Der Flop ist der nächste wichtige Schritt, Quoten – Internet Poker Grundlagen

Die Quote (Odds) am Pokertisch ist das Verhältnis unseres jeweiligen Einsatzes zur Summe der Einsätze im Pot. Wir haben drei Gruppen zu berücksichtigen:
■ Potquote
■ Einsatzquote
■ Indirekte Quote

Die Potquote ist die Summe der Chips, die sich aus der oder den Vorrunden bereits im Pot befindet im Verhältnis zu dem von uns geforderten Einsatz. Die Einsatzquote ist die Summer der Chips, die in der jeweiligen Runde von den Spielern erbracht wird, wiederum im Verhältnis zum verlangten Einsatz. Hier müssen wir bereits mit einem unbekannten Faktor kalkulieren, entsprechend unserer Position am Tisch. Sitzen wir am Dealerbutton und sind somit der Letzte, der spricht, dann ist dieser Faktor zu 100% bekannt; es sei denn, es ist eine Erhöhung vorgenommen worden, und wir wissen natürlich noch nicht, wie viele davon folgen werden. Sitzen wir jedoch in früher Position, dann können wir nur durch die Erfahrungswerte aus vorangegangenen Spielen spekulieren, wie viele Spieler möglicherweise einen Einsatz erbringen werden.

Die indirekte Quote ist die Summe der Einsätze aus der nachfolgenden Runde im Verhältnis zum Einsatz. Hier ist der Faktor des Unbekannten in jedem Fall wesentlich größer als bei der Einsatzquote, da das Mitgehen nach dem River letztendlich vom erzielten Blatt abhängt. Auch riskante Spieler werden am River, von gelegentlichen Bluffs natürlich abgesehen, mit Karten passen, die ihnen überhaupt keine Gewinnchance einräumen. Während wir also die Potquote als feststehenden Faktor kalkulieren und die Einsatzquote annähernd schätzen können, so werden wir die indirekte Quote nur in den seltensten Fällen berücksichtigen. Und zwar nicht nur, weil sie uns unbekannt ist – letztendlich können wir davon ausgehen, dass einige Chips wohl gesetzt werden -, doch ignorieren wir sie bei der Berechung auch zur Abdeckung des Risikos, dass wir trotz gut gekauftem Turn oder River von noch besseren Karten geschlagen werden. Die indirekte Quote hat nur dann einen Einfluss, wenn unser zu erwartendes Blatt ein, aller Wahrscheinlichkeit nach, unschlagbar werden kann.

Der nächste Schritt ist nun der Vergleich der Kaufwahrscheinlichkeit mit den Quoten. Im erstgenannten Beispiel ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir ein zweites Ass kaufen, 1 zu 22,5. Wenn wir also einen kleinen Einsatz erbringen sollen, dann lohnt sich dieser nur, wenn Potquote + geschätzter Einsatzquote zumindest 23 Stück betragen würden, was, auf Grund der limitierten Anzahl von Spielern, natürlich ausgeschlossen ist. Ergo: Wir passen!

Im zweiten Fall kamen wir auf einen Faktor von 8,4. Hier rechnet sich ein Einsatz, wenn Potquote + Einsatzquote 9 Stück betragen. Im dritten Fall, es waren 2,13, erzielen wir den rechnerischen Vorteil bereits bei weniger als 3 Einsätzen im Pot.

Nehmen wir ein weiteres Beispiel, ähnlich einem bereits besprochenen, aber noch etwas günstiger: Sie sitzen am Dealerbutton! Fünf Spieler haben einen Einsatz erbracht, dann wurde von Small Blind erhöht, zwei Spieler haben gepasst, somit sind noch drei aktive Spieler am Tisch und die Summer der Einsätze der ersten Runde beträgt 8. Sie halten QO – 100 in der Hand mit folgendem Flop:
3♦ – 9♦ – J♣

Welche Karten sind es, die Ihnen hier zur Verbesserung des Blattes verhelfen?
■ Jedes Karo macht Ihnen ein Flush. Von den 13 Karos sind 4 bereits verteilt, also verbleiben: 9
■ Sie haben einen beidseitig offenen Straßeneingang. Das sind drei 8 (alle Karos haben wir bereits gezählt) und drei K. Also: 6
■ Zwar wird Sie eine 10 nicht beglücken – Sie müssen davon ausgehen, ein Paar J zu schlagen -, doch gewiss hilft Ihnen eine Q.
Eine, in Karo, halten Sie in der Hand, also verbleiben: 3
9 + 6 + 3 = 18. Also, 18 Outs! 52 – 5 – 18 = 29. Und somit ist die
Wahrscheinlichkeit: 18 zu 29 oder 1 zu 1,6.

Was immer passiert, in diesem Fall gehen Sie natürlich mit. Passt einer der beiden Spieler, dann sind 8 Stück im Pot + 1 Einsatz = 9. Ihre Quote (Potquote + Einsatzquote): 1 zu 9. Selbst wenn der erste Spieler einen Einsatz bringt und der zweite erhöht, dann sind es 8 + 3 (davon ausgehend, dass der erste Spieler passen wird, was er aber vermutlich nicht tun wird) = 11! 2 zu 11 = 1 zu 5,5 – also immer deutlich besser als die Kaufwahrscheinlichkeit von 1 zu 1,6.

Die meisten Spieler, die einen Einsatz erbringen, gehen danach auch bei zumindest einer Erhöhung mit. Setzen im gegebenen Fall also beide und Sie erhöhen, dann können Sie erwarten, dass beide wiederum mitgehen werden. Somit steht Ihr zweiter Einsatz im Verhältnis 1 zu 2, die Einsatzquote kalkulierend, und somit deutlich besser als 1 zu 1,6, Ihre Kaufwahrscheinlichkeit. Das Kalkulieren der Outs und Odds (Quoten) mag anfangs als sehr aufwändig erscheinen. Doch im Laufe der Zeit werden Sie mit den meisten Situationen so vertraut sein, dass sie nicht eigens nachrechnen müssen. Außerdem ist es natürlich keineswegs notwendig, die Wahrscheinlichkeit auf die Dezimalstelle genau zu kalkulieren. Immer genügt der annähernde Wert. Allerdings sollten Sie sich dabei niemals zur Leichtsinnigkeit motivieren lassen. Auch wenn uns der annähernde Wert ausreicht, so sollte die Pot- bzw. Einsatzquote immer über der Wahrscheinlichkeit liegen. Wenn immer Sie aus Risikofreude eine schlechte Quote akzeptieren, spielen Sie gegen Ihren eigenen Vorteil – gegen Ihr eigenes Geld!

In weiterer Folge werden wir uns mit der Strategie des Spiels in den einzelnen Phasen natürlich noch näher auseinander setzen. Vorläufig verbleiben wir beim Einschätzen der Wahrscheinlichkeit, und nach dieser orientieren wir uns auch, wenn wir uns mit der Entscheidung befassen, ob wir checken oder einsetzen, passen, mitgehen oder erhöhen sollen. Sind wir der berechtigten Annahme, dass unser Blatt das beste am Tisch ist, dann bringen wir einen Einsatz bzw. erhöhen. Erhöht ein anderer Spieler nach uns, dann müssen wir versuchen abzuschätzen, mit welchen möglichen Karten er diese Erhöhung vornimmt. Mit der Spielweise des Gegners vertraut zu sein ist hier die beste Unterstützung. Im Zweifelsfall ist immer Vorsicht geboten!