Ein Mittleres oder niedriges Paar vor dem Flop haben – Pokerstrategien für fortgeschrittene

Mittlere und niedrige Paare sorgen, wie viele andere Aspekte des Pokerns, für Diskussionsstoff unter den professionellen Spielern. Manche spielen sie gerne aggressiv, aber viele andere, mich eingeschlossen, bleiben konservativ, solange nicht der Chipbestand oder die Position in die Entscheidung mit hineinspielen.

Ich gehe bei niedrigen Paaren immer vorsichtig mit – also bei solchen von 2, 2 bis 6, 6 -, egal, in welcher Position ich sitze, und auch in hinterer Position erhöhe ich nur mit 7, 7 oder 8, 8, wenn vorher niemand mitgegangen ist. Der Grund liegt auf der Hand: Wenn jemand mit Ihnen mitgeht, ist es wahrscheinlich, dass mindestens eine Over-Card auf dem Flop liegt, und Sie haben keine Ahnung, wo Sie stehen. Wenn Sie 2, 2 haben, ist es soear unmöglich, dass es keine Over-Card gibt. Nehmen wir einmal dieses typische Bei-spiel unter die Lupe, um zu sehen, was passiert, wenn Sie mit einem niedrigen Paar erhöhen. Sie sitzen in vorderer Position und haben: 4♥ 4♦

Sie erhöhen ums Dreifache des Big Blinds und hoffen, dass das reicht, um die anderen zum Aufgeben zu bringen. Aber stattdessen gehen zwei Spieler mit und auf dem Flop kommt: A♠ Q♥ 9♥

Sie sind der Erste, der nach dem Flop am Zug ist, was sollen Sie also jetzt tun? Zwei Spieler sind bei der Erhöhung mitgegangen, also müssen Sie annehmen, dass einer von den beiden wahrscheinlich ein Ass oder eine andere hohe Karte wie die Dame auf der Hand hat. Wenn Sie selbst so eine Karte haben und versuchen, damit beeindruckend aufzutreten, werden die anderen mindestens mitgehen, vor allem wenn ein Flush Draw möglich wäre, und dann werfen Sie nur Ihre Chips zum Fenster hinaus. Sie müssen also checken – und damit zeigen Sie Schwäche, auf die die anderen mit Erhöhen reagieren werden, sodass Sie Ihre Hand sowieso wegwerfen müssen. Als Grundregel sollten Sie sich also merken, dass Sie niemals niedrige oder mittlere Paare in vorderer oder mittlerer Position spielen dürfen, in der Meinung, Sie könnten das Spiel damit gewinnen, ohne Ihre Hand zu verbessern.

Was Sie anstrebensollten, ist, dass Sie Ihre Hand zu einem Drilling oder einem Set ausbauen. Aber die Chancen dafür stehen schlecht – über den Flop ein Set zu bekommen gelingt nur bei einem von 7,5 Versuchen. Sie müssen bei solchen Händen vor dem Flop also einfach mitgehen, in der Hoffnung, dass niemand erhöht, sodass Sie den Flop so billig wie möglich zu sehen kriegen. Wenn Sie mitgehen und jemand erhöht nach Ihnen, lassen Sie sich nicht in Versuchung führen, bei dieser Erhöhung auch mitzugehen.

Wenn Sie Ihr Set bekommen, können Sie hoffentlich Kapital daraus schlagen und einen Pot von ansehnlichem Umfang absahnen, der für die durchschnittlichen 7,5 Versuche entschädigen könnte, die Sie gebraucht haben, um Ihre Hand zu bekommen. Aber werden Sie nicht übermütig, wenn Sie Ihre gewünschte Karte bekommen – Ihr Set kann immer noch leicht geschlagen werden, wenn auf dem Flop ein Flush oder Straight Draw liegt, also sollten Sie unter diesen Umständen versuchen, solche Spieler, die möglicherweise mit Ihnen mitgehen könnten, frühzeitig durch Ihre Wette abzuschrecken.

Eine der am meisten versprechenden Hände im No-Limit Texas Hold’em kann es sein, wenn Sie vor dem Flop mitgehen und Folgendes passiert:
Sie haben: 2♣ 2♦
Auf dem Flop kommt:
K ♣ 2♥ K♥

Mithilfe des Flops haben Sie Full House bekommen, und obendrein ist Ihre Hand nur sehr schwer zu erraten. In dieser Situation hoffen Sie, dass mindestens einer der anderen Spieler einen König hat und meint, ein tolles Blatt zu haben. Sie könnten auch einen Spieler, der nur noch eine Karte zu einem Flush mit ♥ braucht, davon überzeugen, schön mitzuzocken. Wenn der Spieler mit dem König nach dem Flop massiv wettet, dann gehen Sie mit. Wenn er nach dem Turn weitermacht, dann gehen Sie All-In. Sie müssten schon wirklich extremes Pech haben, wenn er ein Paar bekommt, mit dem er ein höherwertiges Full House zustande kriegt als Ihres – und noch krasseres Pech, wenn sich heraussteilen sollte, dass er einen Vierling mit Königen hat.

