In Poker-Turnieren antreten – Texas Holdem Tipps

Тurniere sind eine interessante Form des Spiels – besonders, seit Fernsehübertragungen von Poker sich fast ausschließlich um die Turnierform drehen.
Vor fünfzehn Jahren handelte es sich bei der Mehrzahl der Turniere um Limit-Wettbewerbe und No Limit spielten nur die wirklich Ernsthaften oder die Verrückten. Durch Fernsehübertragungen wurden Limit-Turniere ins Abseits gestellt – der Großteil der Veranstaltungen läuft jetzt im No-Limit-Format ab.

Wenn Sie annehmen, Turnierpoker und Cashgames wären das Gleiche, dann werden Sie bei Turnieren nie in die Preisränge kommen, selbst wenn Sie in Cashgames ein regulärer Gewinner sind.
Wenn Sie brennendes Interesse an Online-Einzeltischturnieren verspüren, dann finden Sie ein sehr viel ausführlicheres Artikel dazu in Internet-Poker für Dum- mies, das ich zusammen mit Chris Derossi geschrieben habe (veröffentlicht bei Wiley).

Unterschiede in den Griff bekommen
In mancher Hinsicht sind Turniere die reinste Form von Texas Hold’em. In Cashgames können Sie sich mit einem Tisch voller Leute nächtelang die Köpfe einschlagen, gerade plus/minus null herauskommen und dann die nächste Woche über diskutieren, wer wirklich der Beste ist. Bei Turnieren werden die Preise nach einem bestimmten Schlüssel verteilt. Und natürlich könnet Sie diskutieren, wer der Beste ist, aber die Gewinnerliste am Ende spricht eine deutliche Sprache. Wenn Ihr Name weit unten steht, wird es Zeit, daran zu arbeiten, wie Sie weiter nach oben kommen.

Turniegrundlagen
In einem Turnier startet jeder Teilnehmer mit der gleichen, festgelegten Anzahl an Chips. Das Ziel lautet: Vermehre sie! Wer seine Chips verloren hat, fliegt aus dem Turnier. Einfach und direkt! Brutal! Und das tut weh. Jedes Turnier wird eindeutig bestimmt durch die Höhe des Startgeldes, die Menge der Chips, die Sie dafür erhalten, und die Geschwindigkeit der Blindsteigerungen.

Gratisturniere – wie Sie etwas für nichts bekommen
Freerolls (Gratisturniere) sind genau das, was der Name sagt: Sie können für nichts (außer Ihrer investierten Zeit) Preise gewinnen. In realen Casinos finden Sie Gratisturniere üblicherweise als Anreiz für Spieler, eine gewisse Anzahl an Händen oder für eine gewisse Zeit zu spielen: Spielen Sie mindestens 20 Stunden während eines Monats und Sie können an unserem 1.000-Dollar-Gratisturnier teilnehmen, so in der Art sieht die Werbung dafür meist aus. Die Qualifizierung ist nicht schwer, die Turniere selbst sind aber meist sehr schwer zu gewinnen, weil sehr viele der erfahrenen Stammspieler daran teilnehmen.

Online ist es eher so, dass mit Freerolls neue Spieler auf eine Site gelockt werden sollen. Auf unbekannten Sites sind es vielleicht um die 100 Spieler, die um ein Preisgeld von etwa 100 $ kämpfen. Auf großen Sites können es Täusende sein, die über mehrere Tage um den gleichen Betrag pokern. Der Spielstil in Online-Gratisturnieren sollte niemals zu Ihrem Maßstab werden. Weil die Teilnahme nichts kostet, gibt es auch nichts zu riskieren und Sie werden es unzählige Male erleben, dass Spieler mit unmöglichen Blättern in All-in-Situationen marschieren.
Rein mathematisch betrachtet sind Gratisturniere eine feine Sache. Nichts zu zahlen, aber trotzdem gibt es etwas zu gewinnen.

Aus praktischer Sicht ist die Teilnahme streng genommen verrückt, denn die Turniere kosten a) sehr viel Zeit und b) sie sind gefährlich, weil Sie dort zu sehr Spielweisen erleben, die man keinesfalls praktizieren sollte, besonders als Anfänger. Spielen Sie Freerolls, um ein Gefühl für Turniere zu bekommen, oder wenn es Sie sonst wie anturnt, aber dann sollten Sie wirklich schnell zu ernsthaftem Poker fortschreiten.

