderkind im Rechnen sein – wirklich wichtig ist nur ein Verhältnis: 10:1. Multiplizieren Sie den Big Blind mit 10. Wenn Sie mehr Chips haben, ist alles in Ordnung. Wenn Sie nicht mehr Chips haben – besonders wenn es noch ein Stück bis zum Geld ist – müssen Sie zurückhaltender werden, gleichzeitig aber aggressiver, wenn Sie spielen. Sie liegen leicht hinten und müssen früher oder später Chips dazugewinnen.

Wenn Sie diese Anpassungen vornehmen, werden die anderen am Tisch eventuell merken, dass Sie aggressiver werden, und Ihnen eine gewisse Panik unterstellen (und deswegen Bluffs vermuten). Da Sie aber zurückhaltender geworden sind und nur bessere Karten aggressiver spielen, ist die Chance größer geworden, dass andere gegen Sie verlieren. Genau das ist der Trick, mit dem Sie wieder aus dem Chiptal nach oben kommen.

Die 5:1-Regel für Ihr Turnierspiel
Betrachten Sie die 5:1-Regel wie den brüderlichen Zwilling der 10:l-Regel. Multiplizieren Sie den Big Blind mit 5. Wenn Ihr Chipvorrat geringer ist, gibt es im Pokerslang eine spezielle Bezeichnung dafür: Probleme. Unter diesen Bedingungen wirkt es nicht mehr bedrohlich, wenn Sie all in gehen, deswegen sollten Sie noch nicht einmal an Bluffen denken. Stattdessen müssen Sie ein spielbares Blatt finden und spielen (eventuell präflop all in gehen).
Dazu gehören Karten wie:
✓ jedes Ass mit gleichfarbiger Beikarte
✓ jedes Paar 8 oder besser
✓ beliebige zwei Karten über der 10

Alles andere werfen Sie weg. Sie müssen mit dem einen möglichen Schuss treffen.
Wenn Sie im Blind sitzen und sehen den Flop gratis, dann sollten Sie mit einem Semibluff all in gehen, wenn Sie vier Karten zu Flush oder Straight haben (mehr zu Semibluffs im nächsten Artikel). Ebenso, wenn Sie mit dem Flop ein Paar treffen. Stoßgebete nicht vergessen.

Das Ziel anvisieren
Je mehr das Feld sich verringert, desto härter werden Sie das Spiel finden. Die Einsätze werden aggressiver und die Blinds gehen so hoch, dass sie zur ernsten Bedrohung für Ihren Chipvorrat werden. Außerdem kommt es jetzt erstmals im Turnier zu unterbesetzten Tischen. Wenn das Turnier mit 1.000 Spielern begonnen hat und es sind noch 11 übrig (Juhu, Sie sind im Geld), dann wird an einem Tisch zu sechst, am anderen zu fünft gespielt. Egal wo Sie sitzen, es ist das erste Mal im Turnier, dass Sie gegen so wenige antreten. Das bedeutet, Sie müssen etwas lockerer spielen, weil:
✓ Die Blinds kommen öfter und schneller (und sie werden riesig sein).
✓ Da weniger Spieler am Tisch sind, brauchen Sie nicht so starke Blätter.

Tische balancieren
Während des Turniers werden Spieler (Sie eingeschlossen) häufig umgesetzt, damit an jedem Tisch gleich viele Leute sitzen. Wenn Sie umgesetzt werden, müssen Sie sofort überprüfen, wie Ihr Chipvorrat in Relation zu den Mengen der anderen an Ihrem neuen Tisch steht. Halten Sie die Augen offen, wenn neue Spieler an Ihren Tisch kommen. In realen Pokerclubs ist das einfach, weil Sie kaum den Biker (der sich gerade gesetzt hat) mit der älteren Dame (die gerade gegangen ist) verwechseln werden. Online besteht der Unterschied häufig nur in einem anderen Namensschild, das wird schnell übersehen. Jeder Spieler hat unterschiedliche Chipmengen und spielt anders. Beobachten Sie jeden Spieler und versuchen Sie, alles, was möglich ist, zu registrieren. Wenn Sie neue Spieler ignorieren, riskieren Sie Ihre Chips.

Die Blase platzt
Die Blase (the Bubble) ist der magische Punkt in einem Turnier, wo das Verlieren aufhört und das Gewinnen beginnt. Es ist der Punkt, an dem auch Träume platzen. Wenn zum Beispiel 19 Spieler übrig sind und 18 Plätze werden mit Geld bezahlt, dann befindet sich das Turnier on the Bubble. Das Spiel on the Bubble ist sehr interessant, weil nahezu alle Spieler deutlich vorsichtiger werden, wenn es auf den Punkt zugeht. Kein Wunder – jeder hat Stunden (in Riesenturnieren vielleicht Tage) lang gespielt und ist bis hierher gelangt. Natürlich will keiner riskieren, dass jetzt alle Träume platzen.

