Die Chipmenge bestimmen und als Vorteil nutzen Teil II – Poker Turnierstrategien

Die Chipmenge bestimmen und als Vorteil nutzen Teil I

Aus wenigen Chips mit Kung Fu mehr machen
Wenn Sie ein Turnier beliebiger Größe sowohl Limit als auch No Limit – spielen und in der unvorteilhaften Situation sind, weniger Chips zu haben (sagen wir 30 % weniger als der nächste Wettbewerber am Tisch), ist eine Sache besonders wichtig: nicht in Panik geraten. In so einer Situation passiert es leider zu häufig, dass Spieler zu schnell die Hoffnung verlieren und mit Blättern spielen, die sie in lukrativeren Phasen ohne zu überlegen wegwerfen würden (so wie mit niedrigen gleichfarbig verbundenen Karten in Holdem all in zu gehen). Bleiben Sie ruhig. Ja, die Chancen stehen gegen Sie, und der Chipstapel ist wahrlich niedrig. Aber es hilft nicht, jetzt durchzudrehen, und oft genug (ja, es passiert wirklich oft genug) schafft man es zurück in die Ränge, während rundherum viele andere Spieler untergehen. Weil die Gegner mit den hohen Chiptürmen erwarten, dass Sie ausflippen werden, gehen sie bei Ihnen und Ihrem Ministapel viel häufiger mit. Deswegen müssen Sie zurückhaltender werden und warten. Nur qualitativ gute Blätter spielen und niemals versuchen, Blinds zu stehlen (es sei denn, Sie sind allein gegen jemand, der Konfrontationen scheut).
Das bedeutet nicht, dass Sie selber schüchtern werden sollen. Nein, nein, betrachten Sie die Zeit der Zurückhaltung wie eine Verpuppungsphase. Sie sitzen in Ihrem Kokon wie eine leicht verwundete Raupe.

Nach dem Schlüpfen wollen Sie ein chipfeuerndes Monster werden (denken Sie an Mothra, das japanische Filmmonster mit der überdurchschnittlichen Intelligenz und den telepathischen Fähigkeiten). Wenn Sie eine gute Hand bekommen, setzen Sie etwas stärker als gewöhnlich. Sie müssen aufholen und wollen, dass die Spieler hinter Ihnen Sie respektieren und entweder aussteigen oder mitgehen, damit Sie deren Chips auf Ihren Haufen werfen können, wenn Sie gewinnen. Aber behalten Sie Ihre Chipmenge im Auge. Sie brauchen ausreichend Munition, um den Gegner anzugreiten und einschüchternd zu wirken. Wenn Sie zu lange mit dem Angriff warten, gehen andere mit, schlicht weil Sie unabhängig davon, wie viel Sie setzen, keine unmittelbare Bedrohung für deren Chipstapel darstellen. Die Möglichkeit zum Nachkaufen ermutigt zu lockerem und leichtsinnigem Spiel: Hey Alter, wenn ich mit diesem Blatt rausfliege, kann ich immer noch nachkaufen. Das bedeutet, dass Ihre Bad Beats zunehmen werden. Denken Sie an Reds Gesetz: Jeder Dummkopf mit ausreichend Kohle in der Tasche kann einen vernünftigen Spieler, der nur einmal Chips kauft, aus dem Turnier werfen (ein Dummkopf zu sein, erhöht allerdings nicht die Chancen, das Turnier insgesamt zu gewinnen).

Kung Pao mit wenig Chips (wenn es für Kung Fu nicht reicht)
Kung Fu mit wenigen Chips funktioniert gut, wenn Sie No Limit- oder Pot Limit-Einsätze platzieren können. Bei festem Limit – sei es Holdem, Omaha oder Seven-Card Stud – ist die Situation anders. Sie haben viel leicht nicht genügend Chips, um einen anderen Spieler ernsthaft zu bedrohen. Selbst mit einer Superaggression können Sie nur eine Reihe gleich hoher Einsätze platzieren. Sie brauchen jetzt ein gutes Blatt, was Sie bis zum Ende anspielen können. Wenn Sie im Holdem auf dem Flop ein Paar haben und das Board keine Gefahr darstellt, spielen Sie an und spielen Sie durch bis zum Schluss. Sie brauchen diese Turnierchips auch bei festem Limit. Wenn Sie bei Omaha den Ansatz zum/zur bestmöglichen Flush/Straight haben, einen beliebigen Drilling oder zwei Paar, dann spielen Sie an und durch bis zum Schluss. Im Stud spielen Sie jedes höhere Startpaar und gehen Sie bei mittleren Paaren mit. Kung Pao ist sicher nicht so bedrohlich wie Kung Fu, aber wenn Sie Turnierchips ansammeln müssen, ist es die einzige Methode.

Die Grundlagen des Nachkaufens
In einem Re-Buy-Turnier können Sie immer dann nachkaufen, wenn Sie unter Ihren Anfangs- Chipstand fallen (obwohl einige Seiten das Nachkaufen jederzeit erlauben). Sie bekommen für einen Nachkaufbetrag normalerweise exakt die gleiche Menge an Chips wie für das Startgeld; wenn Sie also für $ 5 Startgebühr 1.500 Chips bekommen haben, erhalten Sie die auch für den Nachkaufbetrag von S 5.