Startgelder
Für jedes Turnier, an dem Sie teilnehmen wollen, zahlen Sie ein Startgeld (Entry Fee). Dieses Startgeld wandert direkt in den Preispool. Zusätzlich zahlt jeder Spieler eine so genannte Startgebühr (Registration Fee), die meist zehn Prozent des Startgeldes beträgt. Die Startgebühr geht an das Haus. Wenn in Anzeigen oder Onlinelisten Turniere erwähnt werden, sind die Startgelder und -gebühren meist in der Form $ 50 + $ 5 dargestellt. Davon gehen 50 $ in den Preispool und 5 $ an das Haus.

Ein Turnier ohne Startgebühr sähe demnach so aus: $10 + 0. Alle Startgelder gehen direkt in den Preispool. Aus mathematischer Sicht sind diese Turniere (neben den Freerolls, siehe Kasten) die besten Geschäfte, weil nichts davon an das Haus abfließt. Wenn nicht bei den Turnierunterlagen explizit darauf hingewiesen wird, dass keine Gebühr fällig wird, müssen Sie mit Startgebühren rechnen. Lesen Sie das Kleingedruckte.

Chipmengen
Für Ihr Startgeld bekommen Sie eine festgelegte Menge an Chips. In kleinen und schnellen Turnieren – wie die Einzeltischturniere online (mehr dazu im nächsten Poker-Artikel) – bekommen Sie etwa 1.000 bis 1.500 Chips. Alle Turniere mit weniger Startchips heißen Short Stack Tournaments. Das ist eine merkwürdige Unterklasse in der Turnierlandschaft, wo es darauf ankommt, möglichst sofort Chips dazuzugewinnen, ansonsten wundern Sie sich plötzlich, warum Sie an der Reling stehen und sich staunend am Kopf kratzen. Das Gegenteil – echte Monsterturniere – nennt man Deep Stack Toumaments. Das Hauptturnier der World Series gehört dazu. Jeder startet mit 10.000 Chips.

Manchmal kann man in Turnieren mit Bonus-Chips starten. Diese Zulage kann man sich als regelmäßiger Spieler in dem betreffenden Haus sozusagen erarbeiten. Überprüfen Sie deswegen, ob das Turnier, in dem Sie starten möchten, diese Möglichkeit bietet. Allgemein gilt, mit je mehr Chips Sie beginnen, desto besser Ihre Chance. Je mehr Chips man in einem Turnier hat, desto besser für die guten Spieler, das ist eine alte (und korrekte) Weisheit am Turniertisch. Je länger man spielen kann, desto weniger wirkt sich der kurzzeitige Glücksfaktor aus und die reine Geschicklichkeit und Erfahrung kommt zum Tragen.

Hey, was ist mit dem $-Zeichen passiert?
Sie sehen, dass ich die Chipzahlen im ganzen Artikel durchgängig ohne $-Zeichen geschrieben habe. Das deswegen, weil die Chips im monetären Sinne keinen Wert repräsentieren (Sie können nicht in der Mitte eines Turniers Ihre Chips nehmen und sie in Geld tauschen). Turnierchips sind Werkzeuge und Maßstab, während sie zwischen Gewinnern und Verlierern hin- und herwandern. Tatsächlich besteht bei den meisten Turnieren keine Korrelation zwischen Startgeld und Chipmenge. Online z.B. bekommen Sie in einem 10-und-l-Dollar-Turnier etwa 1.500 Chips.

In professionellen Kartenclubs sind die im Cashgame genutzten Chips (die echtes Geld repräsentieren) optisch meist sehr aufwändig gestaltet. Damit werden sie nicht nur attraktiv (z.B. für Sammler), sondern sind auch schwerer zu fälschen. Die gleichen Clubs nutzen in ihren Turnieren aber oft extrem alte, abgenutzte Chips, deren Wert meist nur noch an der Farbe zu erkennen ist. Obwohl sie wirklich nicht sehr schön anzusehen sind, hilft die ganze Abnutzung ungemein, wenn Sie sie mit einer Hand mischen wollen.

Die Dynamik der Blinds
In Turnieren wird mit relativ niedrigen Blinds begonnen, die aber im Laufe der Zeit immer wieder angehoben werden. Der genaue Erhöhungsplan hängt vom Turnier ab und wird entweder nach einer festgelegten Anzahl Spiele (z.B. Blinds werden alle zehn Spiele angehoben) oder nach festen Zeitintervallen (z.B. Blinds werden alle 20 Minuten angehoben) vorgenommen. Turniere mit vielen Startchips haben in der Regel auch langsamere Blindsteigerungen. Auch das ist von Vorteil für die besseren Spieler.