Eben das ist dem WSOP-Champion von 2003, Chris Moneymaker, bei der European Poker Tour in Kopenhagen passiert, aber das ist wirklich sehr selten, und meistens dürften Sie gutes Geld machen, wenn Ihr niedriges Paar mit dem Flop zum Full House wird.

Auch wenn Sie mit einem niedrigen Paar in hinterer Position sitzen und die anderen aufgegeben haben, versuchen Sie nicht, die Blinds zu stehlen, indem Sie erhöhen. Manch-mal geben die Blinds auch auf, aber manche Spieler verteidigen Ihren Big Blind und gehen mit, und dann sind Sie in der dummen Lage, dass Sie nicht wissen, wo Sie nach dem Flop stehen.

Mittlere Paare wie 7, 7 oder 8, 8 sind da schon etwas schlagkräftiger, und angenommen, vor mir hat niemand erhöht, dann erhöhe ich selbst. Wenn jedoch jemand nochmals erhöht, gebe ich auf, und wenn ein Spieler mitgeht, werde ich nach dem Flop sehr auf der Flut sein. Eine häufige Situation, die Sie so bald wie möglich wiedererkennen sollten, ist die, dass Sie sich einem höheren Paar gegenübersehen.
Angenommen, Sie haben: 8♣ 8♦
Und Ihr Gegner hat: 10♣ 10♥
Auf dem Flop kommt: 2♦ 5♥ 7♣

Sie haben vor dem Flop erhöht und Ihr Gegner ist mitgegangen, aber Sie stellen schon mal befriedigt fest, dass auf dem Tisch keine Karte liegt, die höher wäre als Ihre Achter. Sie erhöhen wieder ein bisschen, denn Sie wollen den anderen Spieler ja rauswerfen, bevor er noch das dazubekommt, was Sie für seine Over-Card halten, also ein Ass oder einen König. Aber er erhöht nochmals, denn – was Sie nicht wissen können – er hat 10, 10. Viele Anfänger werden nicht glauben wollen, dass jemand ein besseres hohes Paar haben könnte als sie, und gehen dann prompt noch einmal mit. Und am Ende haben sie den Salat, weil es sehr unwahrscheinlich ist, dass sie nach dem Flop noch ein Set machen werden (die Chance liegt beim Turn bei 6 Prozent, beim River noch ein bisschen darunter).

Diese Strategie beim Spielen von niedrigen und mittleren Paaren erledigt sich allerdings von selbst, wenn Sie nur noch wenige Chips haben und dringend verdoppeln müssen. In diesem Fall müssen Sie in den sauren Apfel beißen und All-In spielen. Solange das reicht, um andere Spieler mit vielen Chips davon abzuschrecken, mitzugehen, müssen Sie hoffen, gegen zwei Over-Cards zu spielen, womit Sie eine Chance von 60:40 hätten zu gewinnen. Wenn die Blinds aber bei 400-800 liegen und Sie nur noch 1200 Chips haben, wird Ihr All-In die anderen mit dem bequemen Chipvorrat nicht erschrecken, und sie werden mitgehen. Damit sinken Ihre Chancen gleich wieder beträchtlich, denn jede Over-Card verhilft einem Ihrer Gegner wahrscheinlich zu einem Paar. Eine andere Gelegenheit, bei der Sie niedrige oder mittlere Paare spielen sollten, ist die, wenn nur noch sehr wenige Spieler am Tisch sitzen (denn die Chancen, dass jemand eine ordentliche Starthand hat, mit der er mitgehen könnte, sind hier geringer).

Oder wenn Sie auf dem ersten Platz hinter den Rängen liegen, für die noch Geld ausgezahlt wird – denn dann können Sie es sich leisten, Druck auf die Spieler auszuüben, die es nicht riskieren wollen, bei einer Erhöhung mitzugehen, wenn Sie keine richtig tolle Hand haben. Denken Sie immer daran, solange die anderen zwei Over-Cards haben, aber kein höheres Paar, haben Sie eine Gewinnchance von 60:40. A, K mag ja hübsch aussehen, aber 2, 2 wird diese Hand fast immer schlagen.

PokerStars-Tipps
Chris Moneymaker, World Series of Poker- Champion 2003, PokerStars-Team:
Wenn Sie als Starthand ein Paar haben (z. B. 8, 8), können Sie mitgehen, wenn Sie das weniger als ungefähr ein Fünfzehntel Ihrer Chips kostet. Angenommen, Sie haben 1000 Chips, dann gehen Sie mit, falls es Sie weniger als 60, 70 Chips kostet. Sie verfolgen das Ziel, über den Flop ein Set oder ein Over-Pair zu bekommen. Wenn Sie das jedoch nicht kriegen, steigen Sie aus. Falls Sie mit dem Flop ein Set bekommen, dann versuchen Sie, alle Chips in die Mitte zu schieben. Wenn Sie ein Over-Pair bekommen, könnten Sie vielleicht All-In gehen, vielleicht auch nicht. Bleiben Sie immer vorsichtig.