Informationen im Netz oder von Büchern sammeln – wichtigste Pokerstrategien lernen

Jeder Poker-Experte ist der Ansicht, dass Information Macht bedeutet, aber noch niemand hat viel darüber geschrieben, wie man an sie gelangt. In diesem Abschnitt diskutieren wir ein paar Möglichkeiten, wie der Spielstil und die Eigenarten der Gegner bestimmt werden können. Wenn Sie in der Regel immer mit den gleichen Gegnern zu tun haben, lernen Sie nach und nach deren Spielweise. Weil jedoch die Spieler in einigen Partien beständig wechseln, müssen Sie die Leute schnell beurteilen und sich an das Gelernte erinnern. In den Poker-Artikeln über den jeweiligen Spielstil wird dies „Merkmale zur schnellen Wiedererkennung“ genannt. Jetzt besprechen wir die drei grundlegenden Techniken: Beobachten, Zuhören und Fragen stellen. Dann gehen wir auf ein weniger bekanntes Thema ein: „Mit dem dritten Ohr lauschen.“

Beobachten
Gute Spieler sind im Allgemeinen aufmerksam und die besten Spieler arbeiten hart an dieser Eigenschaft. Die meisten von uns „schalten ab“, wenn sie gefoldet haben. Wir ergehen uns in Tagträumen, schauen fern, überlegen uns, was wir essen wollen, usw.

Erfolgreiche Spieler
bleiben konzentriert bei der Sache und finden heraus, wie andere Spieler agieren. In der Tat können sie nach einem Fold oft mehr Informationen Zusammentragen, als wenn sie weiterspielen. Sie können über Spielstile und andere nachhaltige Fragen nachdenken, anstatt sich darüber Gedanken zu machen, wie diese Hand zu spielen ist. Dieses Verhaltensmuster führt uns zur Regel Eins beim Sammeln von Informationen: Beobachten Sie die Action, egal ob Sie um den Pot mitspielen oder nicht. Machen Sie nicht den Fehler, zu viel auf einmal erreichen zu wollen. Wenn Sie versuchen, der Action zu folgen, den Pot zu berechnen, Gegner auf Hände zu setzen und zu lernen, wie unterschiedliche Spieler agieren, kann das zu erheblichen Verwirrungen führen. Erleichtern Sie sich die Arbeit, indem Sie Regel Zwei: Konzentrieren Sie sich nur auf einen oder zwei Spieler anwenden.

Offensichtlich sollten Sie sich auf die Spieler konzentrieren, die Sie und die Partie am meisten beeinflussen, wie zum Beispiel die Stammgäste, die Sie nicht lesen und/oder schlagen können. Wenn Sie alles andere außer Acht lassen und sich auf lediglich einen oder zwei dieser Spieler konzentrieren, werden Sie angenehm überrascht sein, wie leicht es ist, diese zu lesen und zu schlagen. Möglicherweise werden Sie Gewohnheiten und Schwächen entdecken, die Sie zuvor niemals gesehen haben.

Noch mehr werden Sie durch die Anwendung von Regel Drei: Treffen Sie eine Vorhersage und begründen Sie diese lernen. Wir diskutierten dieses Prinzip in der Einführung und dem Poker-Artikel über die Handanalyse. Dies ist ein derart schlagkräftiges Hilfsmittel, dass es nahezu alle Wissenschaftler anwenden. Sie argumentieren explizit: „Trifft meine Theorie zu, geschieht dies wegen A, B und C.“ Ist ihre Vorhersage unzutreffend, können sie ihren Fehler schnell bestimmen und ihre Theorie revidieren.

Wir haben nicht viel theoretische Kenntnisse über Poker, versuchen aber, Leute auf Hände zu setzen. Vielleicht sehen wir voraus, dass Joe in der nächsten Setzrunde betten wird, weil wir ihn auf ein Full House setzen. Checkt er und zeigt eine schwächere Hand, realisieren wir, dass wir einen Fehler gemacht haben und können daraus lernen. Treffen wir keine Vorhersagen, erkennen wir vielleicht niemals unsere Fehler und können sie auch nicht unterbinden.