Die bösen Kräfte des Nachkaufens
Damit Sie einen Eindruck bekommen, welche Formen Re-Buy-Turniere annehmen können, hier ein Beispiel; Ein $ 5-Turnier einer großen Pokersite hatte 600 Teilnehmer, die je $ 5 Startgeld zahlten. Es gab 950 Re-Buys und 300 Add-ons. Diese Zahlen sind sehr typisch. Gute Nachrichten für den Geldbeutel der späteren Gewinner, schlechte Neuigkeiten für diejenigen, die mit einem Einzel-Buy-in durch das Turnier schleichen wollten. Das Turnier hatte doppelt so viele Re-Buys und Add-ons kombiniert wie Startgeldzahlungen. In . der Konsequenz war das Spielerfeld also quasi drei Mal so groß wie angegeben, und jeder Spieler hatte sozusagen eine Doppelchance, jeden beliebigen Gegner aus dem Turnier zu kicken. Chips zum Nachkaufen bekommt man, wenn man auf das Chipfach des Karten-gebers klickt (oder auf einen entsprechenden Schaltknopf . Wenn man aus dem Turnier fliegt, fragt das Programm in kundenfreundlicher Weise per Dialogfenster, ob man nachkaufen möchte. Ist die Antwort Nein oder dauert die Entscheidung zu lange: Finito! Die Re-Buy-Entscheidung hangt zum großen Teil von der aktuellen Situation ab. Wenn das Spielvermögen an Ihrem Tisch unterdurchschnittlich ist und Sie nicht weit vom Durchschnittschipwert entfernt stehen, lohnt sich das Nachkaufen meist.

Sie haben damit eine gute Chance, weitere Chips anzusammeln. Wenn die Gegner allerdings stark sind und auch der Nachkauf Sie nicht wieder in eine komfortable Chipposition bringt (oft aufgrund eines sehr wilden Spiels und eines verrückten Nachkaufens bei den anderen), sollten Sie aufhören und es an einem anderen Tag neu versuchen. Es gibt zwei Grundmeinungen zum Thema Wann soll man nachkaufen?:
– Kaufen Sie nach, wenn Sie etwa 30 % weniger Chips haben als der Chipkönig am Tisch.
Die zugrundeliegende Idee lautet: Wenn Sie anschließend eine gute Hand bekommen, brauchen Sie ausreichend Feuerkraft, um damit zu kapitalisieren. Dieser Gedanke hat seine Berechtigung, besonders in No Limit-Spielen, weil Sie dort so viel setzen können, wie Sie wollen, und im Gewinnfall richtig abräumen.
– Erst nachkaufen, wenn alle Chips weg sind. Vielleicht bekommen Sie eine Glückssträhne und müssen nicht nachkaufen. Ein anderer Grund ist die starke Kraft des all in. Wenn Sie alles reingeschoben haben, kann Sie niemand mehr aus dem Pot bluffen, und Sie sehen die restlichen Karten sozusagen gratis. Und wenn sich andere bekämpfen, während Sie geduldig warten, ist das umso besser. Die Hand, die Sie schlagen könnte, kickt vielleicht einen anderen Spieler raus.

Wann man das Add-on nehmen sollte
Während der ersten Pause eines Mehrtischturniers (gewöhnlich nach einer Stunde) fragt das Programm, ob ein Add-on zu den Chips gewünscht wird. Das Add-on beträgt üblicherweise genauso viel wie das Startgeld, aber man erhält mehr Chips. Diese Chance gibt es im Turnier einmal, und nach Ablauf der Pause ist sie weg. Wenn Sie zum Start für $ 5 sagen wir 1.500 Chips bekommen, gibt es für den Add-on-Belrag etwa 2.000. Rein ökonomisch betrachtet sind Add-ons ein gutes Geschäft, weil man pro Chip weniger zahlt. Oberflächlich sieht es oft so aus, als müssten Add-ons in jedem Fall getätigt werden, damit man wettbewerbsfähig bleibt (andere Spieler tun es schließlich auch!). Aber es bedeutet nicht notwendigerweise, dass man Add-ons immer wahrnehmen sollte. Und es hat den üblen Nebeneffekt, dass die Kosten für das Turnier sich mindestens verdoppeln (Re-Buys nicht mitgerechnet). Folgen Sie einer einfachen und trotzdem machtvollen Faustregel, was die Add-ons betrifft:

Kaufen Sie dann und nur dann, wenn Sie nach der Add-on-Phase unterdurchschnittlich viel Chips hätten und Sie durch das Add-on etwa 10 % über den Durchschnitt kommen. Ansonsten sollten Sie nicht nachkaufen. Die große Mehrheit der Spieler bei Re-Buy-Turnieren nutzt das Add-on. Wenn Sie eine Durchschnittsmenge an Chips haben, erwarten Sie, im Anschluss der Add-ons (eventuell sehr) unterdurchschnittlich dazustehen. Wenn jeder dazukauft und Sie nicht, haben alle mehr als doppelt so viele Chips, während Sie wartend dasaßen. Einen überdurchschnittlichen Chipstapel zu haben, bedeutet manchmal nicht sehr viel, denn im fortgeschrittenen Turnier helfen zusätzliche Chips nicht, den Stapel bedeutend genug zu verstärken – besonders in Pot Limit- oder No Limit-Turnieren. Wenn Sie die Kosten eines Turniers im Geiste einschätzen, sollten Sie immer ein mögliches Add-on mit einkalkulieren, denn jeder andere wird die Möglichkeit wahrnehmen.