Hier warten manchmal beste Gelegenheiten, um etwas aggressiver zu werden. Blinds stehlen wird viel einfacher, wenn es auf die Blase zugeht. Erhöhen Sie mit einem guten Eröffnungsblatt und werden Sie mit den Karten für spätere Positionen etwas aggressiver. Sie müssen gar nicht so oft Blinds stehlen, bis es äquivalent zu einem Riesenpot ist. Wenn sich Turniere auf die Bubble zu bewegen, wechselt man zum Hand-für- Hand-Spiel. An allen noch aktiven Tischen wird gewartet, bis an allen Tischen das laufende Spiel beendet ist. Erst dann wird für das nächste Spiel ausgeteilt. Damit wird verhindert, dass vorsichtige Spieler mit wenig Chips bewusst Spiele durch langes Warten verzögern, in der Hoffnung, an einem anderen Tisch fliegt noch vor ihnen jemand raus.

Wenn die Blase geplatzt ist, werden alle Spieler wieder lockerer und spielen mehr Hände. Jetzt ist eine gute Zeit für Sie, um wieder etwas zurückhaltender zu werden. Nicht nur, weil jede Stufe auf der Preisleiter (bedeutend) mehr Geld bedeutet, sondern auch, weil vielleicht ein paar Typen sauer auf Sie sind, weil Sie vor the Bubble zu viele Blinds gestohlen haben. Lassen Sie die Leute mit den hohen Testosteronspiegeln es unter sich ausmachen. Spielen Sie Ihre Karten, wenn sie gut sind oder wenn sich offensichtliche Gelegenheiten auftun.

Was passiert, wenn Sie nicht aufpassen?
Hier nun ein Beispiel aus meiner eigenen Vergangenheit. Es gehört zu den demütigendsten Dingen, die ich jemals am Pokertisch erlebt habe.
Mehr als sechs Stunden ging das Online-Qualifizierungsturnier schon. Der erste und der zweite Sieger würden einen Platz im Hauptturnier der WSOP bekommen. Nachdem wir ein Feld von Tausenden von Spielern hinter uns gelassen hatten, waren wir noch zu dritt, Tim, der Schüchterne mit 10.000 Chips, Mr. Action Monkey mit 235.000 und ich mit 225.000. Ich saß auf dem Button, Tim musste 2.000 als small und der Monkey 4.000 als Big Blind zahlen. Ich bekam A-A und eröffnete mit 12.000, in der Hoffnung, den Kleinen zu erwischen. Tim stieg sofort aus, Pech. Der Action Monkey überlegte für eine ganze Weile und schob dann alles in den Pot.

Im Lauf des Turniers hatte mich der Action Monkey auf die Palme gebracht. Etwa drei Stunden des gesamten Turniers saß ich mit ihm am gleichen Tisch. Er war laut und unhöflich, aber schlimmer noch, er spielte sehr gut Poker. Ich musste wiederholt bewusst aussteigen, um ihm und seinem guten Spiel aus dem Weg zu gehen. Aber das war jetzt zu schön, um wahr zu sein. Ich hatte die beste Starthand und konnte ihn hier und jetzt erledigen. Ohne mit der Wimper zu zucken, ging ich mit. Er hatte A-K von unterschiedlichen Farben und der Flop brachte K-K-7. Ich holte seinen Drilling nicht ein und war aus dem Turnier. Natürlich verspottete er mich. Er und der schüchterne Tim bekamen eine Reise nach Las Vegas und Spesen. Ich konnte am Daumen lutschen.

War es ein bad Beat? Sicher. Aber ich hatte auch einen ernsten Fehler gemacht.
Mein großer Fehler war, ich hatte nicht auf den Preis geschaut. Zwei Spieler qualifizierten sich, die Reihenfolge war egal. Obwohl ich mit A-A ein absolutes Favoritenblatt hatte, ist das leider keine Garantie für einen Sieg. Nach einigen Buttonrunden wäre Tim gezwungen gewesen, all in zu gehen. Wenn sowohl der Monkey als auch ich seinen All-in-Einsatz mitgegangen wären und anschließend gecheckt hätten, hätte er zwei Blätter schlagen müssen (und selbst wenn es gelungen wäre, er hätte wieder und wieder und wieder gegen uns beide gewinnen müssen). Egal was der Action Monkey hatte, meine Chancen auf die Reise wären besser gewesen, wenn ich ausgestiegen wäre und gewartet hätte, bis die Blinds Tim abgewürgt hätten. Ich mag immer noch nicht über das Spiel nachdenken. Machen Sie es mir nicht nach.