Die nächste Tabelle zeigt ein Beispiel: Sie sehen, dass es mit niedrigen Blinds beginnt, aber irgendwann ist der Zeitpunkt gekommen, wo sie einen entscheidenden Einfluss auf das Spiel nehmen. Und glauben Sie nicht, dass mit dem Ende der Tabelle auch Schluss mit den Blindsteigerungen wäre: Sie steigen weiter, so lange noch zwei Spieler unter den Lebenden des Turniers weilen.

Stufe Dauer (Minuten) verstrichene Dauer Small Blind Big Blind
1 10 10 10 20
2 10 20 20 40
3 10 30 30 60
4 10 40 50 100
5 10 50 100 200
6 10 60 150 300
7 10 70 200 400
8 10 80 300 600
9 10 90 400 800

Überlegen Sie: Wenn Sie mit 1.000 Chips begonnen hätten und in der Turnierstruktur nach der Tabelle 90 Minuten überlebt hätten, würde ein Buttonumlauf schon 1.200 Chips (für die Blinds) von Ihrem Stapel entfernen – mehr, als Sie zu Beginn hatten. In manchen Turnieren wird nach einigen Limitstufen zusätzlich ein Grundeinsatz (Ante) fällig. Das ist ein Einsatz, den alle Spieler in jeder Hand bringen müssen, bevor sie Karten bekommen. Die Ante ist allerdings bedeutend geringer als die Blinds. Bei Blindstufen von 400/800 wäre ein üblicher Ante-Betrag z.B. 50. Betrachten Sie es als eine Art Mini-Blind für jeden Spieler.

Rebuys und Add-ons
Manche Turniere haben genau ein Startgeld und das ist es. Sie zahlen, bekommen Ihre Chips und spielen damit, bis Sie rausfliegen oder sämtliche Chips der anderen Spieler gewonnen haben. In anderen Turnieren können Sie Chips nachkaufen (rebuy) oder Ihre Chipmenge ergänzen (add on). Lesen Sie die folgenden Abschnitte dazu.

Pausen und Blinds
In Turnieren müssen alle Spieler Blinds und Amtes bringen, selbst wenn sie nicht am Tisch sind. Den Prozess nennt man blinding off. ln Cashgames können Sie jederzeit den Tisch verlassen. Während Ihrer Abwesenheit zahlen Sie keine Blinds und bekommen keine Karten. Wenn Sie an den Tisch zurückkehren, müssen Sie für die betreffende Runde Blinds zahlen (es ist aber niemals mehr als ein small und ein Big Blind, egal, wie lange Sie abwesend waren). In einem professionellen Club wird der Dealer Ihren Platz entsprechend mit Markierungschips kennzeichnen (missed Small Blind, missed Big Blind oder missed Blinds). Damit wird angezeigt, dass Sie für die entsprechende Runde noch nachzahlen müssen.

Sie können das Nachzahlen vermeiden, indem Sie einfach warten, bis Sie wieder in der Blindposition sind und erst dann wieder spielen. Fragen Sie den Dealer, bevor Sie gehen, wie lange Sie abwesend sein dürfen – wenn die Zeit überschritten ist, wird der Floorman Ihre Chips vom Tisch nehmen und sicher verwahren. In besonders geschäftigen Casinos wird manchmal eine Klarsichtbox über die Chips von abwesenden Spielern gestülpt. Ein neuer Spieler nimmt dann den vorübergehend freien Platz ein und stellt seine Chips auf der Plastikbox ab. Der Lückenbüßer muss gehen, sobald der Platzinhaber rechtzeitig wieder zurückkommt. Ja. Es ist schon etwas seltsam. In Turnieren sind Pausen fest eingeplant. Deswegen ist es besser, auf die geplanten Pausen zu warten, als eigenmächtig mitten im Spiel welche einzulegen.

Nach kaufen (Rebuy)
Manche Turniere bieten die Möglichkeit, Chips nachzukaufen, man nennt es auch ein Rebuy tätigen. Die Regeln für das Nachkaufen variieren etwas (fragen Sie den Dealer oder lesen Sie die Turnierbedingungen), aber normalerweise können Sie nachkaufen, sobald Ihre Chips unter der Anfangsmenge liegen – auch wenn Sie gerade rausgeflogen sind. Sie dürfen nur zwischen zwei Händen nachkaufen, und wenn Sie aus dem Turnier geflogen sind, müssen Sie sofort nachkaufen, um in der nächsten Hand mitzuspielen. Wenn Sie das versäumen, ist das Turnier für Sie endgültig vorbei. Es lohnt sich, über Rebuy-Mechanismen zu reden und wann man die Möglichkeit nutzen sollte.