Zuhören
Das meiste lernen wir durch Beobachten, weil die Einsätze die wichtigsten Aktionen sind. Wir sollten jedoch auch zuhören, weil die Spieler beim Reden – am Tisch oder wenn sie einfach herumsitzen – viel von sich preisgeben. In den Casinos sollten Warnschilder stehen: „Rechtsbelehrung: Alles was Sie sagen, kann gegen Sie verwendet werden.“ Die meisten Leute wissen nicht, wie viel Informationen sie durch sorgloses Plaudern preisgeben. Wann immer sie zum Beispiel eine Geschichte einer schlimmen Niederlage erzählen, teilen sie anderen Leuten mit, wie sie denken und spielen – und gute Spieler werden diese Informationen nutzen, um sie zu schlagen.
Auch wenn sie Hände diskutieren, an denen sie selbst nicht beteiligt gewesen sind, verraten sie sich. Viele stellen gerne ihre „Klugheit“ unter Beweis, indem sie über andere Spieler urteilen. „Er hätte nicht raisen dürfen, weil…“ – „Ich hätte ihn auf einen Flush gesetzt, weil…“ – „Ich würde eine solche Hand niemals spielen.“ Wenn Sie einfach nur zuhören, werden Sie überrascht sein, wie viel „kostenlose“ Informationen im Umlauf sind.

Manchmal erzählen Ihnen die Leute haarklein, wie sie zu schlagen sind. Gewissermaßen geben sie Ihnen das Messer in die Hand, damit Sie ihnen die Kehle durchschneiden können. Spätere Beobachtungen bestätigten, dass die Leute nicht gelogen haben, als sie die folgenden Aussagen machten. Die Kommentare nach „Danke schön!“ besagen, wie Sie diese Informationen gegen sie verwenden können.
• „Ich bin nicht aggressiv. Ich raise nur, wenn ich nahezu sicher bin, die Gewinnerhand zu haben.“
Danke schön! Wenn Du das nächste Mal raist, bin ich draußen.
• „Ich bette grundsätzlich auf dem Flop, wenn ich als Letzter an der Reihe bin und vor mir niemand gebettet hat.“
Danke schön! Das nächste Mal, wenn ich eine gute Hand habe und Du als Letzter dran bist, werde ich einen Check-Raise anstreben.
• „Bei einem ausreichend großen Pot calle ich mit jeder Hand bis zum Ende, aber bei kleinen Pots mache ich keine loosen Calls.“
Danke schön! Jetzt weiß ich, wann ich gegen Dich einen Bluff ansetze.
• „Ich checkraise niemals, weil ich daran glaube, meine gute Hand betten zu müssen.“
Danke schön! Wenn Du das nächste Mal checkst, weiß ich, dass Du eine schlechte Hand hast. Ich kann dann ohne Angst vor einem Raise mit Schrott bluffen oder mit einer marginalen Hand betten.

Vielleicht denken Sie, dass in Ihrer Partie niemand solch blödsinnige Bemerkungen macht, aber diese unterlaufen sogar Teilnehmern von hochklassigen Turnieren. Zum Beispiel hat die unbedachte Äußerung eines anderen Spielers Matt Lesinger geholfen, die „Carnivale of Poker Pot Limit Championship“ (mit einem Preisgeld von über 150.000 $) zu gewinnen. Matt emailte mir, er hätte mit QQ geraist und sei gereraist worden.

„Anfänglich habe ich ihn auf eine bessere Hand als meine gesetzt, aber nachdem er seinen Reraise gebracht hatte, kam er zu mir, grinste und sagte: ‚Ich wollte einfach nur sichergehen, dass nur wir beide übrig bleiben.‘ Jetzt war ich mir sicher, die beste Hand zu haben. Als ich an der Reihe war, erhöhte ich noch einmal um 500 $. Er callte. Auf dem Flop setzte ich ihn All-In. Er callte, zeigte ein Paar Zehnen und flog aus dem Turnier.“

Fragen stellen
Beim Beobachten und Zuhören verhält man sich verhältnismäßig passiv, während Fragen stellen weitaus aktiver ist. Fragen oder andere Formen des Nachforschens sind darauf ausgerichtet, andere zur Preisgabe von Informationen zu bewegen, die sie normalerweise nicht mitteilen würden. Kaum einer forscht genügend nach: Wir warten passiv ab, dass wir Informationen bekommen, erfahren aber viel mehr, wenn wir Regel Vier: Fragen stellen und sonstige Nachforschungen, um Reaktionen zu erlangen anwenden. Gehen Sie zu offensichtlich vor, werden die meisten Leute Ihren Nachforschungen widerstehen oder sie Ihnen übelnehmen. Viele sind zum Beispiel von Fragen wie „Was hattest Du in der letzten Hand?“ genervt. Sie reagieren viel positiver auf Fragen zur Spielweise mit Karten, die sie bereits gezeigt haben. Viele Menschen haben ein ausgeprägtes Bedürfnis, verstanden zu werden; sie wollen Ihnen berichten, wie sie denken und spielen. Nachdem Sie deren Karten gesehen haben, könnten Sie zum Beispiel folgendermaßen mit Ihren Nachforschungen beginnen:

• „Ich frage mich, warum Du nicht gecheckraist hast.“
• „Ich bin überrascht, dass Du damit gecallt hast.“
• „Warum hast Du versucht, solch einen loosen Spieler zu bluffen?“
• „Das war ein seltsamer Raise.“
• „Ich hätte niemals gedacht, dass Du etwas in dieser Richtung hast. Ich dachte, Du hättest…“

Oft können Sie an wichtige Informationen gelangen, wenn Sie die Leute kritisieren – aber bleiben Sie dabei höflich. Eine Menge Leute verteidigen zum Beispiel das Callen oder Raisen mit schwachen Blättern, indem sie ihre Gründe darlegen.
• „Ich verteidige meinen Big Blind grundsätzlich für den Preis eines Raise.“
• „Ich will die nächste Karte sehen, wenn ich drei Karten zu einer Straight bekomme.“
• „Ich habe geraist, weil das meine Glückskarten sind.“
Diese Feststellungen versorgen Sie mit wertvollen Informationen, die Sie auf keine andere Weise erhalten würden, und dieses Wissen hilft Ihnen, den Gegner zu verstehen und zu schlagen.

Mit einer indirekten Kritik erfahren Sie einiges, wenn jemand eine Karte getroffen hat. „Du hattest ziemliches Glück, das Ass auf dem River zu treffen.“ Er könnte sein Spiel folgendermaßen verteidigen: „Das stimmt nicht. Ich hatte es bereits.“
Gelegentlich wird jemand an Ihren Nachforschungen Anstoß nehmen. Was soll’s? Informationen zu erhalten ist wie Schürfen nach Gold: Es erfordert viel Arbeit für einen geringen Ertrag. Aber es ist die Mühe wert. Wenn die anderen jedoch ernsthaft irritiert zu sein scheinen, ist es oft das Beste aufzuhören, da ansonsten die Spiellaune beeinträchtigt wird und vielleicht sogar ein schwacher Spieler den Tisch verlässt.

Mit dem „dritten Ohr“ lauschen
Es gibt Einsichten, die Sie nicht anders erhalten als mit der Anwendung von Regel Fünf: Mit dem dritten Ohr lauschen. Diesen Begriff hat ein angesehener Psychoanalytiker geprägt. Er sagte, wir hätten zwei Ohren für das tatsächlich Gesprochene und ein drittes mentales Ohr für die tieferen Bedeutungen, wie zum Beispiel die Gefühle, Hoffnungen und Ängste der Menschen. Es ist wie das „Lesen zwischen den Zeilen“. Dieses dritte Ohr kann uns überraschende Dinge vermitteln, wenn wir es nutzen. Vielleicht nutzen Sie Ihr drittes Ohr nicht, weil Sie die übliche Meinung teilen, dass es beim Poker einzig um Geld geht. Wir haben aber bereits gezeigt, dass nahezu alle Spieler viele andere Motive besitzen. Um andere Spieler zu verstehen und uns ihnen anzupassen, müssen wir mit dem dritten Ohr zuhören und ständig alle möglichen Motive, Ängste und Gedanken im Auge behalten, die von Poker-Autoren selten in Betracht gezogen werden.

In den nächsten Poker-Artikeln werden einige dieser „irrationalen“ (d. h. für den Sieg nicht maßgeblichen) Motive und Ängste diskutiert. Wir werden das dritte Ohr nutzen, um unter die Oberfläche zu gelangen, diese anderen Motive zu analysieren und sie mit Ihrem eigenen Spielstil und demjenigen der anderen Spieler in Beziehung zu setzen. Sie werden sehen, dass Leute mit unterschiedlichen Stilen aus unterschiedlichen Gründen spielen, das Spiel unterschiedlich beurteilen und unterschiedliche Gegenstrategien erfordern.