Rebuy-Dynamik
Manchmal ist die Anzahl der Rebuys begrenzt. Häufiger kommt es allerdings vor, dass bis zur ersten Turnierpause unbegrenzt nachgekauft werden kann (sobald die Chipmenge unter dem Anfangsstand ist).
Für den Nachkaufbetrag bekommen Sie normalerweise die exakt gleiche Menge Chips wie für das Startgeld (diesmal allerdings ohne nochmalige Startgebühr). Wenn Sie zum Beispiel in einem 50-und-5-Euro-Turnier spielen und zum Start 1.500 Chips erhalten haben, dann bekommen Sie für den Nachkaufbetrag von 50 + 0 € nochmals 1.500 Chips (die Sie diesmal bitte nicht so schnell verlieren, okay?).

In Rebuy-Turnieren kalkulieren die meisten Spieler das Nachkaufen bewusst ein. Das sollten Sie ebenfalls ernsthaft erwägen. Deswegen könnte ein 50-und-5-Euro- Turnier aber auch schnell 155 € kosten (50 € Startgeld, 5 € Startgebühr und zweimal Nachkaufen ä 50 €). Betrachten Sie das Preisschild von 50 € nicht so, als kämen Sie damit zum Ziel. Eine gute Faustregel lautet, dass ein Rebuy-Turnier mindestens zwei Rebuys extra zum Buy-in kostet.

Machkaufen – Ja oder nein?
Nachkaufen ist nur in Mehrtischturnieren möglich. Ob Sie nachkaufen, hängt fast allein von der Situation an Ihrem Tisch ab. In fast allen Rebuy-Turnieren werden die Leute nachkaufen (auch mehrmals), deswegen bleiben für die Anfangsphase des Turniers die gleichen Leute am Tisch, bis es keine weitere Nachkaufmöglichkeit mehr gibt. Sie können diesen Tisch-Stabilitätsfaktor zu Ihrem Vorteil nutzen. Wenn an Ihrem Tisch nachlässig gespielt wird und die meisten Spieler machen ein Rebuy nach dem anderen, wenn sie Blatt für Blatt ihre Chips Verblasen, dann sitzen Sie an einem Tisch, der im Grunde Ihre Chipfabrik ist. Sie sollten ernsthaft erwägen, ebenfalls nachzukaufen. In einem No-Limit-Turnier sollten Sie jeden nachlässigen Spieler wie eine unbewachte Postkutsche betrachten, die bereit steht, um ausgeraubt zu werden.

Wenn Sie allerdings an einem sehr zurückhaltenden Tisch spielen, wo wenig nachgekauft wurde, während von anderen Tischen ständig Rebuy-Rufe herüberschallen (dazu bitte Augen und Ohren offen halten), dann sollten Sie eigene Rebuys vermeiden. Wenn Spieler ausscheiden und Tische zusammengelegt werden, sind Sie zu sehr gegenüber Leuten im Nachteil, die mit Bergen von Chips von anderen Tischen kommen.

Chips ergänzen (Adding-on)
In vielen Rebuy-Turnieren gibt es die Möglichkeit, einmalig Chips dazuzukaufen und zwar während der ersten Pause. Dieses so genannte Add-on kostet so viel wie die Startchips, Sie bekommen aber meist mehr Chips für den Betrag (und die nervende Startgebühr fällt auch nicht noch einmal an). Bei einem 50-und-5-Dollar-Turnier mit 1.500 Startchips bekommen Sie für das Add On von 50 + 0 € dann zum Beispiel 2.000 Chips. Natürlich müssen Sie auch bei einem Add-on wissen, wann die Zusatzinvestition sinnvoll ist.

Wann macht es Sinn, Chips zu ergänzen (Add-on)?
Wenn es auf die erste Pause zugeht, sehen Sie sich um und schätzen Sie die Chipstände der anderen Spieler, auch an den anderen Tischen. Bei sehr großen Turnieren wird der aktuelle Durchschnittschipstand immer auf einem Großbildschirm angezeigt. Ermitteln Sie Ihren relativen Chipstand. Wenn Sie ziemlich genau auf dem Durchschnitt liegen, sollten Sie unbedingt die Möglichkeit zurr Add-on wahrnehmen. Nahezu alle werden es tun und Sie müssen auf gleicher Höhe bleiben.

Kein Add-on – Geld gespart!
Angenommen, Sie hätten etwa 25 Prozent weniger als die Durchschnittsmenge an Chips. Jetzt würde ein Add-on Ihnen nicht genug zusätzlicher Feuerkraft verschaffen, die Sie zum erfolgreichen Vorrücken brauchen (denn alle anderen werden ebenfalls dazukaufen und Sie lägen weiter hinten). Halten Sie das Geld lieber für einen anderen Tag bereit. Ebenso gilt, dass Sie nicht dazukaufen sollten, wenn Sie im Frühstadium schon viele Chips angesammelt (und damit zu den Top 20 der Chipstände gehören) und schieren Terror unter den normalsterblichen Turnierteilnehmern verbreitet haben. Der relativ magere Zuwachs an Chips rechtfertigt einfach nicht die Investition. Warum noch zusätzliches Geld in die Büchse werfen, wenn Sie jetzt schon eine gute Chance haben, ein großes Stück vom Kuchen zu bekommen?

Gewinnstrukturen
Abgesehen von den Startgebühren gehen sämtliche eingezahlten Startgelder des Turniers in den Preispool und werden anhand eines Schlüssels unter den Gewinnern verteilt. Bei Einzeltischturnieren (Turniere mit nur einem Tisch – in der Regel nur online zu finden) sieht die Verteilung meist wie folgt aus: 50 Prozent des Preisgeldes gehen an den Sieger, 30 Prozent an den Zweitplatzierten, der Dritte bekommt 20 Prozent.

Eine Form von Einzeltischturnieren – Satellite genannt -, findet man auch in professionellen Clubs. Es sind Qualifizierungsturniere, bei denen dem Sieger ein Platz in einem größeren (d.h. teureren) Turnier winkt. Zum Beispiel kostet das Hauptturnier der World Series of Poker 10.000 $, aber jeder kann an zahllosen Satellites für je 1.000 $ teilnehmen und hat damit eine preiswerte Chance, sich den Start im prestigeträchtigsten Turnier des Planeten zu erspielen. Es gibt sogar Super-Satellites für 100 $, dabei bekommt der Sieger das Startgeld für ein Satellite für 1.000 $. Es ist ein verdammt weiter Weg bis zum Sieg.

Manchmal bieten Satellitenturniere auch Mehrfachqualifikationen (z.B. die ersten zwei bekommen das Buy-in für das Hauptturnier der World Series!). Bei der Form von Turnier ist es egal, ob Sie Erster oder Zweiter werden. Beide sind beim Big One dabei. In Mehrtischturnieren kommen normalerweise zehn Prozent der Teilnehmer ins Preisgeld, bei 250 Startern werden also 25 Leute in unterschiedlicher Form vom Geldsegen profitieren. Das Schwergewicht liegt dabei auf den ersten drei Plätzen. In Turnieren Mann gegen Mann (Heads-up, ebenfalls eine typische Onlineerscheinung) spielen genau zwei Leute gegeneinander, der Sieger bekommt alles und der Verlierer fragt sich, wovon er sich etwas zum Essen kaufen soll (die Startgebühr beträgt meist fünf Prozent anstatt zehn Prozent, also zum Beispiel 20 $ + 1 $).

Warum Mike Caro Turniere hasst
Was Johnny Cash für Country Musik ist, das ist Mike Caro the Mad Genius of Poker für Pokertheorie. Er machte sich schon früh einen Namen durch seinen Beitrag im bahnbrechenden Buch Super/System. Dem folgte die Pionierarbeit über die äußere Psychologie des Spiels Caro’s Book of Teils, in dem er sich intensiv mit der Körpersprache von Pokerspielern befasste. Neben seinen vielen anderen Publikationen sollte er allein wegen der zwei genannten Bücher immer sofort Gehör finden, sobald er sich zum Poker äußert. Nun raten Sie einmal, was er zu Turnieren sagt: Er hasst sie.

Er führt berechtigterweise an, es gäbe ein Ungleichgewicht bei Turnieren und meint damit im Klartext: Warum bekomme ich am Ende des Turniers nur einen Teil des Preisgeldes, obwohl ich doch alle Chips gewonnen habe? Vom reinen Standpunkt der Gewinnerwartung aus betrachtet hat er Recht. Der Gewinner eines Turniers hat alle Chips, gibt aber etwas von seiner Gewinnerwartung (in Form von Preisgeldern für die Nächstplatzierten) ab. Aus dem Grund spielt er keine Turniere.

Ich bin ein Mathe-Typ und spiele Turniere. Ich betrachte sie sogar als meine Spezialität. Ich mag Turniere wegen der Dynamik und weil ich dort angewandte Spieltheorie betreiben kann. Auf lange Sicht gewinne ich in Turnieren auch mehr als in Cashgames (vielleicht, weil ich bei Tumoren konzentrierter bin und sie weniger langweilig finde, als endlos in Cashgames zu versauern). Aber aus der Sicht eines Puristen hat Mike Recht. Ich sollte keine Turniere spielen.
Wie gut, dass ich kein Purist bin!